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Vollständige Version anzeigen : 11.Kapitel: Der Trend


plasir
05.03.2008, 17:14
I. Was ist ein Trend ?
1. Der Begriff Trend allgemein
2. Der Begriff Trend in der Technischen Analyse

II. Der Trend und seine Unterteilungen
1. Die Definition der Unterteilung
2. Die graphische Umsetzung eines Trends


III. Die Trendlinie
1. Die subjektive Trendlinie
2. Die technische Trendlinie
3. Optimierung der statischen Trendlinie

a) Korrigierte Trendlinien
b) Dynamische Trendlinien


IV. Die Anwendung von mehreren Trends
1. Trendsysteme
2. Dow-Theorie
3. Grundlage der TechnischenAnalyse
4. Kritik
5. Variation der Dow-Theorie

a) Mehrere Primärtrends durch Zyklen-Unterteilung
b) Zweig-System

6. Andere Trendsysteme
a) Fächerprinzip
b) Fibonacci-Fanlines



I. Was ist ein Trend ?

Dieser Artikel ist umfangreich, da er Ansätze, Aufbau von Denkmodellen und die
Basis-Grundlage der TA vermitteln soll.
Diese hier dargestellte Methodik stellt die Grundlage für weitere zahlreiche
TA-Mittel dar.
Lassen Sie sich nicht von der anscheinenden philosophischen oder trivialen Art
blenden. Manches fundiertes TA-Wissen ist nur oberflächlich und kann nur 1:1
umgesetzt werden, da es nicht verstanden wurde, weil es so vorgegeben wurde.
Die Grundsätze oder Hintergründe werden oft nicht verstanden, erkannt oder garnicht
hinterfragt.
Wer die Grundsätze aber nicht versteht, kann nur eingeschränkt handeln und
sieht Fehler und Optimierungsmöglichkeiten nicht....weil das Verständniss einfach
dafür nicht vorhanden ist.
Wenn sie bei einer Bank ein Konto eröffnen, erkundigen Sie sich im Vorfeld über
deren Konditionen, vergleichen mit anderen Banken...auch mit anderen Alternativen.
Haben Sie beim Einzeichnen von Trends auch dieselbe Sorgfalt an den Tag gelegt und
mal darüber nachgedacht......auch mit anderen Alternativen ?



1. Der Begriff Trend allgemein

Es gibt Modetrends, DesignTrends, usw..
Der Begriff Trend ansich beschreibt eine allgemein Richtung und ist nicht definiert.


2. Der Begriff Trend in der Technischen Analyse

Der Trend in der Technischen Analyse ist ebenso allgemeiner Art.
Wie schon beschrieben wurde, ist der Trend ein allgemeiner Begriff und bedarf
einer genaueren Definition oder genauerem Ansatz, um diesen zu definieren.
Durch diese Definition des Trends werden konkrete Maßstäbe entwickelt, die man
als TA'ler für die Kursinterpretation und Analyse benötigt.


II. Der Trend und seine Unterteilungen

Je genauer ein Trend definiert wird, desto genauer wird er anhand von Details bestimmbar und
umso besser können sich TA'ler austauschen, da auf Grundlage der Definitionen diskutiert
werden kann.

Der Trend in der TechnischenAnalyse wird grob zwischen Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend
unterteilt, unabhängig von den verschiedenen Ansätzen der Definition eines Trends.
Diese Unterteilung ist sozusagen allübergreifend.
Auf dieser Einordnung beruhen zahlreiche weitere TA-Methodiken und Ansätze,
wie zum Beispiel die Trendwende-Formationen aus der Formationsanalyse, da
sie zwingend zur ihrer Gültigkeit einen Trend benötigen und diesen zugrundelegen.

Die Einordnung Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend geschieht auf der groben Definition
von steigenden, fallenden, richtungslosen Kursen.
Dies ist EINE Definition, um den allgemeinen Begriff Trend zu definieren.
Sie können den Trend mit entsprechenden Ansätzen auch anderes definieren.
Ich möchte Ihnen damit vor Augen führen, dass der Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend
eine Definition eines Trends ist.
Diese Definition hat sich als sinnvoll und nützlich erwiesen und gilt seit langem
als anerkannte Standarddefinition, worauf andere TA-Methodiken aufbauen.


