Vollständige Version anzeigen : Fundas und Short-Term-Trading
Wenn die Recherche von einer Strategie abhängig ist (steht jedenfalls da (http://www.aktienboard.com/vb/showthread.php?postid=216507#post216507) ), stellt sich für viele diese Frage:
Was muß ein (chart-)technisch orientierter Short-Term-Trader über ein Unternehmen wissen?
Hier soll angenommen werden, daß der Short-Term-Trader einen Horizont von 1-10 Tagen hat, was u.U. auch mehr sein kann (wenn's läuft!).
Und:
Wie schlägt sich ein solches Wissen in Tradingentscheidungen nieder? Wenn nicht, dann ist es nutzlos, oder?
Und: "Je mehr Wissen, desto besser" gilt imho nicht, denn Informationsökonomie ist auch eine Leistung. Merksatz: Merke Dir, was Du brauchst, den Rest vergiß lieber schnell!
Dawnrazor
17.01.2002, 13:45
Ich kann mich nicht ganz entscheiden zwischen "Branche" und "Kurzes Profil", und es hängt sicher auch vom Zeithorizont ab.
Da sich Unternehmen selten ganz unabhängig von ihrer Branche bewegen, kann es schon hilfreich sein, wenn man diese kennt, und ein wenig darüber hinausgehendes Wissen (z.B. wie wichtig die Kooperation mit SAP für CMRC ist, wer durch sinkende Investitionen von INTC betroffen ist, etc.) schadet wohl auch nicht. Wenn es darüber hinaus geht, nimmt der Grenznutzen zusätzlicher Information meiner Meinung nach rapide ab und wird ziemlich bald negativ, da man zum einen für den Erwerb dieses Wissens viel Zeit braucht, die man besser nutzen kann, und ein zu großes Angebot an Informationen die Entscheidungsfindung eher behindert als fördert.
Noch ein Beispiel für die Bedeutung der Branche: Für mich persönlich sind kleine Biotechs, wenn sie nicht gerade schlechte Nachrichten gebracht haben, ein absolutes Tabu für Shortpositionen über Nacht, nachdem ich selbst mal miterlebt habe, wie sich eine Aktie, in der ich vorher selbst mal short war, nach einer Mittel-gegen-Krebs-Meldung von einem auf den anderen Tag vervielfacht hat (ich glaube, zur Eröffnung verachtfacht...wer's genauer wissen will, es war ENMD).
hoellenfuerst
17.01.2002, 13:55
aber hab ein problem mit der interpretation von "short term"
geht es um minuten, tage, wochen...?
HF
Hast Recht.
Ich dachte an Tage. So 1-10. Werd's ergänzen.
@The King
Interessantes Thema! Meine Trading-Erfahrungen haben mich aufgrund meiner Aktivitäten in kurzffristigen wie in langfristigen Zeiträumen, zu folgenden Schlussfolgerungen kommen lassen:
Im kurzfristigen Zeitfenster dominiert das Sentiment und die Charttechnik. Charttechnik ist kurzfristig das Abbild überwiegend emotionaler Entscheidungen, langfristig das Abbild überwiegend rationaler Entscheidungen. Je kürzer das Zeitfenster, desto mehr schlagen Sentiment und Charttechnik auf den Kursverlauf in diesem Zeitfenster durch. Charttechnik besitzt eine "relative Unschärfe" (Grad der Sicherheit einer prognostizierten Kursbewegung aufgrund charttechnischer Analyse), ist in jedem Zeitfenster aber eine Beachtung/Analyse und eine Einbeziehung in seine Handelsaktivitäten unbedingt empfehlenswert (allein um eines guten Ein/Ausstiegs wegen). Langfristige Handelsaktivitäten setzen die Beachtung langfristiger "Indikatoren" voraus. Neben der Charttechnik und makroökonomischen Faktoren ist dies vor allem die Übereinstimmung mit den tatsächlichen Fundamentals (also keine Analystenschätzungen). Sie erhalten hier ein weitaus höheres Gewicht.
