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UPDATE3: Siemens verkauft SIS für 850 Mio EUR an Atos Origin

Dax-30
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Dioxin – 15. Dezember 2010 – 13:35

DJ UPDATE3: Siemens verkauft SIS für 850 Mio EUR an Atos Origin

(NEU: Pressekonferenz von Atos Origin und Siemens, Analyst, Aktienkurs)

Von Matthias Karpstein
DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Der Münchner Siemens-Konzern hat eine Lösung für seine Problemsparte Siemens IT Solutions and Services (SIS) gefunden und verkauft diese an Atos Origin. Rund 850 Mio EUR erhalte Siemens von der französischen Atos Origin, wie der DAX-Konzern am späten Dienstagabend mitteilte. Einen Gewinn wird Siemens dabei wegen mehrerer Kostenpunkte allerdings nicht erzielen, vielmehr rechnet der Technologiekonzern mit einer "deutlich negativen Ergebniswirkung" der Transaktion im Geschäftsjahr 2010/11. Gleichzeitig steigt Siemens mit 15% bei den Franzosen ein.

Mit dem Verkauf der SIS an Atos Origin solle ein neuer "europäischer IT-Champion" entstehen, der es mit Konkurrenten wie Capgemini und IBM aufnehmen kann. "Wir schaffen einen europäischen Champion. Die beiden Unternehmen ergänzen sich hervorragend in ihrer Kundenbasis, ihrer regionalen Aufstellung und den angebotenen Services", sagte Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher zur SIS-Lösung.

Sein französischer Atos-Origin-Kollege Thierry Breton sprach von einer "sehr soliden und vielversprechende Industrieallianz", von deren Wert alle Anteilseigner profitieren würden, "einschließlich Siemens", betonte Breton. Breton geht davon aus, dank Synergieffekten das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) bis 2013 um 225 Mio EUR steigern zu können.

Die Analysten von Olivetree Securities sehen in der Übernahme einen Deal, der "für beide Seiten sinnvoll zu sein scheint". Beide Unternehmen könnten dabei gewinnen. Zumindest die Aktien von Siemens und Atos Origin waren am Mittwoch bereits Gewinner im Markt. Die Anteilsscheine der Münchner legten dabei im Mittagshandel um knapp 2% auf 92,86 EUR zu, die Aktien der Franzosen kletterten gar um gut 10% auf 37,26 EUR.

Mit der Verschmelzung von SIS in Atos Origin ist auch ein erneuter Stellenabbau in der Siemens-Sparte verbunden, für den Siemens mit Kosten von bis zu 250 Mio EUR rechnet. Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hatte bereits im November Analysten auf weitere Restrukturierungskosten von bis zu 300 Mio EUR vorbereitet.

Rund 1.750 Arbeitsplätze sollen bei SIS weltweit wegfallen, davon 650 Stellen in Deutschland. SIS wurde von Siemens bereits einer harten Restrukturierung unterzogen, zu der ein weltweiter Abbau von 4.200 Stellen gehörte. Vom erneuten Stellenabbau seien vor allem Stellen in Verwaltungs- und Zentralfunktionen betroffen. Den Mitarbeitern sollen Weiterbildungsmaßnahmen angeboten werden.

Mit der Transaktion, die Anfang Juli kommenden Jahres abgeschlossen werden soll, übernimmt Siemens einen Anteil von 15% an Atos Origin, der mindestens über fünf Jahre gehalten wird. Die Münchner erhalten auch einen Sitz im Board der Franzosen. Bezahlt wird Siemens von Atos Origin mit 186 Mio EUR in bar, zusätzlich erhalten die Münchner 12,5 Mio neue Aktien von Atos Origin, die derzeit einen Wert von 414 Mio EUR haben. Zudem erhält der DAX-Konzern eine fünf Jahre laufende Wandelanleihe über 250 Mio EUR.

Siemens wird nun zwar ein Problemkind los, erzielt dabei aber keinen Gewinn. Die Münchner müssen nicht nur 250 Mio EUR für den erneuten Stellenabbau aufbringen, der DAX-Konzern sichert zudem auch mögliche Projektrisiken des neuen Unternehmens mit 330 Mio EUR ab. Ein besonders umstrittenes Projekt übernehmen die Franzosen erst gar nicht, denn der langfristige Herkules-Auftrag, mit dem die Informationstechnologie der Bundeswehr erneuert wird, wurde vom Deal mit den Franzosen ausgenommen.

