plasir
05.03.2008, 17:14
I. Was ist ein Trend ?
1. Der Begriff Trend allgemein
2. Der Begriff Trend in der Technischen Analyse
II. Der Trend und seine Unterteilungen
1. Die Definition der Unterteilung
2. Die graphische Umsetzung eines Trends
III. Die Trendlinie
1. Die subjektive Trendlinie
2. Die technische Trendlinie
3. Optimierung der statischen Trendlinie
a) Korrigierte Trendlinien
b) Dynamische Trendlinien
IV. Die Anwendung von mehreren Trends
1. Trendsysteme
2. Dow-Theorie
3. Grundlage der TechnischenAnalyse
4. Kritik
5. Variation der Dow-Theorie
a) Mehrere Primärtrends durch Zyklen-Unterteilung
b) Zweig-System
6. Andere Trendsysteme
a) Fächerprinzip
b) Fibonacci-Fanlines
I. Was ist ein Trend ?
Dieser Artikel ist umfangreich, da er Ansätze, Aufbau von Denkmodellen und die
Basis-Grundlage der TA vermitteln soll.
Diese hier dargestellte Methodik stellt die Grundlage für weitere zahlreiche
TA-Mittel dar.
Lassen Sie sich nicht von der anscheinenden philosophischen oder trivialen Art
blenden. Manches fundiertes TA-Wissen ist nur oberflächlich und kann nur 1:1
umgesetzt werden, da es nicht verstanden wurde, weil es so vorgegeben wurde.
Die Grundsätze oder Hintergründe werden oft nicht verstanden, erkannt oder garnicht
hinterfragt.
Wer die Grundsätze aber nicht versteht, kann nur eingeschränkt handeln und
sieht Fehler und Optimierungsmöglichkeiten nicht....weil das Verständniss einfach
dafür nicht vorhanden ist.
Wenn sie bei einer Bank ein Konto eröffnen, erkundigen Sie sich im Vorfeld über
deren Konditionen, vergleichen mit anderen Banken...auch mit anderen Alternativen.
Haben Sie beim Einzeichnen von Trends auch dieselbe Sorgfalt an den Tag gelegt und
mal darüber nachgedacht......auch mit anderen Alternativen ?
1. Der Begriff Trend allgemein
Es gibt Modetrends, DesignTrends, usw..
Der Begriff Trend ansich beschreibt eine allgemein Richtung und ist nicht definiert.
2. Der Begriff Trend in der Technischen Analyse
Der Trend in der Technischen Analyse ist ebenso allgemeiner Art.
Wie schon beschrieben wurde, ist der Trend ein allgemeiner Begriff und bedarf
einer genaueren Definition oder genauerem Ansatz, um diesen zu definieren.
Durch diese Definition des Trends werden konkrete Maßstäbe entwickelt, die man
als TA'ler für die Kursinterpretation und Analyse benötigt.
II. Der Trend und seine Unterteilungen
Je genauer ein Trend definiert wird, desto genauer wird er anhand von Details bestimmbar und
umso besser können sich TA'ler austauschen, da auf Grundlage der Definitionen diskutiert
werden kann.
Der Trend in der TechnischenAnalyse wird grob zwischen Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend
unterteilt, unabhängig von den verschiedenen Ansätzen der Definition eines Trends.
Diese Unterteilung ist sozusagen allübergreifend.
Auf dieser Einordnung beruhen zahlreiche weitere TA-Methodiken und Ansätze,
wie zum Beispiel die Trendwende-Formationen aus der Formationsanalyse, da
sie zwingend zur ihrer Gültigkeit einen Trend benötigen und diesen zugrundelegen.
Die Einordnung Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend geschieht auf der groben Definition
von steigenden, fallenden, richtungslosen Kursen.
Dies ist EINE Definition, um den allgemeinen Begriff Trend zu definieren.
Sie können den Trend mit entsprechenden Ansätzen auch anderes definieren.
Ich möchte Ihnen damit vor Augen führen, dass der Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend
eine Definition eines Trends ist.
Diese Definition hat sich als sinnvoll und nützlich erwiesen und gilt seit langem
als anerkannte Standarddefinition, worauf andere TA-Methodiken aufbauen.
