Historisch günstig?

W. Braun
0
kwietsche3 – 9. Mai 2008 – 8:25
Eingestellt in:

Jahrelang steigerten die Unternehmen ihre Ergebnisse schneller, als die Aktiennotierungen kletterten. Trotz kräftiger Kursgewinne wirkten die Börsen damit aus fundamentaler Sicht günstig. Jetzt hat sich der Trend umgekehrt: Die Unternehmensgewinne gehen zurück. Obwohl die Kurse seit Jahresbeginn purzeln, hat die Bewertung nach dem KGV sogar zugenommen.

Seit dem Jahreswechsel haben die Analysten ihre Schätzungen für die operativen Gewinne im S&P 500 für 2008 um knapp zehn Prozent gekappt. Noch drastischer ist die Betrachtung der Nettogewinne, wo auch Sonderfaktoren mitberücksichtigt werden. Hier brachen die Prognosen massiv um 25 Prozent ein. Auf Basis der aktuellen Daten bringt es der Index jetzt auf ein KGV von 15 (operativ) bzw. sogar 22. Zwar gab es schon Börsenphasen, in denen Anleger deutlich höhere Preise für Aktien bezahlt haben, richtig billig sind die US-Werte aber nicht mehr. Zudem steht zu befürchten, dass die Ergebnisschätzungen noch weiter eingestampft werden müssen, vor allem wenn die Immobilienkrise – wie von etlichen Experten befürchtet – zunehmend auf den Privatkonsum durchschlägt.

In Deutschland ist die Berichtssaison für das erste Quartal noch nicht so weit fortgeschritten. Aber auch hier zeichnet sich auf Nettobasis im Jahresvergleich ein deutlicher Gewinneinbruch für die DAX-Konzerne ab. Zwar waren einige Sonderfaktoren für den Rückschlag verantwortlich (etwa bei Infineon oder Siemens), aber auch Daimler oder SAP enttäuschten. Dazu drücken die Finanzkonzerne die Gesamtbilanz mit schwachen Zahlen wegen der Sonderabschreibungen.

Die Analysten gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Talfahrt in Deutschland und Europa erst mit Verspätung im Verlauf des Jahres einsetzt. Dann dürfte das erste Quartal nur der Auftakt für eine Reihe mit schwächeren Unternehmensdaten sein. Die von vielen Marktteilnehmern gelobte historisch günstige Bewertung droht dann zu verpuffen.

In diesem Sinne

Wolfgang Braun