Greets
Big AL
schlaubi
17.01.2002, 15:33
ich persönlich fühle mich wohler, wenn ich weiß was ich trade, deswegen ist für micht wichtig, daß ich die AG kenne.
by
schlaubi
Dawnrazor
Ich denke, das sind gute und sofort einleuchtende Argumente.
Ich kannte mal einen, der kaufte Aktien von nem Unternehmen, das voher zu nem festen Kurs übernommen wurde. Dann wunderte er sich warum die Aktie nicht von der Stelle kam.
Wenn es darüber hinaus geht, nimmt der Grenznutzen zusätzlicher Information meiner Meinung nach rapide ab und wird ziemlich bald negativ, da man zum einen für den Erwerb dieses Wissens viel Zeit braucht, die man besser nutzen kann, und ein zu großes Angebot an Informationen die Entscheidungsfindung eher behindert als fördert.
Exakt!
Dawnrazor
18.01.2002, 10:16
Ich kannte mal einen, der kaufte Aktien von nem Unternehmen, das voher zu nem festen Kurs übernommen wurde. Dann wunderte er sich warum die Aktie nicht von der Stelle kam.
Ich kenne auch einen Ausbruchs-Trader, der prinzipiell keine News liest, und dem so etwas auch gelegentlich passiert. :dunce: Man erkennt solche Unternehmen allerdings auch im Level II an den massiven Stückzahlen der Arbitrageure.
Nun ja, ich halte es für interessant, wenn eine Aktie Aktie ohne viel Fundamental Potential (z.B. so was wie Daimler-Chrysler) mehrere Quartale Gewinne gemacht hat, dann Rekordgewinne verkündet, das KGV nach der guten Phase auf weit über 20 steht und der Wert aber nicht mehr von der Stelle kommt.
Da kann man auch als Kurzfristtrader mit mehr Vertrauen auf der Short Seite agieren.
ich persönlich fühle mich wohler, wenn ich weiß was ich trade, deswegen ist für micht wichtig, daß ich die AG kenne.
by
schlaubi
Ich persönlich sehe die Gefahr, daß, wenn ich ein Unternehmen kenne, die HP besucht habe etc., ich auf die Idee komme, ich könnte das Ganze sinnvoll beurteilen und dann gegen den Chart an dem Urteil festhalte.
Von dem "Verlieben" in Unternehmen ganz zu schweigen.
Ja mehr weniger Kenntnisse, je mehr Business, desto mehr ist man davor gewappnet.
Ich kannte Leute, die haben EM-TV vertraut. ;) Da gibt es 1000 Beispiele.
Ist ja überall im Leben so.
Gruß
Tk
Ich denke, im Falle em-tv gab es noch genügend Gelegenheit, auszusteigen, bevor es richtig schwarz wurde. Wer nach den ersten Nachrichten über Bilanzierungsregeln noch an der Aktie festgehalten hatte, ist selbst schuld.
Im Falle Baan war das frühr auch so. Das Unternehmen hatte überraschend einen Verlust ausgewiesen und führte das auf geänderte Bilanzierungsregeln zurück. Wer auch da noch an der AKtie festhielt, ist selbst schuld.
Das soll heissen: die meisten Leute vertrauen, weil sie keine Ahnung haben.
schlaubi
26.01.2002, 11:57
@The King
Ich persönlich sehe die Gefahr, daß, wenn ich ein Unternehmen kenne, die HP besucht habe etc., ich auf die Idee komme, ich könnte das Ganze sinnvoll beurteilen und dann gegen den Chart an dem Urteil festhalte.