1. Die Definition der Unterteilungen
Der Trend wurde nun unterteilt in einen Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend.
Wie werden nun wiederum Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend im Einzelnen definiert ?
Wenn Sie sich den steigenden Kursverlauf einer Aktie der letzten 6 Monate ausdrucken
und mit einen Textmarker mit 4cm Strichstärke diesen Kursverlauf nachzeichnen, dann haben Sie
nach Ihrer eigenen Definition (Betrachtungszeitraum 6 Monate; 4cm breiter Textmarker) einen
eindeutigen Aufwärtstrend im Beispiel ausgemacht, der nur bis zu 2 Monaten andauerte.
Ihr Freund hingegen druckt einen 12-Monats-Chart aus und nutzt einen 8cm breiten Textmarker,
dies ist seine Definition von einem Aufwärtstrend und er erhält einen 10monatigen Aufwärtstrend.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/zeithorizont.png
Wie soll der Trend definiert werden ?
2. Die graphische Umsetzung eines Trends
Es stellt sich nun die Frage, wie der Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrends mittels der
technischen Analyse im Kursverlauf umgesetzt werden soll.
Hier hat sich als Standard-Instrument zur Festsetzung eines Trends die Trendlinie etabliert.
Man könnte nun fragen, warum eine Linie ?
Dies würde diesen Artikel zu weit aufblähen und andere Ansätze müssten besprochen werden.
Wenn Sie definieren: "Wenn der Kurs innerhalb von 6 Monaten steigt, dann ist das
ein Aufwärtstrend!", dann ist das ihre Definition für einen Aufwärtstrends.
Ihr Freund könnte sagen "Wenn der Kurs innerhalb von 7 Monaten um mind. 10% steigt, dann
ist das ein Aufwärtstrend!", dann ist das seine Definition für einen Aufwärtstrends.
Sie haben inzwischen die Denkansätze verinnerlicht, so dass darauf nicht näher eingegangen werden muss.
Als TA-Mittel für die Trend-Definition hat sich die Trendlinie etabliert.
III. Die Trendlinie
Die Trendlinie muss - Sie erraten es schon - natürlich auch definiert werden.
Nachdem der Trend, die Trendrichtung eingegrenzt und definiert wurde, erfolgt nun
die Definition der Trendlinie in einem 3. Schritt.
Die Definitionen werden immer konkreter und detaillierter.
Erinnern Sie sich noch an diesen Satz:
"Je genauer ein Trend definiert wird, desto genauer wird der Trend anhand von Details bestimmbar." ?
Die Definition der Trendlinien muss anhand konkreter Details festgemacht werden und wir verlassen
hiermit den abstrakten Bereich und gehen in den konkreten Kursverlauf/Chart.
So mancher Leser wird jetzt denken "endlich....".
Aber wissen Sie, WARUM jetzt in den konkreten Kursverlauf/Chart gewechselt werden kann ?
Die Begründung ist trivial: weil eine Trendlinie eine Linie ist !
Klingt trivial und philosophisch, ist es aber nicht.
Eine Linie hat einen Start- und einen Enpunkt, besteht mithin aus mindestens zwei Punkten.
Das sind konkrete Fakten, damit kann der TA'ler arbeiten, daher kann man jetzt zur Arbeit an den
Chart wechsen.
Wußten Sie das alles schon und ist zu trivial ?
Dann ist die Beantwortung folgender Frage für Sie bestimmt ein Leichtes:
Frage: Wo setzt man den Start und Endpunkt einer Linie im Kursverlauf ?
Antwort: ?
Sie merken, dass die Frage "warum jetzt in den konkreten Kursverlauf/Chart gewechselt werden kann"
und deren Antwort "weil eine Trendlinie eine Linie ist" augenscheinlich doch nicht so
trivial war.
1. Die subjektive Trendlinie
Es gilt, eine Definition für eine Trendlinie zu finden.
In der Praxis werden Trendlinien zumeist im Chart unter subjektiven Gesichtspunkten und Einschätzungen
aus dem Kursverlauf her eingezeichnet.
Aufgrund der Subjektivität entsteht eine hohe Fehlerquote, Fehlinterpretationen und
Fehleinschätzungen.
