DAX: Seitwärtsbewegung oder Kurserholung?

S. Boehm
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Daxvestor – 18. Juni 2008 – 5:48
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Die Börsen werden derzeit in die Zange genommen. Eine Abschwächung der Weltkonjunktur auf der einen Seite und ein Anstieg der Leitzinsen auf der anderen Seite lassen die Anleger zunehmend skeptisch in die Zukunft blicken. Beides wird nicht ohne Folgen für die Entwicklung von Umsatz und Gewinn der Unternehmen bleiben. Aktuell sind es die zunehmend restriktiven Töne der Notenbanker, die auf die Kurse drücken. Insbesondere der Kurswechsel von Fed-Chef Ben Bernanke war von vielen nicht erwartet worden. Bislang herrschte die Meinung vor, die US-Notenbank werde trotz der hohen Inflationsrate nicht an der Zinsschraube drehen, um die Wachstumsabschwächung nicht zu verstärken.

Steigende Zinsen sind Gift für die Börsen
Doch die Notenbanken messen dem Inflationsproblem offenbar eine größere Bedeutung zu, als es viele Anleger bislang taten. Ein Blick über den Tellerrand zeigt: In 80 Prozent aller Länder, in denen die Notenbanken ein Inflationsziel ausgegeben haben, liegt die Inflationsrate über der Zielgröße. 24 Notenbanken von Indien über Brasilien bis Südafrika haben seit Jahresbeginn den Leitzins angehoben. Welche Folgen eine restriktivere Geldpolitik auf den Aktienmarkt haben kann, zeigt der Blick nach China: Seit ihrem Hoch im Oktober 2007 haben die Indizes der chinesischen Inlandsbörsen in Shanghai und Shenzhen deutlich an Wert verloren. Allerdings waren diese Märkte natürlich stark überbewertet.

Aktienbewertungen haben sich verschlechtert
Doch auch in den USA haben sich die Bewertungsrelationen der Aktien verschlechtert. Die Rendite der im S&P 500 enthaltenen Aktien liegt nur noch um 0,22 Prozentpunkte über der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen. Das ist der geringste Renditevorsprung der Aktien seit 2004. Das liegt zum einen daran, dass die Anleiherenditen seit Mitte März deutlich gestiegen sind, nicht zuletzt aufgrund der höheren Inflationserwartungen. Zum anderen stehen die Gewinne der Unternehmen unter Druck. Den aktuellen Prognosen zufolge dürften die Gewinne der im S&P 500 enthaltenen Unternehmen im zweiten Quartal um 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr sinken. Dafür sind vor allem die gestiegenen Rohstoffkosten verantwortlich, die nur zum Teil über höhere Preise an die Kunden weitergegeben werden können.

Seitwärtsbewegung zu erwarten
Das ist nicht gut, aber auch kein Grund zur Panik. Es gibt viele Weltregionen, die weiterhin stark wachsen, darunter China, der Nahe Osten, Brasilien und Russland. Das gibt gerade der auf den Export ausgerichteten deutschen Wirtschaft eine Stütze. Zudem sind die Unternehmen bilanziell in einer guten Verfassung und können daher eine schwächere Phase verkraften. Für die Aktienmärkte, auch für den DAX, dürfte dies alles in den nächsten Monaten eine anhaltende Seitwärtsbewegung mit mehr oder weniger starken Auf und Abs bedeuten. Zumal gerade die US-Notenbank derzeit vor allem rhetorisch auf die Pauke haut. Echte Zinserhöhungen sind in den USA dennoch so bald nicht zu erwarten, und wenn dann nur in bescheidenem Ausmaß.

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