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Vollständige Version anzeigen : Aktienstrategie Fundamental


Gordon Gecko
03.05.2001, 08:40
Hi,

mir ist aufgefallen, dass das Aktienboard immer Technik-lastiger wird. Haben hier einige Abstand genommen von einer fundamentalen Anlagestrategie á la Peter Lynch?

Wo sind die Bilanzspezialisten, die Technologiebewerter, die Branchenfüchse, usw.

Wir haben viele Themen zur Charttechnik und zur Marktpsychologie, dieser Thread soll für diejenigen sein, in deren Strategie die Fundamentalanalyse eine große Rolle spielt.

Was sind in Euren Augen die wichtigsten Kennzahlen? Wie kommt ihr zu eurer Kaufentscheidung und was ist euer Anlagehorizont.

Gruß Gecko

snahas
03.05.2001, 14:04
es gibt leider nur sehr wenige Werte, die gemäss den Lynch Kriterien interessant sind. Der Markt hatte leider im Zuge der letzten Hausse eklatante Überbewertungen hervorgerufen, so dass auch immer weniger solcher Werte zu finden sind.
in Deutschland gibt es nicht sehr viele Kandidaten.
Mein letzter Favorit hat sich als Nullnummer entpuppt (P.Lynch hat Technofirmen immer gemieden, weil dort die Aussichten und Geschäfte so intransparent sind). Ich meine PA Power Automation.

Weiterhin in die fundamentale Richtung interessant schein Bijou Brigitte zu sein. Aber ich kann nicht viel sagen, da keine Zeit für Research.

besserweis
03.05.2001, 17:27
GG,
das liegt zum einen in der Natur der Sache ein Bild sagt mehr als tausend Seiten Fundamentalanalyse und ein Chartbild kann ein halbwegs geübtes Auge ganz schnell analysieren.
Aber bei einem Geschäftsbericht braucht man doch wesentlich mehr Detailwissen.
Auch wenn man sich Eure Boardstruktur ansieht, es gibt ein Board für Charttechnik, aber wo ist das für Fundamentalanalysen??? ;)

Gruß
bw

Gordon Gecko
03.05.2001, 17:34
ich orientiere mich selbst ja fast ausschließlich an Charts, weiß aber, dass viele unserer Mitglieder der Fundamentalanalyse hohe Bedeutung zumessen.
Darüber würde ich schon auch gerne was lesen. Auf welche Analysezahlen wird denn insbesonder geschaut? Bei welchen Werten sieht es derzeit gut aus usw.

Gibt es verschiedene Arten von fundamentalen Strategien?

Bin gespannt, wer sich zu seinem fundamentalen Ansatz outet :D

Gruß Gecko

Morgan
03.05.2001, 19:37
Ich kann einfach nicht glauben, daß ein fundamentaler Ansatz nicht zu Gewinnen führen kann. Er muß es sogar, sonst hatten die Jahre diese Herangehensweise aus den großen Banken und Analystenhäusern verdrängt. Warum schreiben gutbezahlte Leute also halbe Bücher, wenn kein Geld damit zu verdienen ist???

snahas
03.05.2001, 19:50
natürlich ist mit Fundamentalanalyse Geld zu verdienen. Aber es ist eben nicht so leicht wie sich manche das vorstellen. Je grösser und bekannter die Firma, desto schwieriger wird es, da noch etwas zu finden, was nicht schon im Preis enthalten ist

Gordon Gecko
03.05.2001, 19:57
Manchmal habe ich den Eindruck, je mehr Leute Fundamentalanalyse betreiben, desto uneffektiver wird sie, da alles bereits vorweggenommen ist.
Früher, als nicht jeder Zugang zu ausgefeilten Analysen hatte, war es mit Sicherheit ein effektives Mittel, aber heute? na ich weiß nicht. Allerdings muß man ja wirklich sagen, dass die Analysen selten besonders gut sind. Aber kommt man durch eigenes Research zu besseren Schlüssen? Eventuell schon.