1. Die Definition der Unterteilungen

Der Trend wurde nun unterteilt in einen Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend.
Wie werden nun wiederum Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend im Einzelnen definiert ?
Wenn Sie sich den steigenden Kursverlauf einer Aktie der letzten 6 Monate ausdrucken
und mit einen Textmarker mit 4cm Strichstärke diesen Kursverlauf nachzeichnen, dann haben Sie
nach Ihrer eigenen Definition (Betrachtungszeitraum 6 Monate; 4cm breiter Textmarker) einen
eindeutigen Aufwärtstrend im Beispiel ausgemacht, der nur bis zu 2 Monaten andauerte.
Ihr Freund hingegen druckt einen 12-Monats-Chart aus und nutzt einen 8cm breiten Textmarker,
dies ist seine Definition von einem Aufwärtstrend und er erhält einen 10monatigen Aufwärtstrend.

http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/zeithorizont.png

Wie soll der Trend definiert werden ?


2. Die graphische Umsetzung eines Trends

Es stellt sich nun die Frage, wie der Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrends mittels der
technischen Analyse im Kursverlauf umgesetzt werden soll.
Hier hat sich als Standard-Instrument zur Festsetzung eines Trends die Trendlinie etabliert.
Man könnte nun fragen, warum eine Linie ?
Dies würde diesen Artikel zu weit aufblähen und andere Ansätze müssten besprochen werden.
Wenn Sie definieren: "Wenn der Kurs innerhalb von 6 Monaten steigt, dann ist das
ein Aufwärtstrend!", dann ist das ihre Definition für einen Aufwärtstrends.
Ihr Freund könnte sagen "Wenn der Kurs innerhalb von 7 Monaten um mind. 10% steigt, dann
ist das ein Aufwärtstrend!", dann ist das seine Definition für einen Aufwärtstrends.

Sie haben inzwischen die Denkansätze verinnerlicht, so dass darauf nicht näher eingegangen werden muss.
Als TA-Mittel für die Trend-Definition hat sich die Trendlinie etabliert.


III. Die Trendlinie

Die Trendlinie muss - Sie erraten es schon - natürlich auch definiert werden.
Nachdem der Trend, die Trendrichtung eingegrenzt und definiert wurde, erfolgt nun
die Definition der Trendlinie in einem 3. Schritt.
Die Definitionen werden immer konkreter und detaillierter.

Erinnern Sie sich noch an diesen Satz:
"Je genauer ein Trend definiert wird, desto genauer wird der Trend anhand von Details bestimmbar." ?

Die Definition der Trendlinien muss anhand konkreter Details festgemacht werden und wir verlassen
hiermit den abstrakten Bereich und gehen in den konkreten Kursverlauf/Chart.
So mancher Leser wird jetzt denken "endlich....".

Aber wissen Sie, WARUM jetzt in den konkreten Kursverlauf/Chart gewechselt werden kann ?

Die Begründung ist trivial: weil eine Trendlinie eine Linie ist !

Klingt trivial und philosophisch, ist es aber nicht.
Eine Linie hat einen Start- und einen Enpunkt, besteht mithin aus mindestens zwei Punkten.
Das sind konkrete Fakten, damit kann der TA'ler arbeiten, daher kann man jetzt zur Arbeit an den
Chart wechsen.

Wußten Sie das alles schon und ist zu trivial ?
Dann ist die Beantwortung folgender Frage für Sie bestimmt ein Leichtes:

Frage: Wo setzt man den Start und Endpunkt einer Linie im Kursverlauf ?

Antwort: ?

Sie merken, dass die Frage "warum jetzt in den konkreten Kursverlauf/Chart gewechselt werden kann"
und deren Antwort "weil eine Trendlinie eine Linie ist" augenscheinlich doch nicht so
trivial war.



1. Die subjektive Trendlinie

Es gilt, eine Definition für eine Trendlinie zu finden.
In der Praxis werden Trendlinien zumeist im Chart unter subjektiven Gesichtspunkten und Einschätzungen
aus dem Kursverlauf her eingezeichnet.
Aufgrund der Subjektivität entsteht eine hohe Fehlerquote, Fehlinterpretationen und
Fehleinschätzungen.
Das muss nicht einmal in der Subjektivität angelastet werden, es gibt TA'ler, die subjektiv
Trendlinien einzeichen, die sich als wahr und richtig dauerhaft herausstellen.
Diese Leute zeichnen intuitiv die richtigen Trendlinien ein.
Woran liegt das ? Sie zeichnen intuitiv Trendlinien ein, die auf Definitionen beruhen.
Das wissen Sie selbst oft nicht. Die Erfahrung, stetige Verbesserung und Trefferquote hat
aber Ihre Intuition derart verschärft, dass - wenn man die Trendlinien analysieren würde -
man feststellen würde, dass sie nicht rein subjektiv und beliebig eingezeichnet werden,
sondern sie intuitiv nach festgesetzten Grundlagen handeln.
Die Masse zeichnet jedoch Trendlinien mehr oder weniger nach augenscheinlich ausgemachten Linien ein.
Die subjektiv eingezeichneten Trendlinien entbehren einer TA-Grundlage und zeigen sich im weiteren
widersprüchlich zu anderen TA-Mitteln.
Um diese Anzahl der wild eingezeichneten Linien etwas zu minimieren, wird auf das TA-Mittel
der Berührungspunkte zur Stärkung der Aussagekraft einer Trendlinie oftmals hingewiesen.


