Mitglieder: 38.726 | Beiträge: 1.935.777 | Online: 43 Benutzer u. 211 Gäste | Chat: 0 | Neues Mitglied: tradersk
Aktienboard > Märkte > Emerging Markets - Asien, Russland, Osteuropa, Südamerika > News Russische Stahlaktien

  

Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen Thema durchsuchen Ansicht
Alt 08.06.2006, 15:18   #1
Premium Aktienboarder
 
Benutzerbild von Hasi
 
Registriert seit: 11.10.2000
Ort: Schweiz
Beiträge: 899
Wikibeiträge: 0
Status: Hasi ist offline
Standard Russische Stahlaktien

Einschätzung von Aton 8.6.2006
Angehängte Dateien
Dateityp: pdf COW_June06_steel_(d).pdf (43,3 KB, 71x aufgerufen)


__________________
...es kann passieren, was will,



....es gibt immer einen, der es kommen sah.
 
  Mit Zitat antworten
Sponsored Links
Alt 18.06.2006, 11:45   #2
Premium Aktienboarder
 
Benutzerbild von Hasi
 
Registriert seit: 11.10.2000
Ort: Schweiz
Beiträge: 899
Wikibeiträge: 0
Status: Hasi ist offline
Standard

Die russischen Stahlunternehmen sind hoch im Kurs

Kommt Fusion von Severstal mit Arcelor zu Stande? – Expansion ins Ausland läuft an – Roman Abramowitsch verhandelt mit Evraz Group



Von Gerhard Beck

Der Moskauer Aktienindex RTS zeigt sich derzeit ausgesprochen volatil. Er fiel im Mai von seinem Höchst von 1765 auf 1325. Stabiler als die Rohstoffwerte haben sich die Stahlaktien entwickelt. Die geplante Fusion von Arcelor und der russischen Severstal sowie Spekulationen über die Evraz Group gaben der Branche Auftrieb. Die Umstrukturierung der Stahlindustrie des Landes zieht internationale Investoren an.

Im Fokus steht Severstal, die eine zentrale Rolle in der geplanten feindlichen Übernahme von Arcelor durch Mittal Steel spielt. Die geplante Fusion von Arcelor und dem russischen Stahlkonzern würde die Pläne des indischen Marktführers durchkreuzen. Am 30.Juni können sich die Aktionäre von Arcelor für die eine oder andere Variante entscheiden. Mittal Steel bietet knapp 26 Mrd. Euro für Arcelor. Um auch noch Severstal zu übernehmen, fehlen den Indern jedoch die Mittel.

Rege Binnennachfrage

Mit Arcelor/Severstal würde ein Branchenriese mit einem Jahresumsatz von 46 Mrd. Euro und einer Produktion von rund 70 Mio. Tonnen Stahl oder rund 6% der gesamten Weltproduktion entstehen. Die gesamte russische Stahlproduktion betrug 2005 mit einer Zuwachsrate von 0,8% nur 66,2t. Die Produktion von Konverterstahl ging sogar um 0,7% auf 39,2 Mio.t zurück. Elektrostahl stieg hingegen 16,8% auf 13,51 Mio.t. Im ersten Quartal 2006 legte die Stahlproduktion im Jahresvergleich jedoch 3,4% auf 16,9 Mio.t zu.

Arcelor würde sich mit einem dynamischen Unternehmen verbinden. Severstal allein erzeugte im vergangenen Jahr knapp 11 Mio.t. Stahl, erwirtschaftete einen Umsatz von 7,5 Mrd. und einen Gewinn von 1,4 Mrd. Euro. Im ersten Quartal nahm die Produktion mit 13,7 % weit über dem Branchenschnitt in Russland zu. Ausserdem verfügt der Konzern selbst über hohe Kohle- und Erzvorkommen.

Russland ist selbst ein wachsender Absatzmarkt für Stahlerzeugnisse. Die Infrastruktur muss erneuert und ausgebaut werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Modernisierung der ex-sowjetischen Industrie zu erleichtern. Der Bau von Pipelines sowie die Modernisierung der Transportinfrastruktur stellen beachtliche Projekte dar. Die profitablen Energieunternehmen des Landes bieten sich als attraktive Abnehmer an.

Ausserdem etabliert sich Russland zunehmend als preisgünstiger Standort für die Automobilproduktion. Sowohl Severstal wie Arcelor stellen Röhren für Pipelines und Bleche für Autos her. Beide haben bereits in einem Joint venture Erfahrungen miteinander gesammelt. Severstal bekäme aber auch leichteren Zugang zum europäischen Markt. Russische Stahlprodukte unterliegen in der EU wie in den USA strengen Quoten, um die heimische Produktion zu schützen.

