Wolfram – 20. Mai 2008 – 0:17
In diesen Tagen bildet man fast schon die rühmliche Ausnahme, wenn man KEINE Shortposition auf Öl proklamiert, geschweigedenn hält.
Ich lese nur sporadisch in den Börsenforen, doch wann immer ich in den letzten Wochen etwas las, wurde "Öl-Short" gepriesen.
Wer Trading als Geschäft betrachtet und dementsprechend keine emotionalen Entscheidungen trifft, dem kam bis dato ganz sicher nicht die Idee im Öl Short zu gehen.
Es sind die emotional agierenden Marktteilnehmer, die derzeit glauben mit einer Shortposition auf Rohöl einen besonders cleveren Schachzug zu tätigen und damit reihenweise auf die Schnauze fallen.
Wie kommt man nun aber darauf sich bei Öl Short zu positionieren?
Es ist, wie bereits gesagt, keine rationale, sondern eine emotionale Entscheidung, die in den meisten Fällen reine Bauchsache ist.
In uns Menschen sind Ur-Instinkte verankert, die für den Handel an den Börsen äußerst ungünstig, ja geradezu fatal sind.
Einer dieser Ur-Instinkte sagt uns, dass Höhe Gefahr bedeutet und so herrscht der allgemeine Irrglaube, dass ein Markt, der stark gestiegen ist auch zwangsläufig fallen müsse.
Man erwartet dann auch oftmals sogar stark fallende Kurse/Preise, was vollkommener Unsinn ist.
Wer sich einmal die Historie von Aktien, wie Porsche, Microsoft, Yahoo etc. angesehen hat, der sollte gewarnt sein.
Märkte laufen zudem nie zu ihrer "fairen" Bewertung, sondern von einem Extrem in das nächste.
Besonders trendstark sind hierbei Währungen und Rohstoffe.
Die aktuelle Situation bei Rohöl ist typisch für einen Bullenmarkt und die Leute lernen einfach nicht aus ihren Fehlern.
Es läuft immer gleich ab, doch die Lehren aus solchen Marktverläufen werden einfach nicht gezogen, weil sich viele Anleger offenbar lieber in der Opferrolle sehen, als ihr Handeln zu verbessern.
Betrachten wir uns die fundamentale Seite, so gab es in den letzten Wochen absolut keinen Grund Öl zu shorten.
Rohöl befindet sich, wie die meisten anderen Energie-Rohstoffe derzeit in einer üblicherweise saisonal starken Phase, die noch weiter andauert, wie der Seasonal-Index im unteren Chart zeigt.
Zudem sind die Lagerbestände relativ niedrig.
Wenn wir uns den Commitment of Traders Report ansehen und die Verteilung der Positionen beleuchten, so zeigt sich, was gerade schief läuft.
Es ist ein Paradies für Profis und die Hölle für die Amateure!
Im ersten Indikatoren-Fenster sehen Sie als rote Linie den COT-Index der Kleinspekulanten.
Der COT-Index zeigt uns den relativen Investitionsgrad der Kleinspekulanten bezogen auf die letzten 52 Wochen.
Ein Index von 0 bedeutet, dass die Kleinspekulanten das niedrigste, ein COT-Index von 100 das höchste Investitionsniveau der letzten 52 Wochen erreicht haben.
Wie schlecht die Kleinspekulanten agieren muss an dieser Stelle nicht mehr explizit erwähnt werden.
Sie stehen in der Nahrungskette der Märkte ganz unten und werden von den Großen regelmäßig gefressen.
Aktuell haben wir einen COT-Index von 13% bei den Kleinspekulanten.
Diese Indikation zeigt das, was ich bereits in den Foren beobachtet habe- die Kleinspekulanten setzen auf fallende Ölpreise und das ist die beste aller Welten für die Profis.
Rohstoffe sind unheimlich trendstark und ein bedeutendes Markthoch wird hier für gewöhnlich mit einem Peak ausgebildet.
Das bedeutet, dass der Preis zuletzt fast senkrecht ansteigt, um dann wieder dynamisch abzufallen.
Dies ist bis dato keineswegs der Fall.
Vielmehr steigt Öl sehr stetig und gleichförmig an.
In der Wochenend-Ausgabe meines täglichen Trading-Services "Daily Market Timing" hatte ich anhand meines Bewertungsmodells aufgezeigt, warum Öl noch gar nicht so stark überhitzt ist, wie es die meisten von Ihnen glauben.
Für mich persönlich gibt es keine emotionale Bindung zu einem Markt oder zu einem Trade.
Ich habe klare Regeln für einen Trade und nur, wenn diese erfüllt sind gehe ich eine Position ein.
Für mich gibt es daher auch niemals die Angst eine Bewegung zu verpassen.
Krankerweise ertragen Anleger lieber riesige Draw Downs in ihren Trades, als bei einer starken Marktbewegung nicht investiert zu sein.
Im einen Fall verliert man kein Geld und im anderen Fall verdient man keines, verliert aber auch nichts, doch es herrscht bei vielen das Denken "ich kaufe schon mal, damit ich dabei bin, wenn es dreht".
Dabei werden regeln gedehnt, übergangen, es wird vollkommen hirnlos und undiszipliniert agiert.
Meist kann man froh sein, wenn man mit einem blauen Auge davon kommt und der Draw Down steht in keinem Verhältnis zu dem Profit, der letztlich zu Buche steht.

Sie können heutzutage 30-40 verschiedene Märkte Long und Short handeln.
Zudem können Sie noch mindestens genau so viele Spreads konstruieren.
Warum in Gottes Namen sollte man anfangen bei 100 $ Öl zu shorten und die Positionen bis 130 $ hinauf sogar noch ausbauen?
Und das alles entgegen aller fundamentalen und technischen Gesetze?
Es gibt keinen rational greifbaren Grund für so ein Vorgehen.
Es ist eine rein emotionale Geschichte- sonst nichts.
Ich persönlich werde Öl shorten, wenn meine Kriterien für einen Trade erfüllt sind.
Falls das nicht der Fall ist gibt es eben keinen Trade.
Und falls ich dadurch einen 20-30$-Sturz bei Öl verpasse, dann ist das eben so.
Es gibt über 100 Varianten für einen Trade.
Warum sollte ich ein unverhältnismäßig großes Risiko für einen unterdurchschnittlichen Ertrag eingehen und mein Kapital unnötig binden?
Ich hoffe diese Zeilen regen manchen zum Nachdenken an, denn mit undiszipliniertem Trading kommen Sie dauerhaft auf keinen grünen Zweig.
Viel Erfolg wünscht Ihnen
René Wolfram
www.market-timing.de