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UPDATE: Hochtief schließt Kapitalerhöhung nicht aus

Deutschland
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Dioxin – 12. Oktober 2010 – 16:17

DJ UPDATE: Hochtief schließt Kapitalerhöhung nicht aus

(NEU: Rechtliche Einschätzung, Hintergrund)

Von Natali Schwab und Madeleine Nissen
DOW JONES NEWSWIRES

ESSEN (Dow Jones)--Der Essener Baudienstleister Hochtief schließt eine Kapitalerhöhung nicht aus. Hintergrund sei eine ursprünglich geplante Anleiheemission, die nach der Ankündigung des Übernahmeangebots durch ACS obsolet geworden sei, sagte ein Hochtief-Sprecher am Dienstag. Hochtief hatte sich in der vorletzten Aufsichtsratssitzung am 9. September die Platzierung einer Anleihe im Volumen von 500 Mio EUR "für weitere strategische Maßnahmen" genehmigen lassen.

Durch die Ankündigung von ACS, die Mehrheit an Hochtief übernehmen zu wollen, sei die Emission nicht mehr möglich gewesen, so der Sprecher. Nun würden andere Kapitalmaßnahmen erwogen. Dabei schließt Hochtief auch eine Kapitalerhöhung nicht aus. "Wir prüfen alle Optionen." Hochtief hatte sich auf der vergangenen Hauptversammlung die Ermächtigung für eine Kapitalerhöhung von bis zu 30% geben lassen.

Mit einem solchen Schritt bewege sich Hochtief rein rechtlich auf sicherem Boden, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person und verwies auf Paragraph 33 des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes. Demzufolge darf der Vorstand zwar keine Handlungen vornehmen, durch die der Erfolg eines Übernahmeangebots verhindert werden könnte. Dies gelte aber nicht für Handlungen, die auch ein "ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter" einer Gesellschaft, die nicht von einem Übernahmeangebot betroffen ist, vorgenommen hätte. Damit habe der Vorstand innerhalb eines gewissen Spielraums weiter Handlungsfreiheit, sagte die Person. "Wenn er eine Kapitalerhöhung als adäquate Alternative für eine andere ursprünglich geplante Emission ansieht, spricht auch aus aufsichtsrechtlicher Sicht nichts dagegen," so die informierte Person. Natürlich müsse aber auch der Aufsichtsrat einer solchen Maßnahme zustimmen.

Der Essener Baukonzern sieht sich derzeit einem Angriff seines spanischen Großaktionärs ACS ausgesetzt, der bereits knapp 30% an Hochtief besitzt. Seit Wochen streiten Hochtief und ACS über das Ansinnen der Spanier. Die hochverschuldete ACS will Hochtief mehrheitlich übernehmen und in der Bilanz konsolidieren. Dazu hat sie ein reines Aktientauschangebot angekündigt, welches allgemein als unattraktiv eingestuft wird. Die zu einer Mehrheit fehlenden Aktien sollen nach Ablauf des Angebots über den Markt eingesammelt werden. Dabei beteuert der spanische Baukonzern, Hochtief als Ganzes erhalten zu wollen.

Hochtief selbst sieht sich brüskiert, will unabhängig bleiben und prüft derzeit Abwehrstrategien. Als eine erste "Giftpille" hat das Essener Unternehmen vergangene Woche bei der australischen Börsenaufsicht ASIC beantragt, dass ACS im Falle einer erfolgreichen Mehrheitsübernahme auch ein Angebot für die ausstehenden Anteile ihrer Tochter Leighton abgeben müsse. Die Spanier verneinen dies.

Eine von Hochtief nun erwogene Kapitalerhöhung könnte ACS zumindest für eine Weile auf Distanz halten. Die Ausgabe von neuen Aktien könnte die Beteiligung von ACS soweit verwässern, dass der Konzern seine Sperrminorität verlöre, sagte Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe.

Eine Übernahme würde dann zudem teurer für die Spanier, die dann mehr Aktien einsammeln müssten, um ihr Ziel einer Mehrheitsübernahme zu erreichen.

Am Montag war der Ad-hoc-Ausschuss des Hochtief-Aufsichtsrates zu Beratungen über die ACS-Offerte zusammengekommen. Von der Anteilseignerseite sind in dem Ausschuss der Aufsichtsratsvorsitzende Detlev Bremkamp, der ehemalige Hochtief-Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Keitel sowie Heinrich von Pierer vertreten. Hinzu kommen von der Arbeitnehmerseite Klaus Wiesehügel, Raimund Neubauer und Gerhard Peters. Details über mögliche Gegenmaßnahmen waren dabei jedoch nicht nach außen gelangt.

Auf die Hilfe der Politik braucht Hochtief dabei nicht zu hoffen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat bereits eine Einmischung abgelehnt.

ACS muss bis zum Donnerstag ihr Angebot bei der BaFin einreichen, die dann zwei Wochen zur Prüfung hat. Anfang November soll die Offerte dann veröffentlicht werden.

Webseite: www.hochtief.de
-von Natali Schwab und Madeleine Nissen, Dow Jones Newswires, +49 69 29725119,
natali.schwab@dowjones.com
DJG/nas/sha

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October 12, 2010 11:17 ET (15:17 GMT)

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