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Publikations-Datum: 20001012
Tages-Anzeiger
Balsam für Russland
Hofft auf mehr Geld aus dem Kreml: Der Physiker Alferow stösst mit Kollegen auf den Nobelpreis an.
Erstmals seit 22 Jahren hat mit dem Physiker Schores Iwanowitsch Alferow wieder ein Russe einen Nobelpreis für wissenschaftliche Forschungen bekommen.
Autor: Von Roman Berger, Moskau
Die Meldung aus Stockholm ist Balsam für die russische Seele. Nach dem Untergang des U-Boots "Kursk" und dem Brand im Moskauer Fernsehturm im August verbreitete sich in Russland das Gefühl, das Land sei technologisch hoffnungslos ins Hintertreffen geraten. Jetzt konnte Präsident Putin "einen Triumph für alle Russen" verkünden, wie es in der Gratulationsbotschaft des Kremls an den Petersburger Wissenschafter heisst. Alferow leitet seit 13 Jahren das bekannte Petersburger Physico-Technische Institut, aus dem auch der 1978 mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnete Pjotr Kapiza hervorgegangen ist.
Der Balsam hat für Russland aber auch einen bitteren Nachgeschmack. "Ich bin zwar Russe, stamme in Wirklichkeit aber aus der Sowjetunion", sagte Alferow. Der 70-jährige Forscher betonte, er sei für Forschungen ausgezeichnet worden, die er vor 30 Jahren gemacht habe - also noch zur Zeit der Sowjetunion. Es waren Entdeckungen, die einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung von Internet, Handy und CD-Playern geleistet haben, für Produkte also, mit denen im Westen heute Milliardengeschäfte gemacht werden. Alferow liefert den Beleg dafür, dass Russland (bzw. die Sowjetunion) zu wissenschaftlich bedeutsamen Entdeckungen fähig war und immer noch fähig ist. Doch diese können wegen der wirtschaftlichen Schwäche des Landes nur im Westen produziert und vermarktet werden.
Forschungsbudget wie die ETH
Ganz besonders freute sich die Kommunistische Partei über die Auszeichnung des Wissenschafters. Alferow ist Mitglied ihrer Fraktion im Unterhaus. Nicht aus ideologischen Gründen, wie der Forscher selber erklärt, sondern weil diese Partei seine Anliegen am ehesten unterstütze. Die Sowjetunion hielt sich einst ein ganzes Heer von Wissenschaftern, dieses arbeitete allerdings zu 80 Prozent für den so genannten militärisch-industriellen Komplex. Dieses Potenzial, das heute für den zivilen Aufbau des Landes gebraucht würde, liegt zu einem Grossteil brach.
Die Zukunft heisst Wissenschaft
Nach dem Rubelzerfall im Jahre 1998 ist das russische Budget für Forschung und Entwicklung auf umgerechnet 1,1 Milliarden Franken zusammengeschmolzen - eine Summe, wie sie in der Schweiz jedes Jahr allein die ETH in Zürich erhält. Zehntausende russische Forscher, unter ihnen die fähigsten Köpfe, haben das Land verlassen. Die USA, Kanada, Israel und Westeuropa profitieren heute von russischen Spezialisten.
Vor einigen Tagen machten russische Wissenschafter mit einer wenig beachteten Demonstration vor dem Gebäude der Duma, wo zurzeit das Budget 2001 debattiert wird, auf den jämmerlichen Zustand von Forschung und Wissenschaft aufmerksam. Der neue russische Nobelpreisträger will in der Verteilung der Budgetgelder andere Prioritäten setzen. "Russlands Zukunft liegt in der Entwicklung der Wissenschaften und nicht im Bankenwesen und im Rohstoffhandel", erklärte Alferow am Mittwoch vor der Duma.
EU und Moskau wollen Zusammenarbeit auf neue Basis stellen
Yahoo/30.10.00
Paris (dpa) - Die Europäische Union und Russland wollen ihre Zusammenarbeit in der Krisenbewältigung sowie im Energiebereich auf eine neue Grundlage stellen. Auf ihrem Gipfeltreffen in Paris riefen sie am Montag zum Ende der Gewalt im Nahen Osten auf und boten sich erneut als Vermittler an. Das Treffen wurde von den Präsidenten Russlands und Frankreichs, Wladimir Putin und Jacques Chirac, in Gegenwart von EU-Kommissionspräsident Romani Prodi geleitet. Die russische Seite will zur langfristigen Unabhängigkeit Europas bei der Versorgung mit Gas, Erdöl und Elektrizität beitragen.
Gruss Hasi
Putin und der starke Staat
Bei einem Glas Bier, http://www.aktienboard.com/vb/images/smilies/pint1.gif so berichtete Russlands Präsident Putin diese Woche vor der Presse in Moskau, habe er mit seinem britischen Gast Tony Blair über die amerikanische Präsidentenwahl diskutiert, von der wegen des labyrinthischen Zählungsdisputs in Florida immer noch kein endgültiges Ergebnis vorliegt. Man sei sich einig gewesen, dass dieses wichtige Thema indessen kaum Anlass zur Beunruhigung biete. Die Frage werde zweifellos im Rahmen der demokratischen http://www.aktienboard.com/vb/images/smilies/smash.gif Ordnung Amerikas entschieden.
Sollte auf russischer Seite bei dieser Erklärung eine Spur Ironie http://www.aktienboard.com/vb/images/smilies/lol.gif mitgeschwungen haben, so wäre das nicht ganz verwunderlich. Russland ist bisher mit Lob über seine demokratischen Gehversuche gewiss nicht verwöhnt worden. So mag man in Moskau da und dort ein bisschen Schadenfreude empfinden, dass diesmal selbst bei der amerikanischen Führungsmacht mit ihrer sehr viel älteren demokratischen Erfahrung eine Übung nicht perfekt nach Drehbuch abläuft.
Doch zumindest die aufgeklärten Geister im russischen Publikum dürften sich bei aller Ambivalenz gegenüber Amerika kaum über die Erkenntnis hinwegtäuschen lassen, dass der politische und juristische Streit über die Stimmenauszählung in Florida mit all seinen bizarren Verwicklungen gleichzeitig faszinierenden Anschauungsunterricht für einen funktionierenden Rechtsstaat bietet. Letzterer zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass innere Konflikte nicht durch willkürliche Gewalt oder diktatorische Machtworte entschieden werden, sondern durch ein komplexes System von Regeln und verfassungsmässigen Instanzen. Ein Rechtsstaat muss deshalb in bestimmtem Sinne gleichzeitig ein starker Staat sein, der das Funktionieren dieses Regelsystems gewährleisten kann.
Auch Putin hat dem russischen Volk einen starken Staat versprochen. Zwar erweckte der Kremlherr bisher mit seiner Politik im Innern und Äussern den Eindruck, dass er Stärke vornehmlich im Sinne einer autoritären Machtkonzentration und expansiver grossrussischer Ambitionen versteht. Doch in einigen seiner programmatischen Erklärungen findet man Äusserungen, die hoffen liessen, dass dem Präsidenten die Bedeutung anderer Werte wie die Förderung von Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit, Marktwirtschaft und sozialem Ausgleich als zentrale Elemente einer erfolgreichen modernen Gesellschaft nicht fremd sei. In einem offenen Brief an das russische Volk schrieb Putin im Dezember des vergangenen Jahres - kurz vor der Ernennung zum Nachfolger des vorzeitig zurückgetretenen Jelzin -, es gelte, die Priorität der inneren Ziele vor den aussenpolitischen zu erkennen. «Es gibt keinen mächtigen Staat, und es wird keinen solchen dort geben, wo Schwäche und Armut herrschen. Man muss begreifen: Von der erfolgreichen Bewältigung unserer innenpolitischen Aufgaben hängen unser Platz in der Welt und unser Reichtum und unsere neuen Rechte direkt ab.»
An den Vorrang der Innenpolitik hat Putin sich zwar in seinem ersten Präsidialjahr im Kreml gehalten - was nicht heisst, dass er deswegen aussenpolitische Interessen vernachlässigt hätte. Aber die Ergebnisse und die Methoden seiner bisherigen Anstrengungen, Russland in einen leistungsfähigen, modernen Staat zu verwandeln, sind in wesentlichen Bereichen zumindest zwiespältig. Was die Tschetschenien-Frage betrifft, ist die Bilanz katastrophal.
Mit besonderer Energie hat sich Putin zunächst darauf konzentriert, seine präsidiale Macht auf Kosten der in manchen Fällen eigenmächtigen Gouverneure und Republikführer in den russischen Provinzen auszubauen. Schon kurz nach seiner Volkswahl im März inthronisierte er, über das ganze Land verteilt, sieben Statthalter, die die Provinzfürsten enger an die Moskauer Kandare nehmen sollen. Im Zuge dieser zentralistischen Reform setzte Putin gleichzeitig durch, dass die Chefs der 89 Provinzen und Republiken künftig nicht mehr im Föderationsrat, dem Oberhaus des Parlaments, vertreten sein werden. Zum Trost wurde für sie ein politisch zahnloser Staatsrat geschaffen, der in dieser Woche zum ersten Mal in Moskau tagte und über eine so entscheidende Frage wie die Wahl einer zukünftigen Nationalhymne debattieren durfte.
Diese radikale Einschränkung regionaler Eigenständigkeit ist kein gutes Zeichen für die Weiterentwicklung der russischen Demokratie. Gewiss trifft es zu, dass manche Provinzfürsten in den letzten Jahren ihre Macht, die sie Moskau nach dem Kollaps des Sowjetsystems abgerungen hatten, oft verantwortungslos missbrauchten. Doch in andern Fällen haben tüchtige Köpfe lokale wirtschaftliche oder kulturelle Projekte in Gang bringen können, die durch die Einschaltung der trägen Zentralbürokratie nur verhindert worden wären. Russland hat mit dem Zentralismus in seiner Geschichte wenig erfreuliche Erfahrungen gemacht. Putins offenkundige Abneigung gegenüber föderalistischen Lösungen stützt die Vermutung, dass das autoritäre Kontrollprinzip seinem Denken sehr viel näher liegt als die Förderung dezentraler Eigenverantwortung.
Wohlwollende Beobachter rühmen Putins Fähigkeit, rasch zu lernen. Davon ist allerdings bei der Behandlung des Tschetschenien-Problems nichts zu entdecken. Mehr als ein Jahr nach Beginn des zweiten Tschetschenien-Feldzuges seit Ausrufung der russischen Demokratie liegt die kleine Kaukasusrepublik völlig in Trümmern. Doch von einem eindeutigen Sieg über die separatistische Guerilla oder gar dem vollmundig versprochenen Wiederaufbau Tschetscheniens kann nicht die Rede sein. Unter der Zivilbevölkerung herrschen himmelschreiendes Elend und die brutale Willkür einer schlecht versorgten, disziplinlosen Soldateska. Putin macht nach wie vor keine Anstalten, sich für eine politische Lösung einzusetzen, die ohne Verhandlungen zumindest mit bestimmten Teilen der Separatisten kaum denkbar ist. Wie er unter den jetzigen hoffnungslosen Umständen je eine Befriedung des Nordkaukasus erreichen will, bleibt ein undurchdringliches Geheimnis. Ein im demokratischen Sinne starker Staat würde zumindest mit der tschetschenischen Zivilbevölkerung anders umgehen.
Abgesehen vom schweren tschetschenischen Sündenfall, für den Putin die hauptsächliche Verantwortung trägt und für den er auf längere Sicht wohl noch teuer bezahlen muss, macht Russland gegenwärtig wieder einen merklich stabileren Eindruck als in der turbulenten Endphase der Ära Jelzin. Das liegt vor allem an der Erholung der Wirtschaft. Diese ist dank rapide gestiegenen Erlösen aus Erdöl- und Gasexporten inzwischen vom jahrelangen früheren Schrumpfungsprozess auf eine deutliche Wachstumsentwicklung eingeschwenkt. Skeptiker vermuten allerdings, dass es sich bei dieser positiven Tendenz um ein allzu einseitig gestütztes Zwischenhoch handelt.
Ein gewichtiges Indiz für solche Vorbehalte ist der Umstand, dass jährlich immer noch ungleich mehr Kapital aus Russland abfliesst, als vom Ausland her in die russische Wirtschaft investiert wird. Das wird sich vermutlich erst dann grundlegend ändern, wenn Putin eine breitere Öffentlichkeit im In- und Ausland zu überzeugen vermag, dass zu seinem Verständnis von einem starken Staat auch Werte wie Rechtssicherheit und ein wirksamer Schutz ethnischer Minderheiten zählen.
R. M.
Neue Zürcher Zeitung, Ressort Ausland, 25. November 2000,
Gruss Hasi
Putin und der starke Staat http://www.aktienboard.com/vb/images/smilies/pint1.gifhttp://www.aktienboard.com/vb/images/smilies/smash.gifhttp://www.aktienboard.com/vb/images/smilies/smash.gifhttp://www.aktienboard.com/vb/images/smilies/smash.gifhttp://www.aktienboard.com/vb/images/smilies/lol.gif
Moin!
Interessante Variante:
Kasssjanow in Berlin: Schulden gegen Aktien?
Moskau (rUFO/kp). Deutschland ist offenbar grundsätzlich bereit, sich einen Teil der russischen Auslandsschulden in Form von Aktienbeteiligungen an russischen Staatsbetrieben begleichen zu lassen. Die Bundesregierung verstehe, dass es Russland nicht möglich sei, alle Schulden der Ex-Sowjetunion zu begleichen, sagte der russische Premierminister Michail Kassjanow nach einem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin, bei dem es ausschließlich um Wirtschaftsfragen gegangen war. Der deutsche Vorschlag sieht vor, Unternehmen aus der Bundesrepublik an russischen Staatsbetrieben zu beteiligen, wobei der Kaufpreis dem deutschen Haushalt zugute käme.
Quelle: www.russland-news.de (http://www.russland-news.de)
So long
Howie http://www.aktienboard.com/vb/images/smilies/smokin.gif
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Moderator im Russland-Forum
Dazu auch der Kommentar der Berliner Morgenpost 2.12.2000
Hilfe für Russland
Kanzler will intensivere Zusammenarbeit
ddp/dpa Berlin - Die Bundesregierung will Russland bei der Bewältigung seiner Milliardenschulden unterstützen. Dazu müsse geprüft werden, ob sich deutsche Unternehmen an russischen Betrieben beteiligen könnten, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder gestern nach einem Treffen mit Russlands Ministerpräsident Michail Kasjanow. Beide Seiten bekräftigten ihre Absicht, die enge Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern vor allem in der Wirtschaft zu intensivieren. Der «unverkennbare Aufschwung» in Russland ergebe «völlig neue und erweiterte» Möglichkeiten, sagte Schröder.
Der russische Präsident Wladimir Putin wies Vermutungen über eine bevorstehende Entlassung Kasjanows zurück. Putin hatte in den vergangenen Wochen erstmals die Arbeit einzelner Minister kritisiert. In den russischen Zeitungen war daraufhin über eine Entlassung der Regierung spekuliert worden.
Gruss Hasi
Moin!
Russland könnte Unternehmensanteile an Deutschland abgeben
Um 19 Mrd. US$ Schulden aus Sowjetzeiten mit Deutschland zu begleichen könnte Russland Beteiligungen an den meist gehandelten Unternehmen in Russland an Deutschland abgeben, so Bloomberg. Auf einem Treffen mit Gerhard Schröder soll dies von dem russischen Primierminister angesprochen worden sein. Insgesamt belaufen sich die Schulden Russlands an die Bundesregierung auf 42 Mrd. US$. Soviel sind ungefähr die drei größten Ölfirmen Russlands wert. (fs)
Quelle: www.em-research.de (http://www.em-research.de)
So long
Howie http://www.aktienboard.com/vb/images/smilies/smokin.gif
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Moderator im Russland-Forum
Russlands Medienbarone in der Defensive
Gusinski und Beresowski als unfreiwillige Emigranten
Die beiden unter Druck geratenen russischen Medienunternehmer Gusinski und Beresowski wollen vorerst im Ausland bleiben, um der Verhaftung zu entgehen. Gusinski hat diese Woche einen Teil seiner Mediengruppe abgetreten, und auch Beresowski geht offenbar davon aus, dass er seine Aktien beim Fernsehsender ORT verlieren wird.
