Die eher pessimistischen Grundaussagen der obenstehenden Posts aus 2007 sind trotz ihres Alters nicht völlig überholt, so dass ich den Thread noch einmal aufleben lasse.
Gemessen an der Börsenkapitalisierung befindet sich die Hälfte der Welt bereits in oder am Rande einer Rezession. Die internationalen Aktienmärkte sind fast ausnahmslos in einem Bearmarkt (definiert als Kursverluste von mindestens 20% ggü. dem Hoch). Viele Grossanleger wurden auf dem falschen Fuss erwischt, da ihre bewährten Strategien versagten. Besonders hart traf es die in „normalen“ Marktzyklen so erfolgreichen Quants - zahlreiche Valueinvestoren verzeichnen ihre schlechteste relative
Performance seit Jahren. Wurde der Kursrutsch zum Jahresbeginn noch mit ungläubigem Staunen registriert, stellte man im Verlauf des Frühjahrs fest, dass auch Gesundbeterei („die Hälfte der faulen Kredite haben wir schon abgeschrieben!“) bei einer vom Inmobilienmarkt ausgelösten Bankenkrise nicht hilft. Erst langsam wird man sich der Tragweite und Auswirkungen auf die Realwirtschaft bewusst.
Die jüngste Verbesserung der US-Konjunkturdaten signalisiert noch nicht, dass der Tiefpunkt nachhaltig überwunden ist. Steuerrückerstattungen und monetäre Hilfen haben nur zu einer Zwischenerholung geführt. Das BSP-Wachstum im 2. Quartal hat den Höhepunkt für 2008 markiert. Bestenfalls ist demnach von einer W-förmigen Erholung auszugehen. Erst mit dem Abklingen der von der
Immobilien-/Bankenkrise ausgelösten Verwerfungen im Verlauf von 2009 kann mit dem Beginn eines deutlichen Aufschwungs gerechnet werden. Die weitverbreitete „first in first out“-Konjunkturhoffnung dürften eher enttäuscht werden.
Gemessen an den Kursverlusten der letzten Monate, befinden sich die Weltbörsen fast ausnahmslos in einer
Baisse (-20% vom Top). Hat man eine
Baisse erkannt (z. B. durch die Etablierung eines Abwärtstrends – in der Dow-Theorie: lower lows+lower highs) hat sich in vergangenen Börsenzyklen eine radikale Neuausrichtung der Anlagestrategie bewährt. Anleger sollten also bereits jetzt eine Baissestrategie verfolgen. Dies bedeutet Investitionsgrad in Aktien null und wenn möglich negativ z.B. durch Leerverkäufe oder den Einsatz derivativer Instrumente wie
Futures. So rational diese Strategie ist, widerspricht sie doch dem Grundoptimismus der meisten Börsianer und längerfristig kann sie ja auch nicht erfolgreich sein, da Aktienmärkte über längere Zeiträume immer zu steigen pflegen.
Ein flexibler Privatanleger, der nur bei intakten Aufwärtstrends investiert sein will, sollte also aktuell per Saldo kein Aktienrisiko haben. Ein“ buy-and-hold“-Investor mit einem Anlagehorizont von mindestens fünf bis 10 Jahren kann dagegen die aktuelle
Baisse aussitzen.
Für institutionelle Anleger gilt im Prinzip das Gleiche. Gebunden durch Anlagebedingungen wie z.B. Mindestinvestitionsgrad 50% oder um ihre Existenzberechtigung als Fondsmanager zu legitimieren, werden die wenigsten ihren Investitionsgrad zu Beginn einer
Baisse so drastisch verändern. Zumindest richten aber auch sie Ihre Portefeuilles etwas defensiver aus (höhere Kasse, defensive Sektoren wie z.B. Konsumgüterproduzenten, Pharma, Energie übergewichten).
Über all die Begeisterung, dass man auch von fallenden Kursen profitieren kann, darf man aber nicht vergessen, auf die Haussestrategie umzuschalten. Aus fundamentalanalytischer Sicht ist dies spätestens dann notwendig, wenn sich 1. eine konjunkturelle Wende abzeichnet
2. die Anpassung der Gewinnerwartungen an das rezessive Umfeld abgeschlossen ist.
Beim vorauseilenden Konjunkturindikator
Börse dürfte jedoch die Markttechnik frühzeitig Signale für den Beginn eines neuen Bullmarktes liefern.
In Zeiten negativer Realzinsen findet der Anleger ein ideales Umfeld für zwischenzeitliche Anlagen im Bereich Edelmetall. Nach der scharfen Korrektur der Edelmetallpreise bieten sich besonders Silber (z.B. SLV –
NYSE 12,53) und Platin für kurzfristige Spekulationen an. Zur technischen Einschätzung (in Englisch) der Edelmetallmärkte verweise ich auf Clive Maund
http://www.321gold.com/editorials/ma...und082608.html
Privatanleger und
Steuern
Die Asset-Allokation und Titelauswahl muss wie immer individuell sein. Für den deutschen Privatanleger gilt es insbesondere die kommende Zinsabschlagsteuer ins Kalkül mit einzubeziehen. So sollte er selbst bei negativen Erwartungen für 2009 alle geplanten Käufe bereits vor dem Jahresultimo tätigen. Fallen die neu erworbenen Wertpapiere, kann er sich, durch den Verkauf binnen Jahresfrist einen Verlustvortrag erwerben. Künftige Kapitalerträge können bis 2013 mit bestehenden Verlustvorträgen verechnet werden.
Anlagestrategie für deutsche Privatanleger (je nach persönlicher Steuersituation)
Edelmetall-Anlagen sind für die nächsten Monate die chancenreichste Anlagekategorie. Beim nächsten sell-out (vermutlich bereits in den nächsten Wochen!) alle Wertpapiere die innerhalb der Spekulationsfrist hohe Kursverluste verzeichnet haben verkaufen, um Sie möglichst bald als Langfristanlage zurückzukaufen. Bei Auflösung der Hedges auf die Ausbildung von Trendwende- /Umkehrformationen achten (siehe entsprechende Artikel im Bereich Markttechnik), Langfristanlagen erst bei der Ausbildung neuer Aufwärtstrends eingehen.
Musterdepots für Privatanleger
Weltweit diversifiziertes CEF- und
ETF-Portefeuille mit Übergewichtung in Europa und EM-Asien
Musterdepots für Institutionelle
Länderallokation mit Abweichungen zur Benchmark w.o.
Zum Titel des Threads: Was macht der
DAX?
Den drei Tests des Abwärtstrends seit Jahresanfang folgt ein vierter in Kürze (also vor Ende September!), der den
DAX auf ein neues Jahrestief also unter 6000 fallen lässt. Danach ein eher freundliches Schlussquartal mit besten Tradingchancen für Institutionelle und Private.