2. Die technische Trendlinie

Die Trendlinie beinhaltet immer folgende Fakten:
Startpunkt, Endpunkt, Steigungswinkel, Zeitrahmen (Länger der Linie),

Durch weitere Regeln lässt sich die Trendlinie immer weiter im Detail definieren:
-) Beachtung ausschließlich von Open/Close oder High/Lows oder beider Gruppen kumulativ
-) Zeitrahmen der Trendlinien: müssen Start- und Endpunkt mindestens n=Tage auseinanderliegen
oder dürfen sie höchstens n=Tage auseinanderliegen oder kumulative Nutzung beider Faktoren
-) Mindestmaß oder Höchstmaß des Steigungswinkels
-) Vorliegen einer Mindestanzahl an Berührungspunkten
-) Der Kurs muss sich mindestens um x Prozent von der Trendlinie entfernt haben
-) keine Berechnung von Trendlinien, wenn der Kurs innerhalb des Zeitrahmens x nur eine
Handlungsspanne von x Prozent hatte


Mit weitergehenden Regeln, wird die Trendlinie immer detaillierter definiert und so von
rein subjektiven Einschätzungen entkoppelt.



3. Optimierung der statischen Trendlinie

Die Trendlinie wurde definiert und liegt nun statisch im Kursverlauf vor.
Es stellt sich die Frage, ob im wege der Optimierung die Trendlinie nun dort dauerhaft festgelegt
bleiben muss oder ob sie abgeändert werden darf.
Hier bieten sich folgende Ansätze an:

a) Korrigierte Trendlinien

Die bisherige Trendlinie bleibt bis zu dem Zeitpunkt der Länge nach eingezeichnet, wo eine
Kursänderung eintritt. Vom Startpunkt wird dann über den Zeitpunkt der Kursänderung hinaus eine neue
Trendlinie eingezeichnet. Die bisherige Trendlinie verliert nicht an Bedeutung.
Aus diesem Ansatz entstand das Fächerprinzip.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/korrektur1.png
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/korrektur2.png

Neben der korrigierten Trendlinie, wo die bisherige Trendlinie nicht aufgelöst wurde, gibt es noch
die Alternative, dass die bisherige aufgelöst und nicht mehr beachtet wird.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/aufgeloest.png

b) Dynamische Trendlinien

Die Trendlinien werden entsprechend der aktuellen Marktlage angepasst.
Eine statische/feststehende Trendlinie wird nicht verfolgt.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/angepasst.png

Diese Ansätze werden nur grob aufgezeigt, da sie im Zusammenhang mit Trendsystemen zu sehen sind.
Weitere Ausführungen dazu in dem Kapitel: "Anwendung von mehreren Trendlinien (ohne Dow-Theorie)".



IV. Die Anwendung von mehreren Trends

1. Trendsysteme

Bisher wurde nur EIN Trend besprochen.
Da der Kursverlauf jedoch viele Kursschwankungen aufweist, versucht der TA'ler unter dem Ziel
der Optimierung diese Kursschwankungen zu erfassen und für sich zu nutzen.
So wird unteranderem versucht, die Trenderfassung durch verschiedene Trenddefinitionen zu optimieren.
Die bekannteste Optimierung liegt darin, eine lang-, mittel-,kurzfristige Trendeinordnung vorzunehmen.
Im Endeffekt läuft dies auf eine Verkürzung des Zeitrahmens hinaus, um so ein flexibleres Trend-System
zu erhalten.
Diese Optimierung ist Ihnen besser bekannt unter den Namen Primär-, Sekundär-, Tertiärtrend.
Hier werden aufgrund eines immer kürzeren Zeitrahmens Trends in eine Ordnungsfolge gebracht und deren
Gewichtung (Aussagekraft) gestuft.