A. R. Moskau, 8. Dezember
Noch vor wenigen Monaten waren sich die beiden wichtigsten privaten Medienunternehmer Russlands, Wladimir Gusinski und Boris Beresowski, spinnefeind. Heute befinden sich beide im Exil und damit fast schon im gleichen Boot. Kurz nach dem Amtsantritt Präsident Putins hatte der Kreml eine Kampagne zur Erlangung der Kontrolle über die wichtigsten Fernsehanstalten des Landes begonnen. Sie trägt Früchte, wie nicht zuletzt die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen. Anfang Woche gaben die Behörden bekannt, Gusinski sei über Interpol weltweit zur Verhaftung ausgeschrieben worden. Die russische Generalstaatsanwaltschaft wirft ihm Betrug im Zusammenhang mit der Privatisierung eines Filmbetriebs vor. In Moskau zweifelt allerdings kaum jemand, dass dies nur ein juristischer Vorwand ist, um den Unternehmer in die Ecke zu treiben. Gusinski war im Sommer nach einer kurzen Zeit in Untersuchungshaft ins Ausland geflüchtet und soll nun nach Angaben seines Unternehmens Media-Most zwischen England, Spanien, Gibraltar und Israel hin und her pendeln.
Verlust der Mehrheit beim Sender NTW
Eine Auslieferung Gusinskis an Russland ist zwar ein höchst unwahrscheinliches Szenario. Aber der russischen Führung reicht vermutlich die Gewissheit, dass der unbequeme Medienmagnat ausser Landes ist und damit bei der Führung seines Konzerns behindert wird. Das Hauptziel der juristischen Verfolgungskampagne scheint ohnehin erreicht: Gusinski hat eingewilligt, dem halbstaatlichen Energiekonzern Gasprom Anteile an seinen Medien abzutreten und damit Kreditschulden gegenüber Gasprom zu tilgen. Der Gasprom-Aufsichtsrat besteht zur Hälfte aus Regierungsvertretern, und es ist anzunehmen, dass er künftig die journalistische Ausrichtung der Gusinski-Gruppe beeinflussen wird.
Wie Anfang Woche bekannt wurde, hat Gusinski dem Gaskonzern 16 Prozent der Aktien des bisher regierungsunabhängigen Fernsehkanals NTW übergeben. Gasprom besitzt damit 46 Prozent des Senders, während Gusinskis eigener Anteil auf unter die Hälfte (49,5 Prozent) gefallen ist. Gasprom erhielt zudem 25 Prozent der Aktien aller übrigen Unternehmen der Mediengruppe. Dazu gehören mehrere Zeitungen und Zeitschriften sowie eine populäre Radiostation. Im Gegenzug verzichtete Gasprom auf Geldforderungen in der Höhe von 250 Millionen Dollar. Im Streit um einen weiteren Kredit, der im nächsten Jahr fällig wird, verpflichtete sich Gusinski zum Verkauf von weiteren 19 Prozent des Senders NTW an einen ausländischen Investor. Der Gaskonzern, der noch vor einem Jahr als enger Partner Gusinskis galt, hat die Verhandlungen unter dem Druck des Kremls mit grosser Verbissenheit geführt. Wie Gusinski macht derzeit auch Beresowski die bittere Erfahrung, dass selbst ein scheinbar solides Geschäftsimperium einstürzen kann, sobald die Unterstützung aus Regierungskreisen verloren geht. Im Unterschied zu Gusinski, dessen Medien den Aufstieg Putins misstrauisch verfolgt hatten und nun für ihre kritische Haltung büssen, muss sich Beresowski wie ein Geprellter vorkommen: Seine Fernsehanstalten und Zeitungen hatten nämlich kräftig Propaganda für Putin gemacht, und der gestrauchelte Unternehmer behauptete kürzlich, er habe mehrere hunderttausend Dollar in dessen Wahlkampf fliessen lassen. Nach geschlagener Schlacht fiel Beresowski dennoch in Ungnade. Der Kreml hat es auf die Anteile Beresowskis am Fernsehsender ORT abgesehen (angeblich 49 Prozent), die ihm bis vor wenigen Monaten beträchtlichen Einfluss auf die redaktionelle Ausrichtung des bedeutendsten nationalen Senders gaben.
Inzwischen wurden allerdings mehrere wichtige, dem Geschäftsmann nahe stehende Figuren in der Redaktion entlassen. Beresowski erklärte am Donnerstag in Frankreich gegenüber Gusinskis Radiostation «Echo Moskaus», er rechne nicht mehr damit, dass ihm seine ORT-Aktien verbleiben würden. Er befürchtet, sie an den Staat zu verlieren, schliesst aber auch einen Verkauf an Dritte nicht aus. Wie Gusinski steht auch Beresowski gleichzeitig unter dem Druck von Strafuntersuchungen. Kaum zufällig hat die Generalstaatsanwaltschaft in den letzten Wochen die Ermittlungen im Fall Aeroflot intensiviert. Beresowski wird verdächtigt, mit Hilfe der Lausanner Firmen Andava und Forus die Kontrolle über Einnahmen der Luftfahrtgesellschaft erlangt und Dutzende von Millionen Dollar abgezweigt zu haben.
Verhaftung im Fall Aeroflot
Ein Geschäftsfreund Beresowskis, der frühere Aeroflot-Vizepräsident Gluschkow, wurde am Donnerstag wegen dieser Affäre verhaftet, gegen einen zweiten Manager wurde Anklage wegen Betrugs erhoben. Beresowski hat sich im November geweigert, einer Vorladung der Generalstaatsanwaltschaft Folge zu leisten. Er hätte mit einer Verhaftung rechnen müssen und zog es vor, im Ausland zu bleiben. Der gestürzte Oligarch ist in die Rolle des politisch Verfolgten geschlüpft, wirft Putin diktatorisches Verhalten vor und demonstriert seine Sympathie für einstige Dissidenten: Vor wenigen Tagen überwies er dem finanziell angeschlagenen Sacharow-Museum für Menschenrechte eine Spende von drei Millionen Dollar.
Neue Zürcher Zeitung, 9. Dezember 2000
Putin spricht über “Pläne” für die Rückkehr der Großunternehmen in den Schoß des Staates
Präsident Vladimir Putin hat heute eine dreistündige Pressekonferenz abgehalten, auf der fast 1000 ausländische und russische Journalisten anwesend waren.
Putin sprach das Problem an, das die Investoren am meisten beschäftigt –die Rückkehr der Großunternehmen in den Schoß des Staates:
• Putin versicherte, dass es keine Pläne für die Verstaatlichung de rprivaten Ölunternehmen Russlands gibt;
• Er teilte mit, dass er nichts von den Plänen des staatseigenen Unternehmens Alrosa, Norilsk Nickel zu erwerben, weiß; und
• Putin sagte, dass die Fusion der russischen Autohersteller in eine große Holding von den Besitzern der Unternehmen abhängt (was darauf hindeutet, dass es solche Pläne gibt).
Öl und Gas: Rosneft wird zum größten Unternehmen des Sektors. Es gibt keine Pläne für eine weitere Expansion.
In Bezug auf den Öl- und Gassektor sagte Putin, dass Rosneft neben Gazprom zu einem großen internationalen Konzern werden soll. Das heißt, dass Rosneft eine Carte Blanche für den Erwerb neuer Aktiva im Osten Sibiriens erhält und die Unterstützung des Staates genießen wird.
Für die Investoren war es wichtig, dass Putin eine weitere Expansion des Staates im Sektor praktisch ausgeschlossen hat. Er teilte mit, das Russland zehn große, völlig private Ölgesellschaften wie Lukoil, TNK-BP und Surgutneftegaz hat, und fügte hinzu, dass niemand sie verstaatlichen oder sich in ihre Tätigkeit einmischen will. Es gibt keine Pläne für das norwegische Modell der staatlichen Kontrolle. Somit widerlegte er die Gerüchte über eine Fusion von Rosneft und Surgut sowie Bedenken über TNK-BP. In Bezug auf TNK-BP sagte Putin, dass das Unternehmen seine Reservebasis in Russland erweitern könnte, und fügte hinzu, dass der jüngste Spionage-Skandal zu keiner Verschlechterung der Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien führen wird.
Alrosa will Norilsk Nickel kaufen: Putin “weiß nichts davon”, diese Pläne würden die Geschäftsführer der beiden Gesellschaften „überraschen“
Putin sagte, dass er nichts von den Plänen von Alrosa, Norilsk Nickel zu erwerben, weiß. Dann fügte er hinzu, dass die Geschäftsführer der beiden Unternehmen über eine solche Frage „überrascht“ wären. Darüber hinaus teilte Putin mit, dass er die Tätigkeit von Norilsk und anderen russischen Unternehmen in Russland und im Ausland unterstützt. Wir weisen auf Folgendes hin: Auch wenn dies als eine recht endgültige Aussage erscheint, so darf man nicht vergessen, dass die Fehlinterpretation der Worte des Präsidenten in Bezug auf Yukos den Investoren großen Kummer bereitete. Bei dem Versuch, die Aussage des Präsidenten zu analysieren, haben wir auf die Kremlinologie zurückgegriffen. Ein wichtiger Punkt ist hier, dass Putin öffentlich nicht lügt und es in der Regel wissen lässt, wenn er weiß, dass irgendetwas passieren wird. Der Präsident sagt selten, dass er von irgendeiner Angelegenheit „nichts“ weiß, wie es heute im Fall von Norilsk war. Wenn ein wichtiger Geschäftsabschluss bevorsteht, dann sagt er in der Regel, dass das die Angelegenheit der jeweiligen
Unternehmen ist, und dass er eine neutrale Position vertritt. Dies hat er auch in London gesagt, als er im vergangenen Jahr die Akquisition von Sibneft durch Gazprom kommentierte.
Der Grund für unsere vorsichtige Interpretation der Worte von Putin über den Erwerb von Norilsk durch Alrosa liegt darin, dass - neben der Tatsache, dass diese „Pläne“ Gegenstand der Marktspekulationen sind – die Rückkehr von Norilsk in den Schoß des Staates eine gewisse Basis hat. Durch den Erwerb von Norilsk Nickel durch Alrosa würde ein großer Player am globalen Nickel-, Palladium-, Platin- und Kupfermarkt entstehen, der zur außenpolitischen Waffe in den Händen des Staates werden könnte. Darüber hinaus würde man dadurch einen weiteren Oligarchen aus der Jelzin-Ära - Vladimir Potanin - „aus dem Weg räumen“ (nach der Zwangsausreise von Vladimir Gussinskij und Boris Beresovskij und einem friedlichen Abgang von Abramovitsch).
Wir glauben jedoch, dass die Worte von Putin recht überzeugend waren. Trotz der am Anfang des Monats gemachten Aussage von Alexander Chloponin (Gouverneur der Region Krasnojarsk und ehemaliger CEO von Norilsk) über Fusionsgespräche mit Alrosa, rechnen wir auf mittlere Sicht mit keinem derartigen Geschäftsabschluss (was auch Chloponin selbst sagte). Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass der Finanzminister Alexei Kudrin, der einen Sitz im BoD von Alrosa hat, sagte, er wisse nichts von den Gesprächen mit Norilsk Nickel. Daraus schließen wir, dass der Erwerb von Norilsk Nickel durch Alrosa nicht geplant ist.
Avtoprom- Konsolidierung: mehr Dynamik
Die Äußerung von Putin in Bezug auf die potenzielle Fusion der russischen Autohersteller – als er sagte, dass die Besitzer der Unternehmen selbst eine Entscheidung zu diesem Thema treffen müssen – ist ein Bilderbuchbeispiel dafür, wie der Präsident seinen Segen für den Deal gibt (die Antwort war ähnlich formuliert wie die, die er auf die Frage zum Geschäftsabschluss zwischen Gazprom und Sibneft gab). Aus diesem Grund können die Investoren mit der Entstehung eines neuen “Avtoprom” rechnen, zu dem Avtovaz, Kamaz und möglicherweise Gaz gehören werden. Dies entspricht dem Vorschlag der Föderalen Agentur für Industrie Russlands (was letzte Woche an die Presse durchsickerte). Putins Worte darüber, dass der Staat die Entwicklung der Autoindustrie unterstützen könnte, war nur das i-Tüpfelchen für diese Fusion, da die Automobilindustrie als ein strategisches Segment betrachtet wird, das die Unterstützung des Staates verdient.
Somit glauben wir, dass der Erwerb von Norilsk durch Alrosa nicht zustande kommt. Wir antworten jedoch mit „Ja“ auf die Frage nach der Fusion von Avtovaz, Kamaz und Gaz
.
Zu weiteren marktspezifischen Themen äußerte sich Putin wie folgt:
• Die Steuerlast Russlands beläuft sich auf 36,8% des BIP (der EU-Durchschnitt lag 2003 bei 40,3%). Sie ist zu hoch und behindert die Wirtschaftsentwicklung des Landes. Deswegen soll sie reduziert werden. Putin sagte jedoch, dass die Reduzierung der Steuerlast die Inflation, die auf einen einstelligen Wert zurückzuschrauben ist (die Prognose der Regierung für 2006 liegt bei 8,5%), nicht ankurbeln sollte. Darüber hinaus teilte der Präsident mit, dass bezüglich der Senkung der Mehrwertsteuer von 18% auf 13% -Mikhail Fradkov (Premierminister) ist dafür und Kudrin(Finanzminister) ist dagegen - noch keine Entscheidung getroffen wurde.
• Putin sagte, dass Russland und die Ukraine das Abkommen über die Lieferung von 17bcm an Kyiv (im Jahr 2006) neu verhandeln könnten. Er fügte hinzu, dass der Gasstreit die Notwendigkeit der Ostseepipeline nach Deutschland zur Gewährleistung der Gaslieferungen nach Europa unterstreicht.
• Putin bezeichnete die Gespräche über die G8-Tauglichkeit Russlands als leeres Gerede und sagte, dass keiner der Mitglieder gegen die Mitgliedschaft Russlands ist. Er fügte hinzu, dass die G8-Mitgliedschaft des Landes wichtig ist, da Russland – aufgrund der Tatsache, dass die Bevölkerung des Landes nicht wohlhabend ist, - die Probleme der Entwicklungsländer besser versteht.
. Putin sagte, dass der Hauptgegner des WTO-Beitritts Russlands die USA sind, da Washington verlangt, dass die amerikanischen Banken ihre Filialen in Russland direkt aufmachen und nicht durch die Tochtergesellschaften. Er sagte, die Forderungen der USA seien inakzeptabel, da Russland dadurch die Kontrolle über die Kapitalflüsse verlieren wird.
• Laut Putin trugen die Atomkraftwerke 17% zu der gesamten Energieerzeugung Russlands bei, während in Frankreich dieser Wert bei 80% liegt. Es wäre keine schlechte Idee, den Wert in Russland bis 2030auf 25% zu erhöhen. Dieser Kommentar kam nach der Ankündigung von Gazprom, dass das Unternehmen bis 2030 $60 Mrd. in den Bau von Atomkraftwerken investieren will. Wir halten dies jedoch für eine Fehlleitung der Ressourcen des Gasgiganten.
• Interessant ist auch die Tatsache, dass Putin keine Kritik darüber duldete, dass Russland das usbekische Regime unterstützt (auch nachdem die bewaffneten Soldaten im vergangenen Jahr 500 Menschen erschossen haben). Er sagt, dass Russland die Gründe für diese Ereignisse besser als der Westen kennt und kein neues Afghanistan in Zentralasien haben will. Das ist eine klassische Aussage von Putin, welche die historisch bedingte, politische Denkweise widerspiegelt, dass der Status Quo erhalten bleiben soll, da ein Regimewechsel zu einer noch größeren Verschlechterung der Lage der Bevölkerung und einer geopolitischen Instabilität führt. Darüber hinaus hat Putin den Westen dazu aufgefordert, Palästina weiterhin Hilfe zu leisten (auch nach der Wahl der Hamas). Er sagte, Russland halte die Hamas nicht für eine terroristische Organisation.
• In Bezug auf die Präsidentschaftswahlen des Jahres 2008 sagte Putin, dass er an einem Eintritt in die Geschäftswelt kein großes Interesse hat, wenn seine zweite und somit letzte Amtszeit zu Ende geht (wir glauben weiterhin, dass er nach 2008 eine internationale Tätigkeit aufnehmen könnte).
