Kirschbaum – 10. April 2008 – 12:58
Kaum, dass die Aktienmärkte ein paar Tage im Plus geschlossen haben, scheint für viele die Krise bereits überstanden, ein Boden gefunden und neue Höchstkurse nur noch eine Frage der Zeit. Wenn das so wäre, könnte man das, was sich in den letzten Wochen an den weltweiten Finanz- und Kapitalmärkten abgespielt hat, tatsächlich als nichts anderes als eine Korrektur bezeichnen. Es ist schlichtweg realitätsfremd und naiv anzunehmen, solch tiefgreifende realwirtschaftliche Verwerfungen wären innerhalb von drei Monaten in die Kurse eingepreist.
Seit fast fünf Jahren kannten die Aktienmärkte weltweit nur eine Richtung, nämlich nach oben. So lange dauert die Hausse, die im Frühjahr 2003 auf dem Höhepunkt des Irak-Krieges ihren Ursprung nahm. Damals stand der DAX bei ca. 2.200 Punkten. Erst zum Jahreswechsel 2008 (!) erreichte der DAX sein Allzeithoch im Bereich von 8.100 Punkten. Selbst nach dem deutlichen Rückgang der letzten Wochen liegt der Index heute noch immer rund 4.500 Punkte oder mehr als das Dreifache über dem Ausgangswert dieser Rallye!
Man sollte daher das große Bild im Auge behalten, um die jüngsten Kursverluste richtig einordnen zu können. Viele Anleger, die erst später, als die Rallye bereits in vollem Gange auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind, vielleicht sogar erst im vergangenen Sommer, als die Medien nach dem Überwinden der 8.000er Marke die Börse wieder als Thema entdeckt und aufgepusht haben, durchleben zur Zeit einen „gefühlten Crash". Tatsächlich notiert der DAX aber gerade einmal gut 20 Prozent unter seinem Rekordniveau und das nach einem vorangegangenen Anstieg um fast 300 Prozent! Und tatsächlich dauert die Schwächephase – jedenfalls auf den DAX bezogen – bislang lediglich drei Monate!
Gemessen an den schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft, die immerhin die Notenbanken zur größten Zinssenkungsrunde ihrer Geschichte veranlasst haben, ist also an den Aktienmärkten (noch) gar nichts Schlimmes passiert. Das bedeutet umgekehrt jedoch auch, dass wir vermutlich erst ganz am Anfang vom Ende stehen! Anleger sollten sich an die Dimension der letzten Börsenkrise nach dem Platzen der „Dot-com"-Blase erinnern. Eine richtige Baisse erstreckt sich in der Regel über mehrere Jahre. Von 2000 bis 2003 stürzte der DAX um mehr als 6.000 Punkte ein und verlor über 70 Prozent seines Wertes... !
Aus fundamentaler Sicht spricht viel für eine länger anhaltende, nachhaltige Trendwende sowohl in der Wirtschaft als auch an den Aktienmärkten. Charttechnisch ist viel Porzellan zerschlagen worden. Und das Sentiment strahlt immer noch viel zu viel Zuversicht aus. Kaum jemand rechnet ernsthaft mit einer längeren Durststrecke. Die Medien raten längst wieder zum Einstieg statt vor einem weiteren Rutsch zu warnen. Ganz ähnlich verhielt es sich zu Beginn dieses Jahrtausend als auf dem Weg nach unten alle 500 Punkte der Boden ausgerufen wurde. Typischerweise war dieser im Frühjahr 2003 jedoch erst gefunden, als niemand mehr damit rechnete und endlich die Mehrheit so pessimistisch war, dass man am Ende sogar dreistellige DAX-Notierungen erwartete.
Viele Portfolios hat es in der letzten Wochen regelrecht zerlegt. Fehlende Absicherungen, keine Stopp-Loss-Limits, hohe Risikopositionen, vor allem aber geringe Diversifikation und einseitige Konzentration auf den Aktienmarkt ("Klumpenrisiken") haben zu hohen Verlusten geführt. Unser Derivate-Musterdepot unter derivate-investments.de hat dagegen dank seiner Ausgewogenheit und seiner geringen Abhängigkeit vom Aktienmarkt nicht nur keinen Schaden genommen, sondern im Quartalsvergleich mit einem Plus von über 11 Prozent sogar weiter zulegen können! Nutzen Sie deshalb Erholungen wie zuletzt eher, um Aktienpositionen abzubauen und das Risiko in Ihren Portfolios zu verringern. Vor allem: „Verbilligen“ Sie auf dem aktuell noch immer hohen Niveau nicht zu voreilig! Greifen Sie nicht in ein fallendes Messer! Es steht zu befürchten, dass wir bislang in vielerlei Hinsicht erst die Spitze des Eisberges gesehen haben.
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