UPDATE2: Hypo Real Estate verzeichnet im 1Q Ergebniseinbruch

Dax-30
Dioxin – 6. Mai 2008 – 10:30

DJ UPDATE2: Hypo Real Estate verzeichnet im 1Q Ergebniseinbruch

(NEU: Aussagen aus Telefonkonferenz, Aktienkurs, Analystenbewertungen)

Von Peter Herkenhoff

DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Wegen Abschreibungen auf strukturierte Finanzprodukte und abzüglich der Effekte einer Wandelanleihe im Zusammenhang mit der Übernahme der Depfa Bank hat der Immobilien- und Staatsfinanzierer Hypo Real Estate AG (HRE) im ersten Quartal einen Gewinneinbruch verzeichnet. Das bereinigte Vorsteuerergebnis fiel auf 6 Mio EUR, teilte das Münchener DAX-Unternehmen am Dienstag mit. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten mit 9 Mio EUR gerechnet.

Einschließlich der Wandelanleihe lag das Vorsteuerergebnis bei 190 (304) Mio EUR. Das bereinigte Ergebnis nach Steuern betrug 135 Mio EUR, was einer Eigenkapitalrendite von 7,2% entspricht. Natürlich sei er über die Gewinnsituation enttäuscht, sagte Finanzvorstand Markus Fell während einer Telefonkonferenz. Zugleich verwies er auf andere Banken, die im Zuge der anhaltenden Kreditkrise hohe Verluste verzeichnet hätten. Das Kerngeschäft sei trotz allem "ziemlich stabil".

"Die ersten drei Monate 2008 waren für unsere Branche sicherlich das schwierigste Quartal seit vielen Jahren", wird der HRE-Vorstandsvorsitzende Georg Funke zitiert. Die Belastungen dürften nicht den Blick dafür verstellen, dass das operative Geschäft in den Kerngeschäftsfeldern zufriedenstellend und teilweise erfreulich verlaufen sei. Wegen der volatilen Märkte sei es derzeit jedoch nicht möglich, konkrete Aussagen über den weiteren Geschäftsverlauf 2008 zu treffen.

Die Börse reagierte mit Kursverlusten auf die Quartalszahlen. Um 10.30 Uhr notierten HRE-Papiere 2,1% auf 23,18 EUR leichter. Anfang Januar wurde die Titel noch mit 36 EUR gehandelt, nach einer überraschenden Gewinnwarnung im März erreichten die Aktien mit 12,95 EUR ihr Tief.

Seit der Ankündigung der Private-Equity-Gesellschaft J.C. Flowers, sich mit 24,9% beteiligen zu wollen, notiert die Aktie in einer Spanne zwischen 23 und 24 EUR. Die HRE begrüßte erneut die im April unterbreitete Beteiligungsabsicht. Weil die Angebotsunterlage aber noch nicht veröffentlicht worden sei, könne das Unternehmen weiter keine Stellungnahme abgeben, hieß es.

Nach Ansicht von NordLB-Analyst Michael Seufert sind die Geschäftszahlen weitgehend wie erwartet ausgefallen. Die CDO-Abschreibungen seien auf dem erwarteten Niveau, nur das operative Ergebnis sei ein wenig schwächer ausgefallen. Insgesamt seien die Ergebnisse zufriedenstellend, so der Analyst, der die Aktie weiter mit "Kaufen" bewertet.

Die operativen Erträge lagen in den ersten drei Monaten 2008 mit 184 Mio EUR deutlich unter Vorjahr (498 Mio EUR), hieß es in der Unternehmensmitteilung. Der Rückgang sei vor allem auf das Handels- und Finanzanlageergebnis zurückzuführen, in denen sich die Auswirkungen der aktuellen Marktverwerfungen widerspiegelten, hieß es.

