Daueroptimisten
kwietsche3 – 17. April 2008 – 11:24
Analysten gelten als notorische Optimisten. Schon nach der Jahrtausendwende schrieben sie die gute Gewinnentwicklung bei den Unternehmen einfach fort und übersahen dabei das sich eintrübende wirtschaftliche Umfeld. Der gleiche Fehler hat sich jetzt wieder eingeschlichen: Im vierten Quartal lagen die Ergebnisschätzungen für den S&P 500 so weit daneben wie noch nie. Glatte 31 Prozentpunkte zu hoch waren die Prognosen ausgefallen. Trotz sich eintrübender Konjunktur und massiver Probleme in der Finanzbranche ist der Optimismus nur langsam aus den Köpfen der Analysten zu verbannen. Tröpfchenweise werden die Prognosen für die Unternehmensgewinne gesenkt: Aktuell liegen die Schätzungen für das erste Quartal um rund sechs Prozent unter dem Vorjahreswert. Nach dem durchwachsenen Auftakt der US-Berichtssaison dürfte der Einbruch aber weit größer ausfallen.
Noch krasser der Ausblick auf das Gesamtjahr: Hier gehen die Finanzexperten aktuell für den S&P 500 von einem Ergebniszuwachs von 17 Prozent aus. Dabei ist es unvorstellbar, dass die Unternehmen die Rekordniveaus bei den Renditen in einem rezessiven Umfeld und gleichzeitig steigenden Rohstoffkosten verteidigen können. Wir hatten mehrfach auf die überzogenen Prognosen hingewiesen und gehen davon aus, dass es nach Alcoa und General Electric eine Reihe an weiteren Warnungen geben wird.
Besonders dramatisch auch die Fehlprognose bei Einzeltiteln wie etwa Thielert. Trotz sehr hoher Bewertung und offensichtlicher Probleme bei der Bilanzierung wurde die Aktie von Goldman Sachs und der Citigroup bis Ende 2007 zum Kauf empfohlen. Wer dem Rat der vermeintlichen Experten gefolgt ist, muss jetzt einen Totalverlust einkalkulieren. Bei Aktienkäufen sollten sich die Anleger daher nicht ausschließlich auf die Meinung der daueroptimistischen Bankanalysten verlassen.
In diesem Sinne
Wolfgang Braun
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