Gruß Gecko

snahas
03.05.2001, 20:13
die Analysten sind hilfreich, um auf einige DInge aufmerksam zu werden. Aber grundsätzlich sollte man seine eigenen Analysen machen.
Es gibt doch dieses Buch von Shaughnessy (oder so ähnlich): Die besten Trading Strategien aller Zeiten (auf englisch: What really works on Wall-Street).
Er hat ganz klipp und klar herausgefunden, was funktioniert und was nicht. Das Problem: sobald etwas so bekannt wird, funktioniert es nicht mehr. In den USA werden Milliarden herumgeschwungen, um auch nur die kleinsten Ineffizienzen auszunutzen.
Aber es gibt ein paar Grundprinzipien, die werden immer funktionieren, solange es Aktien gibt und was Aktien von Commodities unterscheidet. Wenn eine Firma wächst und wächst und über eine hohe Profitabilität verfügt, dann wird sich das früher oder später im Aktienkurs niederschlagen. Oder wenn man aus einer Rezession kommt, in der es vielen Firmen schlecht ging, dann werden diejenigen am ehesten überleben, welche am meisten Eigenkapital aufweisen und nicht zu stark verschuldet sind.
Eine Firma kann auch nicht ewig die Bilanzen manipulieren...irgendwann werden die Manipulationen auffallen.

Morgan
03.05.2001, 20:15
das mit den besseren Schlüssen wage ich zu bezweifeln!

Ich habe demletzt eine Analyse der DB zur BASF gelesen, das war ein 60 Seitiges Script, bei dem auf die verschiedenen Sparten eingegangen wurde, die Aussichten dieser im Detail durchleuchtet wurden, die Konkurrenzsituation betrachtet, eine Bilanz- und Wachstumsanalyse durchgeführt, das Management unter die Lupe genommen - volles Programm eben.

Und nach diesen 60 Seiten kam man dann auf verschiedene angebliche "faire Preise" , nach den verschiedenen Methoden. War schon beeindruckend - auch daß sich der Kurs erstmal nicht um diese Analyse geschert hat. (aber das war wohl eine absolut langfristige Sichtweise)

Gruß Morgan

snahas
03.05.2001, 20:20
Morgan,
ich glaube ganz fest daran, dass es verschwendete Zeit ist, zu analysieren ob jetzt BASF oder Bayer die bessere Investition ist.
Wenn man nicht direkt in der Branche arbeitet und nicht voll involviert ist, dann bringt die Arbeit nichts. Der Markt interessiert sich einen SCh.., welche jetzt das niedrigere KGV hat oder so.

schlaubi
04.05.2001, 14:14
Ich habe mich der Fundamentalen Analyse abgewand, da ich keine lust habe Jahrelang auf die Gelegenheit zu werten, wie W.Buffet zum Beispiel.

Selbst wenn ich mir fundamental Gute Werte ansehe, die ein fähiges Management haben und konstannte Wachstumsraten vorweißen können. Auch solche Firmen haben entteuscht, selbst eine Procter&Gamble, die Hygieneartikel, Lebensmittel und Waschmittel herstellen. Diese Firma vermarktet 100te an Markenartikelen, die wir tagtäglich benutzen.

Ich habe deswegen mich auf die Charttechnik eingeschossen, aber fundamental gute Werte bevorzuge ich absolut.

By
schlaubi

snahas
21.05.2001, 20:02
also ich habe schon einige Interviews von den allerbesten Geldmanagern der Welt gelesen, welche Jahr für Jahr exorbitante Ergebnisse erzielten und erzielen...alle, die länger als 1 Woche in einer Aktie bleiben, legen unheimlich viel Wert auf die Auswahl der Aktien nach fundamentalen Daten und Gesichtspunkten.
Da muss was dran sein.

Morgan
21.05.2001, 21:33
Die steigen dann aber nicht mit dem vollen Programm an fund. Analyse ein. Ich habe noch nicht gehört, daß sich jemand nach dem CAPM oder dem Discounted CashFlow-Verfahren einen fairen Preis ausgerechnet hat und damit erfolgreich war. (vielleicht wird das ja dann verschwiegen, weil unspektakulär). Wenn, dann wird doch von einfachen Kennzahlen, wie Gewinnsteigerungen, Umsatzwachstum oder vielleicht mal eine Verschuldungsquote gesprochen, oder?

Gruß
Morgan:cool:

snahas
21.05.2001, 21:43
richtig...aber eben fundamental...und die Ergebnisse von diesen Managern sind wirklich extrem und kontinuierlich. Viele haben selbst relevante Grössen entdeckt oder auch kreiert. Zum Beispiel schaut einer nicht auf das normale KGV, sondern er hat festgestellt, dass man die Gewinne vom Vorjahr, des aktuellen Jahres und des kommenden Jahres zu einem gewichteten Durchschnitt zusammenfassen muss, um ein aussagefähiges KGV zu erhalten. Die ganzen erfolgreichen Manager untersuchen fortlaufend die Outperformer der jüngsten Vergangenheit (der letzten 1-10 Jahre) auf gemeinsame Charakteristika, welche sie von den Underperformern unterscheiden.

schlaubi
21.05.2001, 22:09
@snahas

ganz ohne technische Analyse gehts doch nicht. Du schreibst daß die erfolgreichen Manager die Outperformer der letzten Jahre suchen und dann analysieren, also doch technische Gesichtspunkte?

