Daxvestor – 2. Juli 2008 – 5:31
Die ersten sechs Monate waren das schlechteste Halbjahr an den weltweiten Aktienmärkten seit vielen Jahren. Der marktbreite Index für den europäischen Aktienmarkt Dow Jones Stoxx 600 büßte seit Jahresbeginn 21 Prozent seines Wertes ein; das gab es seit 1987 nicht mehr. Die Benchmark für die Aktienmärkte Ost- und Südostasiens, der MSCI Asia Pacific Index, fiel im ersten Halbjahr um 13 Prozent. Für diese Wachstumsregion ist das die schlechteste Börsenperformance seit 1992, als die Blase am japanischen Aktienmarkt platzte. Die Wall Street markierte ebenfalls Negativ-Rekorde. Zuletzt waren vor allem die Standardaktien betroffen, die sich zuvor noch einigermaßen behaupten konnten. Der Dow Jones Index erlebte den schlechtesten Juni seit 1930. Nur zwei von zehn Branchen im S&P 500 verzeichneten im ersten Halbjahr eine positive Performance. Das waren die Energieproduzenten sowie die Minenkonzerne und Chemieunternehmen (Produzenten von Basisgütern). Weltweit wurden an den Börsen im ersten Halbjahr 9.200.000.000.000 Billionen US-Dollar (sprich 9,2 Billionen) an Wert vernichtet.
Fundamentale Veränderungen an den Märkten
Hauptursache für den Kursrückgang ist die Kombination aus Liquiditätskrise und Inflationsangst, welche die Märkte in die Zange nimmt. An den Märkten hat sich Fundamentales geändert: Das Besichern von Aktienpositionen durch Kredite auf Anleihen ist kaum mehr möglich. Die Fonds lösen daher weiterhin Positionen auf, um angesichts wertlos gewordener Immobilienkredite ihre Liquidität aufrecht zu erhalten. Das könnte noch irgendwie verkraftet werden, wenn die Märkte steigen würden und die Konjunktur z.B. nicht durch ein Rekordhoch beim Ölpreis gefährdet wäre. Fallen aber die Märkte, dann führt das zu einer Abwärtsspirale, wie wir sie jetzt sehen.
Doch was sollten Anleger jetzt tun?
Jetzt reicht es aber mit den Negativ-Meldungen und wir kommen zu der Frage, wie sich Anleger nun verhalten sollten. Man darf sich nichts vormachen: Die Anpassungen an den Märkten, die nun vonstatten gehen, werden noch einige Zeit anhalten. Weitere Kursverluste sind möglich. Dennoch ist das keine Weltwirtschaftskrise, die wir da erleben, sondern eine Finanzkrise. Die Unternehmen sind gesund und schreiben überwiegend Gewinne, wenn auch weniger als erwartet. Die Weltkonjunktur schwächt sich ab, aber eine Rezession droht allenfalls in den USA – und selbst dort lassen sich dafür keine konkreten Anzeichen ausmachen. Langfristig wird diese Krise die Chance zu einem Einstieg in interessante Märkte geben. Unseres Erachtens bleiben auf lange Sicht vor allem die Emerging Markets in Asien attraktiv. Der Aufholprozess der Region Ost- und Südostasien wird weitergehen; das ist ein Megatrend dieses Jahrhunderts. Doch für einen Einstieg ist es noch zu früh, auch wenn viele Märkte inzwischen wieder attraktiv bewertet erscheinen. In jedem Fall muss derjenige, der jetzt einsteigt, gute Nerven und einen langen Atem zeigen. Wir werden wie gewohnt die Märkte intensiv beobachten und Sie rechtzeitig informieren.
US-Arbeitsmarktdaten und EZB-Sitzung
Die letzten US-Konjunkturdaten fielen nicht so schlecht aus, insbesondere die Zahlen zur Entwicklung der Einkommen und der Ausgaben der privaten Haushalte übertrafen wieder einmal die Erwartungen. In dieser Woche könnten vor allem die ISM-Indizes und die US-Arbeitsmarktdaten, die aufgrund des Feiertags am 4. Juli diesmal schon am Donnerstag veröffentlicht werden, die Märkte bewegen. In Deutschland steht die EZB-Sitzung im Blickpunkt. Sollten Trichet & Co. erneut die Inflationsrisiken in den Vordergrund stellen, dann könnte das den DAX weiter unter Druck setzen. Mit dem Bruch der Unterstützung bei 6.400 Punkten wurde charttechnisch ein negatives Zeichen gegeben.
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