Aus der Marktsicht deuten die Äußerungen von Putin darauf hin, dass der Staat die Großunternehmen nicht sofort erwerben wird, sondern fallweise. Wie es aussieht, wird der Öl- und Gassektor operieren, ohne dass neue Akquisitionen durch den Staat getätigt werden. Und Norilsk Nickel wird allem Anschein nach ein privates Unternehmen bleiben. Die dem Untergang geweihten russischen Automobilhersteller, die als strategisch wichtig gelten, werden höchstwahrscheinlich zusammengefügt (staatliche Investitionen bzw. Kontrolle sind dabei nicht ausgeschlossen). Was die politischen Themen betrifft, so äußerte sich Putin selbstbewusst und überzeugend. Er ging nur kurz auf die Fragen über die G8-Mitgliedschaft, NGOs und Usbekistan ein, da der steigende Ölwohlstand Russland und der internationale Einfluss die Grundlage für ein größeres Selbstbewusstsein des Kremls schafft.
Die Investoren hat es zweifellos gefreut, dass Putin während der Pressekonferenz die im Jahr 2005 erzielten Ergebnisse des russischen Aktienmarktes gelobt hat. Dabei hat er darauf hingewiesen, dass der RTS um 88% zunahm, und den südkoreanischen Aktienmarkt (Wachstum von 54%) ohne Mühe übertroffen hat. Er bezeichnete das als eine der wichtigsten Errungenschaften des Landes im vergangenen Jahr… Und diese Investoren haben geglaubt, dass der Kreml sich keine Gedanken über die potenziellen Folgen ihrer Entscheidungen für den Aktienmarkt macht!!
Quelle Aton 2.02.06
EUROFETISCHIST
04.02.2006, 11:15
RUSSLAND
Die Sturmtruppen
Von Karsten Stumm
Eine Hand voll rivalisierender Firmenimperien beherrscht Russlands boomenden Telefonmarkt. Ihren ruppigen Geschäftspraktiken sind westliche Unternehmen oft hilflos ausgeliefert. Spätestens, wenn Spezialeinheiten Fakten schaffen.
Moskau - Es war ein sonniger Wintertag, an dem Daniyar Omurzakov spürte, dass etwas nicht stimmte. Der Topmanager des kirgisischen Mobilfunkbetreibers Bitel hatte keinen Handyempfang mehr, dabei saß er in seinem Büro im Hauptgebäude des Telefonunternehmens. Er brauchte nicht lange nach den Schuldigen dafür zu suchen. Sie kamen zu ihm.
© DDP
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Moskau: Telekomunikationsmarkt mit Staatsbeteiligung
Etwa 50 Polizisten hatten in den Minuten zuvor das Bitel-Gebäude im Zentrum der kirgisischen Hauptstadt Bischkek umstellt. Kurz darauf stürmten Spezialeinheiten das Treppenhaus, besetzten die meisten Büros und die wichtigsten technischen Einrichtungen. Dann schalteten sie die Server des Unternehmens ab, und von diesem Moment an hatten 90 Prozent der knapp 600.000 Handys in Kirgisien keinen Empfang mehr. Auch das Mobiltelefon Omurzakovs war plötzlich wie tot. Wenig später erreichten die Maskenmänner sein Büro.
"Polizisten und Spezialeinheiten, getarnt mit schwarzen Masken, sind in unsere Büros eingedrungen. Fünf Minuten danach brach unser Netzwerk zusammen", bestätigte Erkanat Abeni gegenüber manager-magazin.de, ein Sprecher des Finanzinvestors Alliance Capital, die auf Umwegen an Bitel beteiligt sind. "Sie halten Omurzakov im Gebäude gefangen, zusammen mit einem hochrangigen Vertreter von Mobilnyje Telesistemy (MTS)."
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Die Sache ist offenbar normales Business. Nichts für ungut also, lieber Daniyar Omurzakov.
Sein Unternehmen gefällt unglücklicher Weise zugleich den russischen Mobilfunkrivalen MTS und Alfa Group. Beide behaupten, längst die Aktienmehrheit an Bitel zu besitzen; sie ist die einzige Telefonfirma im Lande mit einem technisch modernen GSM-Netz. Schließlich entschied Kirgisiens oberstes Gericht den Streit zu Gunsten der russischen Firma Reservspezmet, die zum Imperium der Alfa Group gehört.
MTS aber hält das Urteil des obersten kirgisischen Gerichts für "juristisch unbegründet", wie es manager-magazin.de mitteilen ließ. Deshalb will man sein Recht auf den Bitel-Anteil nun vor internationalen Gerichten verfechten. Die Sache ist also noch nicht ausgestanden, und bis dahin bleiben die Besitzverhältnisse an Bitel unklar.
EUROFETISCHIST
04.02.2006, 11:17
Eine Frage des Umgangs
Eine kirgisische Sonderkommission hat zumindest so lange in den komplizierten Eigentümerstrukturen des Unternehmens gestöbert, bis wenigstens der Bitel-Vorbesitzer bekannt wurde: Es gehörte der Familie des kirgisischen Ex-Präsidenten Askar Akajew, die erhebliche Anteile daran via Reservspezmet an die Alfa Group verkauft haben soll. Das allerdings bestreitet MTS, die noch Mitte Dezember vergangenen Jahres den Kauf von 51 Prozent der Firma Tarino Limited von Alliance Capital bekannt gegeben haben. Der Finanzinvestor wiederum hatte mittels dieser Holding zuvor drei Offshore-Unternehmen auf der Insel Man erworben, die ebenfalls Ansprüche an Bitel anmelden.
© DPA
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Russisches Firmenroulette: Wem gehört was?
Was sich anhört wie ein absurder Wirtschaftskrimi ist zum Lehrstück für westliche Unternehmer auf dem russischen Markt geworden, und gerade in Deutschland gibt es davon viele. Nach Angaben der deutschen Auslandshandelskammer zählen Firmen aus der Bundesrepublik zu den wichtigsten Russlandinvestoren, noch vor Konzernen aus den USA. Doch jetzt scheinen sich die Geschäftsbedingungen in Russland zu ändern.
"Die Phase, in der Russland ausländische Investoren brauchte, ist nahezu vorbei. Westliche Firmen müssen sich nun auch mal mit Minderheitsbeteiligungen zufrieden geben. Dann sollten die Konzernlenker allerdings wissen, worauf sie sich einlassen - und wie Firmen in Russland bisweilen miteinander umgehen", sagt Armin Raffalski zu manager-magazin.de, Senior Manager des Düsseldorfer Management-Consulting-Unternehmens Goetzpartners.
Zumindest Russlands Mobilfunkbranche hat sich offnbar zu einem gefährlichen Terrain für Westfirmen entwickelt, die von ihren Heimatmärkten geordnete Rechtssysteme und mehr oder weniger verlässliche Geschäftspartner gewohnt sind. Doch auf Russlands Telekommarkt herrscht Goldgräberstimmung:
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"Der dortige Mobilfunksektor hat in den Jahren seit 1999 pro Jahr um etwa 100 Prozent zugelegt. In den nächsten Jahren wird es wohl auch weiter kräftig bergauf gehen, wenn auch nicht mehr mit diesen Traumraten", sagt Telekomexperte Raffalski. Solche Aussichten lockten nicht zuletzt russische Geschäftsleute, die zwar kaum Ahnung von Mobilfunknetzen oder dem Telefongeschäft haben, aber ähnlich der Ölbranche beste Beziehungen zu wichtigen russischen Politikern, und auch ein gewisses Maß an Rücksichtslosigkeit.
"Wir sind eher Finanzinvestoren", bestätigte Alfa-Group-Mitbesitzer Mikhail Fridman kürzlich dem Wall Street Journal. "Wir betrachten uns nicht als Experten für die Branchen, in denen wir tätig sind." Das sind einige: Über Fridmans Firmengeflecht, dass einem riesigen persönlichen Private-Equity-Fonds gleicht, hält er Beteiligungen an Öl-, Handels-, Bank- und Telekommunikationsfirmen. Genug, um mittlerweile zur Klasse der Superreichen Russlands aufgestiegen zu sein: Fridmans Vermögen wird auf sieben Milliarden Euro geschätzt. Gerne erzählt er, wie er dafür habe kämpfen müssen.
EUROFETISCHIST
04.02.2006, 11:17
Nie den Kreml gereizt
Noch an der Universität in Moskau sei er als jüdisches Kind aus dem ukrainischen Lvov von den Russen geschnitten worden. Statt zu Ende studieren zu können, habe er deshalb als einer der ersten Russen Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein Import- und Exportgeschäft aufmachen müssen. Fridman handelte fortan so ziemlich mit allem, was zu bekommen war: Zucker aus Kuba und Öl aus Baku.
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Mikhail Fridman: "Wir haben unseren Stil, und den ändern wir auch nicht."
Das erwies sich später als Glücksgriff. Zusammen mit zwei russischen Emigranten als Geldgeber habe er dutzendweise ehemalige Staatsbetriebe aufgekauft und zur Tyumen-Oil-Gruppe zusammengefasst; das Unternehmen ist heute unter seiner russischen Abkürzung TNK bekannt.
Mit seinem neuesten Telefongeschäft aber hat Fridman vielleicht einen Fehler gemacht. Sein Griff nach Bitel in Kirgisien bringt ihn in Konkurrenz zu MTS. Und MTS wurde ausgerechnet unter dem Regime von Leonid Reiman, dem russischen Telekommunikationsminister, zu dem was es heute ist: der größte russische Mobilfunker.
"Ich habe bei meinen Geschäften stets darauf geachtet, nichts zu unternehmen, was der Kreml als Herausforderung seiner Kontrolle über die nationale Politik werten könnte", sagte Fridman noch Wochen vor dem Bitel-Deal zu Reportern des "Wall Street Journals" - zur Begründung für seinen kometenhaften Aufstieg vom Niemand zum Multimilliardär im Alter von nur 42 Jahren.
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Für westliche Firmen ist diese Gefahr noch viel größer. "Oft sind die Besitzverhältnisse an interessanten Unternehmen für Investoren so unklar, dass die bei ihrem Einstieg in den Betrieb gar nicht bemerken, mit wem sie sich anlegen", sagt ein Moskauer Rechtsanwalt zu manager-magazin.de, der unter anderem für westliche Telekomkonzerne als Berater arbeitet und anonym bleiben möchte. Die finnische TeliaSonera ist erst kürzlich in so eine Falle getappt.
Der skandinavische Konzern hat einen 43,6-Prozent-Anteil an dem drittgrößten russischen Mobilfunkunternehmen Megafon erworben. Auf den ersten Blick vielleicht ein Geschäft mit Perspektive: Megafon ist die einzige russische Telefongesellschaft, die eine landesweite GMS-Lizenz besitzt, und das ist im boomenden Mobilfunkmarkt Russlands ein riesiger Wettbewerbsvorteil. Doch seit einigen Wochen weiß TeliaSonera-Chef Anders Igel nicht mehr genau, mit wem er es bei Megafon eigentlich alles zu tun hat.
EUROFETISCHIST
04.02.2006, 11:18
"Manche empfinden es als aggressiv"
Ein weiteres Drittel der Megafon-Anteile hält offenbar das Unternehmen Telecominvest, in der alle ehemals selbstständigen Telefongesellschaften aus Sankt Petersburg zusammengefasst worden sind; der Ex-Chef der Holding ist Leonid Reiman, Russlands Telekomminister. Weitere 25 Prozent an Megafon aber hat sich Mikhail Fridman gesichert, der dem Kreml-Minister damit schon wieder in die Quere kommt. Und jetzt beansprucht Fridman auch noch erhebliche Anteile von Reimans Telecominvest-Paketes - und wieder müssen Gerichte entscheiden, wem jetzt eigentliche wie viele Prozent an Megafon gehören.
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Telenor-Chef Jon Fredrik Baksaas: Stimmrechtsmehrheit bei Vimpelcom an die Alfa Group verloren
Derzeit sind Klagen anhängig in der Schweiz, auf den Bahamas und den British Virgin Islands, in denen es vor allem um Vorkaufsrechte für Megafon-Aktienpakete geht. Bis das geklärt ist, bleibt TeliaSonera an einem teils gelähmten Unternehmen beteiligt.
Das allerdings kann dauern. Der Vorsitzende des angerufenen Züricher Schiedsgerichtes legte sein Mandat kürzlich nieder. Er beklagte sich, überwacht worden zu sein, und auch sein Müll sei durchwühlt worden.
Mittlerweile hat ein weiterer westlicher Telefonkonzern Probleme mit seinen Russland-Aktivitäten. Die norwegische Telenor sucht verzweifelt nach einer Lösung eines ähnlichen Streits. Es geht darum, wer bei Vimpelcom das Sagen hat, der Nummer zwei des russischen Telefonmarktes: Telenor, die einen Anteil in Höhe von 29,9 Prozent der Aktien und 26,6 Prozent der Vimpelcom-Stimmrechte halten oder Fridmans Alfa Group, die einen 24,5 Prozent schweren Aktienanteil an dem Unternehmen besitzt.
Telenor-Chef Jon Fredrik Baksaas warnte vor der vergangenen Vimpelcom-Hauptversammlung sogar die Kleinaktionäre des Unternehmens, Alfa-Vertretern eine Mehrheit im neunköpfigen Aufsichtsrat zu bescheren. Dann werde Telenor den Verkauf seines Russland-Geschäfts erwägen. Doch mehr als die Drohung ist bisher nicht passiert, und mittlerweile kontrolliert Alfa 32 Prozent der Stimmrechte an Vimpelcom.
"Das ist unser Stil, auch unsere Strategie, und die werden wir auch nicht ändern. Wir machen eine ganze Reihe Dinge, die manche Leute aggressiv finden", sagte Fridman lakonisch zu dem Fall.
"Bald werden finanzstarke russische Konzerne auch bei uns im Westen Fuß fassen wollen. Spätestens dann müssen sich unsere Firmen genau überlegen, wem sie im Falle eines Falles künftig die Beteiligung an ihrem Unternehmen gestatten wollen", sagt Goetzpartners-Experte Raffalski.
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Vielleicht bekommt der russische Multimilliardär Fridman eher Probleme als die Telefongesellschaften hier zu Lande. Sein Kreml-Gegenspieler Reiman bekam den Chefsessel der Telecominvest einst von höchster Stelle - von Wladimir Putin. Denn Russlands Präsident war einst Geheimdienstchef von Sankt Petersburg und hatte in dieser Funktion die Aufsicht über die Telefonfirmen des Stadtgebietes. Kaum im Präsidentenamt, noch im August 1999, machte er aus Reimans Petersburger Staatskomitee für Telekommunikation ein neues Staatsministerium.
"Kein russischer Minister ist mehr als Leonid Reiman mit dem Markt verzahnt, den er eigentlich kontrollieren soll", schreibt "Moskowskije Nowosti". Und kein russischer Minister ist vielleicht so eng mit Präsident Putin befreundet wie Telekomminister Reiman
quelle manager magazin
Rußland wird eine immer wichtigere globale Rolle in Bezug der Rohstoffe spielen.
Die Versuche des Westens sich von der Abhängigkeit von Lieferungen aus Rußland zu autonomisieren bleiben meines erachtens nur verzweifelte Ansätze.
Langfristig könnte ich mir gut vorstellen, das sich Rußland Wirtschaftspolitisch sukzessiv vom Westen in Richtung China und dem mittleren Osten abwendet.
Ein interessantes Thema hierzu ist mit Sicherheit Kasachstan.
In diesem Ödland wurden erheblich Ölvorkommen in den letzten Jahren entdeckt.
Dort ist die Zusammenarbeit von Rußland und China schon zu beobachten.
Amerika steht außen vor und muß zuschauen.
Ein weiteres Indiez ist die intensive wirtschaftliche Zusammenarbeit von Rußland mit dem Iran.
Von dieser Seite wird es folglich im Falle eines Vetos der UN gegen den Iran keine Zustimmung von Rußland und China geben.
Russlands Haushalt mit vollen Kassen im ersten Quartal :tup:
http://www.russlandonline.ru/ruwir0010/images/imgkedqor.jpg
Der russische Staatshaushalt hat im ersten Quartal 2006 mit einem Überschuss von 575,9 Milliarden Rubel (ca. 16,7 Milliarden Euro) geschlossen. Das macht 10,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.
