Völliger Vertrauensverlust

W. Braun
kwietsche3 – 20. März 2008 – 12:00
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Eine fundamentale Einschätzung der Börsenlage wird immer schwieriger. Das liegt unter anderem daran, dass man den Aussagen der Firmen kaum noch Glauben schenken kann. Besonders dramatisch sind die Ereignisse um die US-Investmentbank Bear Stearns. Mitte der vergangenen Woche bezeichneten führende Manager der US-Investmentbank Spekulationen um einen Liquiditätsengpass noch als „blanken Unsinn“. Nur zwei Tage später kam das Eingeständnis, dass man eine Geldspritze benötigt. Inzwischen ist man unter das Dach von Goldman Sachs geschlüpft, um einer Pleite zu entgehen. Bitter, falls die Anleger bewusst getäuscht wurden, extrem beunruhigend, falls es nicht so ist. Denn wenn selbst die Führungsmannschaft zwei Tage vor einer Pleite die kritische Lage nicht sieht, wie sollen dann die Anleger eine Firmenkrise entdecken.

Das Vertrauen ist jetzt erst einmal im Eimer. Zwar bemüht sich die US-Notenbank redlich, das Schlimmste vom Aktienmarkt abzuwenden, wir befürchten aber, dass das kurzfristig nicht reicht. Das Grundproblem der Krise, die massive Verschuldung der US-Haushalte, bleibt ungelöst. Dazu ist in den nächsten Wochen und Monaten mit einer Vielzahl an negativen Nachrichten von Unternehmensseite zu rechnen. Wir hatten in der letzten Ausgabe bereits darauf hingewiesen, dass die Gewinnschätzungen kaum an die verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst wurden und deutlich zu aggressiv ausfallen. Es sieht also ganz danach aus, dass die Unsicherheit den Finanzmärkten noch eine Weile erhalten bleibt. Und Unsicherheit ist bekanntlich Gift für die Kursentwicklung an den Börsen.

In einem Umfeld, das sich fundamental nur schwer greifen lässt, bietet sich als Unterstützung bei Anlageentscheidungen die Charttechnik an - und die spricht eine deutliche Sprache. Die wichtigsten Indizes weltweit befinden sich klar im Abwärtstrend. Zwar ist jeder Trend irgendwann zu Ende, der Zeitpunkt lässt sich aber nur schwer bestimmen. Aktuell würden wir uns nicht gegen die miese Stimmung stellen. Obwohl DAX und Co seit Jahresbeginn schon über 20 Prozent verloren haben, würden wir die jüngste Erholung zum Aufbau von Cash oder zur Absicherung von bestehenden Positionen mit Puts nutzen.

In diesem Sinne

Wolfgang Braun

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