Sollte es zur Fusion kommen, wird Arcelor für rund 13 Mrd. Euro knapp 90% des Kapitals von Severstal erhalten. Der Chairman und Hauptaktionär des Stahlkochers, Alexej Mordaschow, würde CEO des neuen Stahlgiganten werden und für zusätzliche 1,25 Mrd. Euro 32,3% der Arcelor-Aktien bekommen. Das ist eine neue Dimension für den russischen Markt. Severstal wäre ein Beispiel dafür, dass Grossunternehmen nicht nur für ausländische Investoren interessant sind, sondern auch selbst in der Lage sind, global zu expandieren. Die russische Stahlindustrie zeichnet sich im internationalen Vergleich durch eine tiefe Lohnstruktur aus. Noch attraktiver wird die Produktion im Land wegen der subventionierten Energiepreise, die weit unter dem Weltniveau liegen. Davon kann die Schwerindustrie erheblich profitieren.

Vertikale Integration

Die Stahlunternehmen des Landes sind vertikal integriert. So erzeugt Nowolipezk beispielsweise 38% des für die Produktion nötigen Stroms selbst. Dadurch können die Kosten auch bei steigenden Energiepreisen mittelfristig niedrig gehalten werden. Die viertgrösste Stahlgesellschaft Russlands ist mit einer Jahresproduktion von 8,5 Mio.t Nowolipezk, kurz NMLK. Das Metallurgieunternehmen ist der grösste Hersteller von elektrotechnischem Stahl in Europa. Es verfügt auch über eigenen Rohstoffevorkommen.

Die Gesellschaft hält 97% am drittgrössten russischen Eisenerzförderer Stoilensky und eine eigene Lizenz an der Grube Schernowskoe mit Kohlereserven von rund 240 Mio.t. 42,1% des Absatzes entfallen auf Russland, 14% auf Europa, 19% auf Asien, 12,8% auf die Türkei und den Nahen Osten und 6,9% auf Nordamerika. Wenn die strikten Importbeschränkungen gelockert würden, könnte der Anteil der Exporte in den Westen zunehmen.

Die NLMK-Aktionärsstruktur ist für die Stahlindustrie Russland bezeichnend. Der Verwaltungsratpräsident Wladimir Lissin besitzt über Gesellschaftskonstruktionen 95% des Unternehmens. NMLK, die in Moskau und London kotiert sind, wurden als erster russischer Stahltitel in den MSCI-EmMa-Index aufgenommen.

Der grösste Stahlkonzern des Landes, die Evraz Group, könnte bald ein neuen Aktionär bekommen. Chelsea-FC-Besitzer Roman Abramowitsch will für 3,3 Mrd.$ 40% an Evraz erwerben. Nach dem Verkauf von Sibneft würde er wieder zu einem der führenden Akteure der Landes. Zum Konzern gehören die Stahlwerke Nischni Tagil, Nowokusnetzk, das Westsibirische Kombinat, die italienische Palini & Bertoli und der tschechische Stahlkocher Vitkovice Steel. Evraz besitzt zudem den Eisenerzbetrieb Evrazruda und die Metallurgieunternehmen Katschkanarski und Wysokogorski sowie mit Nachodka einen eigenen Hochseehafen für die Belieferung der asiatischen Kunden. Durch eine Offshore-Gesellschaft kontrolliert der Stahlmagnat Alexander Abramow 82,3% des Konzerns.

Die russischen Stahlunternehmen sind für internationale Investoren wegen ihrer Rohstoffbasis und der niedrigen Produktions- und Energiekosten interessant. Dank des anhaltend hohen Wirtschaftswachstums und des Nachholbedarfs im Infrastrukturaufbau verfügen sie über einen attraktiven Binnenmarkt. Die Stahlpreise haben sich in den letzten Wochen zwar deutlich von den Höchst entfernt, aber im Mai lag der Exportpreis für HR-Blech mit 560$ je Tonne wesentlich über dem langjährigen Durchschnitt von 331$. Die Stahlwerke müssen jedoch modernisiert werden und sind auf internationale Spitzentechnologie angewiesen. Die Fusion von Arcelor und Severstal würde daher nicht nur der Metallurgiebranche neue Wege aufzeigen.


__________________
...es kann passieren, was will,



....es gibt immer einen, der es kommen sah.
 
  Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Trackbacks are aus
Pingbacks are an
Refbacks are aus


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 12:15 Uhr.