Im Handelsergebnis (minus 98 Mio EUR nach plus 28 Mio EUR im Vorjahreszeitraum) und im Finanzanlageergebnis (minus 29 Mio EUR, Vj plus 77 Mio EUR) sind negative erfolgswirksame Bewertungsveränderungen auf das Konzernportfolio an Collateralized Debt Obligations (CDO) von zusammen 175 Mio EUR enthalten. Die erfolgswirksame Abwertung dieser Bestände spiegelt die im ersten Quartal nochmals deutlich erhöhten Risikoaufschläge infolge der Krise an den Kapital- und Finanzierungsmärkten wider, so das Unternehmen.

Die Abwertung entspreche rund 10% des am 31. Dezember 2007 ausgewiesenen Bestands an amerikanischen und europäischen CDOs. Die im Jahr 2007 erfolgswirksam gebildete Modellreserve in Höhe von 90 Mio EUR für Unsicherheiten bei den getroffenen Annahmen und Schätzungen besteht weiterhin fort.

Kerstin Vitvar, Analystin bei UniCredit, hält die Quartalszahlen aus operativer Sicht für nicht überzeugend. Es sei unklar, wie die Ratingagenturen auf den Rückgang bei der AfS-Neubewertungsrücklage reagierten, und ob die Kernkapitalquote von 8,3% nach Basel II die Kapitalsituation wirklich entspanne. Nichtsdestotrotz bestätigte die Analystin ihre Halten-Empfehlung und das vor kurzem auf 25 EUR angehobene Kursziel.

Auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bestätigte ihre Kaufen-Empfehlung und das Kursziel von 31,50 EUR je Aktie. Zwar hätten die Fair-Value-Belastungen die Erwartungen überstiegen und sei der Provisionsüberschuss deutlich schwächer als erwartet ausgefallen. Doch die Risikovorsorge und Kostenentwicklung seien positiv.

Die Position Zinsüberschuss und ähnliche Erträge ist im ersten Quartal um 40 Mio auf 299 (339) Mio EUR gesunken. Nach Ansicht von HRE ist der Rückgang auf zwei Ursachen zurückzuführen: Zum einen enthalte der Zinsüberschuss weniger Einmalerträge als im Vorjahreszeitraum, zum anderen sei der Zinsüberschuss des laufenden Quartals durch die mittlerweile geschlossene Zinspositionierung der DEPFA belastet gewesen.

Der Provisionsüberschuss belief sich auf 35 (54) Mio EUR. Das Ergebnis spiegele das geringere Neugeschäft in der Immobilienfinanzierung und geringere Erträge aus dem Asset Management wider, so HRE.

Die Kreditrisikovorsorge lag im ersten Quartal mit 33 (34) Mio EUR leicht unter dem Vorjahreswert. Der Verwaltungsaufwand lag mit 145 Mio EUR um 15 Mio EUR unter dem Wert im Vorjahresquartal. Der Saldo "Übrige Erträge/Aufwendungen" beinhaltet mit 184 Mio EUR einen Effekt aus der Pflichtwandelanleihe zur Teilfinanzierung des DEPFA-Erwerbs.

Das Segment Commercial Real Estate, das das deutsche und internationale gewerbliche Immobilienfinanzierungsgeschäft umfasst, steigerte das Vorsteuerergebnis wegen höherer operativer Erträge, einer konstante Entwicklung der Kreditrisikovorsorge und eines geringeren Verwaltungsaufwandes auf 164 (153) Mio EUR.

Das Segment Public Sector & Infrastructure Finance, das vor allem das Staatsfinanzierungsgeschäft der Depfa sowie die Infrastrukturfinanzierungen umfasst, erreichte ein Vorsteuerergebnis von 172 (160) Mio EUR. Ein deutlicher Rückgang beim Finanzanlageergebnis infolge geringerer Veräußerungen von Finanzanlagen konnte durch sehr erfreuliche Entwicklungen beim Zinsüberschuss und beim Handelsergebnis mehr als kompensiert werden.

Das Ergebnis des Segments Capital Markets & Asset Management war geprägt durch die Auswirkungen der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten und den sich daraus ergebenden Verschlechterungen der Risikoprämien. Das Segment schloss das erste Quartal mit einem Vorsteuerergebnis von minus 19 (plus 27) Mio EUR.

Webseite: http://www.hyporealestate.com

-Von Peter Herkenhoff, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 116,
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