Asiens Währungen unter Abwertungsdruck?

Dr. Rettinger
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Daxvestor – 5. Mai 2008 – 5:40
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In den letzten Jahren sahen es die Wirtschaftspolitiker vieler asiatischer Länder als ihre Aufgabe an, den Zufluss an ausländischen Investitionen durch Kapitalverkehrskontrollen zu beschränken. Damit sollten eine zu starke Aufwertung der Währung und eine Überhitzung der Konjunktur verhindert werden. Indien ist dafür ein Beispiel. Der Subkontinent steht allerdings auch exemplarisch dafür, wie sich die Vorzeichen in den letzten Monaten umgekehrt haben. Im ersten Quartal verkauften ausländische Anleger netto indische Aktien im Wert von 5,4 Mrd. USD. Auch in den meisten anderen asiatischen Ländern standen ausländische Anleger netto auf der Verkäuferseite. Lediglich Taiwan stellt dabei eine Ausnahme dar. An den Börsen spiegelte sich dies in signifikanten Kursrückgängen und am Devisenmarkt in zunehmendem Abwertungsdruck wider.

Indische Rupie fällt
Indien weist ein chronisches Handelsbilanzdefizit auf, das sich zu Jahresbeginn weiter vergrößert hat. Dazu kommt eine Umkehr bei den Kapitalströmen. Ausländische Anleger reduzierten in den letzten Monaten ihre Investitionen am indischen Aktienmarkt. Das Leistungsbilanzdefizit dürfte sich 2008 von -1,8 auf -3,1 Prozent vergrößern. Das führt zu Abwertungsdruck auf die Indische Rupie, die seit Jahresbeginn gegenüber dem Dollar um etwa 3,3 Prozent und gegenüber dem Euro sogar mehr als acht Prozent nachgab.

Anleger differenzieren mehr
Diese Entwicklung kann sich wieder umkehren, falls die Aktienmärkte steigen und es wieder zu einem verstärkten Zufluss an ausländischem Kapital kommt. Auch ein Rückgang der Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise würde zu einer erneuten Verbesserung der Terms of Trade der asiatischen Länder führen. Beides ist möglich – kurzfristig. Langfristig werden aber die Rohstoffpreise aufgrund der weltweiten Knappheit auf einem hohen Niveau bleiben. Eine Rückkehr der Investoren an die Aktienmärkte ist zwar ebenfalls möglich, aber das Risikobewusstsein hat sich verändert. Die Weltwirtschaft ist instabiler geworden. Makroökonomische Ungleichgewichte wie eine galoppierende Inflation, Leistungsbilanzdefizite oder auch soziale und politische Unruhen werden verstärkt wahrgenommen und in die Investitionsentscheidungen einbezogen. Die Anleger werden stärker differenzieren. Indien, die Philippinen und Vietnam weisen chronische Handelsbilanzdefizite auf, die sich weiter vergrößern dürften. Südkoreas Leistungsbilanz wird dieses Jahr voraussichtlich rote Zahlen aufweisen. Die Währungen dieser vier Länder dürften daher unter Abwertungsdruck geraten. Das gilt auch für die Indonesische Rupiah.

EUR/USD ist wichtig
Wie sich die asiatischen Währungen gegenüber dem Euro entwickeln, wird maßgeblich auch vom Wechselkurs EUR/USD abhängen. In den letzten Monaten werteten die meisten asiatischen Währungen gegenüber dem Euro ab. Sollte der Euro seinen Höhenflug gegenüber dem US-Dollar beenden, dann dürfte sich ein möglicher Abwertungsdruck auf die asiatischen Währungen verstärkt im Wechselkurs zur amerikanischen Währung widerspiegeln.

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