Das muss nicht einmal in der Subjektivität angelastet werden, es gibt TA'ler, die subjektiv
Trendlinien einzeichen, die sich als wahr und richtig dauerhaft herausstellen.
Diese Leute zeichnen intuitiv die richtigen Trendlinien ein.
Woran liegt das ? Sie zeichnen intuitiv Trendlinien ein, die auf Definitionen beruhen.
Das wissen Sie selbst oft nicht. Die Erfahrung, stetige Verbesserung und Trefferquote hat
aber Ihre Intuition derart verschärft, dass - wenn man die Trendlinien analysieren würde -
man feststellen würde, dass sie nicht rein subjektiv und beliebig eingezeichnet werden,
sondern sie intuitiv nach festgesetzten Grundlagen handeln.
Die Masse zeichnet jedoch Trendlinien mehr oder weniger nach augenscheinlich ausgemachten Linien ein.
Die subjektiv eingezeichneten Trendlinien entbehren einer TA-Grundlage und zeigen sich im weiteren
widersprüchlich zu anderen TA-Mitteln.
Um diese Anzahl der wild eingezeichneten Linien etwas zu minimieren, wird auf das TA-Mittel
der Berührungspunkte zur Stärkung der Aussagekraft einer Trendlinie oftmals hingewiesen.
2. Die technische Trendlinie
Die Trendlinie beinhaltet immer folgende Fakten:
Startpunkt, Endpunkt, Steigungswinkel, Zeitrahmen (Länger der Linie),
Durch weitere Regeln lässt sich die Trendlinie immer weiter im Detail definieren:
-) Beachtung ausschließlich von Open/Close oder High/Lows oder beider Gruppen kumulativ
-) Zeitrahmen der Trendlinien: müssen Start- und Endpunkt mindestens n=Tage auseinanderliegen
oder dürfen sie höchstens n=Tage auseinanderliegen oder kumulative Nutzung beider Faktoren
-) Mindestmaß oder Höchstmaß des Steigungswinkels
-) Vorliegen einer Mindestanzahl an Berührungspunkten
-) Der Kurs muss sich mindestens um x Prozent von der Trendlinie entfernt haben
-) keine Berechnung von Trendlinien, wenn der Kurs innerhalb des Zeitrahmens x nur eine
Handlungsspanne von x Prozent hatte
Mit weitergehenden Regeln, wird die Trendlinie immer detaillierter definiert und so von
rein subjektiven Einschätzungen entkoppelt.
3. Optimierung der statischen Trendlinie
Die Trendlinie wurde definiert und liegt nun statisch im Kursverlauf vor.
Es stellt sich die Frage, ob im wege der Optimierung die Trendlinie nun dort dauerhaft festgelegt
bleiben muss oder ob sie abgeändert werden darf.
Hier bieten sich folgende Ansätze an:
a) Korrigierte Trendlinien
Die bisherige Trendlinie bleibt bis zu dem Zeitpunkt der Länge nach eingezeichnet, wo eine
Kursänderung eintritt. Vom Startpunkt wird dann über den Zeitpunkt der Kursänderung hinaus eine neue
Trendlinie eingezeichnet. Die bisherige Trendlinie verliert nicht an Bedeutung.
Aus diesem Ansatz entstand das Fächerprinzip.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/korrektur1.png
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/korrektur2.png
Neben der korrigierten Trendlinie, wo die bisherige Trendlinie nicht aufgelöst wurde, gibt es noch
die Alternative, dass die bisherige aufgelöst und nicht mehr beachtet wird.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/aufgeloest.png
b) Dynamische Trendlinien
Die Trendlinien werden entsprechend der aktuellen Marktlage angepasst.
Eine statische/feststehende Trendlinie wird nicht verfolgt.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/angepasst.png
Diese Ansätze werden nur grob aufgezeigt, da sie im Zusammenhang mit Trendsystemen zu sehen sind.
Weitere Ausführungen dazu in dem Kapitel: "Anwendung von mehreren Trendlinien (ohne Dow-Theorie)".
IV. Die Anwendung von mehreren Trends
1. Trendsysteme
Bisher wurde nur EIN Trend besprochen.
