UPDATE2: Unbefristeter Streik bei Lufthansa ab Montag

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Dioxin – 25. Juli 2008 – 15:13

DJ UPDATE2: Unbefristeter Streik bei Lufthansa ab Montag

(NEU: Aussagen von Lufthansa und ver.di, Hintergrund, Aktienkurs)
Von Kirsten Bienk
DOW JONES NEWSWIRES

HAMBURG (Dow Jones)--Bei der Deutschen Lufthansa AG werden am Montag von 0.00 Uhr an Boden- und Kabinenmitarbeiter auf unbestimmte Dauer streiken. Welche Auswirkungen dieser von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di beschlossene Arbeitskampf hat, können gegenwärtig weder Lufthansa noch die Gewerkschaft einschätzen. Die Folgen hängen zum einen von der Zahl der Streikenden ab und zum anderen von den Gegenmaßnahmen, die die Airline ergreift. Zu beiden Fragen halten sich die Tarifvertragspartner bedeckt. Die Auswirkungen auf den Markt sind indes klar. Die Aktie verliert bis 15.57 Uhr 0,64% auf 15,52 EUR.

ver.di hatte ihre Mitglieder in den Bereichen Passsage, Kabine, Catering, Technik und Cargo zur Urabstimmung aufgerufen und am Freitagvormittag das Ergebnis verkündet. 90,7% der Befragten haben sich demnach für einen unbefristeten Arbeitskampf ausgesprochen. Wie viele ver.di-Mitglieder abgestimmt haben, sagte die Gewerkschaft indes nicht. Dies werde üblicherweise nicht gemacht, damit der Arbeitgeber den Arbeitnehmervertretern "nicht in die Karten" schauen könnte, sagte ver.di-Sprecher Harald Reutter Dow Jones Newswires. Die Wahlbeteiligung sei aber trotz der Ferienzeit "außergewöhnlich" hoch gewesen.

Dies bezweifelt Lufthansa. "Wir gehen davon aus, dass die überwiegende Mehrheit der Lufthansa-Mitarbeiter in Deutschland nicht an der Urabstimmung teilgenommen hat", sagte Airline-Sprecherin Claudia Lange. Damit habe sich nur "ein Bruchteil" der Angestellten der Aufforderung von ver.di angeschlossen.

Wie viele Mitarbeiter in den Streik treten, wird sich am Montag zeigen. Lufthansa bereitet eigenen Angaben vor und versucht, die Auswirkungen des Streiks so gering wie möglich zu halten. Details wurden nicht genannt.

Star-Alliance-Partnerin Austrian Airlines hat aber bereits ihre Unterstützung zugesagt. "Soweit Kapazitäten vorhanden sind, werden wir Lufthansa-Passagiere auf AUA-Flüge umbuchen," sagte Sprecherin Pia Stradiot. Es sei aber noch nicht klar, welche Flüge und Destinationen betroffen seien. Ob und in welchem Ausmaß größere Flugzeuge zum Einsatz kommen werden, sei auch noch nicht einschätzbar.

Die "Rheinische Post" berichtet unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass Lufthansa bis zu 75% der Flüge sicherstellen könnte. So habe die Airline Zugriff auf Drittfirmen für den Check-In-Bereich und Flugzeugwartungskapazitäten bei anderen Gesellschaften. Außerdem würde die Bahn Passagiere mit Lufthansa-Tickets befördern.

Die Gewerkschaft stört solche Notfallmaßnahmen nicht. "Unser Ziel ist es ja nicht, den Flugverkehr lahm zu legen", sagte Reutter. Vielmehr sei es Absicht, die Airline wirtschaftlich zu treffen, um so Druck auf den Arbeitgeber auszuüben.

Die Arbeitnehmervertreter fordern für das Kabinen- und Bodenpersonal eine Einkommenserhöhung von 9,8% bei einer Tarifvertragslaufzeit von einem Jahr sowie die Weiterentwicklung der Ergebnisbeteiligung.

Lufthansa hatte zuletzt die Erhöhung der Gehälter vom 1. Juli 2008 um 4,6% und vom 1. Juli 2009 um weitere 2,1% sowie eine Laufzeit von 21 Monaten und eine Einmalzahlung geboten. Dies ist der Gewerkschaft aber zu wenig. Die Erhöhung gleicht kaum die Inflationsrate aus und entspricht nicht dem, was die Mitarbeiter mit Blick auf die "glänzende" Ertragslage der Airline erwarten.

Lufthansa bezeichnet die Lage derzeit zwar auch als gut, warnt allerdings vor der Zukunft. In einem Offenen Brief an alle Mitarbeiter hatte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber alle Beschäftigten mit Blick auf die Rahmenbedingungen zu Besonnenheit aufgerufen und höheren Gehaltswünschen eine Absage erteilt. "Relativ" gesehen sei das Ergebnis der Airline immer noch zu schwach und nicht ausreichend, um das Wachstum zu finanzieren und die Arbeitsplätze zu sichern, betonte er.

Webseite: http://www.lufthansa-financials.com
http://www.verdi.de

-Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0)40 3574 3116,
kirsten.bienk@dowjones.com
DJG/kib/hed/nas

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July 25, 2008 10:13 ET (14:13 GMT)

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