Dioxin – 10. Oktober 2008 – 17:24
DJ XETRA-SCHLUSS/Erneut Kurssturz im DAX - Bankentitel brechen ein
FRANKFURT (Dow Jones)--Erneut sehr schwach ist der DAX am Freitag aus einer tiefroten Handelswoche gegangen. Nach einem panikartigen Kurseinbruch mit sehr hohen Umsätzen und einem zeitweiligen Verlust von 11% ging der DAX letztlich 7% bzw 343 Punkte tiefer bei 4.544 aus dem Handel. Nach der Achterbahnfahrt konnte sich der Index am Nachmittag immerhin etwas stabilisieren.
Das Tagestief von 4.308 Punkten hatte ihn auf den tiefsten Stand seit Mai 2005 gedrückt. Allein an den vergangenen fünf Handelstagen ist der Index damit um rund 25% abgestürzt. Die Nebenwerte-Indizes MDAX und TecDAX verloren 6,8% bzw 4,8%. Der Umsatz in DAX-Titeln auf Xetra belief sich auf rund 458,4 (Vortag 282,0) Mio Aktien im Wert von rund 11,63 (Vortag 7,84) Mrd EUR.
Händler äußerten sich nur noch kopfschüttelnd zu dem Einbruch. "Das hier kann man keinem mehr erklären", sagte ein Markteilnehmer. Trotz teilweise günstiger Bewertungen fehle der Mut zum Einstieg. Von Fonds ist zu hören, dass sie angesichts der hohen Kursverluste weitere Aktienpositionen zwangsliquidieren müssen, um die Risiken einzugrenzen.
Andreas Hürkamp von der Commerzbank weist darauf hin, dass viele Aktienkurse bereits unter dem Buchwert handeln. Der Buchwert einer Gesellschaft entspricht im Wesentlichen dem bilanzierten Anlagevermögen. Mit den Kurseinbrüchen signalisierten die Märkte, dass die zahlreichen Rettungs- und Hilfsmaßnahmen der Notenbanken und Regierungen zu spät kommen. Händler hoffen nun auf weitere Stützungsmaßnahmen im Vorfeld der Tagung des Internationalen Währungsfonds am Montag.
Die Volatilität der Aktien nahm dabei erneut zu, nachdem schon am Donnerstag ein Rekordhoch erzielt wurde. "Gemessen an den Umsätzen und Volatilitäten in den letzten Tagen stellt sich die Frage, ob das die Kapitulation ist", merkte Volker Bien von UniCredit an. Gerade die Heftigkeit des jüngsten starken Einbruchs eröffne die Chance auf ein Ende der scharfen Abwärtsbewegung in den kommenden Sitzungen.
"Der Crash rollt", stellte hingegen ein technisch orientierter Analyst fest. Immerhin habe die Unterstützung bei 4.466 Punkten im DAX gehalten. Für weitere Belastung könne jedoch schon am Montag der schleppende Verlauf der Auktion von Kreditderivaten auf Lehman Brothers wirken. "Allerdings ändert sich die Meldungslage minütlich. Es macht keinen Sinn, mehr als ein paar Stunden nach vorne zu schauen", sagte ein ermüdeter Händler.
Finanzwerte setzten ihre Kurseinbrüche ungebremst fort. Allianz verloren 9,2% auf 70,95 EUR, Commerzbank 9,8% auf 9,71 EUR, Deutsche Bank brachen sogar um 16,1% auf 31,23 EUR ein und Postbank um 14,6% auf 22,62 EUR. Münchener Rück sanken um 9,8% auf 85,68 EUR. Händler verwiesen auf die erdrutschartigen Verluste des entsprechenden US-Sektors und der Insolvenz des japanischen Versicherers Yamato auf Grund von Verlusten im Wertpapiergeschäft belastet. "Die Befürchtung ist, dass der Deckungs-Stock einiger Versicherungen auch notleidende Papiere enthält", sagte ein Händler.
Wie angeschlagen der Markt war, zeigten die Verluste der defensiven Branchen. Selbst die dividendenstarken Versorger brachen ein: E.ON fielen um 10,4% auf 25,32 EUR und RWE um 10,9% auf 52,53 EUR. VW zeigten dagegen weiter Stärke, die Aktie stieg gegen den Trend um 15,2% auf 342 EUR glatt.
Im MDAX setzten sich die Verluste der Zykliker fort, auch wenn einige Werte die Tiefs der vergangenen Tage nicht mehr unterschritten, was als Hinweis auf abflauenden Verkaufsdruck gewertet wurde. So stiegen GEA um 5,1% auf 12,68 EUR und Krones um 0,5% auf 30 EUR glatt. Hugo Boss setzten sich hingegen mit 20,1% Minus an die Verliererspitze. Im TecDAX schafften IDS Scheer trotz einer Gewinnwarnung den Sprung in den grünen Bereich. Die Aktie schloss 3,7% höher bei 5,32 EUR. Singulus und Qiagen verzeichneten hingegen Verluste von über 10%.
DJG/mod/reh
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October 10, 2008 12:24 ET (16:24 GMT)
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