Diese Angaben wurden am Donnerstag vom russischen Finanzministerium in einer Kabinettssitzung in Moskau bekannt gegeben.
Die Haushaltseinnahmen beliefen sich im besagten Zeitraum auf rund 1,4 Billionen Rubel (ein Euro entspricht 34,5 Rubel) oder ca. 26,3 Prozent des BIP im ersten Quartal.
Der Stabilisierungsfonds, in dem Russland die Mehreinnahmen aus den Erdölexporten hinterlegt, stieg von 1,237 Billionen Rubel per 1. Januar auf 1,677 Billionen Rubel per 1. April (6,9 Prozent zum Jahresumfang des BIP).
Die Haushaltsausgaben im ersten Quartal gibt das Finanzministerium mit 823,2 Milliarden Rubel an.
Für die vier Nationalprojekte (Wohnungsbau, Landwirtschaft, Gesundheit und Bildung) sollen in diesem Jahr knapp 116 Milliarden Rubel ausgegeben werden, darunter 21,9 Milliarden Rubel für den Bau erschwinglicher Wohnungen, 14,2 Milliarden für Förderung der Landwirtschaft und der Agrarindustrie, 57,9 Milliarden für Gesundheit und 21,98 Milliarden für Bildung, hieß es weiter.
Die Staatsverschuldung betrug per 1. April fast drei Billionen Rubel. Im Vergleich zum 1. Januar 2006 schrumpfte sie um 84,8 Milliarden Rubel.
Die staatlichen Inlandsschulden stiegen vom 01. Januar bis 01. April um 29,3 Milliarden auf 904,7 Milliarden Rubel. Die Auslandsschulden sanken dabei um ca. 1,3 Milliarden Dollar auf rund 75,2 Milliarden Dollar.
Die Schulden des russischen Staates gegenüber ausländischen Regierungen sank im ersten Quartal um 826,7 Millionen Dollar, die gegenüber internationalen Finanzorganisationen um 141,5 Millionen Dollar.
Der Anteil der Auslandsschulden an den gesamten Schuldverpflichtungen der Russischen Föderation belief sich per 1. April 2006 auf 69,8 Prozent gegenüber 71,5 Prozent per 1. Januar. [ RIA Novosti ]
RUSSLAND-SCHULDEN
Deutschland könnte auf einen Schlag Milliarden zurück bekommen
Sprudelnde Einnahmen aus den Öl- und Gasgeschäften machen es möglich: Russland verhandelt mit den Geberländern des Pariser Clubs darüber, sämtliche Schulden in Gesamthöhe von 22 Milliarden Dollar vollständig zurückzahlen.
Paris/Berlin - Die Verhandlungen über die vorzeitige Rückzahlung der russischen Schulden beim Pariser Club der westlichen Gläubigerländer dauern entgegen ersten Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums an. Die Gespräche seien noch nicht beendet, korrigierte ein Ministeriumssprecher am Freitagabend eine frühere Mitteilung.
Im Pariser Club der 19 westlichen Geberländer sei vereinbart worden, dass Russland seine gesamten Auslandsschulden vorzeitig zurückerstattet, hatte das Bundesfinanzministerium zunächst mitgeteilt. Sprudelnde Einnahmen aus dem boomenden Öl- und Gasgeschäft hätten Russland unerwartet in die finanzielle Lage dazu versetzt.
Deutschland erhalte deshalb als größter Gläubiger die gesamten 7,7 Milliarden Euro, die es an Russland geliehen hat, mit einem Zuschlag von 700 Millionen Euro jetzt zurück, erklärte der Finanzministeriums-Sprecher. Bisher war nur eine Einigung über die Rückzahlung eines Teilbetrags von 1,3 Milliarden Euro erzielt worden.
Nach Angaben des Finanzministeriums in Berlin hatte Staatssekretär Thomas Mirow am Dienstag mit seinem russischen Amtskollegen mögliche Finanzmarkttransaktionen besprochen, mit denen die Russen das Geld vorzeitig hätten zurückzahlen können. "Keine war geeignet, sowohl den russischen als auch den deutschen Interessen gerecht zu werden", hatte ein Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück anschließend gesagt. Deshalb werde es vorläufig keine weitere Tilgung geben.
ase/dpa/Reuters
Russland tilgt alle Schulden beim Pariser Klub
17:34 | 22/ 06/ 2006
MOSKAU, 22. Juni (RIA Novosti). Russland tilgt alle Schulden beim Pariser Klub der Kreditoren bis August, hat der russische Finanzminister Alexej Kudrin mitgeteilt.
"Die Restschulden beim Pariser Klub, die sich im Sommer auf 22 Milliarden US-Dollar belaufen, werden bis August liquidiert. Russland ist dann kein Schuldnerland mehr", sagte der Minister am Donnerstag vor dem Föderationsrat.
Die Regierung hat heute die Bedingungen der Schuldentilgung gebilligt. Russland wird laut Finanzminister demzufolge 22,3 Milliarden US-Dollar überweisen, von denen 1 Milliarde US-Dollar ein Aufgeld für die Gläubigerländer sind.
"Die Einsparungen, die wir in den kommenden Perioden durch die vorfristige Tilgung erzielen, belaufen sich auf 7,7 Milliarden US-Dollar". Mit dem Wegfall der Zinszahlungen würden schon im Jahre 2007 etwa 1,2 Milliarden US-Dollar, im Jahre 2008 1,1 Milliarden US-Dollar und im Jahre 2009 eine Milliarde US-Dollar eingespart, fügte er hinzu. "Diese Gelder gehen in den Investitionsfonds, der um die eingesparten Zinsen anwächst", so der Minister.
Finanzminister Kudrin resümierte, dass die Auslandsschulden Russlands zum Jahresbeginn 76 Milliarden US-Dollar betragen hatten. Nach der vorfistigen Tilgung der vollen Summe beim Pariser Klub bleibe Russland noch Schuldner bei einigen Staaten, die dem genannten Zusammenschluss nicht angehören. Die Höhe der Restschuld wird dann noch etwa 3 bis 4 Milliarden US-Dollar betragen, teilte der Minister mit.
http://www.adhocnews.de/CaduffsReport//6974758/Russland+verprasst+die+Zukunft!
Russland ist ein reifes Land, das nur wegen des Kommunismus auf das Einkommensniveau eines Schwellenlandes zurückgefallen ist. Russland ist jedoch kein aufstrebendes Land. Es ist vielmehr ein Land, das von seiner Substanz lebt. Es macht in grossem Stil „Asset Stripping“. Es gräbt seine Reichtümer aus, verkauft sie und lebt in der Gegenwart ausgezeichnet davon.
Somit wird viel zu wenig investiert. Es sind viel zu wenige Russinnen und Russen, insbesondere junge, die ihre Gesellschaft mit tragfähigen demokratischen Institutionen ausstatten wollen. Und gibt in diesem Land viel zu wenig Menschen, die so strebsam wie Koreaner, so fleissig wie die Chinesen sind. Ergebnis: Die Wirtschaft entwickelt sich nicht ausreichend marktwirtschaftlich. Damit unterbleibt jegliche Vorbereitung für die Zeit nach dem einträglichen Rohstoffboom.
Offensichtlich scheint die russische Elite kein grosses Interesse an der mittel- und langfristigen Zukunft ihres Landes zu haben. Die Oberschicht ist eine bizarre, verschwendungssüchtige Protzgesellschaft, die lebt, als gäbe es kein Morgen. „Das Risiko, alles zu verlieren“, schreibt „Russkij Newsweek“, „ist hoch“. Deshalb geben sie ihr Geld nicht für neue Investitionen aus, sondern für teure Spielzeuge wie die unzähligen Ferraris und Bentleys und Aston Martins in den Strassen von Moskau und St. Petersburg.
Ich schau dem ganzen Russlandschwindel mit Besorgnis zu. Für mich ist Russlandsaufschwung nur vorrübergehen. Ich gratuliere alle Investoren, die ihr Geld vor ein paar Jahren dort angelegt haben. Aber ich zweifele, dass ich das in 15 Jahren noch ein Mal machen werde können. Ich habe von einem Investor Folgendes gehört: "In Russland steigen die Kurse, weil die Situation sich vom Schrecklichen ins Schlechte wendet". Ich gratuliere alle Leute, die das vorhergesehen haben, aber glaubt ihr, dass eine Volkswirtschaft, die nur schlecht ist, langfristig erfolgreich sein kann?
Insbesondere stimme ich dem dritten Abschnitt zu. Ich selbe komme aus einer für russische Verhältnise reicher Familie in einer der reichten westsibirischen Städte, Nizhnevartovsk, da, woher ihr euer Erdöl habt. Mein Vater leitete eine kommunale Behört mit 150 und meine Mutter arbeitete auch da. Und was machten sie mit dem ganzen Geld? Sie kauften zwei sehr schöne japanische Autos, machten jedes Jahr Urlaub in Türkei oder Zypern, in Ukraine oder Uzbekistan. Was wäre passiert, wenn sie ein Auto verkauft hätten und stattdessen 1998-2000 Geld in russische Aktien investiert hätten? Wir hätten jetzt mehrere Hundert Tausend Euro!
Auch kann ich zustimmen, dass die Russen extrem faule Leute sind. Wie erklärt ihr euch, dass die jungen Russen meistens auf Hauptschule gehen, während die meisten jungen Vietnamesen auf Gymnasium?
Ich behalte meine russische Staatsangehörigkeit, aber nicht weil ich ein Patriot bin, sondern weil ich hoffe, dass meine Generation das Lenkrad nimmt und das Land aufbaut. Aber das ist eher ein Wunschdenken.
Inhalt
RUSSLANDS KAPITALISMUS
SOZIALPOLITIK UND ÖFFENTLICHE MEINUNG
PETERSBURGER G8 GIPFEL
Analyse
Was für eine Wirtschaft hat Russland? David Lane
Tabelle zum Text
Die russische Wirtschaft im internationalen Vergleich
Analyse
Die russische Sozialpolitik im Spiegel der öffentlichen Meinung. Matthes Buhbe
Kommentar
G8 in St. Petersburg * mehr als ein Fototermin? Heinrich Vogel
Umfrage
Russland und die Welt. Meinungsumfragen im Vorfeld des G8-Gipfels in St. Petersburg
Chronik
Vom 29. Juni bis zum 6. Juli 2006
http://www.russlandanalysen.de/content/media/Russlandanalysen107.pdf
Russlands Rating bei Fitch angehoben :tup:
14:22 | 26/ 07/ 2006
MOSKAU, 26. Juli (RIA Novosti). Die internationale Ratingagentur Fitch hat das souveräne Rating Russlands von BBB auf die Stufe BBB+ angehoben, auf der bereits Länder wie Ungarn, Polen oder Südafrika stehen, berichtet die Tageszeitung "Wremja Nowostej" am Mittwoch.
Damit ist Russland bei Fitch höher eingestuft als bei Standard & Poor's und bei Moody's.
Unter den Gründen dieses Schritts nannten Fitch-Analytiker die weiterhin hohen Ölpreise, die vorfristige Tilgung der Schulden gegenüber dem Pariser Klub, das stabile Wirtschaftswachstum sowie den großen Umfang der Gold- und Devisenreserven wie auch des Stabilisierungsfonds. Wie es in einer offiziellen Mitteilung der Rating-Agentur heißt, wird Russland mit der vorfristigen Schuldentilgung gegenüber dem Pariser Klub seine Außenverschuldung gegen Jahresende auf elf Prozent des BIP verringern. Bei den Ländern mit einem BBB-Rating wie Bulgarien, Mexiko oder Kasachstan liegt diese Zahl im Durchschnitt bei 34 Prozent.
Laut einer Fitch-Prognose wird Russland seinen Stabilisierungsfonds auch nach der Tilgung der sowjetischen Altschulden gegenüber dem Pariser Klub im August im Laufe dieses Jahres von 43 auf 89 Milliarden Dollar aufstocken können.
Fitch prognostiziert einen Anstieg des russischen BIP im Jahresfazit auf 6,7 Prozent, womit die russische Wirtschaft auf Platz zehn in der Welt hinaufsteigen würde.
Unter den "ungelösten Problemen" nennen die Fitch-Analytiker die Abhängigkeit der russischen Wirtschaft vom Rohstoffexport. Außerdem "erschweren Bürokratie, Korruption und unklare Verhältnisse im Bereich der rechtlichen Regelung das ohnehin komplizierte Geschäftsklima". "Das niedrige Tempo der Strukturreformen, die Verstärkung der Staatskontrolle über die Wirtschaft und der relativ geringe Anteil der Investitionen am BIP lassen die Aussichten für ein mittelfristiges Wachstum fraglich erscheinen".
Nach Ansicht von Effektenmarkt-Experten ist Russland bei einem weiteren Anstieg der Ölpreise von der Ratingsstufe A- (Malaysia, Israel, Lettland und Litauen) nicht mehr weit entfernt.
Kapitalmärkte - Ausgabe Nr. 146 vom 2. August 2006
In Russland rollt der Rubel wieder
Ölhausse treibt den RTSI an - Marktteilnehmer setzen auf steigende Kurse
Von Kerstin Leitel, Frankfurt
Nicht zuletzt als die russische Gazprom dieses Jahr an Silvester, kurz nach Mitternacht, dem Nachbarstaat Ukraine den Gashahn zudrehte, wurde so manchem Beobachter etwas deutlich vor Augen geführt: Russlands Bedeutung als rohstoffreiche Nation. Das Land ist nach Saudi-Arabien größter Förderer von Erdöl und ist bei der Förderung von Erdgas weltweiter Spitzenreiter. 40 % des Gas- und 25 % des Ölverbrauchs Europas deckt Russland ab. Und nachdem die Preise für Rohstoffe seit zweieinhalb Jahren deutlich ansteigen, rollt der Rubel in Russland wieder.
Index 37 Prozent im Plus
Am Aktienmarkt macht sich das mit steigenden Kursen bemerkbar: Der Blue-Chip-Index RTSI, der 50 Titel umfasst und in dem Öl- und Gasunternehmen knapp 70 % der Gewichtung ausmachen, kletterte seit Jahresanfang von 1 120 Punkten bis auf zuletzt 1 545 Zähler, ein Plus von 37,2 % seit Jahresanfang. Allerdings ist die Korrektur an den internationalen Aktienmärkten auch an diesem Markt nicht spurlos vorübergegangen: Im Frühjahr brach der RTSI bis auf 1 234 Punkte ein.
Auslöser dieses Kursrutsches seien jedoch externe Faktoren gewesen, betont Elizabeth Eaton, bei Credit Suisse für den neu aufgelegten Fonds Equity Fund (Lux) Russia Explorer zuständig. Den russischen Markt sieht sie sehr positiv. "Weder stark fallende Erdölpreise noch Zinsanhebungen in den USA, in Europa und in Japan könnten die grundlegend positiven Aussichten für die Region in Frage stellen", so die Fondsmanagerin.
Dabei wird am Markt noch nicht einmal mit deutlich fallenden Ölpreisen gerechnet: JPMorgan etwa prognostiziert für das dritte Quartal einen Preis von 70 Dollar je Barrel, und für das vierte Quartal dann einen moderaten Rückgang auf 65 Dollar.
Neben niedrigen Bewertungen punktet Russland vor allem mit guten Fundamentaldaten. Nicht zuletzt dank der starken Abhängigkeit von der Erdöl- und Gasbranche wächst Russlands Wirtschaft überdurchschnittlich. 2005 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes um 6,4 %, für das laufende Jahr wird ein ähnlich hohes Wachstum prognostiziert. Erst vor wenigen Tagen hat die russische Regierung ihre Wachstumsprognose von 6,1 % auf 6,5 % erhöht. Die Arbeitslosenquote des Landes mit gut 140 Millionen Einwohnern lag bei 8,6 %, die Inflationsrate bei rund 10 %.
Schulden vorzeitig getilgt
Dabei unterscheidet sich Russland in einem wesentlichen Punkt von anderen Schwellenländern: Vergangenen Monat kündigte Moskau an, seine Schulden über 20,8 Mrd. Dollar beim Pariser Club Ende August frühzeitig zurückzuzahlen. "Damit zählt Russland zu den am wenigsten verschuldeten Ländern und ist weniger anfällig für steigende Zinsen", betont Eaton. Allein durch die frühzeitige Rückzahlung der Verbindlichkeiten, die die UdSSR Mitte bis Ende der 1980er Jahre aufnahm, spart Russland insgesamt 7 Mrd. Dollar.