Da der Kursverlauf jedoch viele Kursschwankungen aufweist, versucht der TA'ler unter dem Ziel
der Optimierung diese Kursschwankungen zu erfassen und für sich zu nutzen.
So wird unteranderem versucht, die Trenderfassung durch verschiedene Trenddefinitionen zu optimieren.
Die bekannteste Optimierung liegt darin, eine lang-, mittel-,kurzfristige Trendeinordnung vorzunehmen.
Im Endeffekt läuft dies auf eine Verkürzung des Zeitrahmens hinaus, um so ein flexibleres Trend-System
zu erhalten.
Diese Optimierung ist Ihnen besser bekannt unter den Namen Primär-, Sekundär-, Tertiärtrend.
Hier werden aufgrund eines immer kürzeren Zeitrahmens Trends in eine Ordnungsfolge gebracht und deren
Gewichtung (Aussagekraft) gestuft.
2. Dow-Theorie
Diese Methodik ist EINE Methodik unter den Trendsystemen, sie ist aber zur Grundlage der TechnischenAnalyse
insgesamt geworden. Sie wissen es bestimmt schon, es ist die Dow-Theorie, welche seit Anfang des
19. Jahrhunderts besteht.
Bei Trendsystemen werden allgemein mehrere Trends zugrundegelegt, so dass mehrere Trendlinien gezeichnet werden müssen.
Wie diese einzuzeichnen sind, ergibt sich aus dem jeweiligen Trendsystem und und dessen Definitionen.
Die Dow-Theorie gibt folgende untergliederte Trends vor: Primär-, Sekundär-, Tertiärtrend.
Die einzelnen Trends wurden im Verhältnis untereinander wie folgt definiert:
Primärtrend: langfristiger Trend
Sekundärtrend: mittelfristiger Trend, zyklische Gegenbewegung
Tertiärtrend: untergeordnete gleichgerichtete/entgegenlaufende Schwankungen, die den Primärtrend nicht beeinflussen
Die einzelnen Trends wurden daher im Zeitrahmen wie folgt definiert:
Primärtrend: mind. 1 Jahr, in der Regel 10 Jahre
Sekundärtrend: mind. 3 Wochen bis 3 Monate (2 Monate bis 1 Jahr)
Tertiärtrend: 4-6 Wochen (1-2 Wochen)
Der Sekundärtrend stellt eine Korrektur der vorangegangenen Aufwärtsbewegung dar und korrigiert
um 1/3 bis 2/3 (33-66%).
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/dow.png
(Anmerkung: die Angaben in Klammern beziehen sich auf eine andere lesensweise der Dow-Theorie, die
vorsorglich mitaufgeführt wurden, um einen umfassenden Überblick zu geben;
wer den original Beitrag von Dow hat, möge ihn mir bitte zuleiten, damit diese verschiedenen Zeitrahmen
aufgrund der original Aussage geklärt werden können)
Anhand dieser Definitionen sind die Trendlinien einzuzeichnen. Der jeweils nachfolgende Trend (sekundär, tertiär)
muss nicht - im Gegensatz zum Zweig-System (s.u. IV.5.b.) - seinen Trend direkt von der vorangegangenen Trendlinie
starten. Dies ergibt sich daraus, dass der Sekundär- und Tertiärtrend auch gegenläufig zur Primärtrendlinie
sein kann.
Mit dieser Methodik wurde die Grundlage der TechnischenAnalyse geschaffen und ist auch heute noch aktuell.
Als Beispiel sei Reza Darius Montasser angeführt, der sich Im Jahr 2000 mit einer
Abwandlung der Dow-Theorie befasst hat und den "Primär Intermediären Trend" als neuen Ansatz einführte.
Eine kleine persönliche Anmerkung dazu: der Ansatz ist neu, einen Mehrwert bringt er aber nicht, er zeigt
eher eine Schwäche in der Dow-Theorie auf.
Schweifen wir nicht weiter ab, ich hoffe, dass ich Ihnen vermitteln konnte, dass der Primär-, Sekundär-,
Tertiärtrend EINE Methode (wenn auch DER Standard) der Trenddefinition ist, die der Dow-Theorie entstammt.
