DAX vor der Entscheidung

S. Boehm
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Daxvestor – 5. Juli 2008 – 5:31
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Ölpreis, Zinsen, Inflation. Dies sind kurzgefasst die Schreckgespenster, die am Aktienmarkt die Runde machen. Um zumindest die Inflation im Zaum zu halten und um Zweitrundeneffekte zu verhindern, hat die EZB am Donnerstag wie erwartet den Leitzins für die Eurozone um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent erhöht. Die Meinung der Volkswirte zu diesem Schritt ist gespalten.

Notwendige oder nutzlose Maßnahme?
Klar ist, dass die EZB aufgrund der verbalen Positionierung im Vorfeld nicht anders konnte, als die Zinsen anzuheben. Doch ob dieser Schritt zum jetzigen Zeitpunkt richtig war, daran scheiden sich die Geister. Positiv ist zumindest, dass sich die Währungshüter nicht vom Getöse der Politiker haben beirren lassen und ihre Unabhängigkeit bewahrten. Die Kritiker der Zinserhöhung führen an, dass die Gefahren für die Konjunktur größer seien, als für die Geldwertstabilität. Der derzeit größte Preistreiber, der hohe Ölpreis, würde sich auf hohem Niveau einpendeln. Nach Auslaufen des Basiseffekts würde dann auch der Druck auf die Preise nachlassen, so die Argumentation. Doch es gibt auch Befürworter des Zinsschritts, wenn auch wenige. Sie halten weiter steigende Preise für ein größeres Risiko als die Gefahr, dass die ohnehin lahmende Konjunktur im Euro-Raum durch ein Anziehen der Zinsschraube abgewürgt wird. Dabei wird jedoch oft übersehen, dass der Euro-Raum kein homogenes Gebilde ist. Während Deutschland noch relativ gut dasteht, dürfte in Italien und Spanien eine Rezession nun ein Stück weit wahrscheinlicher geworden sein.

Und was sagt Trichet?
In seinem Statement kommentierte EZB-Chef Trichet nochmals die aus seiner Sicht unvermeidliche Zinserhöhung. „Die Zinserhöhung wird helfen, die Inflationsrate wieder unter zwei Prozent zu drücken und Zweitrundeneffekte verhindern“. Spannender als diese Aussage waren freilich die Passagen, die auf zukünftige Schritte der EZB schließen lassen. Diesbezüglich blieb Trichet jedoch unverbindlich. „Wir haben keine Tendenz“ lässt den Notenbankern alle Optionen offen. Mit seiner Aussage, dass die EZB im Zweifelsfall alles tun werde, um die Preisstabilität zu gewährleisten, stellte Trichet jedoch klar, dass die Notenbank bei weiter anziehenden Preisen nicht untätig bleiben würde. Die Mehrheit der Anleger glaubt indessen nicht an unmittelbar bevorstehende, weitere Zinserhöhungen. Der DAX sprang nach der Sitzung um über 100 Punkte nach oben, wohl in der Hoffnung, dass es das nun erst einmal gewesen sei.

Ölpreis weiter aufwärts?
Derweil gibt es am Ölmarkt noch keine Anzeichen dafür, dass der Preisanstieg bald beendet sein könnte. Im Gegenteil. Die zunehmenden Spannungen zwischen Israel und dem Iran lassen Kriegsängste wach werden, die sich bereits auf die Preise niederschlagen. Vor allem für die Automobilindustrie, und da speziell für die US-Hersteller ist dies eine schlechte Nachricht. Am Donnerstag machten die Analysten von Merrill Lynch Schlagzeilen. Erstmals erklärten Sie für die Nummer Eins der US-Autobauer, General Motors, eine Pleite als möglich. Laut der Studie müsse sich GM in den nächsten Monaten 15 Mrd. USD frisches Kapital besorgen. Gelinge dies nicht, drohe die Zahlungsunfähigkeit. Die Reaktion aus Detroit fiel verhalten aus. Man glaube, dass man 2008 über ausreichend Liquidität verfüge, so GM. Wie es danach aussieht, kein Mensch weiß es. Auch bei Ford und Chrysler sieht es nicht besser aus. Sollte tatsächlich einer der drei US-Traditionshersteller Pleite gehen, wäre ein gigantischer Widerhall in den USA zu erwarten, da zigtausende Arbeitsplätze an der Automobilindustrie hängen. Das Pendel dürfte dann wohl stark in Richtung Protektionismus ausschlagen.

DAX durchbricht Trading-Range
Der deutsche Leitindex DAX hat derweil seine untere Begrenzung der Trading-Range der letzten Monate bei 6.400 Punkten nach unten durchbrochen. Dies ist ein äußerst negatives Signal, das jedoch noch nicht endgültig bestätigt wurde. Schon einmal, im März dieses Jahres, notierte der DAX während vier Börsentagen unter dieser Chartmarke, ehe die Rückkehr gelang. Auch diesmal könnte sich der DAX über die 6.400er Marke zurückretten. Sollte der DAX Erfolg haben, dann könnte aus charttechnischer Sicht Entwarnung gegeben werden. Sollte der DAX dagegen an den 6.400 Punkten scheitern, wäre dies eine Bestätigung des Breaks. Weitere Kursverluste wären dann zu erwarten.

Viel Erfolg wünscht

Ihre

DaxVestor Redaktion

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