Vollständige Version anzeigen : Ineffizienzen der Märkte
Gordon Gecko
05.04.2002, 13:16
Als ich den Nemax Thread (mit Verdopplung gelesen habe) kam mir ein Gedanke.
Es ist doch so, dass in effizienten Märkten durch Spekulation im Schnitt kein Geld zu machen ist. (Also zumindest der normale Analgezins nicht geschlagen wird). Daher suchen Spekulanten nach Ineffizienzen in den Märkten.
Der meiner Meinung nach ineffizienteste Index ist der Nemax. Dennoch nutzen die meisten von uns die Nasdaq!
Warum? Sollte man eventuell versuchen die Fehler der Nemax-Zocker genau zu analysieren und dann evtl mit Hilfe von Level 2 für sich nutzen?
Hat das schon jemand versucht?
Gruss Gecko
BrokerMaster II
05.04.2002, 13:46
interessant!
aber wie unterscheidest du einen effizienten und einen uneffizienten markt?
wanderer
05.04.2002, 15:35
Mehrere Gründe:
Der Nemax mag ineffizient sein. Für Day oder Swing Trader sind aber die extremen Schwankungen, die der Nemax öfters mal an den Tag legt, auch ein nicht zu verachtendes Risiko.
Die Volatiliät vieler Einzelwerte ist außerdem noch ungleich höher als die des Index. Da ist mit Optionen nicht mehr viel zu holen...
Außer man verkauft sie. Aber auf den Nemax oder Neuer Markt Werte? Ich weiß nicht, wie es da an der Eurex aussieht, aber wahrscheinlich nicht gerade übertrieben gut.
Man müßte wohl v.a. den Index selbst handeln, da die Umsätze vieler Unternehmen mit "illiquide" beinahe noch übertrieben gut beschrieben sind.
Es verbleiben also nur eine Hand voll handelbarer Einzelwerte und der Index, der ebenfalls stark von einigen wenigen Werten abhängt.
Dummerweise kann man in den Einzelwerten nicht short gehen. Das schränkt die Handelsmöglichkeiten weiter ein. Außer über Optionen. Aber Angebot und Volatilität sprechen da wohl eher dagegen. ;)
Wie definierst Du einen ineffizienten Markt? Ein Markt, in dem durch Preisineffizienzen mit Spekulation Geld verdient werden kann? Und wie mißt Du das dann?
Und was meinst Du mit Anlagezins? In effizienten Märkten wird im arithmetischen Mittel durch Spekulation (ohne Berücksichtigung der Transaktionskosten) nicht mehr oder weniger Geld verdient als durch langfristige Anlage in diesem Markt (zum Thema langfristig siehe meine Signatur). Das heißt aber nicht, daß kein Geld zu machen ist. Viele verdienen und andere verlieren. Aber der erwartete Ertrag durch Spekulation ist genau so hoch wie der aus langfristiger Anlage (immer noch ohne Berücksichtigung der Transaktionskosten).
Selbst wenn ein Markt ineffizient ist, muß man zum Geldverdienen noch richtig liegen. Beim Nemax scheint es schwerer zu sein, als bei der Nasdaq (schließe ich aus den Kommentaren hier im Board).
Oh, und ich habe noch etwas vergessen: Für die Nasdaq gibt es gute Realtime-Kurse, Nachrichten, Analysen, Unternehmensbeschreibungen und Finanzdaten in kürzester Reichweite. Für den Nemax sind viele Daten nicht ganz so einfach zu erhalten.
Eines noch: Wenn Du eine Möglichkeit findest, die Ineffizienzen im Nemax zu Deinen Gunsten auszunutzen, dann ist das sicher sehr profitabel. Die Konkurrenz dürfte deutlich geringer sein als an der Nasdaq... ;)
Grüße
wanderer
Dawnrazor
05.04.2002, 16:05
Meine Meinung zu den deutschen Märkten: am ineffizientesten ist der Optionsschein-Markt. Darunter würde ich die Auslandsaktien einstufen, dann die meisten anderen Aktien, und ganz unten die Dax-Werte.
Wenn jemand eine wirkliche Ineffizienz gefunden hat, dann wird er den Teufel tun, sie öffentlich bekannt zu machen, solange sie funktioniert.