1. Der Begriff Trend allgemein
2. Der Begriff Trend in der Technischen Analyse
II. Der Trend und seine Unterteilungen
1. Die Definition der Unterteilung
2. Die graphische Umsetzung eines Trends
III. Die Trendlinie
1. Die subjektive Trendlinie
2. Die technische Trendlinie
3. Optimierung der statischen Trendlinie
a) Korrigierte Trendlinien
b) Dynamische Trendlinien
IV. Die Anwendung von mehreren Trends
1. Trendsysteme
2. Dow-Theorie
3. Grundlage der TechnischenAnalyse
4. Kritik
5. Variation der Dow-Theorie
a) Mehrere Primärtrends durch Zyklen-Unterteilung
b) Zweig-System
6. Andere Trendsysteme
a) Fächerprinzip
b) Fibonacci-Fanlines
I. Was ist ein Trend ?
Dieser Artikel ist umfangreich, da er Ansätze, Aufbau von Denkmodellen und die
Basis-Grundlage der TA vermitteln soll.
Diese hier dargestellte Methodik stellt die Grundlage für weitere zahlreiche
TA-Mittel dar.
Lassen Sie sich nicht von der anscheinenden philosophischen oder trivialen Art
blenden. Manches fundiertes TA-Wissen ist nur oberflächlich und kann nur 1:1
umgesetzt werden, da es nicht verstanden wurde, weil es so vorgegeben wurde.
Die Grundsätze oder Hintergründe werden oft nicht verstanden, erkannt oder garnicht
hinterfragt.
Wer die Grundsätze aber nicht versteht, kann nur eingeschränkt handeln und
sieht Fehler und Optimierungsmöglichkeiten nicht....weil das Verständniss einfach
dafür nicht vorhanden ist.
Wenn sie bei einer Bank ein Konto eröffnen, erkundigen Sie sich im Vorfeld über
deren Konditionen, vergleichen mit anderen Banken...auch mit anderen Alternativen.
Haben Sie beim Einzeichnen von Trends auch dieselbe Sorgfalt an den Tag gelegt und
mal darüber nachgedacht......auch mit anderen Alternativen ?
1. Der Begriff Trend allgemein
Es gibt Modetrends, DesignTrends, usw..
Der Begriff Trend ansich beschreibt eine allgemein Richtung und ist nicht definiert.
2. Der Begriff Trend in der Technischen Analyse
Der Trend in der Technischen Analyse ist ebenso allgemeiner Art.
Wie schon beschrieben wurde, ist der Trend ein allgemeiner Begriff und bedarf
einer genaueren Definition oder genauerem Ansatz, um diesen zu definieren.
Durch diese Definition des Trends werden konkrete Maßstäbe entwickelt, die man
als TA'ler für die Kursinterpretation und Analyse benötigt.
II. Der Trend und seine Unterteilungen
Je genauer ein Trend definiert wird, desto genauer wird er anhand von Details bestimmbar und
umso besser können sich TA'ler austauschen, da auf Grundlage der Definitionen diskutiert
werden kann.
Der Trend in der TechnischenAnalyse wird grob zwischen Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend
unterteilt, unabhängig von den verschiedenen Ansätzen der Definition eines Trends.
Diese Unterteilung ist sozusagen allübergreifend.
Auf dieser Einordnung beruhen zahlreiche weitere TA-Methodiken und Ansätze,
wie zum Beispiel die Trendwende-Formationen aus der Formationsanalyse, da
sie zwingend zur ihrer Gültigkeit einen Trend benötigen und diesen zugrundelegen.
Die Einordnung Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend geschieht auf der groben Definition
von steigenden, fallenden, richtungslosen Kursen.
Dies ist EINE Definition, um den allgemeinen Begriff Trend zu definieren.
Sie können den Trend mit entsprechenden Ansätzen auch anderes definieren.
Ich möchte Ihnen damit vor Augen führen, dass der Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend
eine Definition eines Trends ist.
Diese Definition hat sich als sinnvoll und nützlich erwiesen und gilt seit langem
als anerkannte Standarddefinition, worauf andere TA-Methodiken aufbauen.
1. Die Definition der Unterteilungen
Der Trend wurde nun unterteilt in einen Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend.