2. Dow-Theorie

Diese Methodik ist EINE Methodik unter den Trendsystemen, sie ist aber zur Grundlage der TechnischenAnalyse
insgesamt geworden. Sie wissen es bestimmt schon, es ist die Dow-Theorie, welche seit Anfang des
19. Jahrhunderts besteht.

Bei Trendsystemen werden allgemein mehrere Trends zugrundegelegt, so dass mehrere Trendlinien gezeichnet werden müssen.
Wie diese einzuzeichnen sind, ergibt sich aus dem jeweiligen Trendsystem und und dessen Definitionen.
Die Dow-Theorie gibt folgende untergliederte Trends vor: Primär-, Sekundär-, Tertiärtrend.

Die einzelnen Trends wurden im Verhältnis untereinander wie folgt definiert:
Primärtrend: langfristiger Trend
Sekundärtrend: mittelfristiger Trend, zyklische Gegenbewegung
Tertiärtrend: untergeordnete gleichgerichtete/entgegenlaufende Schwankungen, die den Primärtrend nicht beeinflussen

Die einzelnen Trends wurden daher im Zeitrahmen wie folgt definiert:

Primärtrend: mind. 1 Jahr, in der Regel 10 Jahre
Sekundärtrend: mind. 3 Wochen bis 3 Monate (2 Monate bis 1 Jahr)
Tertiärtrend: 4-6 Wochen (1-2 Wochen)

Der Sekundärtrend stellt eine Korrektur der vorangegangenen Aufwärtsbewegung dar und korrigiert
um 1/3 bis 2/3 (33-66%).

http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/dow.png

(Anmerkung: die Angaben in Klammern beziehen sich auf eine andere lesensweise der Dow-Theorie, die
vorsorglich mitaufgeführt wurden, um einen umfassenden Überblick zu geben;
wer den original Beitrag von Dow hat, möge ihn mir bitte zuleiten, damit diese verschiedenen Zeitrahmen
aufgrund der original Aussage geklärt werden können)

Anhand dieser Definitionen sind die Trendlinien einzuzeichnen. Der jeweils nachfolgende Trend (sekundär, tertiär)
muss nicht - im Gegensatz zum Zweig-System (s.u. IV.5.b.) - seinen Trend direkt von der vorangegangenen Trendlinie
starten. Dies ergibt sich daraus, dass der Sekundär- und Tertiärtrend auch gegenläufig zur Primärtrendlinie
sein kann.

Mit dieser Methodik wurde die Grundlage der TechnischenAnalyse geschaffen und ist auch heute noch aktuell.
Als Beispiel sei Reza Darius Montasser angeführt, der sich Im Jahr 2000 mit einer
Abwandlung der Dow-Theorie befasst hat und den "Primär Intermediären Trend" als neuen Ansatz einführte.
Eine kleine persönliche Anmerkung dazu: der Ansatz ist neu, einen Mehrwert bringt er aber nicht, er zeigt
eher eine Schwäche in der Dow-Theorie auf.

Schweifen wir nicht weiter ab, ich hoffe, dass ich Ihnen vermitteln konnte, dass der Primär-, Sekundär-,
Tertiärtrend EINE Methode (wenn auch DER Standard) der Trenddefinition ist, die der Dow-Theorie entstammt.

plasir
05.03.2008, 17:15
3. Grundlage der TechnischenAnalyse

Sofern die Begriffe Primär-, Sekundär-, Tertiärtrend fallen, wird unausgesprochen auf die Dow-Theorie als etablierte
Methodik implizit zurückgegriffen.
Wenn diese Begriffe verwendet werden, dann muss vorausgesetzt werden, dass die Diskussionpartner die Dow-Theorie
kennen, ansonsten unterhält man sich über Begriffe die nicht näher definiert sind.
Die Begriffe "Primär-, Sekundär-, Tertiärtrend" werden oft von Analysten verwendet, weil sie allgemein geläufig sind
und der ihr zugrundeliegende Aussagegehalt ansatzweise bekannt ist. Jeder weiß augenscheinlich, was gemeint ist.
Sofern der Analyst aber nicht die Dow-Theorie zugrundelegt oder die Dow-Theorie im schlimmsten Fall garnicht kennt und
trotzdem diese anerkannten Begriffe (aus dem allgemeinen Sprachgebrauch eines TA'lers) zugrundelegt, spricht man
über Begriffe, die keiner Definition zugänglich sind und niemals seitens des Analysten definiert wurden.
Es besteht ein anscheinender Pseudo-Konsens, aber worüber unterhält man sich dann eigentlich ?

