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Vollständige Version anzeigen : Stammzellen-Import genehmigt


biotech-pro.de
26-04-2002, 13:37
Mit einer Mehrheit von 360 Ja-Stimmen, bei 190 Ablehnungen und neun Enthaltungen, wurde heute vom Deutschen Bundestag das Gesetz über den Import embryonaler Stammzellen verabschiedet.
Die Auflagen unter denen ein Import erlaubt wird sehen vor, dass nur bestehende Stammzelllinien, aus überschüssigen Embryonen eingeführt werden dürfen. Es wird eine dem Gesundheitsministerium unterstellte Kontrollbehörde eingerichtet werden, die jede beantragte Einfuhr prüfen und genehmigen muss. In ihre Entscheidung miteinbeziehen muss die Behörde auch Meinung einer ebenfalls einzurichtenden Zentralen Ethikkommission, bestehend aus Experten aus Biologie, Ethik, Medizin und Theologie. Hierfür in Frage kämen das Robert-Koch-Institut oder das Paul-Ehrlich-Institut.

Luna
19-01-2003, 18:58
Was sind Stammzellen:

Stammzellen sind ursprüngliche Zellen mit zwei besonderen Fähigkeiten: Sie können sich einerseits endlos teilen und neue Stammzellen bilden, andererseits können sie sich spezialisieren. Das heisst, sie können zu den verschiedenen Zelltypen (z.B. Herz-, Muskel- oder Leberzellen) ausreifen und so die unterschiedlichen Gewebe und Organe bilden.

Aufgabe der Stammzellen:

Die Aufgabe von Stammzellen ist es nicht, selbst eine bestimmte Funktion auszuführen. Sie entwickeln sich lediglich zu den dafür spezialisierten Zellen.
Im menschlichen Körper gibt es verschiedene Typen von Stammzellen. Das bekannteste Beispiel sind die sog. hämatopietischen Stammzellen (Blutbildungszellen) im Knochenmark, die sämtliche Zellen des Blutes wie z.B. rote und weiße Blutkörperchen neu bilden. Aber auch in anderen Organen wie z.B. in der Haut und im Darm kommen Stammzellen vor, die laufend absterbende Zellen in diesen Geweben ersetzen und die Wundheilung ermöglichen. Nach heutigem Wissen gibt es im Herz und im Hirn nur wenige oder gar keine Stammzellen, weshalb ein Verschleiss oder eine Verletzung nicht vom Organismus selbst repariert werden kann.
Forscher streben an, bei verletzten, erkrankten oder vorzeitig abgenützten Geweben oder Organen Stammzellen zu transplantieren. Das Ziel ist, geschädigte Organe durch ausserhalb des Körpers gezüchtete, passende Zellen reparieren oder ersetzen zu können. Derzeit ist aber noch unklar, welche Faktoren Stammzellen dazu veranlassen, sich in eine bestimmte Richtung zu spezialisieren.

Gewinnungsmöglichkeiten für Stammzellen:

http://www.i-s-b.org/wissen/broschuere/35g.gif

Embryonale Stammzellen:
Stammzellen aus sehr frühen Stadien des Embryos sind in ihrer Funktion noch in keiner Weise festgelegt. Aus ihnen kann praktisch jeder der rund 200 verschiedenen Zelltypen und somit jedes Gewebe des menschlichen Körpers hervorgehen. Embryonale Stammzellen werden hauptsächlich aus überzähligen Embryonen im Zuge künstlicher Befruchtungen oder aus dem Gewebe abgetriebener Föten gewonnen.

Erwachsenen-Stammzellen (adulte Stammzellen):
Erwachsenen-Stammzellen findet man im Knochenmark, im Blut und in verschiedenen Organen wie z.B. Knochen, Knorpel, Haut und Darm. Sie sind nicht mehr so flexibel wie embryonale Stammzellen, sondern entwickeln sich zu den Zelltypen "ihres" jeweiligen Organs, in dem sie bereits vorspezialisiert wurden.
Hier gab es allerdings einen Durchbruch in der Forschung: Stammzellen des Knochenmarks aus denen sich normalerweise Blutzellen entwickeln wurden so behandelt, dass sich daraus Nervenzellen entwickelten. Allerdings sind die Bedingungen und Faktoren, die ein Um-programmieren ermöglichen, derzeit noch nicht geklärt.
Bei der Transplantation von Erwachsenen-Stammzellen besteht ein gewisses Risiko, dass die Zellen Viren enthalten, die vom Spender auf den Empfänger übertragen werden können. Ausserdem besteht die Möglichkeit einer Abstoßungsreaktion.

Stammzellen durch Therapeutisches Klonen:

http://www.g-o.de/kap4a/bilder/ethik17g.jpg

Das Therapeutische Klonen dient nicht der Züchtung eines geklonten Menschen, sondern der Gewinnung von embryonalen Stammzellen. Durch Klonierung können Stammzellen produziert werden, die mit dem Spender eines Zellkerns genetisch identisch sind. Gewebe und Organe die aus ihnen entstehen, werden daher von seinem Immunsystem nicht abgestoßen.
Beim Therapeutischen Klonen wird dem späteren Empfänger eines Transplantats eine Körperzelle entnommen und mit der entkernten Eizelle einer Spenderin verschmolzen. Diese Technik wurde erstmals bei der Klonierung des Schafs Dolly angewendet. Die Eizelle entwickelt sich nun wie eine normale befruchtete Eizelle und teilt sich.
Im Blastozytenstadium, besteht der Embryo aus nur wenigen Zellen, diese sind jedoch embryonale Stammzellen, das heißt, sie können sich noch zu allen menschlichen Zelltypen ausdifferenzieren. Diese Zellen werden entnommen und in speziellen Kulturmedien dazu gebracht, sich zu dem jeweils gewünschten Zelltyp oder Gewebe zu entwickeln.
Diese können nun, so die Vorstellung der Genforscher, dem Spender der Körperzelle wieder implantiert werden und damit eigene kranke oder abgestorbene Zellen oder Gewebe, wie beispielsweise Herzmuskelgewebe bei Infarktpatienten, ersetzen.

Stammzellen aus Nabelschnurblut:
Als relativ neue und vielseitige Quelle verschiedener Stammzellen gilt das Nabelschnurblut. Nachteil: Diese Zellen sind schon geringfügig geprägt, entsprechen aber noch am ehesten den Embryonalen Stammzellen. Sie können das gesamte blutbildende System des Menschen neu aufbauen. Stammzellen aus Nabelschnurblut sind flexibler als Erwachsenen-Stammzellen, sind noch frei von möglicherweise krankmachenden Viren.

Der medizinische Nutzen:

Die Fähigkeit der Stammzellen, verschiedene Gewebe bzw. Organe zu bilden, weckt grosse Hoffnungen, in Patienten fehlende Zelltypen nachwachsen zu lassen bzw. die benötigten Zellen im Labor vorzuzüchten und dem Patienten zu implantieren.
Beim Menschen werden Blutstammzellen aus Knochenmark oder aus Blut bereits bei Krebspatienten nach Chemo- oder Strahlentherapien sowie zur Behandlung von Leukämie eingesetzt. Hoffnungen bestehen weiter, verschiedene Krankheiten wie Rheuma, Diabetes, Herzerkrankungen, verschiedene Bluterkrankungen, Parkinson, Alzheimer und Multiple Sklerose durch entsprechende Stammzell-Transplantationen heilen zu können.
Forscher erhoffen sich, mit Hilfe von Stammzellen die Wirkung von Medikamenten auf verschiedene Zelltypen besser und mit weniger Tierversuchen als bisher erforschen zu können.