Wie werden nun wiederum Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrend im Einzelnen definiert ?
Wenn Sie sich den steigenden Kursverlauf einer Aktie der letzten 6 Monate ausdrucken
und mit einen Textmarker mit 4cm Strichstärke diesen Kursverlauf nachzeichnen, dann haben Sie
nach Ihrer eigenen Definition (Betrachtungszeitraum 6 Monate; 4cm breiter Textmarker) einen
eindeutigen Aufwärtstrend im Beispiel ausgemacht, der nur bis zu 2 Monaten andauerte.
Ihr Freund hingegen druckt einen 12-Monats-Chart aus und nutzt einen 8cm breiten Textmarker,
dies ist seine Definition von einem Aufwärtstrend und er erhält einen 10monatigen Aufwärtstrend.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/zeithorizont.png
Wie soll der Trend definiert werden ?
2. Die graphische Umsetzung eines Trends
Es stellt sich nun die Frage, wie der Aufwärts-, Abwärts-, Seitwärtstrends mittels der
technischen Analyse im Kursverlauf umgesetzt werden soll.
Hier hat sich als Standard-Instrument zur Festsetzung eines Trends die Trendlinie etabliert.
Man könnte nun fragen, warum eine Linie ?
Dies würde diesen Artikel zu weit aufblähen und andere Ansätze müssten besprochen werden.
Wenn Sie definieren: "Wenn der Kurs innerhalb von 6 Monaten steigt, dann ist das
ein Aufwärtstrend!", dann ist das ihre Definition für einen Aufwärtstrends.
Ihr Freund könnte sagen "Wenn der Kurs innerhalb von 7 Monaten um mind. 10% steigt, dann
ist das ein Aufwärtstrend!", dann ist das seine Definition für einen Aufwärtstrends.
Sie haben inzwischen die Denkansätze verinnerlicht, so dass darauf nicht näher eingegangen werden muss.
Als TA-Mittel für die Trend-Definition hat sich die Trendlinie etabliert.
III. Die Trendlinie
Die Trendlinie muss - Sie erraten es schon - natürlich auch definiert werden.
Nachdem der Trend, die Trendrichtung eingegrenzt und definiert wurde, erfolgt nun
die Definition der Trendlinie in einem 3. Schritt.
Die Definitionen werden immer konkreter und detaillierter.
Erinnern Sie sich noch an diesen Satz:
"Je genauer ein Trend definiert wird, desto genauer wird der Trend anhand von Details bestimmbar." ?
Die Definition der Trendlinien muss anhand konkreter Details festgemacht werden und wir verlassen
hiermit den abstrakten Bereich und gehen in den konkreten Kursverlauf/Chart.
So mancher Leser wird jetzt denken "endlich....".
Aber wissen Sie, WARUM jetzt in den konkreten Kursverlauf/Chart gewechselt werden kann ?
Die Begründung ist trivial: weil eine Trendlinie eine Linie ist !
Klingt trivial und philosophisch, ist es aber nicht.
Eine Linie hat einen Start- und einen Enpunkt, besteht mithin aus mindestens zwei Punkten.
Das sind konkrete Fakten, damit kann der TA'ler arbeiten, daher kann man jetzt zur Arbeit an den
Chart wechsen.
Wußten Sie das alles schon und ist zu trivial ?
Dann ist die Beantwortung folgender Frage für Sie bestimmt ein Leichtes:
Frage: Wo setzt man den Start und Endpunkt einer Linie im Kursverlauf ?
Antwort: ?
Sie merken, dass die Frage "warum jetzt in den konkreten Kursverlauf/Chart gewechselt werden kann"
und deren Antwort "weil eine Trendlinie eine Linie ist" augenscheinlich doch nicht so
trivial war.
1. Die subjektive Trendlinie
Es gilt, eine Definition für eine Trendlinie zu finden.
In der Praxis werden Trendlinien zumeist im Chart unter subjektiven Gesichtspunkten und Einschätzungen
aus dem Kursverlauf her eingezeichnet.
Aufgrund der Subjektivität entsteht eine hohe Fehlerquote, Fehlinterpretationen und
Fehleinschätzungen.
