kwietsche3 – 8. April 2008 – 9:49
„Buy on bad news“ lautete letzte Woche das Motto. Obwohl der Markt noch einmal Hiobsbotschaften hinsichtlich der Finanz- und Liquiditätskrise verarbeiten musste, legte der Deutsche Aktienindex unbedarft weiter zu. Auch die Veröffentlichung der schlechten US-Arbeitsmarktdaten am vergangenen Freitag konnte den Märkten dies- und jenseits des Atlantiks nicht allzu viel anhaben. Indes folgten letzte Woche, nach der jüngsten Eindeckungswelle von vorletzter Woche, zaghafte Anschlusskäufe. Das Bild sieht weiterhin positiv aus. Doch eine Konsolidierung muss zunächst her.
Die Technik
Direkt zur Markteröffnung am Montag vergangener Woche bestätigte der DAX seinen tertiären Aufwärtstrend erfolgreich auf Bestand und setzte dann seine jüngste Aufwärtsbewegung fort. Dabei überwand er seinen 38-Tagedurchschnitt als auch den ersten ernst zu nehmende Widerstand bei 6.650 des Widerstandsbündels zwischen 6.650 und 6.740 Punkte. Letztgenannte Marke gilt zurzeit als hart umkämpft – die Woche jedoch konnte er darüber beenden. Der weitere Weg gen Norden wird derzeit durch eine Abwärtstrendlinie versperrt. Zudem stellen sich die kurzfristigen Indikatoren als überkauft dar, so dass es nun zu einer ersten ernsthaften Probe der frischen Bullen kommt.

Der Kurssprung am vergangenen Dienstag war auch wieder mit höherem Volumen verbunden. Läßt man die ganzen Überlegungen von Trendlinien etc. einmal außen vor, so könnte man mit dem zweiten erfolgreichen Test des 6.400er Niveaus am vergangenen Montag mit viel Liebe auch eine inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation interpretieren. Deren formaltechnisches Kursziel wäre in etwa bei dem 90-Tagedurchschnitt, zurzeit bei rund 7.160 Punkten, zu suchen. Dieses Szenario erhielt zusätzlichen Charme, wenn mit einer Konsolidierung zeitgleich die positive Bestätigung der vermeintlichen Nackenlinie bei aktuell rund 6.600 Punkten einhergehen würde.

Aus technischer Sicht wird weiterhin unterstellt, dass der jüngste tertiäre Trend intakt ist. Die Trendlinien werden weiterhin als Maßstab genommen. Sie verlaufen aktuell auf der Oberseite bei 6.922 und auf der Unterseite bei 6.600 Punkten (pro Tag rund 40 Punkte steigend). Die letzte Woche angesprochene Kurslücke wurde kurzfristig nicht geschlossen,
so dass sie nun als break-away-gap eingestuft wird.
Das Sentiment
Bei den Investoren wurde nun die „zweite Stufe“ gezündet. Nach den hohen Werten in der Subkomponente „Bodenbildung“ findet nun eine Verschiebung in das Lager der Subkomponente „Aufwärtsimpuls“ statt.
Zum Verständnis: Das Sentiment bei animusX-Investors Sentiment wird, im Gegensatz zu herkömmlichen Stimmungsindizes, mittels eines Fünferdifferenzials gemessen. Hierbei wird unterstellt, dass Investoren, die eine Bodenbildung erwarten/sehen dem Markt zwar positiv gegenüberstehen, sich jedoch noch im Sondierungsprozess (Informationen etc.) befinden. Das bedeutet, sie dürften auch mit (Neu)Engagements zurückhaltender sein. Hingegen Investoren, die einen Aufwärtsimpuls erwarten/sehen, ein höheres Commitment haben und die Wahrscheinlichkeit dadurch höher ist, dass sie auch bereits investiert haben oder kurz davor
stehen.


Positiv hinzu gesellt sich die Haltung der Investoren: „buy on bad news“. Negative Meldungen oder gar Hiobsbotschaften seitens der der Finanz- und Liquiditätskrise fanden letzte Woche kaum noch Gehör. Obwohl in der vergangene Woche einige „Hammerbotschaften“ verdaut werden mussten, hält sich das animusX®- Newsbarometer sehr gut. Hier scheint einiges in den Kursen eingepreist zu sein. Grundsätzlich dürfte das zunächst weiterhin eine gute Unterstützung liefern.

Letzte Woche schrieb ich: „Eine interessante Veränderung gab es bei den Positionsdaten. Die durchschnittlichen Shortquoten der Profis wurden deutlich, (…) reduziert (…) Indes wurden die durchschnittlichen Cashbestände wieder deutlich ausgebaut. Sie erreichen nun ein Niveau von knapp 30 nach zuvor noch 16%. Es scheint, als hätten wir in der vergangenen Woche eine klassische Eindeckungswelle gesehen. Neuengagement sind noch fehl am Platze. Das belegt auch die durchschnittliche Investitionsquote, die weiterhin seit Jahresbeginn bei nur rund 30% notiert. Doch die Bereitschaft für Neuengagements ist immens gestiegen (…) und damit in rekordverdächtiges Terrain eingetaucht. Dem animusX®-L/S-Index zufolge wird in den nächsten zwei Wochen auch mehrheitlich die Longseite favorisiert. Nun müssen der Bereitschaft aber auch Taten folgen! Eine positive Ausgangslage und damit ein positiver Grundbias für weitere Kursgewinne liegen jedenfalls vor.“ Wie die jüngsten Daten belegen, finden die ersten Anschlusskäufe statt. Diese sind zwar sehr verhalten und zaghaft, zeigen jedoch die „gewünschte“ Richtung und sind damit Ausdruck des aktuellen Denkprozesses bei den
Investoren.

Fazit
Aus sentimenttechnischer Sicht folgt dem jüngsten Stimmungsumschwung nun auch eine entsprechende Anpassung in den Portfolien. Dieser Prozess findet aktuell noch sehr zaghaft statt. Grundsätzlich bestünde hier noch genug Handlungsspielraum um den Markt weiter gen Norden zu treiben. Aus technischer Sicht kommen nun aber die ersten ernst zu nehmenden Widerstände auf die Agenda. Eine Konsolidierung ist aus aktueller Sicht wahrscheinlich. Das Ausmaß dieser wird zeigen, inwieweit der Markt wirklich für weitere Zugewinne bereit ist. Das Bilderbuchszenario würde
einen erfolgreichen Test der 6.600er Marke darstellen. Damit wäre zum einen der jüngste tertiäre Aufwärtstrend als auch die Nackenlinie der vermeintlichen inversen SKS-Formation auf Bestand getestet. Die taktische Einschätzung bleibt mit positiv bestehen. Die strategische Einschätzung bleibt weiterhin mit neutral bestehen. Ein Tagesschluss unterhalb des Trends würde die taktische Einschätzung auf neutral verändern.