In gemeinsame Entwicklungsprojekte investieren beide Partner je 50 Mio EUR. Zudem will Siemens SIS schuldenfrei an die Franzosen übergeben. Der größte Kostenblock für Siemens sind allerdings die Pensionen der rund 28.000 SIS-Mitarbeier, die der DAX-Konzern mit 1 Mrd EUR absichert, wie aus einer Präsentation von Atos Origin hervorgeht.

Die Münchner und die Franzosen binden sich zudem mit einem langfristigen Vertrag aneinander. Atos Origin soll sieben Jahre lang für Siemens IT-Aufgaben übernehmen und erhält dafür rund 5,5 Mrd EUR. Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen völlig neuen Auftrag, sondern vielmehr um die Ausweitung eines bestehenden Vertrags zwischen Siemens und SIS, der nun an Atos Origin weitergereicht wird.

Siemens hatte bereits zur Ausgliederung der IT-Sparte einen langfristigen Service-Vertrag abgeschlossen, der laut Finanzvorstand Kaeser über mehrere Jahre laufen und ein Volumen von mehreren Mrd EUR haben sollte. "Die Natur" des neuen Vertrages mit Atos Origin sei "diesselbe", erklärte Kaeser am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Paris. Das Volumen des Auftrags sei durch die Ausweitung auf sieben Jahre allerdings angehoben worden.

Durch die Transaktion entstehe ein IT-Dienstleister mit einem Pro-forma-Gesamtumsatz von rund 8,7 Mrd EUR und 78.500 Mitarbeitern weltweit. In Europa sei das neue Unternehmen nach Umsatz die Nummer drei hinter IBM und HP-EDS, weltweit rangiere es auf Platz sieben. Das neue Unternehmen soll im Geschäftsjahr 2011 ein marktübliches Umsatzwachstum und eine operative Marge von 6% erreichen. Bis zum Jahr 2013 soll der Umsatz auf 9 Mrd bis 10 Mrd EUR wachsen und die Ergebnismarge auf 7% bis 8% steigen.

Der Transaktion müssen noch die Kartellbehörden zustimmen, Atos-Origin-Vorstandsvorsitzender Thierry Breton erwartet hier aber keine Probleme, wie er in einer Telefonkonferenz mit Analysten am Mittwoch erklärte. Auch die französischen Arbeitnehmervertreter werden noch gehört, die deutsche IG Metall hat sich zum Verkauf von SIS bereits am Dienstagabend positiv geäußert. Die Arbeitnehmervertreter sehen darin ein "tragfähiges industrielles Konzept".

Ende Juni sollen dann die Atos-Anteilseigner auf einer außerordentlichen Aktionärsversammlung dem Kauf zustimmen. Siemens hatte bereits zur Vorlage der Jahreszahlen im November klar gemacht, dass man für SIS noch kein Licht am Ende des Tunnels sieht. Die IT-Sparte sei "weiterhin mit operativen Herausforderungen in einem sehr wettbewerbsintensiven Markt konfrontiert". Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Siemens mit der IT-Sparte noch einen Verlust von 537 Mio EUR eingefahren, im seit Oktober laufenden Geschäftsjahr sollte sich das Ergebnis nun deutlich verbessern. Dabei gingen die Münchner aber nicht davon aus, dass das Geschäft bis zum kommenden Finanzjahr 2011/12 branchenübliche Ergebnisse erzielen kann.

Nun finden die Münchner für ihre Problemsparte eine französische Lösung - in einer Zeit, in der man am Wittelsbacherplatz französische Unternehmen vor allem als Streitpartner vor Gericht kennt. So wird mit dem französischen Atomkonzern Areva um den Ausstieg aus dem gemeinsamen Joint Venture gestritten. Zudem versucht der französische Zughersteller Alstom nach Kräften, die Lieferung neuer Siemens-Züge im Wert von rund 600 Mio EUR an Eurostar zu verhindern.

Breton versuchte in der Pressekonferenz die deutsch-französischen Wogen zu glätten. Er habe mit Vertretern der französischen Regierung gesprochen und dabei klare Zustimmung für die SIS-Übernahme erhalten. Auf deutscher Seite habe er ebenfalls Zustimmung erfahren, versicherte Löscher.

Webseite: www.siemens.com

- Von Matthias Karpstein, Dow Jones Newswires;
+49 (0)89 5521 4030, matthias.karpstein@dowjones.com

DJG/mak/jhe/kla

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December 15, 2010 07:35 ET (12:35 GMT)

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