DAX: Wie tief geht es noch?

S. Boehm
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Daxvestor – 28. Juni 2008 – 6:01
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Erst hü, dann hott, so kann einem der Kurs bzw. der erwartete Kurs der US-Notenbank Fed vorkommen. Nach den letzten hawkishen Äußerungen aus den Reihen der Notenbanker rechneten die Märkte mit einer Zinserhöhung in den USA im August. Die dürfte jedoch ausfallen.

Doch keine Zinswende?
Eigentlich hatte man sich von der Sitzung der US-Notenbank am Mittwoch mehr Aufschluss erhofft. Wie erwartet beließen die Währungshüter den Leitzins unverändert bei 2,0 Prozent. Zwar ließen die Notenbanker durchblicken, dass die Inflationsgefahren inzwischen die Abwärtsrisiken für die Konjunktur überwiegen, sie verzichteten jedoch auf eine direkte Gegenüberstellung, die man als Signal für eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung hätte interpretieren können. Manche Experten erwarten jetzt eine Zinserhöhung erst im nächsten März. Voraussetzung: Die Inflation muss noch halbwegs im Rahmen bleiben. Der Dollar, der erst aufgrund der erwarteten Zinswende gegenüber dem Euro anziehen konnte, sackte ab und scheint wieder in Richtung 1,60 zu tendieren.

Finanzkrise doch hartnäckiger als gedacht
Im Umkehrschluss heißt dies, dass die Notenbanker die US-Wirtschaft noch für zu fragil halten, um jetzt durch eine Zinserhöhung das ohnehin schon schwache Wachstum noch weiter zu belasten. Außerdem schwelt die Krise im Banken- und Immobiliensektor weiter. Dies bekam die Hypo Real Estate zu spüren, die zuletzt einer der schwächsten DAX-Werte war. Grund ist das ausgelaufene Übernahmeangebot von J.C. Flowers, der 24,9 Prozent an dem Immobilienfinanzierer zum Kurs von 22,50 Euro übernommen hat. Zu diesem Kurs hätte er einen weit größeren Anteil haben können, die Annahmequote lag bei 46,7 Prozent aller HRE-Aktien. Dies heißt, dass die verkaufswilligen HRE-Aktionäre nur 53,7 Prozent ihrer Aktien loswerden. Der Rest, so die Interpretation des heutigen Kursverlaufs, wird wohl über die Börse verschleudert.

Banken mit hohem Kapitalbedarf
Auch von anderen Finanztiteln kommen schlechte Nachrichten. Der Fortis-Konzern will seine Finanzdecke um acht Mrd. Euro aufstocken. Neben dem Verkauf von Vermögenswerten sollen auch neue Aktien ausgegeben werden. Bei den Anlegern kam dies gar nicht gut an. Der Euro Stoxx 50-Wert Fortis verlor am heutigen Donnerstag um über 16 Prozent. Auch die Herabstufung der Citigroup durch die Analysten von Goldman Sachs belastete. In der Studie rechnet man mit weiteren Abschreibungen in Höhe von 8,9 Mrd. USD. Dass aber auch die Analysten nicht immer treffsicher sind, hat Goldman Sachs nun selbst zugegeben. Das Investmenthaus bedauerte eine Empfehlung vom 5. Mai, in der Bank- und Konsumwerte herausgestellt wurden. Dies sei ein klarer Fehler gewesen, so Goldman Sachs. Für Merrill Lynch rechnet Goldman Sachs übrigens mit 4,2 Mrd. USD Abschreibungen im zweiten Quartal. Vielleicht ist es ja gerade die Ehrlichkeit, die den Analysen wieder mehr Glaubwürdigkeit verschaffen. Die Aktien von Citigroup und Merrill Lynch brachen jedenfalls zeitweise an der Wall Street ein.

DAX testet Untergrenze seines Trading-Intervalls
Der deutsche Leitindex ist im Gefolge der jüngsten Turbulenzen der Untergrenze seines aktuellen Trading-Intervalls bei 6.400 Punkten angelangt. Sollte diese Unterstützung nachhaltig gebrochen werden, wären weitere Kursverluste zu erwarten. Die Finanzkrise hat die Börse wieder im Griff. Solange nicht klar ist, ob sich die Befürchtungen über neue Belastungen im Finanzsektor und über mögliche Zinserhöhungen der Fed bewahrheiten, ist mit Abwärtsdruck auf die Aktienmärkte zu rechnen.

Viel Erfolg wünscht

Ihre

DaxVestor Redaktion

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