Man muß sich ja nicht gleich verlieben :) , aber auch das wäre kein Problem. Ich möchte einmal den Vergleich mit einer Frau ziehen, auch hier verlieben wir uns durchaus das eine oder andere mal. Es ist abzuwägen ob man sich klar im Kopf ist, ob diese Frau lediglich ein Betthase ist oder was fürs Herz. Aber auch hier kann man sich täuschen, entweder weil Liebe blind macht, oder man einfach sich im laufe der Zeit auseinandergelebt hat. Oder warum gibt es so viele Scheidungen? Man sollte in etwa abschätzen können auf was man sich einläßt! OneNightStand oder was festes. Bei einer festen Beziehung sollte man zum Partner immer offen sein, damit man auch in Krisenzeiten gemeinsam eine Lösung findet und diese meistert. Wenn es aber keinen Ausweg mehr gibt (aus welchem Grund auch immer) ist es oft besser rechtzeitig schluß zu machen, ich kenne es aus eigener Erfahrung sehr gut wie schwer das ist, aber es ist die bessere Lösung.
Bei Aktien sehe ich das ganz genauso, man muß wissen auf was man sich einläst, dazu ist es notwendig, wenn mein eine Meinung von der AG hat (ob diese nun Richtig ist steht auf einem anderen Blatt) Wenn ich mich mit einer sogennanten Betthasen AG einlasse, dann weiß ich schon, daß diese Verbindung nicht sehr lange andauern wird, ich genieße die Zeit und versuche das best mögliche auszureitzen. Laß ich mich aber mit der Herz AG ein, dann muß ich auch bereit sein Kriesen in kauf zu nehmen, wenn ich dazu nicht in der Lage bin, oder sich meine Interessen oder der AG verändern oder einfach die Verbindung nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, dann muß man ebenfalls Schluß machen. Dies wird sicherlich genauso weh tun. Aber ich sage lieber in Freundschaft auseinandergehen, als im Streit.
by
schlaubi
Das ist sicher die anschaulichste Erklärung dieser Sache, die ich kenne.
So gesehen, ist alles klar.
Aber an den gewählten Beispielen wird schon deutlich, die schnell man da durcheinander kommen kann und den ein oder anderen Betthasen mit der Herz AG verwechseln kann. Und andersrum natürlich auch.
Gruß
schlaubi
02.02.2002, 12:32
Da stimme ich Dir absolut zu, Verwechslungen wird es immer geben, es wird wohl niemand darum herumkommen.
by
schlaubi
Ich habe hier die "Branche" angeclickt. Ich denke, es ist unheimlich wichtig, zu wissen in welcher Branche ein Unternehmen tätig ist.
Warum? Nun, weil Aktien sich in Branchen bewegen und ich glaube, dass es für beinahe jeden Time-Frame über 1 Tag von Vorteil ist, wenn man den Wind des "Grossen Spiels" im Rücken hat.
Ausserdem sollte man auch für die kurzen Timeframes wissen, wann welche Branchen steigen und fallen. Rückenwind kann das RR schnell auf 1:5 und höher katapultieren.
Schneewittchen
29.01.2005, 14:57
3.2.2002 - fast 3 Jahre her.....
snahas geist irrt ruhelos on AB.com ;) :lol http://riptx.dns2go.com/Graphics/Ghosts/shimmeringghost.gif
anyway .. selbst , wenn die abstimmung für nix taugt..
die beiträge sind - nicht schlecht ;) :tup:
LuckyTrader
04.12.2005, 19:24
Ich habe hier die "Branche" angeclickt. Ich denke, es ist unheimlich wichtig, zu wissen in welcher Branche ein Unternehmen tätig ist.
Warum? Nun, weil Aktien sich in Branchen bewegen und ich glaube, dass es für beinahe jeden Time-Frame über 1 Tag von Vorteil ist, wenn man den Wind des "Grossen Spiels" im Rücken hat.
Ausserdem sollte man auch für die kurzen Timeframes wissen, wann welche Branchen steigen und fallen. Rückenwind kann das RR schnell auf 1:5 und höher katapultieren.
Die Frage ist nur wie?
Anhand der Branchen-Wochengewinner?
Oder Branchen-Monatsgewinner?
Oder die Branchen mit dem größten Beta ?