Die Ratingagentur Fitch hat infolgedessen die Bonitätsbewertung von Russland um eine Stufe auf "BBB+" angehoben. Ermöglicht wurde die vorzeitige Ablösung der Schulden auch durch die hohen Ölpreise. Denn diese sorgten dafür, dass der 2004 ins Leben gerufene Stabilisierungsfonds der Regierung, in den unter anderem Einnahmen des Staates aus dem Ölexport einfließen, zum 1. Juni dieses Jahres über 56 Mrd. Euro betrug.
Doch noch mehr Faktoren sprechen für eine Investition in Russland, wie Eaton meint. "Der Konsumsektor boomt", ist sie überzeugt. Das verfügbare Einkommen russischer Haushalte sei in den letzten fünf Jahren um über 10 % pro Jahr gestiegen. Wenn die Einkommen der Privathaushalte steigen, werden auch die Investitionen in Retail- und Konsumprodukte zunehmen. Den Banken- und Finanzsektor wird der Aufschwung Russlands ihrer Meinung nach ebenfalls erfassen: "Der Markt für Privatkredite ist noch wenig ausgeschöpft und birgt dementsprechend noch großes Wachstumspotenzial", so ihre Einschätzung.
Denn anders als die Deutschen gibt Iwan Iwanowitsch sein Geld gern aus - wovon so mancher Urlauber berichten kann.
Börsen-Zeitung, 2.8.2006
18. August 2006, Neue Zürcher Zeitung
Der Kreml schöpft aus dem Vollen
Erdölmilliarden speisen expansives Budget
Russlands Regierung hofft auf eine Fortsetzung der Erdölpreishausse im nächsten Jahr. Dank ihr will sie 2007 ihre Ausgaben real um einen Siebtel steigern und gleichwohl einen stattlichen Haushaltsüberschuss erwirtschaften. Der Finanzminister fürchtet, dass es so kaum gelingen wird, die Teuerung und die Erstarkung des Rubels zu bremsen.
pfi. Moskau, 17. August
Die russische Regierung will im Haushaltjahr 2007 mit umgerechnet 206,2 Mrd. $ real 14,2% mehr ausgeben als in diesem Jahr, und das obwohl die Einnahmen nur um 3,8% steigen dürften (vgl. Tab.). Dies sieht das am Donnerstag zuhanden des Parlaments verabschiedete Budget vor, das im Vergleich mit dem Vorjahr erneut sehr expansiv ausgefallen ist.
Finanzminister mahnt zur Mässigung
Dass trotz den grossen Ausgaben am Jahresende doch noch ein stattlicher Haushaltsüberschuss von 56,7 Mrd. $ oder 4,8% des Bruttoinlandprodukts (BIP) übrig bleiben soll, ist den dem Budgetentwurf zugrunde liegenden optimistischen Annahmen zu verdanken. So geht das Budget von einem durchschnittlichen Erdölpreis pro Fass der Marke Ural von 61 $ aus - für den laufenden Haushalt war noch mit einem Preis von 40 $ und für 2005 mit 28 $ gerechnet worden. Die Regierung hofft nun, dass sich der derzeitige Erdölpreisboom auch 2007 ungebrochen fortsetzen wird. Zudem soll das russische BIP im nächsten Jahr real um 6% wachsen. Trotz dem eingeplanten Haushaltsüberschuss ist das expansive Ausgabeverhalten des Staates nicht unproblematisch, wie auch der russische Finanzminister Alexei Kudrin am Donnerstag betonte.
Um zu verhindern, dass der Rubel weiter real stark an Wert zulegt, und um die bisher hartnäckig im zweistelligen Prozentbereich verharrende Teuerung in den Griff zu bekommen, müsste die Regierung nämlich noch deutlich mehr sparen, damit ein grösserer Teil der ins Land fliessenden Petrodollars sterilisiert würde. Kudrin sieht in den Ausgabenerhöhungen der öffentlichen Hand den Hauptgrund für die anhaltende Erstarkung der Landeswährung. Durch diese Entwicklung droht die bisher auf vollen Touren laufende Privatwirtschaft gleich zweifach unter Druck zu kommen: Erstens gefährdet eine weitere reale Erstarkung des Rubels die Konkurrenzfähigkeit des Nichtrohstoffsektors (Dutch Disease), und zweitens dürften die erhöhten Staatsausgaben letztlich private Investitionen verdrängen (Crowding Out). Doch der Ruf nach vermehrter Partizipation am Erdölmanna ist ganz offensichtlich zu laut, als dass ihn die Politiker vor dem anstehenden Wahljahr 2007 ignorieren könnte.
Mehr für Erziehung, Gesundheit, Militär
Real um nicht weniger als 45% erhöht werden sollen die Ausgaben für die sogenannten «nationalen Projekte». 7,8 Mrd. $ sollen im nächsten Jahr dazu beitragen, die Situation im Erziehungswesen, in der Gesundheit und im Wohnungsbereich zu verbessern. Um 41% auf 6,5 Mrd. $ steigen sollen 2007 die Ausgaben für Wirtschaftsförderung, worunter im Wesentlichen Beiträge an die Landwirtschaft, die Industriebranche, die Eisenbahn und den Stromsektor verstanden werden. Real um je knapp einen Viertel erhöhen werden sich laut dem Entwurf die Ausgaben für Erziehung (10,5 Mrd. $) und Gesundheit und Sport (7,7 Mrd. $).
Der grösste Einzelposten bleibt allerdings für das Militär reserviert; die Verteidigungsausgaben sollen nach den grossen Erhöhungen der letzten Jahre nochmals real um einen Sechstel auf 30 Mrd. $ steigen. Auch für Sicherheit, Recht und Ordnung (+14%) möchte man mit 25 Mrd. $ mehr ausgeben als für Erziehung und Gesundheit zusammen. Dem Stabilitätsfonds, in dem Erdölgelder angespart werden, sollen auch 2007 immerhin 64 Mrd. $ oder 5,4% des BIP an neuen Mitteln zufliessen.
Wirtschaft in Russland - ein unaufhaltsames Wachstum :tup:
[von Nina Kulikowa] Die russische Regierung muss sich um die Qualität des Wirtschaftswachstums bemühen und die Inflation drosseln. Das Wachstumstempo des BIP in Russland liegt in den letzten Jahren durchschnittlich bei sechs Prozent und ist damit höher als in der EU und in den USA. Nach Angaben des russischen Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel stieg das BIP im 1. Halbjahr 2006 um 6,3 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Ein derartiges Wachstum wurde einerseits dank der Wiederherstellung der makroökonomischen Stabilität und der Umsetzung marktwirtschaftlicher Reformen, andererseits dank der Beibehaltung der staatlichen Kontrolle in einigen Branchen möglich.
Die erfolgreiche sozialökonomische Entwicklung Russlands fand ihren Niederschlag in einer kontinuierlichen Steigerung des Kreditratings des Landes bei den größten internationalen Ratingagenturen bis hin zum Stand eines Investitionsratings und in der Zuerkennung des Status eines marktwirtschaftlichen Landes durch die Europäische Union und die USA.
Die Finanzlage des Landes wird immer besser. Der Stabilisierungsfonds sowie die Gold- und Devisenreserven, die ständig wachsen, schützen vor finanziellen Erschütterungen im Falle einer radikalen Verschlechterung der Konjunktur auf den Weltmärkten, auf die die wichtigsten russischen Exportwaren gehen. Mit einem Umfang der Gold- und Devisenreserven von mehr als 270 Milliarden US-Dollar erreichte Russland weltweit den dritten Platz hinter China und Japan.
In den Stabilisierungsfonds fließen die Einnahmen aus dem Erdöl, die über als 27 Dollar pro Barrel für die russische Ölmarke Urals liegen. Im Mai und Juni dieses Jahres lag der durchschnittliche Urals-Barrelpreis bei 64,46 Dollar. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Stabilisierungsfonds schnell wächst. Nach dem Stand von Anfang Juli 2006 belief er sich auf mehr als 75 Milliarden Dollar. Laut Schätzungen des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel könnte er bis zum Jahresende die 100-Milliarden-Euro-Marke erreichen.
Im Frühjahr hat die Regierung einen Beschluss über die Verwendung der Mittel des Stabilisierungsfonds gefasst: Diese können in ausländische Devisen (US-Dollar, Euro bzw. Pfund) oder in Schuldpapiere von 14 Industriestaaten investiert werden.
Vom 1. Juli 2006 an wurden in Russland die letzten Einschränkungen im Devisenbereich abgeschafft, was der Realisierung der strategischen Aufgabe der russischen Staatsführung hinsichtlich der Gewährleistung der Rubel-Konvertibilität dient. Die Aufhebung soll nach Ansicht der russischen Regierung einerseits ausländische Investoren zu Russland-Geschäften animieren, andererseits aber auch der russischen Wirtschaft ermöglichen, sich ohne zusätzliche Belastungen an Investitionen im Ausland zu beteiligen.
Im Juli dieses Jahres ist die staatliche russische Ölgesellschaft Rosneft in London und in Moskau erfolgreich an die Börse gegangen. Dabei erhielt die Ölgesellschaft 10,4 Milliarden Dollar für 14,8 Prozent ihrer Aktien. Ausgehend von diesen Zahlen, lag die Marktkapitalisierung des Unternehmens bei 79,8 Milliarden Dollar. Das war der bisher größte Börsengang einer russischen Gesellschaft und der fünftgrößte in der Welt.
Dank der Festigung der Wirtschafts- und Finanzsituation im Lande wurde eine vorfristige Tilgung von Außenschulden möglich. Im August 2006 zahlte Russland seine Restschulden an den Pariser Klub der Gläubigerländer in Höhe von rund 22 Milliarden Dollar vorfristig zurück. Nach Angaben des russischen Finanzministeriums können auf diese Weise bis zum Jahr 2020 insgesamt mehr als 12 Milliarden Dollar an Zinsen eingespart werden. Das Verhältnis der staatlichen Außenschulden zum BIP geht damit auf neun Prozent zurück.
Das war ein signifikantes Ereignis für die russische Wirtschaft. Denn seit 1993 war Russland gleichzeitig ein Gläubiger und ein Schuldner des Klubs gewesen. Mit der Tilgung der Schulden wird es aber zu einem vollberechtigen Gläubiger. Das war die größte vorfristige Schuldenrückzahlung in der gesamten Geschichte des Klubs. Wie das russische Finanzministerium betonte, wird die vorfristige Tilgung zur Festigung des internationalen Ansehens Russlands als eines Staates mit einer beträchtlichen Finanzstabilität beitragen, der den Ruf eines gewissenhaften Kreditnehmers genießt und bemüht ist, das Investitionsklima im Lande zu verbessern.
2006 bekundete Russland die Absicht, sich der Initiative der G8 anzuschließen und 700 Millionen Dollar Schulden der ärmsten Länder der Welt zu streichen.
Der Zuwachs der Industrieproduktion machte in der ersten Jahreshälfte 4,4 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum von 2005 aus. Unter den Basissektoren der Wirtschaft wiesen Handel und Bauwesen das höchste Wachstumstempo auf. Zugleich waren im 1. Halbjahr 2006 auch Veränderungen in der Struktur der Wirtschaftsinvestitionen zu verzeichnen, was zu einer Steigerung der Qualität des Wirtschaftswachstums führte. Die Veränderungen vollzogen sich zu Gunsten der Verarbeitungsbranchen und der Infrastruktur, die nicht mit der Förderung von Naturressourcen verbunden sind: Herstellung von Maschinen und Anlagen, Hüttenwesen, Zellstoff- und Papier- sowie Chemieindustrie, Lebensmittelproduktion, Pipelinetransport und Fernmeldewesen.
Der Wohlstand der russischen Bürger, insbesondere der Einwohner der Großstädte, wächst schrittweise auch. Im Einzelhandel ist eine beachtliche Belebung zu verzeichnen. Der Zuwachs des Einzelhandelsumsatzes im 1. Halbjahr 2006 lag gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bei 11,3 Prozent. Die gestiegene Nachfrage war eine Folge der Zunahme der real verfügbaren Geldeinnahmen, die gegenüber dem Vergleichszeitraum 2005 um 11,1 Prozent gewachsen sind.
In den letzten Jahren weist Russland eine stabile positive Zahlungsbilanz und einen defizitfreien Staatshaushalt auf. Der Einnahmenüberschuss konnte allerdings keine Null-Inflation herbeiführen. Das Tempo des Preisanstiegs geht zwar in Russland schrittweise zurück, die Inflation ist allerdings nach wie vor eines der schmerzhaftesten Probleme für die Regierung. Im 1. Halbjahr betrug sie 6,2 Prozent gegenüber acht Prozent im 1. Halbjahr 2005. Die Inflation im Juni 2006 gegenüber dem Juni 2005 betrug neun Prozent, womit die Obergrenze der für 2006 berechneten Jahresinflation von acht bis neun Prozent erreicht wurde.
Die Erfolge des Wirtschaftswachstums in Russland sind immer noch zu einem großen Teil der günstigen Situation auf den Weltmärkten der Brenn- und der Rohstoffressourcen zu verdanken. Infolge des hohen Wachstumstempos der Weltwirtschaft, in erster Linie der Nachfrage asiatischer Länder nach Rohstoffen, haben die Öl-Weltmarktpreise in letzter Zeit einen überaus hohen Stand erreicht. Nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel lag der Barrelpreis für die russische Ölmarke Urals auf dem Weltmarkt im 1. Halbjahr bei 61,3 Dollar, also um 35 Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Insofern rücken jetzt Probleme der Wachstumsqualität und der Modernisierung der Wirtschaft in Russland in den Vordergrund. Die Regierung hält es für notwendig, zu einer auf Innovationen beruhenden Entwicklung überzugehen. Dazu sollen institutionelle Reformen durchgesetzt und die Qualität des menschlichen Kapitals erhöht werden.
Auf die Entwicklung des menschlichen Kapitals sind die im Herbst 2005 gestarteten vorrangigen nationalen Projekte gerichtet: Entwicklung des Gesundheits- und des Bildungswesens, des Wohnungsbaus und der Landwirtschaft. Im Haushalt sind mehr als sechs Milliarden Dollar für diese Zwecke vorgesehen. Der Start dieser Projekte bedeutet in vieler Hinsicht eine reale Tendenz zur Herstellung einer sozialen Orientierung der Wirtschaft.
War die Regierung bisher bemüht, die Bildung von Instituten einer unmittelbaren staatlichen Beteiligung an der Realisierung von Geschäftsprojekten zu vermeiden, so entstehen heute in Russland Institutionen, die gerade auf eine selektive Unterstützung entsprechender Investitionsprojekte gerichtet sind. Zu diesen Instrumenten gehören die Sonderwirtschaftszonen (SWZ) und der Investitionsfonds.
Auf der Landkarte von Russland sind bereits vier Zonen mit Schwerpunkt auf der Übernahme technischer Neuentwicklungen in die Produktion sowie zwei Industrieproduktionszonen entstanden. Für die Infrastruktur der SWZ sind im Föderationshaushalt dieses Jahres 280 Millionen Dollar vorgesehen. Genauso viel sind in den Haushalten der jeweiligen Regionen bzw. Gemeinden vorgesehen. Laut Gesetz werden die in den Zonen angemeldeten Unternehmen Zoll- und Steuervergünstigungen genießen.
Der Hauptzweck der 2005 gegründeten Investitionsfonds ist die Entwicklung großer Investitionsprojekte von gesamtnationaler Bedeutung. Diese Projekte sollen auf der Grundlage einer gemeinsamen Finanzierung mit dem Privatsektor realisiert werden. 2006 werden rund 2,5 Milliarden Dollar für diese Zwecke bereitgestellt. [ RIA Novosti ]
http://russlandonline.ru/rupol0010/images/imgihkqjf.jpg
Bürger in Russland vertrauen ihrem Präsidenten mehr, als den politischen Parteien
Der russische Präsident erfreut sich - im Unterschied zu den politischen Parteien - großer Unterstützung und großen Vertrauens unter den Bürgern des Landes.