Das muss nicht einmal in der Subjektivität angelastet werden, es gibt TA'ler, die subjektiv
Trendlinien einzeichen, die sich als wahr und richtig dauerhaft herausstellen.
Diese Leute zeichnen intuitiv die richtigen Trendlinien ein.
Woran liegt das ? Sie zeichnen intuitiv Trendlinien ein, die auf Definitionen beruhen.
Das wissen Sie selbst oft nicht. Die Erfahrung, stetige Verbesserung und Trefferquote hat
aber Ihre Intuition derart verschärft, dass - wenn man die Trendlinien analysieren würde -
man feststellen würde, dass sie nicht rein subjektiv und beliebig eingezeichnet werden,
sondern sie intuitiv nach festgesetzten Grundlagen handeln.
Die Masse zeichnet jedoch Trendlinien mehr oder weniger nach augenscheinlich ausgemachten Linien ein.
Die subjektiv eingezeichneten Trendlinien entbehren einer TA-Grundlage und zeigen sich im weiteren
widersprüchlich zu anderen TA-Mitteln.
Um diese Anzahl der wild eingezeichneten Linien etwas zu minimieren, wird auf das TA-Mittel
der Berührungspunkte zur Stärkung der Aussagekraft einer Trendlinie oftmals hingewiesen.
2. Die technische Trendlinie
Die Trendlinie beinhaltet immer folgende Fakten:
Startpunkt, Endpunkt, Steigungswinkel, Zeitrahmen (Länger der Linie),
Durch weitere Regeln lässt sich die Trendlinie immer weiter im Detail definieren:
-) Beachtung ausschließlich von Open/Close oder High/Lows oder beider Gruppen kumulativ
-) Zeitrahmen der Trendlinien: müssen Start- und Endpunkt mindestens n=Tage auseinanderliegen
oder dürfen sie höchstens n=Tage auseinanderliegen oder kumulative Nutzung beider Faktoren
-) Mindestmaß oder Höchstmaß des Steigungswinkels
-) Vorliegen einer Mindestanzahl an Berührungspunkten
-) Der Kurs muss sich mindestens um x Prozent von der Trendlinie entfernt haben
-) keine Berechnung von Trendlinien, wenn der Kurs innerhalb des Zeitrahmens x nur eine
Handlungsspanne von x Prozent hatte
Mit weitergehenden Regeln, wird die Trendlinie immer detaillierter definiert und so von
rein subjektiven Einschätzungen entkoppelt.
3. Optimierung der statischen Trendlinie
Die Trendlinie wurde definiert und liegt nun statisch im Kursverlauf vor.
Es stellt sich die Frage, ob im wege der Optimierung die Trendlinie nun dort dauerhaft festgelegt
bleiben muss oder ob sie abgeändert werden darf.
Hier bieten sich folgende Ansätze an:
a) Korrigierte Trendlinien
Die bisherige Trendlinie bleibt bis zu dem Zeitpunkt der Länge nach eingezeichnet, wo eine
Kursänderung eintritt. Vom Startpunkt wird dann über den Zeitpunkt der Kursänderung hinaus eine neue
Trendlinie eingezeichnet. Die bisherige Trendlinie verliert nicht an Bedeutung.
Aus diesem Ansatz entstand das Fächerprinzip.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/korrektur1.png
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/korrektur2.png
Neben der korrigierten Trendlinie, wo die bisherige Trendlinie nicht aufgelöst wurde, gibt es noch
die Alternative, dass die bisherige aufgelöst und nicht mehr beachtet wird.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/aufgeloest.png
b) Dynamische Trendlinien
Die Trendlinien werden entsprechend der aktuellen Marktlage angepasst.
Eine statische/feststehende Trendlinie wird nicht verfolgt.
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/angepasst.png
Diese Ansätze werden nur grob aufgezeigt, da sie im Zusammenhang mit Trendsystemen zu sehen sind.
Weitere Ausführungen dazu in dem Kapitel: "Anwendung von mehreren Trendlinien (ohne Dow-Theorie)".
IV. Die Anwendung von mehreren Trends
1. Trendsysteme
Bisher wurde nur EIN Trend besprochen.
