Dioxin – 1. Juli 2008 – 17:05
DJ XETRA-SCHLUSS/Sehr schwach - Ausverkaufsstimmung im DAX
FRANKFURT (Dow Jones)--Erneut sehr schwach sind die deutschen Aktien am Dienstag aus dem Handel gegangen. Der DAX gab um 1,6% oder 102 auf 6.316 Punkte nach. Nur sechs der 30 DAX-Werte schafften den Sprung ins Plus. Zwischenzeitlich hatte das Börsenbarometer sogar bis zu 2,3% nachgegeben. Unter Druck standen die Finanz- und konjunkturempfindlichen Werte. Der Weg Richtung Jahrestiefs bei 6.168 sei nun offen, hieß es im Handel. Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 216,0 (Vortag 153,9) Mio Aktien im Wert von rund 7,22 (Vortag 5,88) Mrd EUR.
Für eine leichte Stabilisierung am Nachmittag sorgten lediglich besser als erwartete US-Konjunkturdaten. So lag der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe im Juni mit 50,2 Punkten deutlich über der Konsensschätzung von 48,6. "Mit knapp über 50 Punkten lugt der Index erstmals seit Januar wieder vorsichtig über die Schwelle zum expansiven Bereich", stellen Volkswirte fest. Allerdings zeigten die Teilkomponenten ein eher wechselhaftes Bild. "Insgesamt bestätigt der Bericht, dass sich die US-Industrie derzeit noch in einer stagnativen Phase befindet", meinen Volkswirte. Neue Nahrung für die Inflationssorgen liefere der Teilindex für die bezahlten Preise, der auf den höchsten Stand seit 1979 sprang. Jedoch fielen die Bauausgaben im Mai weniger stark als befürchtet.
Einen regelrechten Ausverkauf hatten Banktitel zu verzeichnen. Der Kurseinbruch von Lehman Brothers und zwischenzeitliche Gerüchte, die Deutsche Bank könne eine Gewinnwarnung abgeben, drückten einige Titel über 5%. Erst am Abend beruhigten sich die Kurse. Commerzbank fielen 3,9% auf 18,11 EUR, Deutsche Bank, die sich zu Marktgerüchten nicht äußern wollten, verloren 4,4% auf 52,44 EUR. Auch Postbank, Hypo Real Estate und Deutsche Börse gaben jeweils bis zu 3,5% nach. Die Versicherer Allianz fielen 2,8% und Münchener Rück um 1,4%.
Unter Druck standen auch ThyssenKrupp mit Abschlägen von 7,7% auf 36,80 EUR. Händler verwiesen zur Begründung auf die drastischen Preiserhöhungen für Eisenerz, die Rio Tinto bei asiatischen Stahlkochern wie Posco und Nippon Steel durchgesetzt habe. Im MDAX verloren Salzgitter 5,8% auf 109,61 EUR.
Infineon brachen als Tagesverlierer im DAX sogar um 12,3% auf 4,85 EUR ein. Ein Händler verwies auf eine Exane-BNP-Studie, derzufolge kaum einer der bislang gehandelten Fusionspartner tatsächlich für eine Übernahme in Betracht komme. "Darüber hinaus ist die Stimmung für die Technologiewerte nach dem 10-Wochen-Tief an der Nasdaq am Montag ausgesprochen schlecht", sagte ein anderer Marktteilnehmer.
Ohne die Aufschläge bei RWE mit 0,6% auf 80,68 EUR und Deutsche Telekom mit 1,8% auf 10,59 EUR wären die Verluste im DAX noch deutlicher ausgefallen. Telekom profitierten von einer Heraufstufung durch J.P. Morgan (JPM) auf "Overweight" von "Neutral", RWE von ihrem defensiven Anlagecharakter.
Bei den Nebenwerten setzten sich die kräftigen Kursverluste vom Vortag nahtlos fort. "Vor allem die Langfristanleger seit 2003 ziehen sich weiter aus dem Markt zurück", sagte ein Händler. Mangels Käufern auf der Gegenseite verloren zahlreiche TecDAX- und MDAX-Titel mehr als 4%. Unter anderem brachen Roboterhersteller Kuka im MDAX nachrichtenlos um 7,7% ein auf 19,05 EUR. "Die Aktie hat sich lange gut gehalten, jetzt wird alles auf den Markt geworfen, wo noch Speck dran war", so der Händler. ProSiebenSat1 litten unter schlechten Quoten im Juni, die von der Fussball-EM dominiert wurde. Die Aktien verloren fast 9% auf 5,80 EUR.
DJG/mod/raz
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July 01, 2008 12:05 ET (16:05 GMT)
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