Das hat eine Umfrage ergeben, die vom Gesamtrussischen Meinungsforschungszentrum WZIOM durchgeführt worden war.
Haben 87 Prozent der Befragten in dem einen oder anderen Maße Vertrauen zu Wladimir Putin, so vertrauen nur 46 Prozent der Staatsduma. Die gleiche Zahl hat kein Vertrauen zum Unterhaus des Parlaments. Die Gewerkschaften liegen eher im Vertrauensbereich (sie genießen das Vertrauen von 47 Prozent der Befragten, während 39 Prozent kein Vertrauen zu ihnen haben). 38 Prozent der Bürger vertrauen den politischen Parteien, weitere 48 Prozent sind ihnen gegenüber misstrausch.
Die Befragten, die kein Vertrauen zum Präsidenten haben, werfen ihm die fehlende Verbesserung des Lebensniveaus und der Lebensqualität (30 Prozent), nicht erfüllte Versprechungen (17 Prozent), eine zu starke Orientierung auf westliche Länder (sieben Prozent) und die fehlende Verbesserung des Lebens insgesamt (fünf Prozent) vor.
Ähnlich ist das Hauptmotiv des Misstrauens gegen die Staatsduma: Sie "tut nichts für die Verbesserung des Lebens der Menschen" (23 Prozent der Befragten, die der Staatsduma misstrauen), die Duma betrüge das Volk und verteidige nur ihre eigenen Interessen (zwölf Prozent), sie verabschiede "falsche Gesetze" (zwölf Prozent) und sei in Korruption, inneren Intrigen und Skandalen versumpft (neun Prozent).
Die Hauptnachteile der Parteien: Ihre Vertreter "sprechen mehr, als sie tun" (29 Prozent), schützen die eigenen Interessen und nicht die Interessen des Volkes (22 Prozent). Weitere acht Prozent der Befragten können nicht erkennen, worin der Unterschied zwischen den Parteien besteht und womit sie sich befassen. Drei Prozent sind der Auffassung, dass die Parteien in Korruption und Bestechung versunken seien. Ein Prozent ist überzeugt, das sie "auf Weisung" der Regierung und des Präsidenten handelten.
Die Gewerkschaften genießen kein Vertrauen, weil die Befragten ihre Tätigkeit nutzlos (20 Prozent) finden oder überhaupt keine Gewerkschaftstätigkeit sehen (19 Prozent). Nach Meinung von neun Prozent üben die Gewerkschaften ihre Hauptfunktion nicht aus - sie würden die Interessen der Werktätigen nicht schützen. Laut weiteren fünf Prozent erfüllten die Gewerkschaften nur "den Willen der Machtbehörden". Fast die Hälfte (46 Prozent) wollte nicht einmal ihre Unzufriedenheit mit den "Beschützern der Rechte der Werktätigen" begründen.
An der Umfrage waren 1600 Menschen in 153 Ortschaften aus 46 Regionen Russlands beteiligt. Der statistische Fehler beträgt nicht mehr als 3,4 Prozent. [ RIA Novosti ]
Finanzminister Kudrin: Russland erwartet stabiles Wachstum
09:49 | 18/ 09/ 2006
http://img.rian.ru/images/4919/85/49198556.jpg
SINGAPUR, 18. September (RIA Novosti). Russland werde stabil um rund sechs Prozent im Jahr wachsen und könne eine moderne Wirtschaft aufbauen, sagte Finanzminister Alexej Kudrin.
"Ich bin sicher, dass alle Investoren mit guten Bedingungen in Russland rechnen können", erklärte er am Montag während der Feierlichkeiten einer Ehrung der besten Finanzminister und Bankchefs des Jahres in Singapur.
Kudrin wurde für seine Leistungen als bester Finanzminister der Entwicklungsländer Europas gekürt.
Zudem dankte er bei der Zeremonie allen, die ihr Mitgefühl zum tragischen Tod des Vizechefs der Zentralbank Russlands, Andrej Koslow, bekundet hatten.
Moin!
Empörung über Verzollung russischen Transitöls
Russlands Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel hat seine Empörung über die Einführung von Zollgebühren für das russische Öl, das über das Territorium Weißrusslands befördert wird, durch Minsk zum Ausdruck gebracht.
Wie es in einer Mitteilung des Pressedienstes des Ministeriums heißt, steht der jüngste Beschluss Minsk im Widerspruch zu den geltenden bilateralen Handels- und Wirtschaftsabkommen.
„Diese Schritte wurden von der weißrussischen Seite ohne Konsultationen mit der russischen Seite unternommen“, wird darin betont. „Dieser Beschluss kennt keine seinesgleichen in der Weltpraxis, weil nur die Waren, die auf dem Territorium des Landes, die eine Zollgebühr einführt, entweder produziert oder konsumiert werden, vom jeweiligen Land mit einem Zoll belegt werden können.“
Gemäß dem russisch-weißrussischen Freihandelsabkommen vom 13. November 1992 sind beide Seiten verpflichtet, gegenseitig einen ungehinderten Transit ihrer Waren zu gewährleisten.
In Übereinstimmung mit dem Abkommen über die einheitlichen Transitbedingungen auf dem Territorium der Mitgliedsländer der innerhalb der GUS gebildeten Zollunion vom 22. Januar 1998 werden die Transitwaren von Verzollung und Besteuerung befreit. Außerdem dürfen gegen diese Waren keine wirtschaftspolitischen Maßnahmen ergriffen werden, stellt das Ministerium fest.
„Die Einschränkung der Warentransitfreiheit kann sich negativ auf die Realisierung von Plänen zur zweiteren Integration beider Länder auswirken“, heißt es im Dokument.
Der weißrussische staatliche Konzern Belneftechim hatte zuvor mitgeteilt, er habe die russische Gesellschaft Transneft über die Einführung der Ölverzollung vom 1. Januar an informiert. Wie RIA Novosti erfuhr, wird die Zollgebühr auf Regierungsbeschluss vom 1. Januar an 45 Dollar pro Tonne Öl betragen.
Der entsprechende Beschluss war am Mittwoch nach einer Beratung bei Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko getroffen worden.
„45 US-Dollar ist eine begründete Zahl, die ausgehend von den internationalen Ölpreisen leicht zu errechnen ist“, erklärte Weißrusslands Ministerpräsident Sergej Sidorski am Mittwoch.
Ein Sprecher der russischen Regierung erklärte seinerseits, dass „mit einer nachträglichen Einführung solcher Normen gegen die weltweit üblichen zivilisierten Handelsregeln verstoßen wird“. „So etwas gestattet sich sonst kein Land auf der Welt“, hieß es.
Quelle: RIA
Ciao Howie, Hasi
wie schätzt du/ihr denn die zunehmenden schlechten Beziehungen zwischen Russland und Weissrussland ein ?
Erst die drastische Erhöhung der Gaspreise und jetzt die
Revanche aus Belarus ?
Könnte sich da ein längerfristige Krise entwickeln ?
Gruß von der Insel
Bewi
Moin bewi,
nein, ich rechne nicht mit einer längerfristigen Krise.
Ich vermute eher das übliche Säbelrasseln. Es gibt immer eine laute Geräuschkulisse, allerdings bleibt eine nachhaltige Wirkung aus.
Die Weissrussen mussten gerade gegen den Giganten Gazprom (und damit gegen den grossen Nachbarn Russland) eine gehaltvolle Niederlage einstecken. Die neuen Verträge über das Gaspreisniveau bedeuten doch für das arme Weissrussland heftige Bedingungen.
Als kleine Revange droht man jetzt mit Transitzöllen auf russisches Öl.
Natürlich wird auch hier die Zukunft zeigen, was wir letzendlich zu erwarten haben.
Ich erinnere mich aber bei dieser Fragestellung nur allzu gut an den Gaskonflikt mit der Ukraine. Die Märkte hat es weltweit höflich ausgedrückt wenig beeinflusst.
Moin!
Der Streit scheint noch nicht vom Hof zu sein... - Weissrussland sucht weiterhin nach Möglichkeiten, den höheren Gaspreis auszugleichen.
Öl-Transit - Lukaschenko will Zusatzgebühren für russische Unternehmen
Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko will zusätzliche Gebühren für den Transit von Erdöl für diejenigen russischen Unternehmen einführen, die ihr Erdöl zu Preisen über dem Weltmarktniveau anbieten.
„Die Verträge über die Öllieferungen im Februar sind noch nicht unterschrieben“, sagte Lukaschenko am Freitag, als er die Doktordiplome und Professortitel an die weißrussischen Wissenschaftlern verlieh.
Demnach sollen laut Lukaschenko die russischen Vertreter fordern, dass Weißrussland das Erdöl zu Preisen kauft, die über den Weltpreisen liegen. „Das taugt gar nichts“, glaubt der weißrussische Staatschef.
„Der Verhandlungsdelegation gab ich heute direkte Anweisungen, dass die Unternehmen, die solche Preise anbieten, für den Transit ihres Erdöles nach Europa zusätzliche Gebühren zu entrichten haben werden“, erklärte der Präsident.
„Wir müssen unsere Verluste wettmachen. Wir werden mit ihnen nicht streiten - das ist ihr Erdöl. Wir werden dennoch ihr Erdöl ohne Verluste durchleiten“, unterstrich Lukaschenko.
Quelle: RIA
Pressekonferenz mit Putin: BIP-Wachstum für 2006 bei 6,7 bis 6,9 Prozent
12:56 | 01/ 02/ 2007
MOSKAU, 01. Februar (RIA Novosti). Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Russland werde nach den Ergebnissen des vorigen Jahres 6,7 bis 6,9 Prozent betragen, teilte Wladimir Putin mit.
„Die Wirtschaft des Landes entwickelte sich weiterhin in einem schnellen Tempo. Das endgültige Ergebnis werden wir erst im März bekommen. Aber unterschiedlichen Schätzungen zufolge wird die Kennziffer des BIP-Wachstums bei 6,7 bis 6,9 Prozent liegen“, sagte der russische Präsident am Donnerstag auf der großen Pressekonferenz im Kreml.
Zunächst sollen ihm zufolge die Ergebnisse in der Energiewirtschaft 2006 analysiert werden.
Jedenfalls werde das BIP-Wachstum mehr als 2005 sein, versicherte Putin. Damals seien es 6,5 Prozent gewesen.
Laut Prognose des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel soll das russische BIP 2006 um 6,9 Prozent wachsen. Am Mittwoch hat aber das staatliche Statistikamt (Rosstat) vorläufig mitgeteilt, dass der Zuwachs 6,7 Prozent betragen werde.
MOSKAU, 31. Januar. Russland wird die Beteiligung ausländischer Unternehmen an russischen Firmen aus 40 Branchen, die von strategischer Bedeutung für die nationale Sicherheit sind, nur noch in engen Grenzen zulassen. Das Gleiche gilt für den Zugang zu russischen Rohstoffvorkommen. Das Kabinett hat sich am Mittwoch in Moskau im Grundsatz auf ein Paket von Gesetzentwürfen und Gesetzesänderungen geeinigt, in dem alle damit zusammenhängenden Fragen geregelt werden. In einem Monat - so lange bleibt Zeit für die Überarbeitung - soll das Parlament die Neuerungen beschließen. Präsident Wladimir Putin hatte die Kreml-Regierung bereits vor zwei Jahren damit beauftragt, ein solches Regelwerk zu erarbeiten.
Nach allem, was bisher über die Gesetzesmaßnahmen bekannt geworden ist, bedarf künftig jede Mehrheitsbeteiligung an einem strategischen Unternehmen der vorherigen Genehmigung durch eine Regierungskommission, in Ausnahmefällen sogar durch den Präsidenten. Falls es sich bei dem Investitionswilligen Unternehmen um eine von einem ausländischen Staat kontrollierte Gesellschaft handelt, muss die Genehmigung bereits eingeholt werden, wenn der Erwerb von mehr als 25 Prozent an einem Unternehmen geplant ist, das einem strategischen Wirtschaftsbereich zugerechnet wird. Als strategische Wirtschaftszweige gelten beispielsweise die Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie, die Rüstungswirtschaft und die Atomindustrie, die „natürlichen Monopole" vor allem in der Netzwirtschaft und bestimmte Bereiche der Metallindustrie.
Vergleichbare Einschränkungen gelten hinsichtlich der Beteiligung ausländischer Unternehmen an der Erschließung und Ausbeutung von Rohstoffvorkommen. Der Minister für Bodenschätze, Jurij Trutnew, hat vorgeschlagen, Ölfelder, die ein Volumen von mehr als 70 Millionen Tonnen haben, Gasvorkommen von mehr als 70 Milliarden Kubikmetern, Goldvorkommen mit mehr als 50 Tonnen und Kupfervorkommen mit mehr als 500 000 Tonnen als strategisch einzustufen. Trutnew zufolge würde dies auf zehn Ölfelder mit Vorräten von insgesamt mindestens 1,6 Milliarden Tonnen und 26 Gasfelder zutreffen, ebenso auf fünf Kupfervorkommen und das Goldvorkommen von Suchoj Log.
Eine endgültige Entscheidung der Regierung über die genehmigungsfreien Obergrenzen ausländischer Beteiligungen an Rohstoffvorkommen steht noch aus. Die Regeln sollen nicht rückwirkend gelten.
Zu den Fragen, die am Mittwoch noch nicht abschließend geklärt wurden, gehören Einzelheiten des Genehmigungsverfahrens. Vor der Kabinettssitzung war darüber gestritten worden, welches Gewicht die sogenannten Machtministerien („Silowiki") und der Geheimdienst haben sollen. Minister Wiktor Christenko sagte nach der Kabinettssitzung, die Genehmigungsverfahren für ausländische Beteiligungen sollten nicht länger als drei Monate dauern.
Strittig ist nach wie vor, ob ausländische Manager in strategisch wichtigen Unternehmen zugelassen werden
Frage an die Russlandfans in diesem Forum:
Wird die Kurse irgendwelcher russischen Aktien in neue Höhen treiben? ;)
Frage an die Russlandfans in diesem Forum:
Wird die Kurse irgendwelcher russischen Aktien in neue Höhen treiben? ;)
....meines Erachtens ist das Ganze nicht sehr "Kursrelevant" :wonder: , denn die Suppe wird ja bekanntlich nie so heiss gegessen wie sie gekocht wurde.
Zudem finde ich es legitim, dass ein Staat auf seine Boden und andere Schätze aufpasst :tup: und nicht wie in Mittel-, Südamerika und Afrika, mit Schmiermitteln an den regierenden Clan, am Bürger vorbei, an die grossen Multis verschenkt. :bang:
....meines Erachtens ist das Ganze nicht sehr "Kursrelevant" :wonder: , denn die Suppe wird ja bekanntlich nie so heiss gegessen wie sie gekocht wurde.
Zudem finde ich es legitim, dass ein Staat auf seine Boden und andere Schätze aufpasst :tup: und nicht wie in Mittel-, Südamerika und Afrika, mit Schmiermitteln an den regierenden Clan, am Bürger vorbei, an die grossen Multis verschenkt. :bang:
Mit Verlaub : Eine irgendwie seltsame Antwort!:D
Als E.ON –Aktionär würde ich mich jedenfalls sehr freuen, wenn morgen Gasprom ein Übernahmeangebot für E.ON machen würde.
Und sicherlich haben sich die Corus- Aktionäre gestern auch sehr gefreut, als Tata sein Übernahmeangebot um rund 30% aufgestockt hat.
You got it? (Damit meine ich natürlich nur ein Chart für den russischen Aktienindex über das letzte Halbjahr )
Mit Verlaub : Eine irgendwie seltsame Antwort!:D
Du meinst schon Dein Posting #30 in diesem Tread Betreffs staatlichen (russischen) Beschränkungen von westlichen Mehrheitsbeteiligungen (Uebernahmen) :wonder:
Als E.ON –Aktionär würde ich mich jedenfalls sehr freuen, wenn morgen Gasprom ein Übernahmeangebot für E.ON machen würde.
....als E.ON Aktionär schon :irony: ....als Staatsbürger womöglich weniger :wonder:
Als E.ON –Aktionär würde ich mich jedenfalls sehr freuen, wenn morgen Gasprom ein Übernahmeangebot für E.ON machen würde.
