kwietsche3 – 11. April 2008 – 8:43
Am Aktienmarkt setzt sich die Meinung durch, dass der Höhepunkt der Finanzkrise überwunden ist und die US-Wirtschaft dank der radikalen Zinssenkungen der US-Notenbank sowie dem Konjunkturpaket der Bush-Regierung ab dem zweiten Halbjahr 2008 wieder an Fahrt gewinnt. Die Börsen nehmen diese Hoffnung vorweg, zumal immer wieder Hinweise auf die günstige Aktienbewertungen genannt werden. Wir halten alle diese Argumente für gefährlich.
So sind die Gewinne der im S&P 500 vertretenen Firmen im vierten Quartal 2007 um über 30 Prozent gefallen. Trotz der Kursverluste sind die US-Aktien damit teurer geworden. Da weitere milliardenschwere Abschreibungen drohen, dürften sich die Bewertungsrelationen noch mehr eintrüben. Auch die Wirkung des geplanten Konjunkturpakets könnte verpuffen: Nach einer Statistik der US-Notenbank sind die Privathaushalte mit 10,1 Billionen Dollar verschuldet. Seit Jahren leben die Amerikaner über ihren Verhältnissen, die Sparquote bewegt sich um die Null-Linie. In den letzten drei Monaten war die Zahl der neu geschaffenen Stellen rückläufig. Die Einnahmeseite verschlechtert sich also. Es ist vorstellbar, dass die Bürger die Regierungsschecks nicht ausgeben, sondern zum Schuldenabbau verwenden. In Anbetracht der massiven Verschuldungsprobleme ist auch nicht sicher, dass die Zinssenkungen wie gewünscht wirken. Halten sich die Konsumenten zurück, droht den USA eine jahrelange wirtschaftliche Durststrecke.
Andererseits deuten Stimmungsindikatoren wie das Put-Call-Verhältnis darauf hin, dass viele Markteilnehmer noch auf fallende Kurse setzen. Werden die Short-Positionen aufgelöst, treibt das die Kurse an. Dazu haben die wichtigsten Indizes ihre Abwärtstrends durchbrochen. Trotz der fundamentalen Bedenken könnte der positive Trend an den Börse vorerst anhalten.
In diesem Sinne
Wolfgang Braun