Meiner Meinung nach ist es wie beim kauf eines neuen Autos. Nach welchen Kriterien wählt man sich seinen zukünftigen Waagen aus? Nach der Quallität oder nach dem Preis?

Beides muß stimmen!

By
schlaubi

snahas
21.05.2001, 22:21
von denen ich rede, gibt es einige, die keine technische Analyse machen. Aber diejenigen mit technischer Analyse sagen, dass die fundamentalen Kriterien genauso wichtig sind, bzw. dass viele Chartpatterns nur bei den richtigen Aktien auch wirklich überdurchschnittliche Resultate bringen.
Es ist ungefähr so, wie ich es in meinem Strategiethread beschrieben habe: ich würde meine Strategie mit relativer Stärke, Cup&Handle-Breakouts , ATH's usw. nicht bei grossen wachstumsschwachen Aktien anwenden.

schlaubi
21.05.2001, 22:29
stimme Dir voll und ganz zu, snahas!

Ist auch meine Meinung.

By
schlaubi

Cortez
21.05.2001, 22:31
Hi,

weil von Peter Lynch, fundamental guten Aktien und von Bijou Brigitte die Rede war: Bijou Brigitte müßte eigentlich eine typische Lynch-Aktie sein, weil sie seit dem Ausstieg aus dem Smax nicht mehr im Visier der Fondsmanager sein kann. Viel zu intransparent. Bijou hat viel Geld in der Kasse und erweitert seit Jahren das Geschäft. Wer vor ein paar Jahren gekauft hat, konnte sich beruhigt zurücklehnen. Die Baisse ist an ihm vorübergegangen.

Das ist natürlich eine Frage des Anlagestils. Die Aktie ist ein langsam steigender Wert mit hoher Dividendenrendite. Unterm Strich bleibt genug für eine gute Performance ohne Streß.

Cortez :)

Advestor
02.06.2001, 18:35
Hallo,

wer interesse an der fundamentalen Analyse hat der sollte sich unbedingt mal diese Internet Seite ansehen:

http://www.value-analyse.de

Gruß
Advestor

snahas
05.06.2001, 00:51
schaut Euch einfach mal die Fundamentaldaten von DFXI an....besser gehts kaum nicht.

Morgan
05.06.2001, 09:03
Na, DFXI ist auch technisch sehr interessant. Sieht wirklich top aus, auch wenn man wahrscheinlich in den gestrigen Ausbruch hätte hineinkaufen sollen, war doch sowas wie ein Pivot-Point, oder? Ich denke das kann was werden.

Morgan

Gordon Gecko
11.06.2001, 16:43
super, DFXI scheint ein Treffer gewesen zu sein snahas. Alle Achtung. Heute geht es bei hohem Volumen weiter nach oben.
Astrein!

Hast du weitere Werte in Beobachtung, die ähnlich interessant sind?

Gruß Gecko

GoldDigger
12.02.2007, 21:20
Hab den Thread mal wieder hervorgekramt. :proud:
Ich hab mich nämlich auch schon gewundert, dass hier so wenige Fundis sind. Finde ich irgendwie auch schade, man kann natürlich sagen die Fundis sollen rüber zu wo.de, :reject: aber unser Board ist doch viel schöner. :lovestr:

Das hier soll also ein Aufruf an alle Fundis sein, die sich hier kaum melden, oder die die zu wo.de abgewandert sind. Lasst uns die Fundamental Analyse auf ab wiederbeleben.

MfG
GoldDigger

EMEUV
12.02.2007, 21:33
Hab den Thread mal wieder hervorgekramt. :proud:
Ich hab mich nämlich auch schon gewundert, dass hier so wenige Fundis sind. Finde ich irgendwie auch schade, man kann natürlich sagen die Fundis sollen rüber zu wo.de, :reject: aber unser Board ist doch viel schöner. :lovestr:

Das hier soll also ein Aufruf an alle Fundis sein, die sich hier kaum melden, oder die die zu wo.de abgewandert sind. Lasst uns die Fundamental Analyse auf ab wiederbeleben.

