kwietsche3 – 29. Januar 2008 – 9:52
+ + + Deutscher Aktienindex registriert den höchsten prozentualen Verlust seit den Terroranschlägen 2001 + + + Panik regiert den Markt + + + Fed sieht sich gezwungen, eine außerplanmäßige und im historischen Kontext verhältnismäßig hohe Leitzinssenkung von 75 Bp durchzuführen + + + Mediale Begleitung erreicht neue Formen + + + 4,9 Mrd. EUR Verlust durch einen einzelnen Händler + + +
Die Technik
„Derweil bleibt im Wochenchart immer noch die Frage offen, ob die übergeordnete Bewegung seit Juli als Konsolidierung im Aufwärtstrend (Bullenflagge) einzustufen ist oder eine große Topformation wird.“ Keine Frage - das Kursbild sieht verheerend aus! Die letzte Woche angesprochene Konsolidierung seit Juni 2007 mündete nicht in eine Bullenflagge. Dieses Szenario ist spätestens mit dem Bruch der 7040er Marke ad acta zu legen - neue Überlegungen stehen an.
Der DAX arbeitete sehr schnell und dynamisch den Ausbruch aus der oberen Konsolidierungszone nach unten hin ab. Formaltechnisch waren Kurse von rund 6400 Punkten zu erwarten. Dass sich dieses Kursziel auch noch mit anderen Studien deckte (Unterstützungen, quantitative Sichtweise etc.) machte die 6400er Region umso interessanter. Bislang hat sie gehalten und die ersten Investoren sind sich einig: Das war es! Keine Frage, die Chance auf eine kurzfristige Gegenbewegung ist sehr hoch. Ist hier bereits von einer längerfristigen Kaufgelegenheit zu sprechen? Nachdem es keine Bullenflagge im DAX geworden ist bleibt ja immer noch die Frage nach einer Topbildung mit anschließendem Bärenmarkt offen. Und um diese Frage beantworten zu können ist es meines Erachtens noch zu früh. Es mangelt noch an deutlichen Umkehrmustern. Zwar kann es auch zu einer V-Umkehr kommen, jedoch würde ich diese Tage nicht darauf wetten. Klarere Signale müssen her. Auch ein Blick auf Dow & Co. verheißt nichts Gutes. Wie in Europa sehen auch hier die Kursbilder alles andere als beruhigend aus. Zwar konnten sich die Indizes ebenfalls auf bzw. in der Nähe von wichtigen Niveaus stabilisieren, jedoch wird dieser Tage eine Sache überhaupt nicht thematisiert: Obere Umkehr in Form einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Derzeit hört man eher Sätze wie Einstiegschancen, gute Gelegenheit und ähnliches…. Eines darf nicht vergessen werden, die primären Aufwärtstrends seit 2003 sind gebrochen und diesen Signalen gingen vermutlich obere Umkehrformationen voraus:


Während bei den US-Indizes Schulter-Kopf-Schulter-
Formationen zu identifizieren sind, fallen beim DAX und
EuroStoxx 50 Dreiecksbewegungen auf:


Jede Form einer Aufwärtsbewegung stellt für mich aktuell ein Pullbackszenario dar. Formaltechnisch kann eine solche Reaktion bis in den Bereich von 7040/190 Punkten führen - und das haben wir fast schon gesehen. Dann erst kommt die Stunde der Wahrheit. Gelingt dem DAX ein nachhaltiges Rebreak, steigen die Chancen auf weitere Kursgewinne. Andernfalls ist mit einem weiteren Test der Südseite - einer ABC-Korrektur zu rechnen.

Die Devise könnten fortan lauten: Sell the rallies. Und hier sind sich die Investoren gemäß der Sonderumfrage nicht einig. In der konsolidierten Betrachtung wird deutlich, dass nur noch 44% der Meinung sind „buy the dips“ werde auch weiterhin richtig sein. Dass ab sofort „sell the rallies“ das Motto lautet glauben hingegen 40% während 16% der Investoren keine Meinung haben.
Im Jahresausblick schrieb ich:
„(…) aber selbst wenn der DAX seinen primären Trend zur Unterseite bricht wäre das noch kein Garant für eine obere Trendwende. Formaltechnisch läge eine Topformation erst dann vor, wenn die 7.190er Marke nachhaltig unterboten würde. Dann zumindest müsste mit einem Test der 6.400 bis 6.200er Region gerechnet werden (…)“
Das Sentiment
Die mediale Begleitung erreicht eine neue Dimension. Hier nur eine kleine Auswahl diverser Onlinemedien, ohne das Thema strapazieren zu wollen. Sehr schön zu beobachten, wie die Entwicklung bei Bild.de ihren Lauf nahm und über eine kleine Schlagzeile Sturzflug zu einer großen Schlagzeile Sturzflug hin zur großen Schlagzeile mit Börsen-Crash führte.
Der DAX schaffte es am 22.01.2008 sogar auf die erste Seite der Bild-Printausgabe. Das gelang ihm letztmalig im März 2000 bei dem Alltimehigh im Neuen Markt. Dennoch wird die Situation offenbar noch nicht so schlimm wahrgenommen – der letzte Humor scheint noch nicht verschwunden zu sein – Galgenhumor?