Z.B. hat es in der Blütezeit des NM wunderbar funktioniert, eine Aktie kurz vor der Aufnahme in den Nemax 50 zu kaufen und in der Schlußauktion mit deutlichem und fast garantierten Gewinn zu verkaufen, wenn die indexorientierten Fonds einsteigen. Ich hatte das bei meiner eigenen Suche nach Marktineffizienzen entdeckt, zweimal mitgemacht (Indexänderungen werden ja leider nur vierteljährlich vorgenommen) und wie ein Grab darüber geschwiegen. Dann hat es wie die meisten Ineffizienzen irgendwann nicht mehr funktioniert, und mittlerweile fällt der Kurs zur Schlußauktion sogar meistens. :rolleyes:
wanderer
05.04.2002, 16:28
Dem kann ich nur zustimmen.
Auf die Auslandsaktien habe ich bislang nicht so geachtet, sollte ich in Zukunft wohl machen. :)
Den meisten Marktineffizienzen geht es so. Stimmt nicht, früher oder später geht es allen so. Ein anderes Beispiel ist der Januareffekt bei kleineren Kapitalgesellschaften. Sobald der mal untersucht und veröffentlicht war, verschwand er auch schon...
Genau dasselbe bei der Indexaufnahme. Seit zwei Jahrén gibt es auch in Deutschland wissenschaftliche Untersuchungen dazu (v.a. Dax), und bevor die richtig veröffentlicht waren, verschwindet der Effekt auch schon. Ich vermute, daß dabei zwei Elemente eine Rolle spielen:
1. Wenn es veröffentlicht ist, dann weiß es jeder und handelt entsprechen, und wichtiger,
2. Wenn die Zeitungen oder die Wissenschaft auf so etwas stößt, dann hat es der Rest des Marktes schon lange entdeckt, und bis die Zeitungen es merken, handelt eh schon der ganze Markt danach.
Und wenn alle danach handeln, dann verschwindet die Ineffizienz.
Deshalb ist der Tipp von Dawn der beste überhaupt:
Wenn Du solche Ineffizienzen entdeckst, dann schweige wie ein Grab und nutze sie. Sie verschwinden ohnehin schnell genug...
Grüße
wanderer
Die erfolgreichsten Trader, die ich kenne, machen das meiste Geld am Nemax mit Ineffizienzen. Darüber wird halt nur nicht viel gesprochen, da Ineffizienzen nur solange etwas bringen, wie das kein anderer merkt.
Das gute an Ineffizienzen ist das geringe Risiko und die hohe Trefferquote (meist über 80 und oft über 90%). Nachteil ist halt, dass man immer neue finden muss, da sie sich nicht sehr lange halten.
Ich kenne einen Trader, der handelt seit Jahren fast nur Nemax Werte und macht so gut wie nie Verlustrades. Ernsthaft, so gut wie nie.
Einen Tag pro Woche macht er keinen Gewinn. Der lacht mich immer aus, wenn ich mit Charttechnik kommme und komplexen Strategien, weil er sagt, dass das alles Blödsinn ist, solange das Geld doch auf der Strasse liegt.
Das krasse ist, der handelt noch nicht mal immer die gleichen Aktien, sondern meist immer andere.
Was sind Ineffizienzen ???? Wie werden sie definiert ???
Jeder Einzelkurs ist eine Tatsache !!!! Somit kann ein Kurs weder effizient noch ineffizient sein !!!
Ein ineffizienter Markt ist der deutsche dennoch , da es viele Regionalbörsen gibt auf denen man manchmal Aktien fast risikolos zu Kursen kaufen kann , die bei sofortigem Verkauf an einer anderen Börse einen Gewinn garantieren .
Ca$hmandt
06.04.2002, 06:52
ja erklärt das ganze doch mal etwas ausführlicher.
Gordon Gecko
07.04.2002, 12:13
also mit Ineffizienzen meinte ich jetzt garnicht nur die Arbitragemöglichkeit zwischen Regionalbörsen, von der ich übrigens nicht besonders überzeugt bin, sondern, dass news z.B. zeitverzögert verarbeitet werden, dass sie in mehreren Teilschritten, evtl übertrieben, verarbeitet werden usw.
