UPDATE2: EZB bleibt auf neutralem geldpolitischen Kurs

Deutschland
Dioxin – 8. Mai 2008 – 16:01

DJ UPDATE2: EZB bleibt auf neutralem geldpolitischen Kurs

(NEU: Bankvolkswirte, Euro)

FRANKFURT/ATHEN (Dow Jones)--Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat es angesichts der anhaltend hohen Inflation vermieden, Hinweise auf eine mögliche Zinssenkung zu geben. Ungeachtet der sich abzeichnenden konjunkturellen Abkühlung stellte Trichet am Donnerstag nach den auswärtigen Beratungen der Notenbank in Athen weiterhin die hohe Inflation als das vorrangige Problem der EZB heraus. Er betonte, dass die Teuerung vor dem Hintergrund der steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise seit vergangenem Herbst stark gestiegen sei und vorerst hoch bleiben werde.

Vor diesem Hintergrund verwies Trichet darauf, dass die aktuellen Daten "weiter auf Aufwärtsrisiken für die Preisentwicklung hindeuten" und die EZB in "einer Position der ständigen Alarmbereitschaft" sei. Aus diesem Grund sei die Wahrung von Preisstabilität das vorrangige Ziel der Notenbank, die feste Verankerung der Inflationserwartungen habe "höchste Priorität".

Zuvor hatte die Notenbank wie erwartet das Leitzinsniveau für die Eurozone bestätigt. Damit liegt der wichtigste EZB-Zins weiter bei 4,00%. Im Juni 2007 hatte ihn die EZB auf dieses Niveau angehoben und danach stabil gehalten.

Bankvolkswirte sagten nach der Erläuterungen von Trichet, dass die EZB angesichts ihrer neutralen Rhetorik noch für längere Zeit die Zinsen stabil halten dürfte. Dabei wurde auch vorsichtig abgerückt von Prognosen, dass es im dritten Quartal eine erste Zinssenkung geben könnte. Der Euro zog stärker an und überwand dabei die Marke von 1,54 USD, nachdem er im Tagestief noch bei etwas unter 1,53 USD notiert hatte.

Trichet erklärte zum Zinsbeschluss, dass dieser wie üblich einstimmig ausgefallen sei. Es habe "absolut keinen Antrag auf eine andere Zinsentscheidung gegeben", sagte der EZB-Präsident.

Er betonte ferner, dass die wirtschaftlichen Fundamente der Eurozone solide seien. Die Daten würden auf ein "moderates und anhaltendes Wirtschaftswachstum" deuten. "Allerdings ist das Maß der Unsicherheit wegen der Finanzmarktturbulenzen ungewöhnlich hoch und die Spannungen dürften fortbestehen", so der EZB-Präsident.

Mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung machte er zahlreiche Faktoren aus, die in der kommenden Zeit für eine positive Wachstumsentwicklung in der Eurozone sorgen würden. So werde die Auslandsnachfrage - wenngleich geringer als im Vorjahr - das Wachstum stützen, ebenso die Investitionen und der private Verbrauch. "Die Unsicherheit hinsichtlich der Aussichten für das Wirtschaftswachstum bleibt aber groß", sagte Trichet. Er verwies vor allem auf die Folgen der Finanzturbulenzen.

Mit Blick auf die Preisentwicklung erklärte der EZB-Präsident, dass der zuletzt verzeichnete Aufwärtsdruck auf die Inflation vor dem Hintergrund des starken Anstiegs der Energie- und Nahrungsmittelpreise angehalten habe. Für die kommenden Monate sei davon auszugehen, dass die Jahresänderungsrate der HVPI-Inflation "deutlich über 2% bleiben und sich im Jahresverlauf 2008 nur allmählich abschwächen wird". Im April war die Jahresteuerungsrate in der Eurozone auf 3,3% von 3,6% im März gefallen.

Die Inflationsaussichten seien "mittelfristig weiterhin eindeutig mit Aufwärtsrisiken behaftet", sagte Trichet. Diese Risiken umfassen seiner Auffassung nach die Möglichkeit weiterer Preissteigerungen bei Energie und Nahrungsmitteln sowie mögliche Erhöhungen der administrierten Preise und indirekten Steuern. Trichet erklärte zudem, die EZB werde die Lohntarifverhandlungen in der Eurozone genau verfolgen.

Bankvolkswirte sahen in den Ausführungen Trichets wenig Neues. Die "Einleitenden Bemerkungen" von EZB-Präsident Trichet seien praktisch identisch mit denen im April gewesen, sagte Citigroup-Volkswirt Jose Alzola. Angesichts der starken Betonung der Inflationssorgen rechne er damit, dass die EZB-Zinsen auch in den kommenden Monaten unverändert bleiben werden. Überraschend sei gewesen, dass Trichet gegenüber dem vorherigen Monat keine signifikante Eintrübung der Wachstumsaussichten gesehen habe, merkte Alzola an.

Barclays-Ökonom Thorsten Polleit erklärte dazu, dass trotz der zuletzt schwächeren Konjunkturdaten die Wirtschaft der Eurozone recht robust sei. "So gibt es auch wenig negative Spillovers von der Kreditkrise auf die Realwirtschaft", sagte Polleit, der für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum im Währungsraum von 1,6% erwartet. Da sich zudem der von der EZB angeführte "Inflationsbuckel" als längerfristiges - und nicht vorübergehendes - Phänomen erweise, werde die Notenbank ihre Leitzinsen in diesem Jahr nicht mehr senken. Im August könnte die Inflation sogar nochmals auf 3,7% hochgehen, sagte Polleit.

Arnd Schäfer von der WestLB verwies darauf, dass sich die EZB unter dem Strich alle Türen für die weitere Geldpolitik offen gehalten habe. "Aus unserer Sicht wird die EZB in der Abwägung zwischen Preisstabilität und Konjunkturförderung die Leitzinsen wohl weiterhin konstant halten", sagte der Volkswirt.

-Von Peter Trautmann, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69/297 25-313,
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May 08, 2008 11:01 ET (15:01 GMT)

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