Dioxin – 8. August 2008 – 7:03
DJ NOL bestätigt: Stehen auf Short-List für Hapag-Lloyd-Kauf (zwei)
Zur Höhe ihres im Juli unterbreiteten nicht-bindenden indikativen Gebot für die Containerschifffahrtssparte der TUI AG hat NOL bisher keine Angaben gemacht. Seinerzeit hieß es zudem, es sei noch zu früh, um zu sagen, ob das indikative Gebot für Hapag-Lloyd in einer endgültigen Transaktion münden werde.
Eine Transaktion könnte nun möglicherweise in Frage gestellt werden.
NOL hat am Donnerstag Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Sie wurden als enttäuschend beurteilt. Der Umsatz kletterte zwar um 24% auf 2,2 Mrd USD. Der Nettogewinn sank hingegen wegen höherer Kosten und sinkender Nachfrage um 19% auf 76 Mio USD und lag damit unter der Konsensschätzung der Analysten von 105 Mio USD. Zudem warnte das Unternehmen vor einem schwieriger werdenden zweiten Halbjahr.
Diese Entwicklung könnte einige Anleger dazu veranlassen, die ehrgeizigen Expansionspläne der Reederei einer genaueren Prüfung zu unterziehen. Einige Analysten führen zudem an, dass nationale Interessen (in Deutschland) möglicherweise ebenso wichtig seien wie wirtschaftliche Interesse. Zudem sei natürlich der Preis ein entscheidender Faktor bei der Frage, ob es zu einer Übernahme des deutschen Wettbewerbers komme. Und die Bewertung sei ein schwieriges Vorhaben. Hapag-Lloyd lege als Sparte von TUI keine vollständigen Zahlen vor.
In den Medien wurde für das Hapag-Lloyd-Gebot eine Spanne von gut 4 Mrd USD bis 7 Mrd USD genannt. Vor allem das obere Ende werde von einigen Anlegern kritisiert. Dieser Preis wäre zu hoch. "Ich wäre kein glücklicher NOL-Aktionär, wenn das passiert", sagte Lars Mohagen, Senior Portfolio Manager bei Odin Fund Management, die sowohl Anteile an NOL als auch an TUI hält. Akzeptabel wäre für ihn ein Preis von etwa 5 Mrd USD.
Anderen Anlegern sei auch dieser Preis noch zu hoch. Für Vincent Fernando, Analyst bei Citigroup, würde der Deal bei einem Preis von 3 Mrd USD Sinn machen. NOL wollte sich zu den Preisspekulationen nicht äußern.
Nicht nur NOL selbst warnt vor einem schwierigeren Umfeld. Sich verschlechternde Bedingungen branchenweit sieht auch die US-Bank Lehman Brothers. Die Frachtraten dürften im kommenden Jahr um 4% sinken, ehe sie sich wieder erholen.
Diese Entwicklung dürfte weitere Fragen zu einem möglichen Hapag-Lloyd-Deal aufwerfen. Zwar sähen viele Analysten langfristig Vorteile aus einem Zusammenschluss der beiden Reedereien. So sei Hapag-Lloyd stärker auf den viel befahrenen Routen zwischen Asien und Europa vertreten, während NOL im Trans-Pazifik-Geschäft dominiere. Eine Fusion könnte Einsparungen unter anderem im Bereich Back-Office bringen. Zusammen mit der TUI-Tochter würde NOL den Angaben zufolge gemessen am Volumen die Nummer 3 unter den Frachtreedereien
Für einen hohen Preis sprächen nach Meinung einiger Analysten strategische Gründe. NOL wird von der staatseigenen Investmentgesellschaft Temasek Holdings kontrolliert, hieß es. Eine Transaktion würde somit die Rolle des Stadtstaats Singapur als führender Frachthafen Asiens stärken und auch die Expansionspläne von NOL stützen.
Singapur ist nach Berechnungen der Drewry Shipping Consultants Ltd gemessen am Volumen zwar noch der größte Frachthafen der Welt. Allerdings wachsen die beiden chinesischen Häfen in Schanghai und Shenzhen in den letzten 10 Jahren mit einer höheren Rate. Somit gehe es bei dem Deal eher um die Frage von Singapurs Stellung in der Containerschifffahrt, meint Fernando von der Citigroup.
Ein Sprecher von Temasek wollte sich zu der Angelegenheit nicht äußern. Im März hatte der Konzern erklärt, er mische sich nicht in das Tagesgeschäft oder in Entscheidungen seiner Portfoliounternehmen ein.
In Deutschland könnten nationale Interessen einem möglichen Deal mit NOL entgegenstehen, hieß es. TUI hätte bei einer solchen Entscheidung politischen Druck zu erwarten. Verkäufe von deutschen Unternehmen ins Ausland würden auf Widerstand stoßen. Von deutscher Seite liegt ein Angebot des Hamburger Konsortiums "Albert Ballin" für Hapag-Llyod vor. Die Muttergesellschaft TUI wollte keine Details zu dem Bieterprozess nennen.
Webseiten: http://www.tui.com
http://www.hapag-lloyd.com
http://www.nol.com.sg DJG/mim
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August 08, 2008 02:03 ET (06:03 GMT)
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