Beispielhaft folgende Situation: Sie zeichnen einen Sekundärtrend ein.
Zeichnen Sie diesen zwingend entgegenläufig des Primärtrends ein ?
Haben Sie darauf geachtet, dass diese zyklische Gegenbewegung 3 Wochen bis 3 Monate dauerte ?
Hat diese Gegenbewegung Kursverluste von 33-66% der vorangegangenen Bewegung erbracht ?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit "nein" beantwortet haben, dann wurde kein Sekundärtrend entsprechend der Dow-Thoerie
eingezeichnet. Ich müsste Sie nun fragen, was für Sie ein Sekundärtrend überhaupt ist.

Ich hoffe, ich konnte ihren Blick etwas schärfen, zum Nachdenken anregen und die Methodiken und Ansätze etwas näher bringen.
Und wenn Sie die Begriffe "Primär-, Sekundär-, Tertiärtrend" demnächst lesen, dann nehmen Sie diese hoffentlich nicht
oberflächlich und schnelllesend zur Kenntnis, sondern sind sich bewußt, dass dahinter die Dow-Theorie mit ihrem
Regelwerk und Definitionen steht (und zusätzlich auch Regeln zum Volumen, Preis-Trend beinhaltet).



4. Kritik

An dieser Stelle möchte ich auf folgendes Hinweisen: die Unterteilung der Zeitrahmen innerhalb der Dow-Thoerie erfolgte
nicht beliebig, sondern beruht auf empirischer Datenerhebung vom 17. bis zum 19. Jahrhundert von C.H.Dow.
Charles H. Dow hat den Primärtrend aufgrund der Datenreihe seit dem 1700 Jahrhundert in einen 10-Jahres-Rhytmus unterteilt,
da zu diesem Zeitpunkt (19. Jahrhundert) diese Unterteilung empirisch nachgewiesen werden konnte.
Daher wird der Primärtrend in der Regel mit 10 Jahren angegeben.
Die Zeiten haben sich jedoch grundlegend geändert (siehe oben, Anmerkungen zum Internet und Anlegerinteresse),
so dass sie sich den Nutzwert des damaliegen Zeitrahmens (10 Jahre) in der heutigen Zeit denken können.
Dies muss sich konsequenterweise auch auf den Sekundär- und Tertiärtrend und deren Zeitrahmen beziehen, da diese
Trenddefinitionen auf dem Primärtrend aufbauen und im Verhältnis zu diesem stehen.
Die Zeiten und grundlegenden Gedanken haben sich seit dem 19. Jahrhundert immanent in der heutigen schnellebigen Zeit
geändert, wo Wirtschaftszykliken kürzer geworden sind und jeder Trader über Realtime-Kurse verfügt und die
Anlagestrategien von der Zeitdauer her kürzer geworden sind.
Der Begründer der Dow-Theorie hatte nur die Maßstäbe zur seiner Zeit, die durch technische Mittel zusätzlich
begrenzt wurden. Dies hat sich in den Zeiten des Internets erheblich gewandelt.
In der heutigen Zeit hat der Anleger mit erhöhter Volatilität zu kämpfen, da diese in den Zeiten des Internets
zunehmen, da die Anleger schneller reagieren können und auch kürzere Zeithorizonte bevorzugen.
Dies konnte Charles H. Dow nicht vorhersehen.
Die Maßstäbe und Denkansätze seiner Theorie konnten per se nur aus den Fakten der damaligen Zeit entstehen.


5. Variation der Dow-Theorie

Es existieren zahlreiche Variationen der Dow-Theorie. Dies mag so manchem Analysten garnicht bewußt sein.
Hier zwei Variationen.

