Daxvestor – 21. Januar 2008 – 7:41
Der Verlauf der Hypothekenkrise offenbart erstaunliches über die Weltwirtschaft
Früher hatten für von Finanzkrisen geplagte (Schwellen)-länder die „Retter in letzter Not“ stets die gleichen Namen: IWF und Weltbank. Heute heißen die Retter: Singapur, Saudi Arabien, Arabische Emirate, Südkorea, China, etc. Was früher noch undenkbar war wird heute zur Wirklichkeit: Die Emerging Markets versuchen durch einen staatlichen Bail-Out die USA vor einer Bankenkrise zu retten.
Wichtige Banken aus den Industrieländern haben sich im großen Stil an den Hypothekenmärkten verspekuliert und einigen droht die Liquidität auszugehen. Da Maßnahmen der Zentralbanken bisher versagten befürchten Analysten nun, dass eine US-Bankenkrise nur durch schnelle Kapitalinjektionen von außen abgewendet werden kann. Doch wer ist schon bereit mitten auf dem Höhepunkt einer Krise Geld direkt im Krisenherd zu investieren?
Die erstaunliche Antwort: Die Schwellenländer
Sie reagierten auf die drohende Krise in den Industrieländern sogar schneller als der bürokratische IWF jemals auf eine Finanzkrise in den Schwellenländern reagieren konnte. Als die Schweizer UBS Bank bekannt gab wegen der Hypothekenkrise 14,7 Mrd. USD abschreiben zu müssen, entschieden sich der staatliche Singapurer Investmentfonds und ein Großinvestor aus dem mittleren Osten (wahrscheinlich Saudi Arabien) kurzfristig Wandelanleihen der Bank im Wert von 11,8 Mrd. USD zu kaufen.
Merrill Lynch wird wahrscheinlich Anteile im Wert von 6,6 Mrd. USD an die Kuwait Investment Authority (KIA), die Mizuho Corporate Bank und der Korean Investment Corporation verkaufen und die Citigroup rechnet fest mit einem Bail-Out durch den Großaktionär Prinz Alwaleed bin Talal aus Saudi Arabien. Er wird wohl einen Großteil der zur Sanierung der Bilanzen benötigten 14,5 Mrd. USD bereit stellen.
Verkehrte Welt oder neues Zeitalter
Morgan Stanley rechnete kürzlich vor: Insgesamt haben staatliche Investoren aus den Emerging Markets seit dem Ausbruch der Hypothekenkrise schon 69 Mrd. USD in westliche Finanzinstitute gesteckt. Vermutlich wird die Summe noch auf über 100 Mrd. USD anschwellen und die Kreditsumme, die der IWF den Tigerstaaten während der Asienkrise für die Sanierung der Banken zur Verfügung stellte, übertreffen.
Überraschend ist der Bail-Out aus staatlicher Hand indes nicht. Er zeigt nur auf eine Entwicklung, die Makrodaten längst belegen. Die Emerging Markets haben sich in den vergangenen Jahren vom säumigen Schuldner zum Nettogläubiger der Industrieländer entwickelt. Als Gruppe erzielen sie ein Leistungsbilanzüberschuss, die Devisenreserven explodieren und die Staatsschulden wurden radikal gesenkt. Staatliche Investitionsfonds aus den Emerging Markets verfügen heute sogar insgesamt über mehr als 2 Billionen USD und der IWF schätzt, dass deren Anlagesumme bis 2015 auf rund 10 Billionen USD ansteigt.
Mich wundert daher nur die ruhige Reaktion der amerikanischen Regierung. Wie war das noch einmal, als staatlich unterstützte chinesische Investoren den Ölkonzern Unocal kaufen wollten? Wie reagierte der Kongress als Dubai Ports eine Übernahme für amerikanische Hafenanlagen lancierte? Ah natürlich: Aus Sicherheitsgründen nicht gestattet.
Erfolgreiche Investments in den Boom-Märkten der Zukunft wünscht Ihnen
Ihr
Florian Schulz
Chef-Redakteur Emerging-Markets-Trader
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