Wolfram – 23. Januar 2008 – 16:17
Trotz der massivsten Zinssenkung der letzten 16 Jahre bleibt die Volatilität an den Aktienmärkten hoch und sie notieren derzeit etwa auf dem Niveau von vor der Zinssenkung.
Anleger aller Klassen streiten seit Jahren darüber, ob ein Anstieg der Kurse gerechtfertigt sei oder nicht.
Meines Erachtens vergessen dabei nahezu alle diskussionswütigen Anleger, ob nun Fondsmanager, Börsenbriefschreiber, Trader oder Vermögensverwalter, dass man zwar über gerecht und ungereht streiten kann, jedoch nicht über die tatsächlichen Kapitalflüsse.
Man muss aus dem Börsenhandel keine Wissenschaft machen, sondern sollte "back to the roots" ganz einfach schauen, wie die Kapitalströme ausschauen, denn nur diese sind jeweils aktuell und gegenwärtig relevant.
Alles andere ist mehr oder weniger philosophisch bzw. für langfristige Investoren gedacht.
Wir müssen nicht diskutieren, ob eine Zinssenkung gut oder schlecht ist, wir müssen nicht debattieren, ob der Immobilienmarkt, die Verschuldung der USA, ein schwacher Dollar, die hohen Rohölpreise oder die Politik von George Bush Schuld hat an den fallenden Kursen, wir müssen uns anschauen, wie die breite Masse die Informationen wahrnimmt.
Die Daten, die wir bekommen zum Haushalt und der Wirtschaftslage sind für alle gleich.
Nur die Interpretation und Schlussfolgerung divergiert erheblich bei den unterschiedlichen Marktteilnehmern und letztlich ist es die Wahrnehmung, die über Kauf oder Verkauf bestimmt.
Als gestern die Zinsen gesenkt wurden haben viele dies zum Kaufen genutzt, doch bedenken Sie auch, dass es auch viele gab, die dies zum Verkaufen genutzt haben, denn sonst wäre kein Handel zustande gekommen.
Wir haben ein negatives Sentiment, so negativ, wie seit 2002 (Herbst) nicht mehr. Wir haben augenscheinlich niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse und wenn man sich die Renditen von Aktien und Renten anschaut, so erscheinen Aktien attraktiver verzinst zu sein.
Doch es gibt nun einfach Phasen, in denen die Masse der Anleger nicht auf Ertrag aus ist, sondern auf Sicherheit.
Eine solche Phase haben wir, mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt, seit 2004.
Während der gesamten Hausse wurden Unsummen aus Aktienfonds abgezogen. Das ist untypisch, denn normalerweise steigen die Mittelaufkommen mit steigenden Kursen und der Dauer einer Hausse an.
Die Risikoaversion ist so groß, dass Anleger ihr Kapital aus Aktien abziehen und es in festverzinsliche Papiere stecken.
Rein von der Rendite her ist der Aktienmarkt eigentlich attraktiver, als der Rentenmarkt und eine Überbewertung liegt gemäß KGV-Ansatz eher bei den Renten vor.
ABER es ist eben nicht immer so einfach, dass die Gier regiert, sondern manchmal hat Sicherheit Vorrang und dann sind die Kapitalströme entsprechend.
Das mag sich langfristig auch alles in Richtung der attraktiveren Verzinsung bewegen, kurzfristig sind negative kapitalströme aber belastend für die Aktien, denn einmal ist die Cashsituation der Fonds angespannt, was wiederum die Vola erhöht.
Dann bedeutet eine erhöhte Vola wieder ein umso schwierigeres Umfeld für Privatanleger, aber auch für Fonds, denn nach den Erfahrungen der Baisse 2000-2002 (USA) gibt es bei vielen Fonds sogenannte Vola-Stops.
Das ist einer der Hauptgründe, warum systembasierte Fonds, vornehmlich Hedge-Fonds während des Bullenmarktes phasenweise sehr schlecht performten.
Kleine Abstürze im Markt, die sich bei einfachem Buy and Hold nicht negativ bemerkbar machen, wirken sich bei solchen Strategien fatal aus, denn die Fonds werden relativ weit unten aus den Positionen gekegelt und müssen oben wieder rein.
Ähnlich verhält es sich mit dem Asset Value Modell, welches mir bei der Prognose der übergeordneten Aktienmarkt-Tendenz behilflich ist.
Dieses System nimmt letztlich die Kapitalströme zwischen den Märkten wahr und deckt Missverhältnisse auf.
So kommt es, dass das Asset Value Modell seit 02. Oktober, als einige vollmundig zum großen Einstieg geblasen haben, auf "Verkaufen" steht.
Damit sich dies ändernt müssen die Kapitalströme sich umkehren und das wird seine Zeit benötigen.
Während sich also einige immer an die niedrigen Bewertungen klammern und andere fortwährend von der enormen verschuldung sprechen sollte man sich einfach von der philosophischen Seite abwenden und letztlich einfach die Verhältnisse zwischen den Märkten in Form der Kapitalströme wahrnehmen.
Diese waren in den letzten Monaten negativ aus Sicht der Aktien.(und sind es bis jetzt)
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und gute Nerven in diesem Umfeld!
mit freundlichen Grüßen
René Wolfram
www.market-timing.de