Neben all den Horrormeldungen legte das taktische animusX®-Sentiment in der aktuellen Umfrage leicht zu. Hierfür sind private als auch institutionelle Investoren gleichermaßen verantwortlich. Und auch das Commitment ist mehr als deutlich – mit Werten von knapp 5% stehen kaum noch nennenswerte Investoren an der Seitenlinie. Letzten Endes suggerieren die weiteren Subindizes: Hier nun setzt die Bodenbildung ein.



Auf die mittelfristige Sichtweise haben die jüngsten Kursturbulenzen bislang kaum Auswirkung gehabt. Das zeigt ja schon die Sonderumfrage die eine Art Pattsituation zwischen Bullen und Bären signalisiert. Das strategische animusX®-Sentiment bewegt sich auf neutralem Niveau seitwärts.

Die in der vorletzten Woche ausgemachten Shorties haben Kasse gemacht. Die durchschnittliche Shortquote fällt von 8 auf 4% zurück und bewegt sich damit wieder im historischen Durchschnitt. Investiert wurde indes aber noch nicht – zumindest nicht im großen Stil. Die durchschnittliche Cashquote stellt sich nahezu unverändert dar.


Dennoch, die Investitionsbereitschaft ist deutlich gestiegen. Nun bedarf es eines Zündfunkens, eines Triggers, so dass der Bereitschaft auch Taten folgen. Entsprechend den animusX®-Ratios könnte der Trigger um die 7.000er Marke liegen. Hier werden die ersten starken Angebotsüberhänge gemessen. Danach wieder ab 7.190 Punkte. Mit anderen Worten: Überspringt der Markt dieses Niveau, könnten Stoppkurse gezogen werden und für weiteren Auftrieb sorgen.
Letzte Woche schrieb ich:
„Wie stark nun die Marke von 7190 Punkten im Fokus der Investoren steht zeigen die animusX®-Ratios an. Auch hier wird der extremste Wert seit Aufzeichnungsbeginn gemessen.“ Als die Marke dann durchbrochen wurde gab es in der Tat kein Halten mehr. Zu guter Letzt noch ein Blick auf das animusX®- Newsbarometer. Auch hier ist es zu einem zaghaften Dreh in der unteren Extremzone gekommen. Die Wahrnehmung in Sachen Finanznachrichten Aktien ist erstmals seit Wochen wieder leicht positiv. Der Auslöser hierfür könnte die Nachricht gewesen sein, dass die überproportionalen Kursverluste in Europa gegebenenfalls durch die Société Générale verursacht worden sind als der Schwindel von Jérôme Kerviel aufflog und zur Glattstellung der entsprechenden Positionen zwang.

Fazit
Mit 6.400 Punkten in der Spitze hat der DAX – unterschiedlichen Studien zufolge – sein Kursziel zur Unterseite zunächst erreicht. Gepaart mit kurzfristiger Panikstimmung und einer im Nachhinein scheinbaren Erklärung des Warums, erhält der Gedanke an einer möglichen Bodenbildung Charme. Extremwerte in den unterschiedlichen Sentimentwerten unterstreichen das Szenario. So richtig haben die Investoren, gemäß des strategischen Sentiments und der jüngsten Sonderumfrage, den Glauben an Aktien noch nicht verloren. Die Shorties haben Kasse gemacht und die Investitionsbereitschaft ist dieser Tage einmal mehr vorhanden. Nun aber braucht es einen Trigger, so dass jetzt auch Taten folgen. Die Kassen der Investoren jedenfalls scheinen gefüllt zu sein.
Aus technischer Sicht kommt der Marke (Zone) zwischen 7.040/190 Punkten eine Schlüsselfunktion zu. Schafft der DAX hier ein Rebreak, stellt sich die Situation wieder positiver dar. Andernfalls bleibt die Gefahr eines weiteren Rücksetzers (zweites Standbein – bis 6.400 oder ABC-Korrektur – tiefere Kurse) erhöht. Als nächst tiefere Auffangzone wäre hier die 6.200er Marke zu beziffern.
Die taktische Sichtweise bleibt mit positiv bestehen, die strategische Sichtweise nach wie vor mit neutral.