Daxvestor – 15. April 2008 – 5:40
Der US-Dollar hat ein neues Problem: Vielen Ländern ist die Bindung ihrer Währungen an den Dollar mittlerweile ein Dorn im Auge, denn in Zeiten einer US-Krise bewirkt sie das Gegenteil des erhofften Effekts. Statt Stabilität wird Instabilität importiert.
Der Faktor Stabilität war stets der Hauptgrund für die Bindung einer Währung an den US-Dollar. So galt die Volatilität des US-Dollars durchweg als niedrig, waren Zinsen und Inflation in den USA zumeist stabil und konnte man sich früher stets an die erschütterungsfesten Rahmenbindungen des US-Finanzsystems verlassen. Auf das gegenteilige Szenario, eine schwere Finanzkrise im Land der Leitwährung, sind hingegen die wenigsten Länder mit einer an den US-Dollar gebundenen Währung vorbereitet.
Heute ist dies jedoch der Fall: der US-Dollar bricht massiv ein, die Leitzinsen der FED werden radikal gesenkt, der Inflationsdruck in den USA ist nicht behoben und amerikanische Banken verspielen ihr Vertrauen.
Die Dollarbindung der Golfwährungen in Gefahr
Da eine Währungsbindung nur durch eine angepasste Zinspolitik aufrecht zu erhalten ist wird die Reaktion der USA auf die Hypothekenkrise für einige Staaten nun zu einem ernsthaften Problem. So drohen die mit Petrodollars überschwemmten Golfwirtschaften zu überhitzen und ist die Inflation am Golf kaum in den Griff zu bekommen. Ein fallender Währungskurs heizt die Inflation jedoch weiter an und die zumeist 1:1 übernommenen Leitzinssenkungen verstärken die Überhitzung am Kreditmarkt.
Kuwait hat daher die Dollaranbindung der eigenen Währung schon im Mai 2007 aufgehoben und Katar sowie die Arabischen Emirate denken darüber unüberhörbar nach. Sie konnten von einer neuen Währungspolitik wohl nur durch eine jüngste Intervention der US-Regierung abgehalten werden, die laut Medienberichten informell sogar damit gedroht haben könnte die militärische Verteidigungsgarantie für die Golfstaaten aufzulösen. Nun versprachen die Arabischen Emirate ihrem engsten Verbündeten zumindest bis Ende 2008 an der 30 Jahre bestehenden Währungsbindung festzuhalten um nicht zusätzliches Öl in die US-Finanzkrise zu schütten.
Neues Währungsregime in Hongkong am wahrscheinlichsten
Entscheidungsfreier ist hingegen der unter chinesischem Schutz stehende Stadtstaat Hongkong, der seine Währung schon seit 24 Jahren an den Dollar gebunden hat und nun die Zinsen senken muss obwohl der Stadtstaat mit der höchsten Inflation seit 9 Jahren kämpft. Der japanische Yen ist gegenüber dem Währungspaar HKD/USD seit Sommer 2007 um mehr als 25% gestiegen und die Anbindung des chinesischen Yuans an den US-Dollar wurde schon im Mai 2005 aufgehoben. Der regionale Kampf um einen für Exporteure attraktiven Währungskurs fällt daher als wichtiger Grund für Dollarbindung weg. Ganz im Gegenteil: Die inflationsgeplagte Handelsstadt Hongkong leidet besonders stark unter steigenden Importkosten aus seinen direkten Nachbarländern. Ich rechne daher noch in diesem Jahr mit einer Aufhebung der Dollaranbindung in Hongkong und kann mir sogar vorstellen, dass die Hongkonger Zentralbank eine entsprechende Nachricht spontan veröffentlicht sobald an den globalen Finanzmärkten Ruhe eingekehrt ist.
Mein Fazit: Der US-Dollar hat ein neues Problem, denn die Forderungen in den Golfstaaten und in Hongkong die Dollarbindung der eigenen Währungen aufzugeben werden immer lauter. Das Image der „ stabilen Weltleitwährung“ ist sichtlich in Gefahr!
Erfolgreiche Investments in den Boom-Märkten der Zukunft wünscht Ihnen
Ihr
Florian Schulz
Chef-Redakteur Emerging-Markets-Trader
http://www.emerging-markets-trader.de
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