Lohrke – 1. September 2008 – 7:42
Der Dax lag in 2001 irgendwo zwischen 5.000 und 6.500 Punkten, also sagen wir im Mittel bei etwa 6.000 Zählern. Am Freitag lag der Dax bei 6.422 Punkten. Das ist ein Plus von ungefähr + 7 %. Wenn ich den höheren Dax-Stand nehme, haben wir ein leichtes Minus von ca. -1 % zu beklagen. Legen Sie mich da bitte nicht auf die Nachkommastelle fest, da ich bewusst etwas grober an die Sache rangehe. Sie werden gleich sehen, dass das für den Sachverhalt, den ich darstellen möchte auch bei Weitem ausreicht.
Denn 2001 hat der weltgrößte Versicherungskonzern und einer der größten Finanzdienstleistungskonzerne mit Sitz in München und dem Namen „Allianz“ ein Geschäft getätigt. Er hat die Dresdner Bank mit dem Band der grünen Sympathie – was immer dieser Slogan auch mit einer Bank zu tun hat – gekauft. Für sage und schreibe 24 Mrd. Euro. Eine stolze Summe.
Gestern nun hat das Unternehmen sein Engagement weitestgehend beendet. Und was bekommt die Allianz dafür? In der ersten Tranche erhält sie Aktien der Commerzbank im Wert von 3,4 Mrd. Euro, 2,5 Mrd. Euro in Cash und den Vermögensverwaltungsarm Cominvest, der etwa 700 Mio. Euro wert ist. In einer zweiten Tranche sollen später noch einmal Aktien der Commerzbank AG im Wert von 3,2 Mrd. Euro über den Tisch gehen. Macht also alles in allem 9,8 Mrd. Euro, wenn ich mich nicht verrechnet habe.
Das habe ich mich natürlich nicht. Denn im Gegensatz zum gesamten damaligen und heutigen Vorstand der Allianz AG kann ich rechnen. Obwohl ich nur einen kleinen Rechner der Marke Casio fx-85 MS auf meinem bescheidenen Schreibtisch liegen habe. Ich muss das auch, weil ich ein kleines Unternehmen habe und im Gegensatz der Herren in München nicht in Marmor pisse. Wie man aber sieht, muss das kein Nachteil sein.
Denn diese Herren in ihren Maßanzügen haben es in 7 Jahren geschafft, die unglaubliche Summe von 14,2 Mrd. Euro (zwischenzeitliche Investitionen und Sanierungen nicht mitgerechnet) in den Sand zu setzen. Der Verlust beläuft sich nämlich auf insgesamt -59,2 %!!!!
Das finde ich beeindruckend. Sie wahrscheinlich auch. Und dennoch wird man wieder händeschüttelnde Vorstände sehen, die lachend in die Kameras blicken und uns das Ganze als einen Riesenerfolg verkaufen werden. Und das Geschäft als wegweisend für den deutschen Finanzplatz darstellen werden. Kein Wunder. Es war ja nicht ihr Geld, dass sie da mal eben verzockt haben. Das finanziert schließlich der Kunde. Über z.B. höhere Versicherungsgebühren und niedrigere Ausschüttungen bzw. niedrigere Überschüsse bei Kapitallebensversicherungen, die bei der Allianz abgeschlossen wurden.
Insofern haben Vorstandsvorsitzende wie Michael Diekmann gut lachen. Lag sein bescheidenes Salär doch bei immerhin 4,7 Mio. Euro. Und die gesamten Vorstandsvergütungen bei satten 39 Millionen Euro. Wobei sie gegenüber dem Vorjahr doch „bluten“ mussten. Denn 2006 gab es noch 41 Millionen Euro.
Und wieder einmal begrüßt uns nicht das Murmeltier, sondern die versagenden und in Talkshows und bei der Kanzlerin immer gern gesehenen Aufsichtsräte, von Dr. Henning Schulte-Noelle, über Dr. Gerhard Cromme bis Dr. Wulf H. Bernotat. Für diese Klasse Aufsichtsleistung haben die Aufsichtsräte der Allianz in 2007 eine Gesamtvergütung von 1,6 Mio. Euro erhalten. Schulte-Noelle erhielt 246.300 Euro, Dr. Cromme 164.200 Euro und Herr Bernotat immer noch 132.625 Euro.
Also, was haben wir vom Vermögensmanagement der Allianz zu halten? Dazu ziehen wir einfach einmal den Dax als Benchmark heran. Der hat im gleichen Zeitraum maximal ca. – 1% verloren. Und was schaffen unsere Investmentprofis von der Allianz. Im gleichen Zeitraum schaffen sie eine Negativrendite von -59,2 %. D.h., wenn Sie den Dax gekauft hätten, wären Sie wesentlich besser davon gekommen. Hätten sie wohl tun sollen.
Liebe Damen und Herren von der Allianz. Vielleicht solltet Ihr Euer Vermögensmanagement ganz schnell abstoßen und Eure Anlagenabteilung gleich hinterher werfen. Denn wer Euch nach diesem Deal der Geldvernichtung noch Geld anvertraut, weiß ich nicht. Ich jedenfalls werde Euch meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Und die Allianz Kunden sollten sich ruhig einmal fragen, ob sie bei der richtigen „Verbindung“ sind.
Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.
Ihr Norbert Lohrke

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