Fehlkalkulation

W. Braun
kwietsche3 – 13. März 2008 – 14:01
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Bei ihren Ergebnisprognosen für das vierte Quartal haben die Analysten meilenweit daneben gelegen. Zum Jahreswechsel hatten die Experten für den S&P 500 auf Basis der operativen Daten noch einen Gewinnrückgang von etwa acht Prozent gegenüber dem Vorjahr geschätzt. Inzwischen haben fast alle Unternehmen gemeldet und es zeichnet sich ein Gewinneinbruch von über 30 Prozent ab. In Anbetracht dieser drastischen Fehlkalkulation müssen Aussagen über Aktienbewertungen kritisch betrachtet werden. Aktuell erwarten die Analysten im S&P 500, der wegen seiner breiten Marktabdeckung ein guter Bewertungsmaßstab für den US-Aktienmarkt ist, für das laufende Jahr einen Gewinnschub um 19 Prozent. Auf Basis dieser Prognosen ergibt sich ein günstiges Gewinnvielfaches für den Index von 13.

Die US-Wirtschaft droht aber in eine Rezession abzudriften oder befindet sich schon mitten darin. Die Rekordverschuldung bei den Privathaushalten könnte den Konsum auf Jahre hinaus bremsen. Dazu hören die Horrormeldungen aus der Finanzbranche nicht auf: Die UBS schätzt, dass sich die Verluste bei den Subprime-Krediten bis auf 600 Milliarden Dollar summieren könnten. Bislang sind davon erst rund 200 Milliarden publiziert. Berichten zufolge soll allein die Citigroup im ersten Quartal noch einmal einen Betrag im zweistelligen Milliardenbereich abschreiben. Auch die so genannten Monoliner sind noch nicht über den Berg. Und bei den Konsumentenkrediten drohen den Banken ebenfalls Einbußen. In diesem Umfeld ist der veranschlagte Gewinnschub völlig unrealistisch. Es wäre schon ein Erfolg, wenn das Niveau aus 2007 gehalten werden könnte. Auf dieser Basis errechnet sich für den S&P 500 aber ein KGV von 16 (auf Basis der operativen Gewinne).

Damit sind US-Aktien nicht zu teuer, aber auch kein Schnäppchen. Entscheidend ist daher, wie es 2009 weitergeht. Schaffen die Unternehmen die Ertragswende, stehen die Chancen auf Kursgewinne nicht schlecht. Läuft die Konjunktur aber für einen längeren Zeitraum schleppend, können die Kurse noch deutlich tiefer fallen.

In diesem Sinne

Wolfgang Braun

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