Daxvestor – 25. März 2008 – 7:48
Während die deutsche Bundesregierung mit der größten Steuererhöhung aller Zeiten den Haushalt saniert (Stw. Mehrwertsteuererhöhung) können viele Emerging Markets die Früchte der Budgetdisziplin der vergangenen Jahre ernten. Durch starke Steuersenkungen federn sie die Auswirkungen der US-Krise ab!
Vor allem die Länder Asien haben wenige Schulden, stattliche Währungsreserven und oft einen ausgeglichenen Haushalt. Sie können daher auf die drohende US-Krise adäquat reagieren. Der einfachste Schritt zur Belebung der Binnenkonjunktur sind Steuersenkungen, denn diese kommen direkt beim Konsumenten oder Produzenten an und heizen im Gegensatz zu Investitionsprogrammen weniger die Inflation an. Ganz im Gegenteil: manch eine Steuersenkung wirkt der Inflation sogar unmittelbar entgegen. (z.B. Mehrwertsteuer)
Es wundert also nicht, dass vor drei Wochen Hongkong massive Steuergeschenke versprach. Nachdem im vergangenen Jahr ein Rekordhaushaltsüberschuss von 115.6 Mrd. HKD erzielt wurde plant die Regierung inzwischen mit einem leichten Haushaltsdefizit von 7,5 Mrd. HKD in 2008. Dafür sollen einmalig bis zu 75 % der Lohn- und Gewinnsteuer erlassen werden und - ebenfalls einmalig - Mietsteuern von bis zu 25.000 HKD je Bürger zurück fließen. Zudem wurde eine dauerhafte Einkommens- und Unternehmenssteuersenkung um 1% auf 15% und 16,5% ankündigt und werden zukünftig Alkohol- und Hotelzimmersteuern deutlich gesenkt. Gemeinnützige Spenden können überdies zukünftig stärker von der Steuer abgesetzt werden und den Kindern soll statt 9 Jahren 12 Jahre freier Schulzugang gewährt werden.
Steuersenkungen auch in Singapur, Taiwan, Südkorea und Thailand
Hongkong reagierte mit diesem Programm auf ein ähnlich radikales Steuerprogramm des ohnehin als Steuerparadies bekannten Stadtstaates Singapur. Zu den zahlreichen Steuergeschenken (vor allem für Unternehmen) gehört hier für 2008 ein einmaliger Einkommenssteuernachlass von 20% (max. 2000 SGD) sowie eine auszuschüttende „Wachstumsdividende“ von 100 -450 SGD je Bürger. Nennen wir das Programm in Anlehnung an den deutschen Fachjargon einen „Solidaritätszuschlag“ der Regierung an die fleißige Bevölkerung.
Südkorea plant unterdessen, die Unternehmenssteuer schon im kommenden Jahr von 13-25% auf 11- 22% zu senken und die Regierung hat angekündigt, dass dies nur der erste Schritt von vielen sei. Auch in Taiwan muss eine Senkung der Unternehmenssteuer von 25% auf 17,5 % nur noch vom Parlament abgesegnet werden. Thailands Regierung hat Anfang März schon vorgelegt und die Unternehmenssteuer für Börsengelistete Unternehmen von 30% auf 25% gesenkt. Gleichzeitig wurde die Schwelle ab der Thailänder Einkommenssteuer zahlen müssen von 100.000 THB auf 150.000 THB erhöht und werden besonders kleine Unternehmen von der Gewinnsteuer befreit.
Es wird Sie nicht überraschen, das chinesische Unternehmer lautstark fordern auf den zunehmenden Steuerwettbewerb in Asien zu reagieren und auf starke Steuersenkungen hoffen. Diese Forderung könnte angesichts der hervorragenden Haushaltslage der Volksrepublik durchaus erhört werden.
Fazit:
Fallende Unternehmens- und Einkommenssteuern erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit der auf die US-Hypothekenkrise ohnehin besser vorbereiteten asiatischen Länder. Dies spricht nicht nur für eine stärkere Entkopplung der asiatischen Wirtschaft von den schwachen US-Vorgaben sondern wird die Steuerkluft zwischen Asien und den westlichen Industrieländern zusätzlich vergrößern. Vor allem Europa fällt im Steuerwettbewerb immer weiter zurück.
Erfolgreiche Investments in den Boom-Märkten der Zukunft wünscht Ihnen
Ihr
Florian Schulz
Chef-Redakteur Emerging-Markets-Trader
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