Daxvestor – 1. Februar 2008 – 7:00
Als Ben Bernanke am 22 Januar eine rasche Leitzinssenkung ankündigte hatte er wohl insgeheim gehofft, dass seine Kollegen bei anderen Zentralbanken schnell nachziehen. Angesichts der vorherigen Marktturbulenzen in Europa und Asien wäre dies gar kein so abwegiger Gedanke. Jean-Claude Trichet hingegen schloss in den vergangenen Tagen eine EZB-Zinssenkung aus, denn gerade in Zeiten der Marktturbulenzen müsse die Zentralbank beweisen, dass ihr Ziel die Inflationsbekämpfung ist.
Die europäische Zurückhaltung macht die FED-Zinsentscheidung gestern Abend umstrittener als sie ohnehin schon ist, denn durch den Alleingang der FED wurde das Fenster für Carry Trades geöffnet und dahinter lauert gewöhnlich das raue Wetter der Weltmärkte. Ökonomen befürchten schon, dass am Ende des Zinssenkungszyklus die Leitzinsen in den USA mit 2-2,5% niedriger sind als in allen 40 liquiden Währungsräumen(exkl. Japan, Hongkong und Taiwan). Dies würde unweigerlich dazuführen, dass Anleger in den USA Kredite aufnehmen um das Kapital im Ausland zu höheren Zinsen zu verleihen.
Wozu dies führen kann sieht man am Beispiel Japans. Carry Trader beschränkten in der Vergangenheit nicht nur den Handlungsspielraum der japanischen Notenbank sondern sorgten auch für einen hohen Kapitalabfluss. Auf diesem Weg versorgte Japan die Weltmärkte mit Liquidität ohne die eigene Wirtschaft zurück auf den Wachstumspfad zu führen.
Wendepunkt für US-Treasuries?
Auch US-Treasuries werden sich nach der starken Leitzinssenkung nicht besser verkaufen lassen. Eine einfache Rechnung zeigt, dass die zwei Zinsschritte des vergangenen Monats ein entscheidender Wendepunkt waren: Subtrahiert man die globale Inflation (derzeit 4,8%) von den US-Leitzinsen (oder den US- Treasuries!) so erhält man mittlerweile ein negatives Ergebnis.
Noch vor 2 Jahren war das Verhältnis anders herum, denn der von Goldman Sachs ermittelte Index für die weltweite Inflation lag im Jahr 2006 auf einem 6 Jahrestief bei 2,7% und die US-Leitzinsen lagen bei 5,25%. Heute hingegen würde die Rendite von US-Staatsanleihen für die meisten internationalen Anleger nicht einmal die heimische Inflation ausgleichen!
Erfolgreiche Investments in den Boom-Märkten der Zukunft wünscht Ihnen
Ihr
Florian Schulz
Chef-Redakteur Emerging-Markets-Trader
http://www.emerging-markets-trader.de
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