Da der Kursverlauf jedoch viele Kursschwankungen aufweist, versucht der TA'ler unter dem Ziel
der Optimierung diese Kursschwankungen zu erfassen und für sich zu nutzen.
So wird unteranderem versucht, die Trenderfassung durch verschiedene Trenddefinitionen zu optimieren.
Die bekannteste Optimierung liegt darin, eine lang-, mittel-,kurzfristige Trendeinordnung vorzunehmen.
Im Endeffekt läuft dies auf eine Verkürzung des Zeitrahmens hinaus, um so ein flexibleres Trend-System
zu erhalten.
Diese Optimierung ist Ihnen besser bekannt unter den Namen Primär-, Sekundär-, Tertiärtrend.
Hier werden aufgrund eines immer kürzeren Zeitrahmens Trends in eine Ordnungsfolge gebracht und deren
Gewichtung (Aussagekraft) gestuft.
2. Dow-Theorie
Diese Methodik ist EINE Methodik unter den Trendsystemen, sie ist aber zur Grundlage der TechnischenAnalyse
insgesamt geworden. Sie wissen es bestimmt schon, es ist die Dow-Theorie, welche seit Anfang des
19. Jahrhunderts besteht.
Bei Trendsystemen werden allgemein mehrere Trends zugrundegelegt, so dass mehrere Trendlinien gezeichnet werden müssen.
Wie diese einzuzeichnen sind, ergibt sich aus dem jeweiligen Trendsystem und und dessen Definitionen.
Die Dow-Theorie gibt folgende untergliederte Trends vor: Primär-, Sekundär-, Tertiärtrend.
Die einzelnen Trends wurden im Verhältnis untereinander wie folgt definiert:
Primärtrend: langfristiger Trend
Sekundärtrend: mittelfristiger Trend, zyklische Gegenbewegung
Tertiärtrend: untergeordnete gleichgerichtete/entgegenlaufende Schwankungen, die den Primärtrend nicht beeinflussen
Die einzelnen Trends wurden daher im Zeitrahmen wie folgt definiert:
Primärtrend: mind. 1 Jahr, in der Regel 10 Jahre
Sekundärtrend: mind. 3 Wochen bis 3 Monate (2 Monate bis 1 Jahr)
Tertiärtrend: 4-6 Wochen (1-2 Wochen)
Der Sekundärtrend stellt eine Korrektur der vorangegangenen Aufwärtsbewegung dar und korrigiert
um 1/3 bis 2/3 (33-66%).
http://www.bullchart.de/ta/trendbegriff/dow.png
(Anmerkung: die Angaben in Klammern beziehen sich auf eine andere lesensweise der Dow-Theorie, die
vorsorglich mitaufgeführt wurden, um einen umfassenden Überblick zu geben;
wer den original Beitrag von Dow hat, möge ihn mir bitte zuleiten, damit diese verschiedenen Zeitrahmen
aufgrund der original Aussage geklärt werden können)
Anhand dieser Definitionen sind die Trendlinien einzuzeichnen. Der jeweils nachfolgende Trend (sekundär, tertiär)
muss nicht - im Gegensatz zum Zweig-System (s.u. IV.5.b.) - seinen Trend direkt von der vorangegangenen Trendlinie
starten. Dies ergibt sich daraus, dass der Sekundär- und Tertiärtrend auch gegenläufig zur Primärtrendlinie
sein kann.
Mit dieser Methodik wurde die Grundlage der TechnischenAnalyse geschaffen und ist auch heute noch aktuell.
Als Beispiel sei Reza Darius Montasser angeführt, der sich Im Jahr 2000 mit einer
Abwandlung der Dow-Theorie befasst hat und den "Primär Intermediären Trend" als neuen Ansatz einführte.
Eine kleine persönliche Anmerkung dazu: der Ansatz ist neu, einen Mehrwert bringt er aber nicht, er zeigt
eher eine Schwäche in der Dow-Theorie auf.
Schweifen wir nicht weiter ab, ich hoffe, dass ich Ihnen vermitteln konnte, dass der Primär-, Sekundär-,
Tertiärtrend EINE Methode (wenn auch DER Standard) der Trenddefinition ist, die der Dow-Theorie entstammt.