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Vollständige Version anzeigen : Wer kennt sich mit futures aus?


miezmiez
19.04.2001, 21:42
Da meine Kenntnisse diesbezüglich sehr bescheiden sind wäre ich demjenigen verbunden, der etwas Licht ins Dunkel bringt!

Cortez
21.04.2001, 08:04
Was genau willst du denn wissen? Futures ist ein weites Feld. Ein wenig kenne ich mich aus.

Cortez

miezmiez
22.04.2001, 21:09
wie gesagt, meine Kenntnisse bezüglich futures sind sehr bescheiden.

Ich schaue täglich bloomberg tv und da werden die futures der nasdaq, dow usw. immer eingeblendet. Der Nemax als auch der DAX gehen dann immer mit einher, rauf und runter.

Was beinhalten futures und welche Art von Wertpapieren sind dies?:confused:

snahas
22.04.2001, 21:29
Futures sind unbedingte Termingeschäfte auf das jeweilige Underlying (Basisinstruent: z.b. DAX-Index, Nasdaq100-Index, S&P500-Index usw. oder auch sogar Aktien oder Rohstoffe selbst).
Man geht bei einem Kauf des Futures die Verpflichtung ein, das Underlying am Laufzeitende zum ausgemachten Preis (zum Kaufzeitpunkt) zu kaufen. Abgerechnet wird das ganze als Differenz (meist nur bei Aktienindexfutures, ansonsten erfolgt effektive Lieferung). Das heisst, man bezahlt oder erhält (je nach Kursentwicklung) den Differenzbetrag zwischen Terminkurs (bei Abschluss des Geschäftes) und Kassapreis. Diese Differenz wird einem tagtäglich bis Laufzeitende auf dem Marginkonto gutgeschrieben oder abgezogen.
Bei Abschluss des Geschäftes fliesst kein Geld, da ein Future bei Abschluss des Geschäftes bis zum Laufzeitende keinen Wert hat. Man muss lediglich eine Sicherheitsmargin hinterlegen.
Futures werden unter anderem benutzt, um das Marktrisiko (systematisches Risiko) aus Aktienportfolios zu entfernen. Auf Seiten der Rohstoffe werden sie unter anderem benutzt, um die Waren vor Preisänderungen zu sichern oder um sich einen Absatz der Waren zu garantieren.
Ich hoffe, ich konnte etwas helfen.

Cortez
22.04.2001, 21:44
@miezmiez

Börsennotierte Futures sind normalerweise Terminkontrakte zum Kauf oder Verkauf einer bestimmten (standardisierten) Ware (z. B. 100 Unzen Gold) zu einem bestimmten (standardisierten) Zeitpunkt (Verfallstermin).

Die Indexfutures (z. B. Nasdaq-100) funktionieren fast genauso, nur es wird nicht geliefert, weil man einen Index nur schwer liefern kann. Da wird beim Verfalltermin einfach abgerechnet.

Der Nasdaq-100-Futures ist der Terminkontrakt auf den Nasdaq-100-Index. Das geht so:

Der Nasdaq-100 steht bei sagen wir mal 2000. Du meinst, das sei zu wenig, weil der Index steigen wird und kaufst deshalb 1 Kontrakt Termin Juni. Da die Lieferung (bei Index-Futures die Abrechnung) erst später erfolgt, mußt du den Preis nicht sofort zahlen, sondern nur sagen wir mal eine Anzahlung, die von Broker zu Broker unterschiedlich ist. Dadurch hast du wie bei Optionsscheinen eine Hebelwirkung. Der Vorteil gegenüber Optionsscheinen ist, daß du nix verlierst, wenn der Preis (der Index) sich nicht bewegt.

Steigt der Index, kannst du aussteigen (verkaufen) und deine Gewinne einsacken. Fällt der Index, kommst du in die roten Zahlen und solltest ebenfalls rechtzeitig aussteigen.

Das ganze geht auch umgekehrt. Du verkaufst den Index auf Termin und hoffst auf fallende Kurse.

Kauf nennt man 'long-position' und Verkauf 'short-position'. In der Praxis funktioniert das so, daß du eine der beiden Position (long oder short) KAUFST und beim Ausstieg die entgegengesetzte Position ebenfalls kaufst. So löst du die offene Position auf. Die Mäkte sind hochliquide und die Gebühren sind nicht hoch. Abgesehen von Sicherungsgeschäften sind überwiegend professionelle Trader unterwegs, die auf technische Signale reagieren.

Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich.