MfG
GoldDigger

Dann leg mal los. Die macht mit (beim lesen)

delta1
12.02.2007, 21:37
Die Fundis haben zuviel damit zu tun, ihre Moneten zu zählen :D

GoldDigger
12.02.2007, 21:50
Dann leg mal los. Die macht mit (beim lesen)

Womit soll ich loslegen? ;)
Ich werde morgen dann mal was schreiben, bin irgendwie müde, is ja auch schon spät... fast 22 Uhr. :zzz: :D

Die Fundis haben zuviel damit zu tun, ihre Moneten zu zählen :D

Dann ist Fundamentalanalsyeanalyse also nichts für mich? :strike:

Schüler und Moneten zählen :nooo: Das wiederspricht isch ;)

Gute Nacht :sleep:
GoldDigger

TheKing
13.02.2007, 08:35
Ist ja nciht so, das es ein einfacsh "entweder - oder" ist.
Man kann auch Kombis fahren. Nicht nur auf der Autobahn.

Gib auch einige Freds hier on board zum Thema Funda und Funda/Techniker-Vergleich.

matze87
15.02.2007, 15:23
die fundis haben nicht nur genug zu tun tun mit moneten zählen, sondern auch mit der sorgfältigen auswahl ihrer titel. die trader hier an board machen ja alles mechanisch nach signalen und fertig ;-)

Forexyman
16.02.2007, 19:18
die fundis haben nicht nur genug zu tun tun mit moneten zählen, sondern auch mit der sorgfältigen auswahl ihrer titel. die trader hier an board machen ja alles mechanisch nach signalen und fertig ;-)

Hallo Matze

dann weißt Du ja viel mehr als die Leute im Board))))
dann leg Du mal los nehme ein Unternehmen vor der nach Deinen
Geschmack Fundamental nächste Zeit etwas zu bieten hat und informiere uns doch ein wenig darüber

Viele Grüsse

GoldDigger
19.02.2007, 14:26
Mit der Frage, ob man nach der Fundamental- oder Technischen-Analyse handeln sollte, wollen wir hier nicht weiter diskutieren. Dazu gibt es schon genug Threads.

Dem ursprünglichen Threadbeginnt von Gordon ist meine Ansicht nur noch hinzu zu fügen, dass auch Leute, die beide Ansätze vereinen hier willkommen sind, alle anderen sich natürlich auch willkommen, sie sollten sich nur dadran erinnern, dass sich hier alles um die Fundamentalanalyse handeln soll.

Ihr könnt ja mal erklären wir ihr technische und fundamentale Analyse verbindet. Ich kann z.B. gut vorstellen, dass man die Fundamentalanalyse für die Auswahl von Unternehmen nutzt und dann mit der technischen Analyse Timeingsingale bekommt.
Leider habe ich mit der technischen Analyse noch nicht viel zu tun gehabt und möchte deshalb auch keine weiteren Vermutungen anstellen.

KGV

Von den Kennzahlen die hier am verbreitetsten sind halte ich das KGV für das beste, wobei dieses mit den zukünftig erwarteten Gewinnen errechnet werden sollte. Aber genau da liegt ja das Problem, es ist nicht einfach die zukünftigen Gewinne zu schätzen.
Das Problem des KGV ist jedoch, dass es sich leicht manipulieren lässt, z.B. kann ein Unternehmen die Forschungsaufgaben kürzen, dadurch würde sich der kurzfristige Gewinn steigern, jedoch würde die Kürzungen katastrophale Auswirkungen auf die Gewinne in der Zukunft haben.
Deshalb sollte man, wenn man das KGV als stärkstes Bewertungskriterium zur Analyse heranzieht, sich genau ansehen wodurch die Gewinne erwirtschaftet wurden.
Um das Risiko auf solche Manipulationen hereinzufallen zu verringern, lohnt es sich noch anderen Kriterien zur Analyse heranzuziehen.

MfG
GoldDigger

GoldDigger
11.03.2007, 13:48
Nachdem ich das KGV vorgestellt habe, das sich zur Bewertung des gerechtfertigten Preises für eine Aktie heranziehen lässt, möchte ich nun eine weitere Kennzahl vorstellen, den ROIC.

Mit dieser Kennzahl lässt sich die Profitabilität eines Unternehmens ausdrücken.

ROIC = Return On Invested Capital = Gesamtkapitalrendite

Den ROIC erhält man, wenn man den NOPAT durch das investierte Kapital teilt.

NOPAT = Net Operatin Profit After Taxes = operativer Gewinn nach Steuern

Den NOPAT erhält man, wenn man vom Umsatzerlös die Herstellungskosten, die Abschreibungen, die Vertriebskosten und die Verwaltungskosten abzieht.

Der Vorteil des ROICs gegenüber anderer Kennzahlen ist, dass die Aufmerksamkeit auf die tatsächlichen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens lenkt.
Z.B. ist das Problem der Eigenkapitalrendite, dass sie die Leistungsfähigkeit mit der Finanzstruktur des Unternehmens vermischt.

MfG
GoldDigger