Der ethische Punkt:

Die Verwendung embryonaler Stammzellen ist mit ethischen Problemen verknüpft, weil sie theoretisch das Potenzial haben, einen vollständigen Menschen hervorzubringen.
Auch die Herkunft Embryonaler Stammzellen ob sie nun aus "überschüssigen", abgetriebenen oder speziell für diesen Zweck geklonten Embryonen gewonnen werden ist in jedem Fall ethisch bedenklich. Deshalb gilt es sorgfältig abzuwägen zwischen der Würde und dem Schutz jedes menschlichen Individuums und der Heilung schwerster, bislang meist unheilbarer Krankheiten.
Es ist weltweit verboten, aus embryonalen Stammzellen einen Menschen heranzuziehen.
Unterschiedlicher ist die rechtliche Situation in verschiedenen Ländern bei der Frage, ob menschliche Embryonen für die Gewinnung embryonaler Stammzellen geklont werden dürfen. Auch der Embryo steht nach der Rechtsordnung vieler Länder von Beginn an unter dem Schutz der menschlichen Würde. Dies gilt aber nicht für alle Länder und muss deshalb international diskutiert werden. Das derzeitige Recht in den USA sieht kein Verbot der Entnahme von Stammzellen aus menschlichen Embryonen vor. Der Staat stellt aber für Forschung, die einem menschlichen Embryo schadet, keine Bundesmittel zur Verfügung.

Schneewittchen
19-01-2003, 19:56
@luna

klasse beitrag, .. sachlich, unparteiisch, gute Bilder .. den kann ich so übernehmen..., hast mir echt arbeit gespart :)
:eek: Wer sich damit beschäftigt, erkennt den Nutzen dieser Geschichte schnell an .
:eek: Für mich bleibt echt die Frage, warum man hierzulande stammzellen einführt, aber abgetriebene Embryonen als biomüll wegwirft... vermisse da die Logik, die Ethik, die Wirtschaftlichkeit..
:eek: übrigens.. Erinnert mich an's Mittelalter, als man verbotenerweise geklaute Laichen untersucht hat, um dem lebendigen Menschen zu helfen.

gruß
sw

Big AL
19-01-2003, 21:49
Super Beitrag Luna, ! :)

Sehr interessant was alles noch möglich sein wird...

...Karma für dich! ;)


Greets

Big AL

Luna
19-01-2003, 21:57
Besten Dank :D

Ein führendes Unternehmen ist Geron (NASDAQ: GERN). Geron ist auch mit der Forschung an embryonalen Stammzellen beschäftigt. Das Unternehmen besitzt sieben eigene Stammzellinien , mehr als jede andere Firma. Bestehende Partnerschaften mit nahmhaften Firmen deuten auf grosses Interesse bezüglich der hervorragenden Perspektiven und dem Zukunftspotential des Unternehmens
:( Geron besitzt jedoch noch kein operatives Geschäft, kann aber wichtige Patente aufweisen, :) die sich im Laufe der Zeit als wertvoll erweisen könnten.

Vielleicht noch etwas früh um einzusteigen. Die Burn-Rate des Unternehmens ist nicht gerade hoch, daher ein Investment oberspekulativ .

Big AL
19-01-2003, 22:06
Ich habe GERN auch schon länger auf der WL als potentiellen Long-Breakout. Der Wert hielt sich ziemlich lange über 3,5$, was einen Bodenbildungsprozess begünstigt hat. Nun sieht es seit zwei Wochen doch nach einem Durchbruch nach unten auf neue AllTimeLows aus. Entweder wird hier durch die weiter schwachen Umsätze eine Bärenfalle gebildet oder der Wert entwickelt sich tatsächlich zum Top-Shortselling-Kandidat bis auf weiteres.

Da GERN als Biotech-Stock sehr newsanfällig ist, kann ein Short-Investment sehr gefährlich sein, da nur eine positive News nötig ist, um ihn zurück an die GD100 zu reissen.

Bin gespannt, wann es hier fundamental zu Impulsen kommt... :rolleyes:


Greets

Big AL