Oder dass man im Level II evtl die Anfänger erkennt, denen man die Hosen ausziehen kann.
Gruss Gecko
BrokerMaster II
07.04.2002, 17:03
über falsches pricing bei os:
http://www.aktienboard.com/vb/columne.php?author=2&columne=6&action=show
GordonGecko,
genau das meinte ich auch. Aber Arbitrage gehört dennoch auch dazu. Selbst zwischen Xetra und FFM.
Für alle, die mehr zum Thema wissen möchten, hier wohl das beste Buch dazu (siehe Bild). Ich habe es mir mal zu etwa dreiviertel durchgelesen und finde äusserst lesenswert und aufschlussreich.
Letztendlich bedeutet ineffizent, dass die Marktteilnehmer nicht rational sondern eben irrational handeln, die Kurse also nicht unbedingt durch "faires" Angebot und "faire" nachfrage entstehen und dass also emotional gehandelt wird und Manipulation an der Tagesordnung ist.
Die klassische Wirtschaftswissenschaft geht vom idealen Markt aus, dass eben jegliche Inforamtion für jeden Teilnehmer quasi gleichzeit verfügbar ist und jeder rational nach diesen Infos und News handelt ohne Panik und Gier zu verspüren! Ineffiziente Märkte sind dann quasi das Gegenteil.
Hi!
Eines der bedeutendsten Beispiele in neuerer Zeit bezüglich Ineffizenz an Märkten dürften die SOES-Bandits oder auch die Island-Boys sein. Aber das nur mal so...
Eine weitere Ineffizenz dürfte wohl die extreme Abhängigkeit der dt. Indizes von den US-Indizes bzw. Futures darstellen; insbes. exakt bei der Eröffnung um 15.30 Uhr.
Während der Blütezeit der Baisse (hey, cooler Vergleich ;) ) hatte ich z.B. Broadvision in Deutschland kurz vor 15.30 Uhr immer gekauft, da diese immer massiv nach unten übertrieben hatten um sie quasi schlagartig mit dem Eröffnen der US-Börsen mit gutem Gewinn zu verkaufen. Das Besondere an Broadvission war, dass diese sich sowohl im Nemax50 wie auch im Nasda100 befanden. Dadurch war an beiden Börsen sehr hoher Umsatz zu verzeichnen was diesen Wert sehr sehr interessant machte und direkt umzurechenen war. :)
cu
seeker
Turtletrader
07.04.2002, 21:13
... "Die klassische Wirtschaftswissenschaft geht vom idealen Markt aus" .... Die Betonung liegt auf "Wissenschaft". Wissenschaftler gehen gerne von Modellen aus, der ideale = effiziente Markt ist ein solches. Modelle bilden aber in den seltesten Fällen die Realität hinreichend genau ab, sondern beleuchten meist nur bestimmte Aspekte der Realität. So auch bei den Finanzmärkten. Sicherlich steckt in der "effiziente Märktetheorie" viel an Wahrheit - aber sie ist sicherlich nicht die "letzte" Wahrheit.
Ich persönlich glaube nicht an absolute Wahrheiten - also nicht an Schwarz oder Weiß - vielmehr an Grau. Meine eigenen Tradingansätze basieren auf Aspekten der "effizienten Märktetheorie", zum Beispiel daß Märkte meistens nicht prognostizierbar sind - aber trotzdem gibt es von Zeit zur Zeit Situationen in "effizienten" Märkten, die auf einer prognostizierbaren Reaktion von Massen basiert. Und das sollte ein guter Trader zu seinem Vorteil nutzen.
Turtletrader
Ca$hmandt
08.04.2002, 00:29
Was bitte ist levelII ? :confused:
wanderer
08.04.2002, 14:03
@ jaiko
KURSE (v.a. Einzelkurse) sind auch nicht ineffizient. Kurse sind einfach nur Kurse.
MÄRKTE sind ineffizient, d.h. die PreisFINDUNG (also das Zustandekommen der Preise) auf einem Markt ist nicht effizient.
Zur Veranschaulichung ein Beispiel:
Wenn Cisco in Deutschland an einer Börse zu 25 Euro gehandelt wird, dann ist das nicht ineffizient. Wenn man aber Cisco zur gleichen Zeit an der Nasdaq zu umgerechnet 23 Euro kaufen kann, dann ist die Preisbildung an der deutschen Börse ineffizient, da sie Arbitragemöglichkeite (Ich kann Cisco in den USA für 23 Euro kaufen und sofort inDeutschland für 25 Euro verkaufen) eröffnet . Effiziente Märkte tun dies nicht.
Es gibt noch weitere Aspekte, die einen effizienten Markt ausmachen, aber dieses Beispiel dürfte ausreichen, um Ineffizienzen zu verdeutlichen. Und das Wort Arbitrage ist hier im Thread auch schon gefallen, dashalb dieses Beispiel.
Grüße
wanderer
wanderer
08.04.2002, 14:15
Wissenschaft versucht eben, die Märkte zu beschreiben bzw. deren Wirkungsweise und Preisfindung zu erlären. Für die Verwendung der Kapitalmarktmodelle in anderen Modellen müssen diese hinreichend einfach sein, deshalb werden vereinfachende Annahmen getroffen bzw. eben näherungweise zutreffende Modelle genommen. Abweichungen, die nur ein paar Mal in hundert Jahren vorkommen und vom Modell nicht erklärt werden können, fallen dabei normalerweise noch unter hinreichend genau.
Für die meisten Zwecke ist die "effiziente Märktetheorie" deshalb die beste einfachste Annahme, die die tatsächlichen Vorgänge hinreichend genau beschreibt. Sie ist es oft NICHT, wenn man versucht, an der Börse Geld zu verdienen.
Dazu zählen meiner Meinung nach auch passive Strategien. Die mögen in den USA funktionieren, da es dort relativ einfach ist, "den Markt" abzubilden; man nimmt einfach den S&P 500. Aber in Deutschland, oder besser Europa? Welchen Index nehme ich denn da? Den Dax? Den EuroStoxx? Oder gleich den MSCI World? Aber der ist leider etwas US-lastig. Man muß sich also auf jeden Fall eine Portfolio-Aufteilung überlegen, und das ist bereits keine rein passive Strategie mehr.
Grüße
wanderer
Im weiteren Sinne wäre eine Ineffizienz aber auch, dass man eher Werte mit niedrigen KGV's kaufen soll und damit bessere Renditen macht als mit Aktien mit hohen KGV's bzw. bessere Renditen als der entsprechende Markt.
wanderer
08.04.2002, 14:41
Ja. Existieren Strategien, egal welcher Art, mit denen eine bessere Rendite als die Marktrendite erzeitl werden kann, dann spricht man normalerweise von Ineffizienzen.
Grüße
wanderer
Ich glaube aber, dass es Gordon Gecko in der Eingangsfrage ausschliesslich um kurzfristige Ineffizienzen geht.
Gordon Gecko
12.04.2002, 13:49
Stimmt, ich dachte an die kurzfristigen Ineffizienzen. Aber @wanderer, echt gut beschrieben! Sobald es Strategien gibt, die die Marktrendite schlagen, bedeutet das, dass Ineffizienzen vorliegen.
Von mittel bis langfristigen Strategien bin ich ja immer noch nicht so überzeugt.
Gruss Gecko
besserweis
24.04.2002, 17:53
Ich stelle einfach mal ein These auf:
Der Markt ist dann am effizientesten, wenn es darum geht negative Fakts und News zu verarbeiten.
Die Folge ist, achte geau auf das was Dir die Suppe verzalzen kann.
Gruß
bw
Gordon Gecko
28.04.2002, 10:23
Was willst du damit sagen besserweis?
Ich denke gerade beim verarbeiten von News treten Ineffizienzen auf, dadurch, dass z.B. regelmässig übertrieben wird, oder ...
Gruss Gecko
besserweis
28.04.2002, 23:31
@Gordon,
wieso ??
Ich verbinde Ineffizienz nicht mit Übertreibung.
Ich behaupte Übertreibung ist ein effizientes Mittel, einer fairen Preisfindung.
Damit ist es keine Ineffizienz.
Eine negative Nachricht muss Folgen haben. Der Markt reagiert effizient.