Oder ein niedriges Branchen KGV?
Volumen-Zufluß-Abfluß?
(so mache ich das zum Beispiel).
Alles sehr fragwürdig, da diese Analysemethode nur den Moment wiederspiegelt.
Aber wie kann man die Branchenentwicklung für die nahe Zukunft analysieren? Habt Ihr eine Idee?
Moin ..
anbei ein paar Links die ich so zu Rate ziehe bei solchen Fundifragen eben :
http://www.stockselector.com/
http://www.stockselector.com/screen.asp
Stock Trading Software and System Utilities
http://www.ashkon.com/
Tools of Fundamental Analysis
http://stocks.about.com/b/a/118944.htm
http://stocks.about.com/od/evaluatingstocks/a/Fundanatools.htm
Stock Sectors - How to Classify Stocks
One of the ways investors classify stocks is by type of business. The idea is to put companies in similar industries together for comparison purposes.
http://stocks.about.com/od/understandingstocks/a/stocksectors.htm
BW 50 / S&P 500 Scoreboard
To determine how the companies in the S&P 500 index stack up against one another, BusinessWeek ranked all 500 using key criteria indicating financial success. The BW 50 is made up of the top 50 of those companies. That rank is the number in far left-hand column. You can use the Scoreboard to re-rank the companies according to the key criteria.
http://research.businessweek.com/scoreboard.asp
http://prosearch.businessweek.com/businessweek/general_free_search.html
http://money.cnn.com/data/sectors/techstocks/
In der Beziehung halte ich es mit Rothschild, der o.g. gesagt haben soll.
Mir genügt es, wenn ich zum Wert ein kurzes Firmenporträt gelesen habe und vielleicht ein paar Fundi-Daten.
Meine " Fundamentalanalyse " :
Termine, Termine, Termine.
HV, Quartalszahlen, conference calls, ...
Ich notiere mir alle Termine und gehe vorher (!) grundsätzlich aus dem Markt. Das Risiko ist mir einfach zu hoch. Dass ich dabei auch einige positive Überraschungen verpasse ist mir klar. Mir ist einfach wohler so.
Grüsse
ego
hhhuuuch ... n Srett aus der Mottenkiste...
hallo @all,
hab grade just for fun abgestimmt...
obwoooohl ... so pauschal gestellt, diese Fragerei für mich keinen unmittelbaren Sinn ergibt.
==> denn, für meinen Geschmack, wären einige der vorgeschlagenen Antworten nur für Lang=Fristig vorstellbar (!...)
Da ich mich für "Wunder+Knall_tüten" entschieden habe... (T.A./Rebounder, also kurzfristig ) komm ich nicht drum rum mich so strong wie möglich abzusichern - d.h. also: ein Paar aktuelle Zahlen muss ich schon gecheckt haben...
Und, da es etwas mehr ist als " Grundlegende Kennzahlen (ca. 3)"...
sehe ich mich "genötigt" für "Ausführliche Kennzahlen (ca. 10-15)" zu wählen ;)
(von @Big AL #5)
>
Charttechnik ist
kurzfristig das Abbild überwiegend emotionaler Entscheidungen,
langfristig das Abbild überwiegend rationaler Entscheidungen.
Je kürzer das Zeitfenster, desto mehr schlagen Sentiment und Charttechnik auf den Kursverlauf in diesem Zeitfenster durch.
<
...diese Aussage war mir (hier, auf A.B.Com...) noch ni(e)cht so klar ausgedrückt aufgefallen ... ist aber 100-pro pertinent ... und wenn man "n bissl überlegt"...: auch voll logisch (!!!)
Ich glaube, damit wird - überhaupt - der richtungsweisende Grundstein für die Arbeit von "Jedermann" dargestellt, ... nachdem er seine Zeit Horizont definiert/ausgewählt hat.
(also sich entschieden hat für: "kurzfristig" oder "längerfristig")
Gruss / emx :dunce: