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INTERVIEW/Merck KGaA will mit Pharmasparte stärker wachsen als der Markt

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Dioxin – 4. Februar 2010 – 13:00

DJ INTERVIEW/Merck KGaA will mit Pharmasparte stärker wachsen als der Markt

Von Heide Oberhauser-Aslan
DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Darmstädter Pharma-und Spezialchemiekonzern Merck KGaA rechnet trotz einiger Rückschläge in seiner Medikamentenentwicklung im vergangenen Jahr damit, mittel- und langfristig mit seiner Pharmasparte schneller als der Markt wachsen zu können. "Ich bin der Meinung, dass wir zwar nicht in jedem Jahr aber mittel- und langfristig das Potenzial haben, schneller als der Markt zu wachsen", sagte der Leiter der Merck-Pharmasparte Elmar Schnee im Interview mit Dow Jones Newswires.

Das globale Pharmamarktwachstum sieht Schnee für die nächsten Jahre im mittleren einstelligen Prozentbereich. "Ich gehe nicht davon aus, dass der Markt in den nächsten Jahren zu einem 10%igen Wachstum zurückkehren kann. In den kommenden Jahren werden seiner Aussage nach weltweit Patente im Volumen von 60 Mrd EUR auslaufen, das seien schon 7-8% des gesamten Marktvolumens, sagte Schnee. "Ich gehe davon aus, dass Merck hier mit seiner Pipeline schneller wachsen kann", sagte der Manager.

Langfristig hält Schnee auch eine bereinigte Umsatzrendite in der Sparte Merck Serono, in der das Geschäft für innovative verschreibungspflichtige Arzneimittel gebündelt wird, von 25% für erreichbar. Für 2009 hat das Unternehmen für Merck Serono eine bereinigte Umsatzrendite von 20% in Aussicht gestellt.

Ob der Konzern seine Jahresprognosen 2009 für den Konzern erfüllen konnte, ließ Schnee noch offen und verwies auf den Termin der Bilanzvorlage am 23. Februar. "Ich kann nur sagen, wir haben unsere Prognose gegeben im dritten Quartal und da gibt es nichts hinzuzufügen", erklärte er lediglich.

Im vergangenen Jahr hatte Merck einige Rückschläge in seiner Arzneimittelentwicklung hinnehmen müssen. Im November hatte die US-Zulassungsbehörde FDA den Merck-Zulassungsantrag für Cladribin-Tabletten zurückgewiesen. Das Mittel zur oralen Behandlung der Multiplen Sklerose gilt als großer Hoffnungsträger bei Merck mit Blockbusterpotenzial. "Wir sind nach wie vor im Gespräch mit der US-Behörde, um Cladribin so schnell wie möglich zu den Patienten bringen zu können", sagte Schnee.

Wann Merck einen neuen Zulassungsantrag stellen werde, ließ er aber offen. "Wir machen das so schnell wie möglich", sagte er lediglich. In Europa rechnet Schnee weiter damit, im dritten Quartal eine Stellungnahme von der EMEA zu bekommen. Dort war der Zulassungsantrag im Juli 2009 eingereicht worden. Im November musste Merck auch endgültig die Hoffnungen begraben, das erfolgreiche Krebsmittel Erbitux auch in der Indikation Lungenkrebs in Europa zugelassen zu bekommen.

Schnee geht aber weiter davon aus, dass Erbitux dennoch ein Blockbuster auch in Euro werden kann. In den ersten neun Monaten 2009 erzielte Merck mit dem Medikament einen Umsatz von rund 510 Mio EUR. Unter Blockbuster versteht man ein Medikament mit einem Umsatz von mindestens einer Milliarde Dollar oder Euro. Auf einen genauen Zeitpunkt wollte sich der Manager aber nicht festlegen. "Es sollte eigentlich stattfinden, bevor Biosimilars auf den Markt kommen und das wäre ungefähr 2015", sagte er. Biosimilars sind biotechnologisch erzeugte Nachahmermedikamente.

Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in der Pharmasparte will Merck 2010 in Prozenten vom Umsatz in der Größenordnung des Vorjahres halten. "Unser Minimum-Investment sind 20% vom Umsatz, erklärte er. Wegen vieler Entwicklungsprojekte in der Phase III habe Merck aber im vergangenen Jahr die Ausgaben hochgefahren. "Ich denke, dass sich die Aufwendungen in diesem Jahr in der gleichen Größenordnung in Prozenten vom Umsatz bewegen werden wie im letzten Jahr", kündigte Schnee an.

In Forschung und Entwicklung will Merck auch in China in den nächsten Jahren kräftig investieren. Im November hatte das Unternehmen bekannt gegeben, in den nächsten vier Jahren 150 Mio EUR in ein viertes globales Zentrum für Forschung und Entwicklung in China stecken zu wollen. Merck unterhält bereits Forschungszentren in Darmstadt, Genf und Boston. "China wird wahrscheinlich im nächsten Jahr Deutschland überholen als Pharmamarkt Nummer 3 nach USA und Japan", sagte Schnee. Es reiche nicht aus, in einem so großen Land nur Produkte zu verkaufen, sondern man müsse dort auch investieren und Zugriff auf Innovationen haben.

Nach Angaben des Managers plant Merck in China nicht die ganze F&E-Kette aufzubauen. "Wir fokussieren uns hier mehrheitlich auf die Entwicklung der Medikamente und vielleicht noch auf Biomaker-Research, sagte Schnee. "Das Land hat ein riesiges Potenzial und wird pharmamäßig mit zweistelligen Raten wachsen in den kommenden Jahren", meinte er. "Wir werden dort versuchen, das Potenzial unserer Produkte auszuschöpfen".

China sei eines der Schwerpunktländer für Merck sowohl in der Forschung als auch als Absatzmarkt. Medikamente auch in China zu produzieren sei aber derzeit nicht vorgesehen. "Ich hoffe nicht, dass das nötig sein wird, wir haben derzeit keine diesbezüglichen Pläne", sagte Schnee.

Seine Position weiter ausbauen will Merck auch in den USA. "Das ist der größte Pharmamarkt der Welt und wird es auch bleiben, davon bin ich überzeugt", sagte Schnee. Mit der Akquisition von Serono habe Merck dort einen großen Brückenkopf erhalten. "Was wir jetzt brauchen, sind neue Medikamente", erklärte Schnee. Das Unternehmen könne dort auch seine Produkte selber lancieren denn es verfüge über eine sehr schlagkräftige Organisation in den USA. "Wir suchen dort, wenn möglich, nach Einlizensierungen, sind aber auch offen für Akquisitionen". Bevorzugt suche Merck nach Produkten. In den USA hat Merck keine Vermarktungsrechte für den wichtigen Blockbuster Erbitux. Künftig will sich Merck bei Zukäufen von Produkten und Unternehmen mehr auf globale Aktivitäten konzentrieren, kündigte Schnee an. "Wenn sie ein Produkt nur in einem Teilbereich der Welt vermarkten können ist das ein Nachteil, sie verlieren an Effizienz, das haben wir bei Erbitux gesehen. Daher wollen wir uns bei Zukäufen künftig mehr auf globale Projekte konzentrieren, die auch die USA mit einschließen", sagte er. Bei Unternehmenskäufen sei der Sitz des Unternehmens nicht am relevantesten. "Wichtig ist dass die Firma globale Rechte für Produkte hat, die sie weltweit entwickeln und verkaufen können", sagte er.

Webseite: www.merck.de

- Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires;
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