Ich muss einem Käufer evt. über einen stark gefallenen Preis einen Anreiz schaffen, ein Wertpapier wieder zu kaufen und finde dann wieder ein ausgewogenes Verhältniss von Käufern zu Verkäufern.
Wo ist hier die Ineffizienz?
Ich finde sie nicht.
(In dieser Annahme ist ein gravierender Fehler, denn es wird etwas nicht berücksichtigt.)
Ich reduziere im Moment die Ansicht auf eine Seite, um heraus zu finden, ob man über Effizienz oder Ineffizienz im Markt zu einem Ergebnis kommen kann, was hilft Gewinne zu erzielen.
Du machst einen Schluss der in etwa so aussieht.
Verarbeiten von News = Ineffizienz = Übertreibung.
@Gordon Gecko,
wenn Du das so siehtst würdest Du es so stehen lassen??
Gruß
bw
Gordon Gecko
28.04.2002, 23:52
kann man so sehen wie du das schreibst besserweis. Geht man allerdings von der Definition "effizienter Märkte aus" so heisst das nunmal, dass alle Informationen KORREKT eingepreist sind.
Ineffizienzen haben wir dann, wenn Informationen entweder nur zum Teil eingepreist sind, da nicht jeder die Information hat (Insiderwissen), oder Informationen falsch verarbeitet wurden, was sich entweder in Übertreibungen oder stufenweiser Einarbeitung (kurzfristiger Untertreibung) äussert.
Den Schluss den du mir vor die Füsse wirfst, würde ich daher nicht ziehen. Verarbeiten von News ist auf jedenfall effizient und muss nicht immer zu Ineffizienzen im Markt führen. :D
Puh, das war kompliziert. Ich glaube das einzig effiziente, das ich heute abend noch machen kann ist ins Bett gehn.
Gute Nacht,
Gecko
besserweis
29.04.2002, 16:45
@GG,
Du verstehst also auch unter einem effizienten Markt, das nach bekanntwerden einer Nachricht der nächste Preis der Faire ist.
(ich meinte ja oben ist noch ein gravierender Fehler drin)
Jetzt haben aber nicht alle die selbe Information zur selben Zeit.
Außerdem ist je nachdem wie ich eine Nachricht lese, eine negative sowie eine positive Auslegung oftmals möglich.
Da ich aber feststelle, nicht alle Teilnehmer haben die selbe Information und nicht alle legen sie gleich aus, müsste der Markt zu langsam reagieren.
Warum passiert genau das Gegenteil? Wo ist der Denkfehler?
Oder ist der Markt widerum nicht ineffizient sonder effizient.
Das würde bedeuten man könnte hier den Verbreitungsgrad einer Information und die Auslegung einer Nachricht an den Kursen ablesen.
Im Rückschluss wäre der Markt an sich wiederum effizient nur die Teilnehmer sind es nicht.
Gruß
bw
@bw
Der Hauptgrund für die Ineffizienz der Märkte liegt in meinen Augen darin begründet, dass die Emoitionen insbes. bei News Überhand nehmen (Euphorie/Gier und Panik). Es wird schlicht und ergreifend auf News genau deswegen überzogen reagiert. Ein anderer Grund dürfte sein, dass in vielerlei Hinsicht technisch gehandelt wird also Breakouts geshortet bzw. long genommen werden. Deswegen gibt es genau zu diesen Zeitpunkten kurzfristig extremen Nachfrage- bzw. Angebotsüberhang was zu Übertreibungen führt. Nämlich genau in diesen Momenten wird oftmals nicht mehr auf den Wert geschaut sondern NUR technisch gehandelt was das Zeug hält.
Und eben aus den oben erwähnten Emotionen heraus reagiert der Markt extrem schnell und nicht langsam. Das ist zumindest meine Ansicht. Naja... und manchmal tauscht sich halt der Markt zunächst was zu extrem schnellen abrupten Änderungen der Richtung führen kann (kurz vor und kurz nach einer wichtigen Nachricht).
cu
seeker
P.S. Der Markt sind die Teilnehmer!!!! Ohne Teilnehmer kein Markt.
besserweis
29.04.2002, 17:54
@seeker,
deine Folgerung in kürze bedeutet:
Markt = emotionen = ineffizienz
kann man das kurz so stehen lassen?
Wenn ja dann ist der Markt ineffizient?
Jetzt bewegen wir uns an einer Stelle wo es interessant wird.
Ich stelle eine weitere Behauptung auf.
Der Markt hat keine Emotionen, es ist eine Sache wie eine Tasse Tee.
Die Tasse Tee kann Emotionen erzeugen, aber selbst wird sie nie welche haben. Können wir das als Axiom stehen lassen?
Wenn nicht müsste hier jemand das Gegenteil der Behauptung Beweisen.
Wenn das Axiom bestand hat ist der Schluss von Dir seeker falsch.
Wenn dort oben steht
Marktteilnehmer = emotionen = ineffizienz
Marktteilnehmer = kapazitätsengpass im Hirn = ineffizienz
:dunce:
Dann beuge ich mich und sage, so wird ein Schuh daraus.
Hierin kann man jetzt auch den Erklärungsansatz für die zunächst ungewöhnlich erscheinende Kursfindung im Markt suchen aber es bleibt meiner Ansicht nach keine Ineffizienz des Makrtes.
Ich bleibe dabei die Preisfindung über Angebot und Nachfrage ist effizient!
Evt. so zusammenzufassen:
Markt = Angbot und Nachfrage = effizient
Gruß
bw
@bw
Werde später wohl noch mehr dazu schreiben.
Was ich jedoch JETZT ganz spontan dazu loswerden möchte ist, dass in meinen Augen nicht der Markt in erster Linie Emotionen erzeugt sondern insbes. das Abbild von Emotionen ist - also quasi visualisierte Emotionen... oder so ähnlich... naja... :)
Und dann ist der Markt eben nicht mit einer Tasse Tee vergleichbar... es sei denn du sagst die Tasse Tee ist mit viel Liebe gemacht... ;)
Vielleicht besteht auch das Problem darin wie man nun Effizienz bzw. Ineffizienz definiert; vielleicht gehen hierbei unsere Definitionen leicht auseinander.
cu
seeker
besserweis
29.04.2002, 19:52
@seeker,
wenn es an Begriffsdefinitionen hängt dann suchen wir mal ganz einfach nach welchen.
Hier ein Link der das insgesamt immer wieder recht gut erledigt.
http://wortschatz.informatik.uni-leipzig.de/index.html
Der direkte Link zu Makrt:
http://wortschatz.informatik.uni-leipzig.de/cgi-bin/wort_www.exe?site=1&Wort=Markt&sprache=de&x=87&y=7
Der direkte Link zu Effizienz:
http://wortschatz.informatik.uni-leipzig.de/cgi-bin/wort_www.exe?site=1&Wort=Effizienz&sprache=de
Ich hoffe die Links funktionieren, den Link für Ineffizienz schenke ich mir weil das Antonym direkt bei Effizienz als Link vorhanden ist.
Dann noch effizient als Adjektiv:
http://wortschatz.informatik.uni-leipzig.de/cgi-bin/wort_www.exe?site=1&Wort=effizient&sprache=de
ineffizient auch noch :
http://wortschatz.informatik.uni-leipzig.de/cgi-bin/wort_www.exe?site=1&Wort=ineffizient&sprache=de&x=46&y=12
Damit dürfte der Spielraum bei Begriffsdefinitionen eng genug sein. Oder liege ich falsch??
Gruß
bw
wanderer
29.04.2002, 20:19
Wie wär's mit der Definition, die ich bereits weiter oben (http://www.aktienboard.com/vb/showthread.php?postid=289952#post289952) geschrieben habe?
Existieren Strategien, egal welcher Art, mit denen eine bessere Rendite als die Marktrendite erzielt werden kann, dann spricht man normalerweise von Ineffizienzen.
Das ist eine Definition für Ineffizienzen von Märkten.
Ein Markt, der auf News überreagiert wäre also ineffizient, da eine Strategie existiert, mit der man den Markt outperformen kann.
Wenn der Markt auf News überreagiert, kann man sofort nach der Reaktion eine Position in Gegenrichtung aufbauen, da der Markt seine Überreaktion bekanntermassen wieder korrigiert. Das Zustandekommen der Preise wäre in einem solchen Fall nicht effizient.