a) Mehrere Primärtrends durch Zyklen-Unterteilung

So stellt ein Analyst gleich mehrere Primärtrends zur Verfügung, wenn ein neuer Zeitrahmen-Zyklus
eröffnet wird.
Dieser Ansatz ist gut, es verwundert jedoch, dass -wenn ein neuer Zyklus mit einem neuen Primärtrend eröffnet wird-
der alte Primärtrend beibehalten wird und so mehrere Primärtrends zeitgleich nebeinander bestehen.
Dieses System ist nichts anderes als eine Anpassung von Trendlinien auf der Zeitebene !
Hier sollte die erneut aufgemachte Primärtrendlinie für den aktuellen Zyklus als einzige Primär-Trendlinie
eindeutig definiert werden und die alten Primär-Trendlinien (die weiterhin zu beachten sind, daher der Ansatz der
mehreren Trendlinien) als intermediäre Trendlinien (ohne Bezeichnung als Primär-Trendlinie !) einfach fortgeführt
werden. Wenn diese alten Trendlinien wieder an Bedeutung erlangen, wechsel man auf einen höheren Zeithorizont und
führt diese wieder als Primäre-Trendlinie (die nun alten Primär-Trendlinien werden als sekundär, tertiär, etc.
Trendlinien geführt).
Diese wäre eine konsequente Umsetzung der angepassten Trendlinien, denn nichts anderes steckt dahinter.
Eine Beachtung von mehreren Primär-Trendlinien ist überflüssig und macht höchstens Sinn, wenn man auf mehreren
unterteilten Zeitebenen jeweils eine Primär-Trendlinie zugrundelegen würde, die aber nacheinander anschließen.


b) Zweig-System

Ich bezeichne dieses System als "Zweig-System", weil es bisher keinen Namen dafür gibt.
Es wird ein Primär-Trend ausgemacht und eingezeichnet, die Sekundär- und Tertiärtrendlinie werden
gleichgerichtet der Primär-Trendrichtung eingezeichnet.
Die Struktur stellt sich wie ein Zweig dar, der sich immer weiter weg von dem Hauptstamm verästelt/abzweigt.
Die Sekundär- und Tertiär-Trendlinie wird dabei von dem vorherigen Trend ausgehend -und zwar von dessen
Trendlinie/Stamm von Anfang an- eingezeichnet und nicht schwebend oder losgelöst oberhalb des aktuellen Trends.

http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/zweig.png

Wenn man die original Dow-Theorie (s.o.) voraussetzt, dann stellen die sekundären Trendlinien Gegenbewegungen dar.
Bei der Dow-Theorie kommt es durch den Ansatz bedingt vor, dass der sekundär Trends erst nach erheblichen
Kurssprüngen etabliert und erkannt wird.
In der heutigen Zeit hält jedoch keiner mehr Aktien über 10 Jahren und sieht dieser immanenten Gegenbewegungen
gelassen entgegen.
Wenn diese sekundäre Trendlinie als gegenläufige Trendlinie etabliert ist (Dow-Theorie), dann erfolgten
vorher erhebliche Kurssprünge, damit ein so hohes Niveau überhaupt erreicht werden konnte
(hohes Niveau: Abstand vom Primärtrend bis zum ersten Kurs des gegenläufigen Sekundär-Trends).
Diese vorangegangene Kursbewegung muss aber vom Potential her schon frühzeitig genutzt werden,
so dass die Sekundäre-Trendlinie vom Ansatz der Primär-Trendlinie direkt eingezeichnet werden sollte.
Was nützt es einem, wenn die sekundäre entgegenläufige Trendlinie 10-30% oberhalb des Primär-Trends
eingezeichnet werden kann, um so den Ansatz einer Short-Position eröffnen zu können ? Garnichts !
Den original Dow-Theoretiker interessiert das nicht , da er mit diesen gegenläufigen Bewegungen (Sekundär-Trend)
gerechnet hat und diese Bewegungen den Primär-Trend nicht stören.
Überspitzt gesagt: ich kenn keinen, der sich nach 10 Jahren offline Abstinenz wieder einloggt und die Kurse überprüft.
In diese Richtung zielt auch die Kritik der Börsenweisheit „Aktien kaufen und Schlaftabletten nehmen“ von Kostolany.



6. Andere Trendsysteme

Auch ohne die Dow-Theorie haben sich einige Systeme entwickelt, die versuchen mittels mehrerer
Trendlinien eine Trendeinordnung vorzunehmen.
Beachten sie bitte, dass dieses Thema direkt im Zusammenhang mit "III. Die Trendlinie" zu sehen ist,
jedoch beruht dieses Ansatzpunkt auf einem System mehrerer Trendlinien (!), so dass die Diskussion in
diesem Kapitel stattfindet.

a) Fächerprinzip

Es wird ein Startpunkt fest gewählt. Die Trendlinien werden den High/Lows der Zeitreihe nach angepasst.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/faecherprinzip.png


b) Fibonacci-Fanlines

Es wird der Höchst- und Tiefpunkt einer Bewegung mittels einer Linie gewählt.
Aufgrundlage dieser Linie werden mittels der Fibonacci-Verhältnisse (61,8%, 50%, 38,2%) drei weitere
"Trendlinie"eingezeichnet.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/fanlines.png