Daxvestor – 26. Februar 2008 – 6:54
Immer mehr Börsenmedien sehen Chinas Wirtschaft wegen der Exportabhängigkeit in großer Gefahr. Bisher deutet allerdings wenig darauf hin, dass der Boom in China durch den US-Abschwung gestoppt wird. Wie bei der Rezession von 2001 könnte sich das Land von der Weltwirtschaft entkoppeln und die gesamte Region Asien vor einer langen Schwächephase bewahren.
Wegen der fallenden Nachfrage aus den USA fiel zwar Chinas Exportwachstum von 28% zu Jahresanfang auf 22% im vierten Quartal, dies führte aber nur zu einer BIP-Wachstumsverlangsamung auf 11,4%. Das China Quartaly Daily errechnete sogar, dass die Nettoexporte nur noch 0,4% zu dem BIP-Wachstum beigetragen haben und 10,8% des Wachstums am Inlandsmarkt erzeugt wurden. Selbst wenn der Exportbeitrag zum BIP-Wachstum, wie viele Ökonomen vermuten, im Laufe des Jahres 2008 negativ sein wird, ist noch zweistelliges BIP-Wachstum zu erwarten.
Die Entkoppelung hat schon begonnen
Sie fragen sich womöglich: „Wie ist das möglich? China verdankt seinen Aufschwung doch vor allem den Billiggütern, die massenweise ins Ausland verschifft werden, oder?“ Meine Antwort lautet: „Heute nicht mehr.“ Zuerst trieben vor allem die Exporte das Wachstum an, dann wurden die Investitionen zur treibenden Kraft der wirtschaftlichen Entwicklung und heute übernimmt der Konsum das Ruder.
Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze ist von weniger als 10% vor dem Jahr 2003 über 13% (Anfang 2006) auf zuletzt 20% (Dezember) angestiegen. Davon haben natürlich auch die asiatischen Nachbarländer, für die China längst der wichtigste Handelspartner ist, etwas: Das chinesische Importwachstum Chinas ist nicht zuletzt wegen der schleichenden Yuan-Aufwertung von 18% im ersten Quartal auf 26% im vierten Quartal von 2007 angestiegen.
Konjunkturelle Notmaßnahmen sind jederzeit möglich
Sollte die Rezession in den USA tiefer ausfallen als erwartet, so bleiben China gleich mehrere Rettungsanker um das Ausbreiten der Exportkrise auf die Gesamtwirtschaft zu verhindern. Chinas Staatsverschuldung liegt mit 17% des BIPs deutlich unter dem OECD-Niveau von 77% und die China International Capital Corporation hat errechnet, dass die Haushaltsbilanz in 2007 bei +3%/BIP lag. Zwar veröffentlichte die Regierung ein Budget von -1%/BIP, doch hier seien die Gewinne der Staatsunternehmen nicht berücksichtigt. Angesichts dieser hervorragenden Haushaltslage kann also ein Konjunkturabschwung durch gigantische Infrastrukturprogramme abgefedert werden. Zudem geben natürlich die Währungsreserven von mittlerweile 1,5 Billionen USD Sicherheit vor internationalen Einflüssen.
Doch wird China die Rücklagen zur Rettung der eigenen Wirtschaft überhaupt benötigen? Wahrscheinlich nicht, denn solange die Exportschwäche das BIP-Wachstum nur auf 8-10% drückt dürften die Parteikader die US-Krise sogar willkommen heißen. Schließlich ist dies ein Wachstumskorridor, in dem die seit Jahren stets präsenten Überhitzungssymptome der Volkswirtschaft als überschaubar gelten.
Fazit: Der beschleunigte Konsumboom in China spricht für eine Entkoppelung Asiens im Falle einer US-Rezession. Da die Bewertung der Region Asienpazifik im Januar kräftig zurückgekommen sind (KGV08e <15), sehe ich eine Einstiegsgelegenheit!
Erfolgreiche Investments in den Boom-Märkten der Zukunft wünscht Ihnen
Ihr
Florian Schulz
Chef-Redakteur Emerging-Markets-Trader
http://www.emerging-markets-trader.de
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