E.ON in einer Woche nun schon plus 10 % ! :D :D
Ob da die Russen ? Lesen sie vielleicht gar hier mit? ;)
Gesetzentwurf über Zugang von Ausländern zu strategischen Zweigen ist nachgearbeitet
15:58 | 03/ 02/ 2007
http://img.rian.ru/images/3959/89/39598940.jpg
MOSKAU, 03. Februar (RIA Novosti). Das russische Energieministerium hat allen zuständigen Ministerien und Behörden den nachgearbeiteten Gesetzentwurf über den Zugang von Ausländern zu den strategisch wichtigen Zweigen in Russland zugestellt.
Das teilte das Energieministerium RIA Novosti mit.
Der Entwurf wurde dem Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel, dem Ministerium für Naturressourcen, dem Sicherheitsdienst FSB und dem Verteidigungsministerium überreicht.
In dem Gesetzentwurf ist vorgesehen, den Einstieg von ausländischen Firmen bei 39 Tätigkeitsbereichen zu begrenzen, insbesondere bei der Produktion von Waffen, Militärtechnik und Kernmaterialien sowie beim Bau von Kernenergieobjekten.
Was die Brennstoff- und Energiewirtschaft sowie die Erschließung von Bodenschätzen anbetrifft, so soll es nur bei strategisch wichtigen Vorkommen Restriktionen geben. Die Begrenzungen werden auch die Branchen betreffen, deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwei bis drei Prozent beträgt.
Das Energieministerium ersucht die zuständigen Ministerien und Behörden, den vorgelegten Gesetzentwurf binnen 10 Tagen zu prüfen.
Wie Wirtschaftsminister German Gref äußerte, liegt heute in Russland der Zulassungsmechanismus in einer "Grauzone": Die ausländischen Unternehmen sehen sich gezwungen, sich vor jedem Kauf von Vermögenswerten bei der Regierung konsultieren zu lassen.
Nun müsse man sich von der Grauzone verabschieden und strikte Regeln für den Zugang von Ausländern zu den strategischen Zweigen festlegen, so der Minister.
Er präzisierte zugleich, dass die Zulassungen für den Erwerb von Vermögenswerten eine eigens dafür gebildete Kommission erteilen werde.
Der Leiters der juristischen Verwaltung des Wirtschaftsministeriums, Wladimir Taraskin, verwies darauf, dass der Gesetzentwurf "sich auf das Konzept der Zulassungsregelung stützt", die für die Gesetzgebung in einer Reihe von Ländern üblich ist, darunter in den USA, Spanien, Frankreich, Finnland u.a."
Jackson-Vanik-Amendment gegen Russland kann in diesem Jahr aufgehoben werden
MOSKAU, 03. Februar (RIA Novosti). Der russische Außenminister Sergej Lawrow schließt nicht aus, dass das Jackson-Vanik-Amendment gegenüber Russland, das den Außenhandel einschränkt, bereits in diesem Jahr aufgehoben werden kann.
Wie er sagte, hatte er dieses Thema im Zuge seines Besuches in Washington und New York bei den Treffen mit US-Präsident George Bush, Senatoren, US-Außenministerin Condoleezza Rice sowie Vertretern des amerikanischen Jüdischen Kongresses besprochen.
"All meine Gesprächspartner sagten einmütig, dass sie keine Gründe für die Beibehaltung dieses Amendments sehen", teilte Lawrow mit.
"Unsere Gesprächspartner gaben zu, dass es sich tatsächlich um eine ungewöhnliche Situation handelt, die ein Teil ihres politischen Systems ist. Aber sie versicherten uns, dass sie daran arbeiten werden, um in diesem Jahr die Aufhebung dieses Amendments zu erwirken", sagte Lawrow.
Das Jackson-Vanik-Amendment wurde 1974 gegen die UdSSR als Maßnahme eingeführt, die den Außenhandel mit der Freiheit der Emigration verbunden hat. Gegenwärtig gilt dieses Amendment weiter gegen eine Reihe von GUS-Ländern, einschließlich Russlands. Gegen die Ukraine hoben die USA das Amendment am 20. November 2005 auf, fast ein Jahr nach den Präsidentenwahlen, bei denen der vom Westen unterstützte Kandidat Juschtschenko gesiegt hatte.
Zugleich sagte Lawrow, dass er keine Antwort auf die Frage bekommen habe, wer gegen die Aufhebung des Amendments ist, wenn die führenden Senatoren, die US-Regierung und der Jüdische Kongress der Auffassung sind, dass es der realen Situation und dem Stand unserer Beziehungen nicht entspreche.
"Folglich gibt es irgendwelche verborgenen Kräfte, die seine Aufhebung behindern", fügte er hinzu.
Bush will Russlands WTO-Beitritt weiterhin unterstützen
http://img.rian.ru/images/5561/35/55613591.jpg
MOSKAU, 03. Februar (RIA Novosti). US-Präsident George Bush hat seine Absicht bestätigt, alles zu tun, um die multilateralen Verhandlungen in Genf zum Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation (WTO) schneller abzuschließen.
Das teilte der russische Außenminister Sergej Lawrow nach seinem USA-Besuch Journalisten in Moskau mit.
"Das ist die letzte notwendige Etappe für die Erledigung aller Formalitäten für unseren WTO-Beitritt", sagte er.
Im vergangenen Jahr hatte Russland alle bilateralen Verhandlungen zum WTO-Beitritt abgeschlossen. Das letzte bilaterale Protokoll war das zwischen den USA und der Russischen Föderation. Es wurde im November 2006 im Rahmen des APEC-Gipfels im vietnamesischen Hanoi unterzeichnet.
Nun ist nur noch die multilaterale Verhandlungsrunde geblieben. Wie der russische Wirtschaftsminister German Gref sagte, ist geplant, diese Runde 2007 abzuschließen.
Moin!
Die Erhöhung des Öltransittarifs durch Weißrussland kann nur im Einvernehmen mit Russland erfolgen. Das erklärte der russische Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel, German Gref, gegenüber Journalisten. Es bedürfe eines bilateralen Abkommens, so Gref. Ihm zufolge prüft derzeit die russische Seite die von Weißrussland angebotenen Sätze.
Die entsprechenden Berechnungen habe das russische Unternehmen Transneft übernommen. „Wenn diese Sätze der bestehenden Tarifanpassung entsprechen, halte ich das für akzeptabel“, antwortete der Minister.
„Noch kann man von keinen Antwortmaßnahmen sprechen“, beantwortete Gref die Frage von Journalisten, ob Russland Antwortsanktionen einführen werde.
Bereits früher war mitgeteilt worden, dass Weißrussland den Transittarif für das russische Erdöl ab 15. Februar zu erhöhen wolle.
Quelle: RIA
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,465610,00.html
Welche amerikanischen Aktien morgen davon profitieren werden, ist unschwer zu erraten.
Aber hat das auch Auswirkungen auf den russischen Index? Und wenn ja, auf welche Werte darin?
Moin!
LKW-Bauer Kamaz will Anfang 2009 an die Börse
Der LKW-Bauer Kamaz plant seinen Gang an die Börse für Anfang 2009. Das teilte der stellvertretende Generaldirektor von Kamaz, Ildar Urmanow, am Mittwoch mit. „2008 ist der Börsengang aus Organisationsgründen kaum möglich. Das haben unsere Experten beschlossen“, betonte er.
Urmanow sagte, dass derzeit 34,4 Prozent der Kamaz-Aktien dem Staat gehören. „Nach dem Börsengang wollen wir dem Staat 25 Prozent plus eine Aktie überlassen. Das wäre günstig für uns“, sagte er.
Im vergangenen Jahr hatte Kamaz 46 200 Lastwagen verkauft.
Wie Urmanow kürzlich mitteilte, soll dieses Jahr der Verkauf um 19,5 Prozent auf 55 200 Fahrzeuge ansteigen.
Quelle: RIA
Erscheinungsdatum: 31.03.2007
http://www.finanzinfo.ch/_images/bild_zeitung-de.gif
Jagd nach Ressourcen stärkt Russlands Position
Russische Wertpapiere werden 13 Jahre nach der Gründung eines Kapitalmarktes zu einer normalen Anlageklasse
Von Zina Psiola
In diesem Jahr feiert der russische Kapitalmarkt seinen dreizehnten Geburtstag. Es ist das Alter, in dem Kinder in vielen Ländern auf eine weiterführende Schule wechseln und sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert sehen. Setzt auch Russland seinen Weg zur Reifeprüfung fort, um schliesslich zu einem unverzichtbaren Bestandteil jedes normalen Portfolios zu werden? Die Antwort hängt von der Globalisierung des Handels, den geopolitischen Entwicklungen und den Investitionen in die Infrastruktur ab.
Die Ausweitung der Wachstumszonen rund um Brasilien, Russland, Indien und China (Bric-Staaten) führt dazu, dass sich die weltweiten Kapital- und Warenströme neue Wege suchen. Nach einem nun schon acht Jahre andauernden Wirtschaftsaufschwung, der nicht zuletzt von der steigenden globalen Nachfrage nach Rohstoffen angetrieben wird, lag das nominale russische Bruttoinlandprodukt (BIP) im vergangenen Jahr erstmals über demjenigen Kanadas und reichte, gemessen an der Kaufkraft, an das Italiens heran.
In Lauerstellung
Die globale Jagd nach Rohstoffen wird von zunehmenden geopolitischen Spannungen begleitet. Sie wachsen mit dem härter werdenden Wettbewerb um knappe Ressourcen zwischen der statischen reichen und der dynamischen armen Welt. In einem solchen Umfeld verschiebt sich die wirtschaftliche Macht von denen, die mit Rohstoffen handeln oder sie verbrauchen, zu denen, die sie besitzen. Russland ist einer der grössten Nutzniesser dieses Trends und gleichzeitig eine der wichtigsten Säulen der internationalen Stabilität, denn wie jeder gute Kaufmann möchte das Land seine Kunden lieber versorgen als aushungern.
Der zunehmende Handel zwischen den Bric-Staaten beschränkt sich nicht mehr auf Rohstoffe, sondern umfasst immer stärker auch Werkzeugmaschinen, Generika und Kernkraftwerke. Bald werden sich daraus erhebliche Konsequenzen für die globalen Reservewährungen ergeben. Es besteht wirtschaftlich kein Grund, dass der Handel zwischen den Bric-Ländern in Dollar abgewickelt wird oder die Handelsüberschüsse in US-Staatsanleihen investiert werden. Der Rubel ist seit 2006 eine voll konvertierbare Währung, und seine Bedeutung als Darlehenswährung oder zur Abwicklung von Geschäften wird steigen, besonders in Zentralasien und in den Asean-Staaten.
Den enormen Chancen, die sich für Russland bieten, stehen ebenso grosse Herausforderungen gegenüber. Ein Land, das elf Zeitzonen umfasst und jährliche Temperaturschwankungen zwischen +45°C und –45°C zu ertragen hat, muss dafür sorgen, dass seine Infrastruktur höchsten Anforderungen genügt. Mit dem Entstehen einer schnell wachsenden Konsumentenbasis abseits der traditionellen Versorgungswege und einer zunehmenden Differenzierung der Lebensbedingungen ergibt sich ein Bedarf nach zuverlässigen Transportmitteln und zeitnaher Entscheidungsfindung und -umsetzung.
Russland besitzt die finanziellen und personellen Ressourcen und auch die Erfahrung, um grosse Infrastrukturprojekte umzusetzen, wie die Industrialisierung in den Dreissigerjahren oder der Bau der Gaspipeline nach Europa in den Siebzigerjahren belegen. Der Ausbau der Infrastruktur, der von der Installation von Gaskompressoren und Kraftwerkturbinen bis zur Erneuerung der Tanker- und der Flugzeugflotte reicht, gehört nicht nur zu den Prioritäten der russischen Regierung, sondern bietet auch attraktive Geschäftschancen. Für einen risikoscheuen Anleger (wer kann es sich in Russland leisten risikoscheu zu sein? :wonder: könnte ein indirektes Engagement im Infrastrukturbereich, z.B. über Siemens oder ABB, effizienter sein, als Ausschau nach spezialisierten russischen Small Caps zu halten.
Wer sich von einer Marktvolatilität von 27% nicht abschrecken lässt, wird direkter einsteigen. :tup: In Russland sprudelt ein natürlicher Quell des Wohlstands: der Staatshaushalt und der Aussenhandelsüberschuss. Ihre stimulierende Wirkung sickert auch zu den kleineren und den mittleren Unternehmen und zu breiteren Bevölkerungsschichten durch. Der beträchtliche Investitionsbedarf, die komplexen logistischen Anforderungen zur Überwindung enormer Distanzen und die Überregulierung schlagen sich in vielen Sektoren in hohen Margen nieder, die im Banken- und im Einzelhandelsbereich beispielsweise doppelt so hoch sind wie in der EU. Eine modernisierte Zementfabrik ist sogar noch rentabler. Und da die Bonität von Staatsanleihen und von Unternehmensbonds grosser inländischer Emittenten längst mit einem Investment-Grade-Rating eingestuft wird, liegen die Finanzierungskosten bereits auf EU-Niveau.
Auf den ersten Blick sind russische Wertpapiere eine gute langfristige Anlage und sollten daher in einem globalen Portfolio mit 5 bis 10% (mein 100% Russlanddepot hat sich in den letzten 6 Jahren verzwanzigfacht :irony: ) vertreten sein. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, diejenigen Unternehmen auszuwählen, die sich dem Wettbewerb stellen und von den Nachfrageverschiebungen profitieren. In den nächsten fünf bis sieben Jahren wird sich das zusätzliche Wachstum der Volkswirtschaft nicht aus Sektoren wie Strom und Erdgas speisen, sondern aus Bereichen, die Produkte und Dienstleistungen für kleinere und mittlere Unternehmen sowie die Verbraucher anbieten, wie z.B. die Bereiche Werkzeugmaschinen, IT, Auto, Finanzdienstleistungen, Gesundheitsversorgung sowie Gastgewerbe.
Selektion wichtig
Die Nachfrage in diesen Branchen unterliegt natürlichen Schwankungen. Unternehmen, die sich bei der Absatzförderung auf «administrative Ressourcen» stützen oder sich auf den Ausbau der vertikalen Integration konzentrieren, aber auch Investoren, die bereit sind, das Fünfzehn- bis Achtzehnfache des künftigen Gewinns zu zahlen, weil es scheinbar nicht genügend Möglichkeiten ausserhalb des Rohstoffsektors gibt, könnten ein böses Erwachen erleben und zusammen mit der jeweiligen Geschäftsleitung feststellen, dass nicht nur der Kunde, sondern auch die künftigen, bereits vorausbezahlten Erträge des Unternehmens verschwunden sind.
Russland wird so lange ein Schwellenland bleiben, bis sich die Zusammensetzung des Anlageuniversums an den S&P 500 angleicht. Doch solange die Wirtschaft auf der Makroebene wächst und auf der Mikroebene ihre Basis verbreitert, stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Beitrag des Landes zum globalen Wirtschaftswachstum und zu den Finanzmärkten noch zu Lebzeiten der postsowjetischen Generation die 11% erreichen wird, die bereits im Jahr 1900 verzeichnet worden waren.
Im Spiegel der Presse
15:47 | 11/ 05/ 2007
Raketenabwehr: Moskau erhält unfreiwillige Rückendeckung vom US-Kongress/ Zentralasiatische Energiemächte booten EU gegen Russland aus/ Milliardär Deripaska steigt bei Magna und hat Chysler Group im Visier/ Staatshand greift alle wichtigen Yukos-Aktiva
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MOSKAU, 11. Mai (RIA Novosti).
„Kommersant“: Raketenabwehr - Moskau erhält unfreiwillige Rückendeckung vom US-Kongress
Im Streit um die Aufstellung der US-Raketenabwehr in Osteuropa erhält Moskau überraschend unfreiwillige Rückendeckung vom US-Kongress. Der Militärausschuss des US-Kongresses verweigerte die Finanzierung der Aufstellung von Abfangraketen in Polen und kürzte die gesamten Raketenabwehrausgaben um 764 Millionen Dollar. Die Kontroverse innerhalb der US-Staatsführung spielt Moskau in die Karten, schreibt die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant“ am Freitag.
