Volatilität, Schwungkraft und Hochs als Signalgeber

Heiko Aschoff
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kwietsche3 – 16. Mai 2008 – 10:06
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Volatilität

Die Volatilität misst die Intensität der Schwankungen eines Wertpapierkurses um den eigenen Mittelwert. Sie ist eine Risikokennzahl. Je höher die Volatilität, desto größer ist die Abweichung. Die Erfahrung lehrt, dass nach einer „Phase der Ruhe“ immer eine „explosive Phase“ mit steigender Volatilität folgt. Der Haken an der Sache ist nur - in welche Richtung erfolgt der Ausbruch? Hier helfen weitere Indikatoren, die Treffergenauigkeit zu erhöhen (zum Beispiel Gleitende Durchschnitte: in welche Richtung verläuft der übergeordnete Trend? Wie stark ist er?).

Anhand der weit verbreiteten Bollinger Bänder möchte ich kurz eine Möglichkeit vorstellen, wie Volatilitätsveränderungen beim Puzzle der Kursprognose verwendet werden können. Bollinger Bänder versuchen die Kurse mit Hilfe einer oberen und unteren Begrenzung einzufangen. Sie nutzen dazu ein Phänomen, das aus der Statistik bekannt ist. Die meisten Werte befinden sich immer in der Nähe des Mittelwerts. Darum streuen einige Ausreißer nach oben und unten. Gauß hat dies mit seiner Normalverteilungsfunktion in eine mathematische Form gegossen. Der Mittelwert wird durch einen Gleitenden Durchschnitt (GD) dargestellt und um diesen GD wird eine Standardabweichung definiert. Die Standardabweichung misst die durchschnittliche Abweichung vom Kurs.

Das obere Bollinger Band ist nun der GD plus die Standardabweichung, das untere Band der GD minus der Standardabweichung. Wenn die Standardabweichung zunimmt, wird der Korridor zwischen den Bändern immer größer. Der Indikator reagiert damit auf eine zunehmende Volatilität.

Quelle: Aschoff, Aktienanalyse für jedermann, Beck Wirtschaftsberater

Im oberen Teil des Commerzbank-Charts ist die Wellenbewegung der Bollinger Bänder entlang der Kurse gut zu erkennen. Die Verengungen und Ausweitungen sind ein wertvoller Hinweis auf Trendveränderungen. Zur Verdeutlichung habe ich im unteren Teil den Abstand der Bänder zueinander abgetragen. Es wechseln sich enge und weite Phasen als Ausdruck der Volatilität ab. Trader nutzen das Wechselspiel (Volatilitätsausbrüche) für Spekulationszwecke.

Volatilitäts Intensität Indikator

Der Volatilitäts Intensität Indikator (VI) berücksichtigt das Wechselspiel der Volatilität. Er schwankt zwischen Null und Hundert. Niedrige Werte bedeuten ein relativ niedriges Volatilitätsniveau, hohe Werte vice versa. Seine Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. In Kombination mit dem Schwungkraft Indikator bieten sich Screenings nach abgeschlossenen Sekundärkorrekturen im Primärtrend an. Bitte beachten Sie, dass ein Volatilitätsausbruch nur eine Bewegung ankündigt, aber nichts über die Richtung aussagt.

Schwungkraft Indikator

Der Schwungkraft Indikator (SI) misst die Kraft einer Kursbewegung. Der %SI schwankt zwischen Null und Hundert. Ein hoher Wert bedeutet, dass der Zug in voller Fahrt ist. Dabei kann man den Verlauf idealtypisch in vier Phasen unterteilen:

Vergleichbar beim Autofahren nimmt der Wagen erst langsam Fahrt auf (1), um dann oberhalb der Nulllinie (2) richtig aufs „Gaspedal“ zu drücken. Irgendwann wird es zu schnell oder die Höchstgeschwindigkeit ist erreicht. Der SI vollzieht eine obere Wende. Schließlich wird der Fuß vom Gaspedal genommen (3). Vom Schwung beflügelt läuft der Wagen weiter. Irgendwann kommt eine Steigung oder der Fahrer betätigt die Bremsen um nicht aus einer scharfen Kurve zu fliegen (4). Kein Problem für unseren versierten Fahrer (starker Aufwärtstrend). Kaum ist das Hindernis gemeistert, heißt es Fuß vom Bremspedal und weiter geht’s! Wichtig: Der SI muss nicht die Nulllinie kreuzen. Anfang April 2007 gibt der Fahrer wieder Gas und der SI dreht nach oben – die Aktie erreicht ein neues Hoch.

Der Schwungkraft Indikator reagiert träger als der Volatilitäts Intensität Indikator. Dafür hält er seine Tendenz länger bei. Durch eine geschickte Parameterkombination mit dem VI können z.B. Werte identifiziert werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit gerade eine Ausbruchsbewegung starten.

Hochs

Ein neues Hoch lässt viele trendorientierte Trader aufhorchen. Je länger der Zeitraum, desto bedeutsamer. Ein 52-Wochen-Hoch genießt besondere Aufmerksamkeit. Aber auch ein Halbjahres- oder Monats-Hoch hat eine große Fangemeinde. Warum ist das so? Wenn eine Aktie neue Hochs erklimmt, dann steckt dahinter meist eine außergewöhnlich gute Geschäftsentwicklung. Profis überprüfen täglich News und Fundamentaldaten aller Aktien mit auffälligen Hochs und springen auf den Trend auf. Doch Vorsicht: Schnelles Geld springt genauso schnell wieder ab, wenn es zu einem starken Pullback oder gar Rückfall unter das alte Hoch kommt.

Die Puma-Aktie ist ein gutes Beispiel, welche Anziehungskraft neue Hochs ausüben. Die Ausbrüche bei Puma werden mustergültig durch eine Zunahme des Volumens bestätigt. In Korrekturen geht es trendbestätigend zurück. Quelle: Aschoff, Aktienanalyse für jedermann, Beck Wirtschaftsberater

Ähnlich verhält es sich mit Monatsgewinnern. Spektakuläre Gewinne in kurzer Zeit können die Vorboten einer Neubewertung sein. Achten Sie auf Monatsgewinner und forschen Sie nach den Ursachen, was die Kurse treibt – oder ob es sich nur um eine Eintagsfliege handelt.

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Ihr Heiko Aschoff
Diplom-Kaufmann
www.institutionell.INFO