kwietsche3 – 15. Januar 2008 – 9:43
Die weltweite Finanzkrise zieht weiter ihre Kreise und beschäftigt nach wie vor die Finanzszene. Die Daten und Faktenlage spricht mehrheitlich dafür, dass sich die Probleme eher verschlechtern denn verbessern. Dabei können auch Meldungen über so genannte Rettungsfusionen (BoA und Countrywide) die Märke nicht beschwichtigen. Jüngste Hiobsbotschaft: Merill Lynch muss vermutlich noch einmal 15 Milliarden Dollar abschreiben. Derweil spielen die US-Börsen bereits Rezession.
Die Technik
Das Unterstützungsbündel im DAX zwischen 7.777/25 ist, wenn zurzeit auch nur marginal, gefallen. Damit ist formaltechnisch ein Kursziel von 7.450 Punkten aktiviert und entspricht dem Reaktionstief von Ende November. Jetzt kann nur noch der 200-Tagedurchschnitt (7.688) das Ruder herumreißen. Bis dahin sind es nur noch 29 Punkte.

Derweil bleibt im Wochenchart immer noch die Frage offen, ob die übergeordnete Bewegung seit Juli als Konsolidierung im Aufwärtstrend (Bullenflagge) einzustufen ist oder eine große Topformation wird. Auf der Unterseite rückt nun immer mehr das Thema untere Dreieckslinie bei aktuell 7.560 Punkten in den Fokus. Hier, spätestens um das Novembertief sehe ich zunächst das Restrisiko in dem laufenden Abwärtsimpuls.

Das Sentiment
Die Bereinigung im taktischen animusX®-Sentiment kommt voran. Mit Werten von aktuell -40% nähert sich das Sentiment seiner überverkauften Extremzone. Ob wir dann ein Dreh aus dem Stand bekommen oder sich zunächst Divergenzen bilden, kann noch nicht gesagt werden. Dennoch, mit ein zwei schwächeren Tagen im DAX wird es aus sentimenttechnischer Sicht sicherlich wieder interessant. Erst recht, wenn der DAX eines der zuvor genannten charttechnisch wichtigen Niveaus erreicht hat.

Das strategische animusX®-Sentiment verliert in der konsolidierten Betrachtung marginal wenngleich es sich seit sechs Wochen in einer leichten Aufwärtsbewegung befindet. Hierfür sind maßgeblich die privaten Investoren verantwortlich. Sie trauen dem DAX auf Sicht der kommenden drei Monate wesentlich mehr zu als die institutionellen Investoren. Beide Investorengruppen verhalten sich derzeit absolut diametral in ihrer mittelfristigen Einschätzung. Der Subindex der Profis markiert gerade erst ein neues 52 Wochentief. Ein Blick hinter die Kulissen aber zeigt, dass das Commitment nicht sonderlich hoch ist. Bei beiden Investorengruppen ist die Anzahl mittelfristig unentschlossener Investoren recht hoch was auch in der konsolidierten Betrachtung zum Ausdruck kommt.


Nachdem letzte Woche noch Shorts out waren, kommen sie aktuell wieder in Mode. Die durchschnittlichen Shortquoten haben sich von ihrem durchschnittlich neutralen Level gelöst und erreichen nun wieder Werte um 8%. Jetzt dürfen die Investoren nur nicht enttäuscht werden, andernfalls droht Eindeckungsbedarf.
Letzte Woche schrieb ich:
„Das Lager der Unentschlossenen ist mit rund 45% sehr gut gefüllt. Ein Volaimpuls steht bevor – die Seite ist aber grundsätzlich unklar. Es bedarf nun eines Zündfunkens um diese „Masse“ zu mobilisieren. Das würde einen Impuls beim DAX beschleunigen beziehungsweise dynamisieren. Gegebenenfalls kann die Nackenlinie einen solchen Zündfunke darstellen.“
Ein etwaiger Zündfunke könnte natürlich auch ein Fehlsignal darstellen. Heißt, kommt jetzt mit Bruch der Nackenlinie (7777/25) kein sonderlicher Druck auf und der DAX negiert dieses Signal schnell wieder, heißt es für einige Investoren Holland in Not. Entsprechend den animusX®-Ratios könnten die ersten Stopps mit einem Überschreiten von 7.710 Punkten
fliegen.

Fazit
Die technische Wochenkonstellation lastet weiterhin auf dem DAX. Es scheint, als würde die vermeintliche Bullenflagge zunächst noch einmal hin zur Unterseite - wenigstens jedoch die untere Dreieckslinie - auf Bestand getestet. Die Anzeichen sprechen dafür, dass dann auch von sentimenttechnischer Seite der Markt wieder interessant und reif für eine Gegenbewegung wird. Eventuell werden die Quartalszahlen von wichtigen Investmentbanken diese Woche noch einmal für größeren Druck und damit einer abschließenden Südbewegung des kurzfristigen Sentiments sorgen. Das Restrisiko beziffere ich in der aktuellen Bewegung auf 7.450 Punkte, wollte dieses aber nicht ausreizen. Spätestens ab 7.560 Punkten lohnt sich zunächst auf kurze Sicht vermutlich wieder ein antizyklischer Einstieg auf der Longseite. Die strategische Sichtweise wird auf neutral verändert und die taktische Einschätzung ändert sich ebenfalls auf neutral und mit einem eventuellen Erreichen von 7.570 Punkten auf positiv.