Hinter dem Aufbau der Raketenabwehr sieht Russland den Wunsch der USA, ihre Raketen näher an die russischen Grenzen zu bringen. Viele russische Politiker nahmen die Entscheidung des US-Kongresses mit Genugtuung auf. „Im Kongress gibt es Leute mit gesundem Menschenverstand“, sagte Duma-Abgeordneter und Ex-Chef des Sicherheitsrats, Andrej Kokoschin. Kurz vor der Abstimmung im US-Kongress sagte Michail Margelow, Chef des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrats (Oberhaus des russischen Parlaments), dass die Raketenabwehr bei vielen US-Politikern schon immer Bedenken erregt habe. Viele verstehen, dass die Raketenabwehr ein Deckmantel für die Aufblähung des Etats sei, sagte Margelow, der die politische Elite gespalten sieht.
Russland will diese Spaltung zum eigenen Vorteil nutzen. Wie es aus dem russischen Außenministerium hieß, ist die Raketenabwehr eines der zentralen Themen des bevorstehenden Moskau-Besuchs der US-Außenministerin Condoleezza Rice am 14. bis 15. Mai. „Es ist interessant, was Frau Rice nach der deutlichen Kürzung der Finanzierung sagen wird“, sagte ein Ministeriumssprecher „Kommersant“.
Der Optimismus der russischen Politiker ist durchaus begründet. Bereits am Freitag voriger Woche hatte Daniel Fried, der für Europa und Eurasien zuständige Stellvertreter der US-Außenministerin, Moskau vorgeschlagen, im September bilaterale Verhandlungen der Außen- und Verteidigungsminister durchzuführen, um militärische Fragen zu erörtern, die bei Russland Besorgnis erregen: Raketenabwehr, KSE-Vertrag, START-1-Vertrag und die Modernisierung der Sprengköpfe für die Trident-Raketen. Laut russischen Diplomaten will Washington von Moskau mit einer Paketvereinbarung Zugeständnisse zur Raketenabwehr aushandeln. Übrigens machte Fried sein Angebot noch vor der Entscheidung des US-Kongresses. Nun wird Washington für Moskaus Zugeständnisse teurer zahlen müssen.
„Gaseta“: Zentralasiatische Energiemächte booten EU gegen Russland aus
Der Kreml hatte dem kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew offenbar ein gutes Angebot gemacht, um nicht an der Pipeline abseits von Russland, durch das zentralasiatisches Öl und Gas nach Europa fließen soll, teilzunehmen.
Jetzt reisten Putin und Nasarbajew nach Aschchabad, um gemeinsam auf den turkmenischen Staatschef Gurbanguly Berdymuchammedow einzureden, berichtet die russische Zeitung „Gaseta“ am Freitag.
Berdymuchammedow ist laut inoffiziellen Quellen zu einem Kompromiss bereit, wenn Russland für turkmenisches Erdgas einen guten Preis anbieten sollte. Außerdem will Turkmenien beim Transit durch Russland ein Wort mitreden.
Kommt die dreiseitige Abmachung zustande, macht sie der EU einen Strich durch die Rechnung. Die einzige Alternative zu den bestehenden russischen Gaspipelines und zur geplanten Ostsee-Pipeline ist der „Blaue Strom-2“ (Blue Stream-2), der ebenfalls dem russischen Monopolisten Gasprom gehört. Deshalb werden die Gaspreise künftig nicht in Brüssel, sondern in Moskau bestimmt.
Turkmenien könne wohl dem russischen Pipelinenetz den Vorrang geben, Kasachstan tue das nicht unbedingt, sagt Wassili Duma vom Föderationsratsausschuss für natürliche Monopole. „Denn in Turkmenien gehört alles dem Staat, während die kasachischen Vorkommen den Amerikanern und den Briten gehören. Russland unterhält zwar gute Beziehungen zu Kasachstan, doch die kasachischen Lagerstätten werden ohne Russland abgebaut.“
Anatoli Dmitrijewski, Direktor des Instituts für Öl und Gas der russischen Akademie der Wissenschaften, hält die Aufstockung der Kapazitäten des Kaspischen Pipelinekonsortiums für unvermeidlich. Das sei unter anderem angesichts des Baus der Ölleitung von Burgas nach Alexandroupolis notwendig. „Was Erdgas betrifft, so ermöglichen es die Ressourcen der Region, die bereits existierende Gaspipeline „Mittelasien - Zentrum“ wirksamer zu nutzen. Außerdem bieten sich neue Möglichkeiten für Gaslieferungen nach China.“
Viktor Baranow, Präsident des Verbands der unabhängigen Gasproduzenten, sagt: „Ein alter Freund ist besser als zwei neue. Das um so mehr, weil er über bedeutende Transportmöglichkeiten und Pipelineinfrastruktur verfügt. Die Einladung Turkmeniens und Kasachstans in den geschlossenen europäischen Klub führt dazu, dass alle leer ausgehen werden. Ich hoffe, dass unsere zentralasiatischen Partner der Vernunft Gehör schenken werden und sich von westlichen Instituten, die Energiepolitik betreiben, nicht gängeln lassen.“
„Business & Financial Markets“: Milliardär Deripaska steigt bei Magna und hat Chysler Group im Visier
Der russische Milliardär und Eigentümer von Russian Machines, Oleg Deripaska, will 1,54 Milliarden US-Dollar für die Kontrolle über den kanadischen Hersteller Magna zahlen. Laut Analysten erweckt Magna bei Deripaska nicht nur als einer der größten Zulieferanten der Autoindustrie Interesse, sondern ist zugleich Anwärter für die Übernahme der US-Firma Chrysler Group, berichtet die russische Finanzzeitung „Business & Financial Markets“ (Business&FM) am Freitag.
Der Deal ist bereits von Magna-Aufsichtsrat gebilligt worden und soll nun von der Hauptversammlung bestätigt werden. Demnach soll eine neue Holding gegründet werden, der die Mehrheit an Magna gehören wird. Die übrigen Aktien sollen an der Börse gehandelt werden. Russian Machines und der jetzige Magna-Eigner Stronach Trust werden sich zu gleichen Teilen an dieser Holding beteiligen. Nachdem der Deal über die Bühne gegangen ist, bekommt das russische Unternehmen 20 Prozent der Magna-Aktien und somit das Recht, sechs der insgesamt 14 Mitglieder des Aufsichtsrats zu stellen.
Außerdem soll „Russian Machines“ für 150 Millionen Dollar 50 Prozent der Anteile an einer mit Stronach & Co. verbundenen Firma erwerben, die Magna als Berater zu Seite steht. Das bietet dem russischen Unternehmen die Möglichkeit, von Magna die Hälfte der Beratungshonorare zu kassieren.
Mit Hilfe von Magna könne Russian Machines seine Präsenz auf den Weltmärkten verstärken, sagt Sewastjan Kosizyn von der Investmentgesellschaft Brockercreditservice. So könne Magna Handels- und Servicezentren für die Deripaska gehörende GAZ-Gruppe im Ausland organisieren und die Nutzfahrzeuge Maxus herstellen, die derzeit in dem „Russian Machines“ gehörenden britischen Werk LDV gebaut werden.
Hinter Deripaskas Einstieg bei Magna stehen womöglich sogar noch ehrgeizigere Pläne: Magna ist der Hauptkandidat für die Übernahme des US-Automobilherstellers Chrysler Group. Die Kaufverhandlungen zwischen Magna und DaimlerChrysler waren womöglich für den Einstieg von Russian Machines beim kanadischen Hersteller entscheidend, sagt Maxim Iwanow von der Investmentgesellschaft Zentrinvestgrup. Im vergangenen Jahr habe die russische Firma bei Chrysler die Produktionslizenz für die Automobilmarken Sebring und Dodge Stratus erworben. Iwanow schließt nicht aus, dass Russian Machines die Zusammenarbeit mit dem US-Fahrzeugbauer weiter entwickeln will.
„Wedomosti“: Staatshand greift alle wichtigen Yukos-Aktiva
Nach dem Bankrott des Ölkonzerns Yukos ist der größte Teil seiner Konkursmasse bereits unter den Hammer gekommen. Somit wurde die Umverteilung des Großeigentums im Öl- und Gassektor abgeschlossen, die neuen Spielregeln wurden aufgestellt.
Als klarer Sieger der Versteigerungen ist das Staatsunternehmen Rosneft hervorgegangen, das vier von den bisher zehn Auktionen gewonnen hat und zum Marktführer bei der Ölförderung und -verarbeitung avancierte, berichtet die russische Tageszeitung „Wedomosti“ vom Freitag.
Vor der Übernahme des Förderunternehmens Yuganskneftegas im Jahr 2004, das ebenfalls zu Yukos gehörte, rangierte Rosneft unter allen russischen Ölförderern lediglich auf Platz acht.
Die Versteigerung des Yukos-Vermögens brachte nur wenig Überraschungen. Yukos-Gasunternehmen und 20 Prozent der Anteile an Gasprom Neft wurde von den italienischen Firmen Eni und Enel ersteigert. Zuvor hatten sie jedoch Gasprom das Optionsrecht auf die Übernahme dieser Aktiva gewährt. Das einzige große Los, das möglicherweise nicht an eine Staatsfirma gegangen ist, sind die 537 Yukos-Tankstellen mit einem Gesamtwert von mehr als fünf Milliarden Rubel (mehr als 140 Millionen Euro), die am Donnerstag von der Firma Junitex für 12,4 Milliarden Rubel (mehr 350 Millionen Euro) ersteigert wurden. Doch hinter Junitex kann die Gasprombank stehen. Falls dem so ist, gehören alle strategisch wichtigen Yukos-Öl- und Gasaktiva nun den beiden Staatsfirmen, Rosneft und Gasprom.
Die Ergebnisse der Yukos-Versteigerung bestätigen den weltweiten Trend, wonach die Staatsunternehmen ihre Beteiligung am Öl- und Gassektor kontinuierlich ausbauen - und nicht nur in Russland. Dabei greift man zu unterschiedlichen Mitteln. Die jüngsten Versteigerungen sind eine Besonderheit des russischen Staatskapitalismus. Staatsfirmen und ihre Partner steigen preiswert und ohne langes Feilschen in den Markt ein, während alle anderen Unternehmen unter den Bedingungen des traditionellen Kapitalismus arbeiten und sich dem harten Wettbewerb stellen müssen.
Österreich -
Mit einer Kranzniederlegung vor dem "Russen-Denkmal" auf dem Wiener Schwarzenbergplatz hat der russische Präsident Wladimir Putin seinen Staatsbesuch in Österreich beendet.
Gemeinsam mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S) gedachte er Donnerstag Vormittag der im Zweiten Weltkrieg gefallenen russischen Soldaten. Vor dem Hintergrund des Konflikts um die Verlegung eines russischen Ehrenmals aus dem Stadtzentrum in der estnischen Hauptstadt Tallinn hatte Putin Österreich am Vortag demonstrativ dafür gedankt, dass es den in den Weltkriegen gefallenen Russen Respekt erweise.
Der Österreich-Besuch des russischen Präsidenten war in betont freundlicher Atmosphäre verlaufen. Anders als beim EU-Russland-Treffen in Samara vor einer Woche wirkte Putin in Wien auch in seinen Auftritten vor der Presse entspannt und gut gelaunt. Kontroversielle Themen wie die Demokratieentwicklung und die Beachtung der Menschenrechte und Pressefreiheit in Russland wurden von den österreichischen Gesprächspartnern nicht ausgespart, auch wenn sie in betont diplomatischer Form angesprochen wurden.
Die Wirtschaftsdelegation, die Putin begleitete, ließ volle Auftragsbücher bei österreichischen Firmen zurück. Beim russisch-österreichischen Wirtschaftsforum in Wien wurden am Mittwoch 35 Investitions- und Kooperationsabkommen mit einem Gesamtvolumen von 3 Mrd. Euro unterzeichnet. Diese Summe entspreche der Hälfte der jährlichen österreichischen Auslandsinvestitionen, sagte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. Darüber hinaus seien Absichtserklärungen über weitere ein bis zwei Mrd. Euro unterschrieben worden, sagte Leitl. Die wertmäßig größten Abkommen betreffen Magna, Strabag und AVL List.
Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) sprach von einer „neuen Qualität“ der wirtschaftlichen Beziehungen. Früher waren es vor allem Handelsbeziehungen, jetzt sind es auch Investitionsbeziehungen“ in beide Richtungen. Putin hob die erfolgreiche Entwicklung der russischen Wirtschaft hervor. Während in Russland das vergangene Jahrzehnt von einer jährlichen Kapitalflucht von bis zu 25 Mrd. Dollar (18,5 Mrd. Euro) gekennzeichnet gewesen sei, habe man 2006 erstmals einen Kapitalzufluss von 21 Mrd. Dollar verzeichnet und allein in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres habe es einen Nettozustrom an Kapital in Höhe von 31 Mrd. Dollar gegeben, sagte Putin. Die russische Wirtschaft sei in diesen vier Monaten um 7,5 Prozent gewachsen.
Russland präsentierte sich Österreich gegenüber als sicherer Energielieferant. „Gazprom und OMV werden im kommenden Jahr das 40-Jahre-Jubiläum ihrer Zusammenarbeit feiern“, sagte Putin. Erst im September 2006 habe man den Vertrag über langfristige Gaslieferungen bis 2027 verlängert. Dabei habe sich Russland stets „wie ein wirklicher Partner verhalten“.
Der russische Präsident war in Österreich bemüht, Dialogbereitschaft über Menschenrechtsfragen und die zwischen der EU und Russland umstrittenen Punkte zu signalisieren, auch wenn er in der Sache bei seinen Positionen blieb. Russland müsse auf Menschenrechtskritik hören, doch müsse klar sein, dass die entsprechende Gesetzgebung auch in anderen Ländern „nicht vollkommen“ sei, sagte er am Mittwoch nach seinem Treffen mit Bundespräsident Fischer. Auch in Österreich sei die Gesetzgebung in Hinblick auf die Menschenrechte nicht vollkommen. Putin nannte in diesem Zusammenhang die Behandlung von Migranten und Afrikanern.
Putin bezeichnete es als nicht akzeptabel, wenn andere Länder gegenüber Russland eine „gönnerhafte Rolle“ mit erhobenem Zeigefinger einnehmen. Österreich nehme aber keine solche Haltung ein, versicherte er.
Der russische Präsident sprach sich für eine Lösung des Kosovo-Problems durch einen Dialog der betroffenen Parteien aus. Es gebe eine UNO-Resolution, in der der Kosovo als integraler Teil Serbiens bezeichnet werde. Man könne dieses Prinzip ändern, aber dies dürfe keiner der Konfliktparteien aufgezwungen werden. Fischer bekräftigte die Unterstützung Österreichs für den Kosovo-Plan des UNO-Vermittlers Martti Ahtisaari, der für die jetzige serbische Provinz eine international überwachte Unabhängigkeit vorsieht. Der Kosovo sei eine „offene Wunde“ auf dem Balkan, die verheilen solle.
Schwere Kritik übte Putin am geplanten US-Raketenabwehrschild in Europa. Diese Pläne seien „fatal, schädlich und nicht begründet“. Es gebe keine Notwendigkeit dafür. Diese Basen würden nur zu einer neuen Spirale im Wettrüsten führen. Die USA führten die Bedrohung durch iranische Raketen an, sagte Putin. Doch hätten die iranischen Raketen gar keine Reichweite bis Europa.
Am Donnerstag traf Putin in Luxemburg ein. Er wurde mit militärischen Ehren vor dem Palast von Luxemburgs Großherzog Henri begrüßt. Mit Premierminister Jean-Claude Juncker wollte Putin anschließend auch über die derzeitigen Spannungen in den Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union sprechen.
Quelle: http://www.vienna.at/news/co:austria:politik/artikel/putin-beendet-seinen-oesterreich-besuch/cn/news-20070524-03195688#forum
Antirussische Kampagne: Politologe argwöhnt westliche Wahlstrategie in Russland
Je gespannter die Beziehungen des Westens mit Russland werden und je mehr sich die antirussische Kampagne verstärkt, desto offensichtlicher wird auch, dass eine Aberkennung der Wahlergebnisse in Russland zu einer Hauptrichtung der zukünftigen Angriffe wird, schreibt der Politologe Wjatscheslaw Nikonow am Mittwoch in der „Iswestija“.
„Möglich ist auch eine entsprechende Androhung, die als ein politisches Druckinstrument eingesetzt wird: Werdet ihr euch schlecht benehmen, so werden wir die Wahlen und die als deren Folge gebildet