Bei einem effizienten Markt gäbe es also kein Überschiessen oder Überreagieren auf News (außer manchmal und zufällig, aber eben nicht systematisch). Das ist auch der Grund, warum die Efficient Markets Hypothesis (Theorie effizienter Märkte) die extremen Boom- und Crash-Phasen nicht wirklich erklären kann und behaupten muß, daß die jeweiligen Kurse "eigentlich schon" zu jedem Zeitpunk rational sind und andere News widerspiegeln (was sich in der Praxis nicht wirklich nachweisen läßt).
Grüße
wanderer
Und das war meine Definition zur (In-)effizienz:
---
Letztendlich bedeutet ineffizent, dass die Marktteilnehmer nicht rational sondern eben irrational handeln, die Kurse also nicht unbedingt durch "faires" Angebot und "faire" Nachfrage entstehen und dass also emotional gehandelt wird und Manipulation an der Tagesordnung ist.
Die klassische Wirtschaftswissenschaft geht vom idealen Markt aus, dass eben jegliche Information für jeden Teilnehmer quasi gleichzeit verfügbar ist und jeder rational nach diesen Infos und News handelt ohne Panik und Gier zu verspüren! Ineffiziente Märkte sind dann quasi das Gegenteil.
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@bw
Übrigens zeigt schon allein dein Signatursatz "Kaufe teuer, verkaufe noch teurer !!!", dass der Markt ineffizient ist!
besserweis
29.04.2002, 20:54
Tja,
dann gebe ich Euch, @seeker und @wanderer jetzt recht und fordere Euch auf die Ineffizienzen festzunageln und zu zeigen wo sie sind und wie sie zu behandeln sind.
Gruß
bw
wanderer
29.04.2002, 21:08
Erstens habe ich nur gesagt, wann Ineffizienzen vorliegen, nicht daß.
Und zweitens verschenke ich ungern Lizenzen zum Gelddrucken. ;) Außerdem verschwinden Ineffizienzen, die bekannt sind, relativ schnell.
Aber ein Beispiel für eine Ineffizienz, die lange Bestand hatte, aber inzwischen verschwunden ist: Der Klaendereffekt bei Small Caps. Small Caps stiegen jahrelang (ca. 1960-70 bis Anfang der 90er) in den ersten Tagen eines Jahres relativ stark. Nachdem inzwischen viele Untersuchungen über diesen Effekt veröffentlicht wurde, ist er leider verschwunden.
Grüße
wanderer
@bw
Hehe, wenn das so einfach wäre... :)
cu
seeker
besserweis
29.04.2002, 22:56
@seeker,
wir sind uns ja schon einig, dass Ineffizienzen durch Marktteilnehmer ausgelöst oder gemacht werden.
Der Makrt an sich kann nix dafür.
Um Ineffizienzen aufzudecken brauchst Du jetzt eigentlich nur mal ins Formum US Börsen - Nasdaq (el) zu sehen.
Selten gesehen, das so viele so heftig daneben liegen.
(Fast wie Feb. März 2000)
:D
Das sieht fast danach aus als wäre Methode dahinter.
Ein Fall für Dawnrazor Holmes :) !
Einstiegspunkte werden fast Punktgenau auf Kurse gesetzt an denen die Werte drehen und in den Fall übergehen.
Ausstiege oder Shortpositionen werden dort empfohlen wo die Werte fast konsolidiert haben.
Woran liegts ?
Gezielte Desinformation, oder doch ein Wandel im Markt der dazu führt, das das was zwei Jahre lang gültig war im Moment auf den Kopf gestellt wird.
So wie Wanderer sagt, je mehr sich mit Gegebenheiten oder vermeintlichen Ineffizienzen der Marktteilnehmer beschäftigen und auch je mehr versuchen diese zu Nutzen desto mehr verkehren sich die Vorzeichen ?
Ziemlich interessant finde ich zumindest.
Übrigens nicht das das hier in den falschen Hals kommt, ich will hier auf gar keinen Fall unterstellen, das jemand absichtlich versucht die Leser hier in irgend was reinzureiten.
Gruß
bw
Man kann es wohl auch
Selfdestroying Profecy
nennen. :)
cu
seeker