Dioxin – 8. Mai 2008 – 14:55
DJ UPDATE: EZB in Position der "ständigen Alarmbereitschaft"
(NEU: weitere Trichet-Aussagen aus Frage-und-Antwort-Runde)
FRANKFURT/ATHEN (Dow Jones)--Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat es angesichts der anhaltend hohen Inflation vermieden, Hinweise auf eine mögliche Zinssenkung zu geben. Ungeachtet der sich abzeichnenden konjunkturellen Abkühlung stellte Trichet am Donnerstag nach den auswärtigen Beratungen der Notenbank in Athen weiterhin die hohe Inflation als das vorrangige Problem der EZB heraus. Er betonte, dass die Teuerung vor dem Hintergrund der steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise seit vergangenem Herbst stark gestiegen sei und vorerst auch weiterhin hoch bleiben werde.
Vor diesem Hintergrund verwies Trichet darauf, dass die aktuellen Daten "weiter auf Aufwärtsrisiken für die Preisentwicklung hindeuten" und die EZB in "einer Position der ständigen Alarmbereitschaft" sei. Aus diesem Grund sei die Wahrung von Preisstabilität das vorrangige Ziel der Notenbank, die feste Verankerung der Inflationserwartungen habe dabei "höchste Priorität".
Zuvor hatte die Notenbank wie erwartet das Leitzinsniveau für die Eurozone bestätigt. Damit liegt der wichtigste EZB-Zins weiter bei 4,00%. Im Juni vergangenen Jahres hatte ihn die Notenbank auf dieses Niveau angehoben und danach stabil gehalten. Beobachter rechnen derzeit damit, dass die EZB spätestens zum Ende des Jahres damit beginnen könnte, wegen der sich abschwächenden Konjunktur die Geldpolitik leicht zu lockern.
Trichet erklärte zum Zinsbeschluss, dass dieser wie üblich einstimmig ausgefallen sei. Es habe "absolut keinen Antrag auf eine andere Zinsentscheidung gegeben", sagte der EZB-Präsident.
Er betonte ferner, dass die wirtschaftlichen Fundamente der Eurozone solide seien. Die Daten würden auf ein "moderates und anhaltendes Wirtschaftswachstum" deuten. "Allerdings ist das Maß der Unsicherheit wegen der Finanzmarktturbulenzen ungewöhnlich hoch und die Spannungen dürften fortbestehen", so der EZB-Präsident.
Mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung machte er zahlreiche Faktoren aus, die auch in der kommenden Zeit für eine positive Wachstumsentwicklung in der Eurozone sorgen würden. So werde die Auslandsnachfrage - wenngleich geringer als im Vorjahr - das Wachstum ebenso stützen, wie Investitionen und privater Verbrauch. Trichet merkte allerdings an, dass der Konsum durch die starken Preisanstiege für Energie und Nahrungsmittel gebremst werde.
"Die Unsicherheit hinsichtlich der Aussichten für das Wirtschaftswachstum bleibt groß", sagte Trichet. Er verwies dabei vor allem auf die Auswirkungen der Finanzmarktturbulenzen. Ferner ergäben sich Abwärtsrisiken aus weiteren unerwarteten Erhöhungen der Energie- und Nahrungsmittelpreise, die den Konsum und die Investitionen dämpfen könnten.
Volkswirte rechnen gegenwärtig damit, dass die Wirtschaft der Eurozone in diesem Jahr und kommenden nur noch um 1,5% wachsen wird, nachdem das Wachstum im vergangenen Jahr 2,6% betragen hatte. Damit würde die Entwicklung unterhalb des Potenzialpfads - rund 2% BIP-Expansion - verlaufen.
Mit Blick auf die Preisentwicklung in der Eurozone erklärte der EZB-Präsident, dass der zuletzt verzeichnete kurzfristige Aufwärtsdruck auf die Inflation vor dem Hintergrund des starken Anstiegs der Energie- und Nahrungsmittelpreise angehalten habe. Für die kommenden Monate sei davon auszugehen, dass die Jahresänderungsrate der HVPI-Inflation "deutlich über 2% bleiben und sich im Jahresverlauf 2008 nur allmählich abschwächen wird", sagte Trichet. Im April war die Jahresteuerungsrate in der Eurozone auf 3,3% von 3,6% im März gefallen.
Die Inflationsaussichten seien "mittelfristig weiterhin eindeutig mit Aufwärtsrisiken behaftet", sagte Trichet. Diese Risiken umfassen seiner Auffassung nach die Möglichkeit weiterer Preissteigerungen bei Energie und Nahrungsmitteln sowie mögliche Erhöhungen der administrierten Preise und indirekten Steuern. Trichet erklärte zudem, die EZB werde die Lohntarifverhandlungen in der Eurozone genau verfolgen.
-Von Peter Trautmann, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69/297 25-313,
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