Cortez :)

Cortez
22.04.2001, 21:47
Jetzt hab ich zu lange online getippt und sehe, daß snahas schneller war. Doppelt hält vielleicht besser.

Cortez

schlaubi
22.04.2001, 22:58
@snahas
@cortez

wirklich treffend erklärt. :scool:

Bleibt nur noch eines, bei einem Future-Kontrakt ist man verpflichtet seine Schieflage glattzustellen. Diese kann schon mal das Eingesetzte Kapital (incl. Margin bzw. Rückstellungen) deutlich übersteigen.


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schlaubi

Cortez
22.04.2001, 23:49
Stimmt, schlaubi

aber hinter der margin (Anzahlung) hast du ein etwas dickeres Konto in cash oder t-bills (in den USA). Kein Broker akzeptiert nur die margin. Wenn du die falsche Laufrichtung erwischt hast, wird die margin automatisch aufgefüllt (war jedenfalls früher so).

Das ist aber mehr oder weniger theoretisch, denn niemand macht sowas ohne stops und schnell raus kommt man immer. Nur ein Leichtfuß würde Futures ohne stops handeln.

Cortez

miezmiez
23.04.2001, 08:18
@Snahas und Cortez

Merci für die schnelle, erschöpfende und lehrreiche Antwort.

Eine Frage noch, wer ist Emittent solcher futures?

Können wir davon ausgehen, daß dies teilweise eine Minutengeschichte ist? (Beispiel Kontrakt bis Juni);)

Cortez
23.04.2001, 14:32
Hi, miezmiez

Bevor ich antworte:

Waren das ernstgemeinte Fragen? ;)

Cortez

snahas
23.04.2001, 14:38
ja Cortez, ich habe mich auch nicht getraut zu antworten, weil die Frage so unernst gemeint anmutet.

miezmiez
23.04.2001, 19:45
und Snahas gleich mit dabei. Ich mag vielleicht ein Hundling sein, aber auf´s Glatteis will ich niemand führen, da man selbst sehr schnell ausgleiten kann.

Die Frage war ernst gemeint!

miezmiez
23.04.2001, 19:47
das eine reichlich Anzahl von Boardmitgliedern oder auch Besucher schlauer sind ohne hierzu etwas beigetragen zu haben.
Ist aber der Sinn von solchen Boards!

snahas
23.04.2001, 21:45
miezmiez,
ich habe dein letztes Posting nicht verstanden.
aber die Antwort auf die Hauptfrage: Futures werden nicht emittiert.

Cortez
23.04.2001, 21:55
Hoppla!

Nicht gleich die Nerven verlieren!

Also, paß auf:

Terminkontrakte sind KEINE Optionscheine oder sowas ähnliches. Ein Termingeschäft ist ein Geschäft zwischen zwei Vertragspartnern. Es gibt deshalb keinen Emittenten. Die Börse regelt und standardisiert das Verfahren lediglich und wickelt den Vertrag ab. Ich verkauf dir z. B. 1000 DTE für 28,80€, obwohl ich die Aktie nicht habe, und wir vereinbaren Übergabe und Bezahlung im Juni. Um unseren Vertragswillen zu unterstreichen, hinterlegen wir BEIDE eine Kaution in Höhe von 3000€ (etwa 10% der Kontraktsumme).

Ich bin dann short und du bist long. Wenn die Aktie fällt, kann ich kurz vorher billig einkaufen und du bist der Dumme. Steigt die Aktie, bin ich der Dumme. Damit alles ordentlich abläuft, wird unsere Vereinbarung von einem Notar überwacht und abgewickelt. Bei den Termingeschäften, von denen wir reden, ist die Börse der Notar. Das war nur ein Beispiel, denn für einzelne Aktien gibt es m. W. keine Terminkontrakte. Die gibt es (schon sehr lange) für Waren, Rohstoffe, Devisen und seit einiger Zeit (Mitte der 80er?) auch für Indices.

Die Geschäfte sind nicht unbedingt Minutengeschäfte. Du kannst deine Position jahrelang beibehalten. Wenn der Verfalltermin (Juni) näher rückt, löst du die Position auf und kaufst den gleichen Kontrakt für den nächsten Termin (September) usw.

Ich habe das etwas vereinfacht erklärt, denn das ganze Thema ist sehr komplex und wenn man sich dafür interessiert, sollte man sich ein gutes Buch darüber kaufen. Ich kann dir leider nichts empfehlen, denn mein Wissen darüber ist etwas eingerostet und meine Bücher sind schon älter.

Cortez :)