Dioxin – 25. Juli 2008 – 13:11
DJ UPDATE2: Abnehmende monetäre Dynamik dämpft EZB-Zinsfantasien
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FRANKFURT (Dow Jones)--Das Geldmengenwachstum in der Eurozone hat sich im Juni deutlich abgeschwächt, was Spekulationen über weitere Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) einen kräftigen Dämpfer verpassen dürfte. Wie die EZB am Freitag mitteilte, stieg das Geldmengenaggregat M3 gegenüber dem Vorjahresmonat nur noch um 9,5%. Dies war die niedrigste Jahresrate seit November 2006. Für den gleitenden Dreimonatsdurchschnitt wurde ein Wachstum von 9,9% ausgewiesen. Das Geldmengenwachstum lag unter den den Erwartungen, es überstieg aber weiter den EZB-Referenzwert von 4,5%.
Im Mai hatte M3 auf Jahressicht um revidiert 10,0% zugelegt, nachdem zunächst eine Zunahme um 10,5% ausgewiesen worden war. Die Dreimonatsrate wurde damit auf 10,1% (vorläufig: 10,4%) korrigiert. Die EZB revidierte darüber hinaus die M3-Entwicklung in den Monaten davor deutlich nach unten. Für die Juni-Zahlen der enger gefassten Geldmenge M1 wies sie zudem ein jährliches Wachstum von lediglich 1,4% aus - ein Rekordtief für die Zeit seit Einführung des Euro. Einer solch schwachen M1-Dynamik folgt der Erfahrung nach oftmals ein starker Wachstumsabschwung.
Die neuen Zahlen dürften die Spekulationen darüber verstärken, dass die EZB ihren Leitzins ungeachtet der noch hohen Inflation nicht weiter erhöhen wird, zumal die Kreditdynamik in der Eurozone rückläufig ist. Gegenwärtig beträgt der Leitzins 4,25%, zuletzt hatte die Notenbank ihn Anfang Juli um 25 Basispunkte erhöht. In der Vergangenheit hatte die EZB stets die hohe monetäre Dynamik als Risiko für die mittel- bis längerfristige Preisstabilität bezeichnet.
"Neben der abrupten Abschwächung des Wirtschaftswachstums scheint nun auch die monetäre Säule unsere Sicht zu bestätigen, dass die Zinsen vorerst unverändert bleiben werden", sagte Marco Valli von UniCredit. Der nächste Zinsschritt werde dann - voraussichtlich Mitte des kommenden Jahres - nach unten gehen, meinte der Ökonom. Holger Schmieding von Bank of America sagte ebenfalls, dass die neuen monetären Daten - neben der sich stark eintrübenden Konjunktur - ein weiteres Argument gegen abermalige Zinserhöhungen seien. Auch bezweifelt er, ob der Zinsschritt Anfang des Monats überhaupt notwendig gewesen ist.
Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert verwies ferner darauf, dass die monetäre Grunddynamik wegen der flachen Zinsstruktur überzeichnet sei. "Die daraus resultierenden Umschichtungen in monetäre Instrumente führen tendenziell zu einer Beschleunigung des M3-Wachstums", sagte Schubert mit Blick auf den anhaltend starken Anstieg der Termingeldeinlagen. So wiesen etwa Termineinlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren eine Jahresexpansion von knapp 40% auf.
Dass von der monetären Säule insgesamt Signale ausgehen, die mittelfristig für eine Lockerung der Geldpolitik sprechen, unterstrichen außerdem die Daten zur Kreditvergabe in der Eurozone. So wies die EZB für die viel beachtete Expansion der Buchkredite an den privaten Sektor einen deutlichen Rückgang der Jahresrate auf 9,8% von 10,5% im Mai aus. Dabei schwächte sich die Kreditdynamik sowohl an die Unternehmen wie auch an die privaten Haushalte ab.
Die Kreditvergabe deutet somit insgesamt auf eine sich weiter abkühlende Konjunktur hin. "Allerdings gibt es keine Anzeichen für eine Kreditklemme", sagte Commerzbank-Experte Schubert. Einen Teil der verbliebenen Dynamik führte er allerdings auf Sonderfaktoren zurück. Bank-of-America-Ökonom Schmieding sagte, das abnehmende Kreditwachstum sei auch Folge der bisherigen EZB-Zinserhöhungen.
-Von Peter Trautmann, Dow Jones Newswires; +49 (0) 69 297 25 313
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July 25, 2008 08:11 ET (12:11 GMT)
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