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UMTS- das milliardending
im juni werden in deutschland neue mobilfunk-lizenzen versteigert - ein milliardengeschäft. mit den richtigen aktien bieten anleger schon heute mit. FINANZEN verrät die gewinner von morgen.
vor gut zehn jahren, im september 1989, erhielt ein konsortium unter führung des mischkonzerns mannesmann die lizenz zum betrieb des mobilfunknetzes d2. das digitale netz der 2. generation (2G) löste den analogen mobilfunk, die c-netze ab.
eine lizenz zum gelddrucken, urteilten damals viele beobachter. doch welches ausmaß der mobilfunk einmal annehmen würde, ahnte damals nicht einmal der kühnste optimist. vor zehn jahren brachte es mannesmann auf einen börsenwert von 3,5 milliarden euro. vor wenigen wochen zahlte der englische konkurrent vodafone airtouch freiwillig mehr als das 50fache für alle mannesmann aktien. vor 10 jahren war robert vinall erst 16 jahre alt. err büffelte auf dem internat im englischen horsham, sussex, und dachte nicht über mannesmann, mobilfunk und aktien nach. doch heute ist es anders. vinall arbeitet als telekommunikationsanalyst bei der dg-bank in frankfurt. und die neue chance bei mobilfunkaktien will er nicht verpassen.
denn die mobilfunk-industrie ist wieder im wandel. die im weihnachtsgeschäft ausverkauften wap-handys signalisieren nur allzu deutlich, daß die kunden mehr wollen als nur telefonieren. sie wollen kommunizieren, im internet surfen, e-mails verschicken. das handy, so haben es trendforscher bereits vorausgesagt, entwickelt sich zu der mobilen kommunikationseinheit. und wap-handys sind nur der vorgeschmack.
in den nächsten wochen und monaten werden europaweit die weichen für den mobilfunk der 3.generation (3G) gestellt. die behörden vergeben mobilfunk-lizenzen für UMTS-netze. hinter den 4 buchstaben UMTS, die für "Universal Mobile Telecommunication System" stehen, vermuten investoren nun erneut eine lizenz zum gelddrucken. denn die neuen netze unterscheiden sich dramatisch von den bisher betriebenen. sie sind leistungsfähiger und erlauben die übertragung hoher datenmengen. "der palette von anwendungsmöglichkeiten sind nur durch sie phantasie der anbieter, aber nicht durch die technologie grenzen gesetzt", freut sich vinall, selbst besitzer zweier handys, und nennt ein beispiel:"es wird möglich sein, auf einer internetseite zu surfen und gleichzeitig mit einem mitarbeiter eines callcenters zu sprechen." mit UMTS wird eine plattform geschaffen, die mobile multimedia-dienstleistungen wie video, grphik, sprache und text unterstützt. ein blick nach finnland, das schon seit 1999 ein UMTS-netz aufbaut, verdeutlicht die dynamik, die solch eine leistungsfähige infrastruktur entwickeln kann. in finnland telefonieren heute schon mehr kunden mobil als über das festnetz. für vinall ist es nur eine frage der zeit, bis sich dieser trend auch im rest europas durchsetzt.
AUßERGEWÖHNLICHE GEWINNE FÜR ANLEGER
bisher beschränkten sich die diskussionen um die 3G-netze hauptsächlich auf die technischen möglichkeiten. "UMTS bietet aber auch anlegern außergewöhnliche chancen", ist vinall sicher. "es gilt, sich rechtzeitig zu positionieren." in einer ausführlichen studie hat er die wertschöpfungskette in einzelne bausteine zerlegt und nach möglichen gewinnern durchforstet. das ergebnis: vinalls UMTS-musterdepot mit 13 aktien (folgt unten)- unternehmen, die vom UMTS-boom richtig profitieren werden. und einige unternehmen werden bereits mit der vorbereitung für das netz kasse machen.
das verfahren für die lizenzvergabe hat in europa schon begonnen. in einem offenen bieterverfahren melden telekommunikationsfirmen und medieunternehmen ihr interesse an. in deutschland werden 4-6 lizenzen vergeben. "preise von drei milliarden euro pro lizenz würden nicht überraschen", glaubt der dg-bank-analyst. vinall rechnet damit, daß die aktuellen mobilfunknetz-betreiber, also deutsche telekom (D1), mannesmann (D2), die holländische kpn (e-plus) und viag-interkom (e-2) eine lizenz erhalten werden. heiße kandidaten für zusätzliche lizenzen sind die us-firma mci worldcom, france telecom, die spanische telefonica sowie das joint-venture von debitel und mobilcom. vinall rechnet damit, daß nur eine weitere lizenz an einen in deutschland bis dahin noch nicht präsenten anbieter vergeben wird. sein favorit: mci worldcom. "das unternehmen hat die tiefsten taschen und will sich auf dem wachstumsmarkt mobilfunk etablieren." für das deutsche joint-venture debitel/mobilcom sieht der profi aus diesem grund wenig chancen. besonders spannend wird das bietverfahren für die us-gesellschaft qualcomm. sie ist im besitz eines patentes für CDMA ( Code Division Multiple Access), einer mehrfachzugangstechnik, die bei der UMTS-plattform wahrscheinlich standard wird. "die bekanntgabe des standards dürfte das gwaltige ertragspotential von qualcomm transparenter machen", so vinall.
DER NEUE STANDARD SCHAFFT LUKRATIVE NISCHEN
sind die lizenzen erst einmal vergeben, werden die heutigen 2G-netze sukzessive in 3G-netze umgewandelt. auf dem weg dorthin wird die kommunikationsfähigkeit der mobilfunknetze laufend erhöht.
die britische gesellschaft logica dürfte dabei zu den gewinnern zählen. sie ist der weltgrößte anbieter von sms-software und hat gerade neue produkte, die auf WAP basieren, eingeführt. schon heute verdient logica an jeder handyy-mail.
ein infrastruktur bluechip in vinalls depot ist ericsson. der flächendeckende aufbau des UMTS-netzes in europa wird in den nächsten jahren investitionen von bis zu 200 milliarden euro verschlingen. ericsson gehört zu den führenden netztechnikern bei 2G-netzen und hat bei den übergangstechnologien wie GPRS ( General Packet Radio Service) mit vielen telekomfirmen verträge abgeschlossen. da GPRS und UMTS erhebliche synergien aufweisen, hat ericsson bei der vergabe von lukrativen UMTS-infrastruktur-aufträgen einen fuß in der tür - und zwar weltweit."
beweis: vodafone, die größte mobilfunkfirma der welt, hat beschlossen, den übergang von 2G- auf 3G-netze mit ericsson zu bewerkstelligen. dabei geht es um ein investitionsvolumen von mehreren milliarden euro.
und das ist erst der eine teil des großenm kuchens. denn: mit der neuen technologie müssen auch neue handys her. UMTs verwendet eine andere funkschnittstelle als die aktuelle GSM-generation. ein gigantischer markt für die produzenten von endgeräten. und um das maß vollzumachen, werden die hersteller bis zur vollständigen UMTS flächendeckung handys mit dualbetrieb produzieren, die ein wechseln zwischen UMTS und GSM ermöglchen.
"die handys von morgen werden mit denen von heute wqenig gemein haben", meint vinall. UMTS-endgeräte entwickeln sich zu einer art fernbedienung für das leben. es wird kaum mehr eine funktion oder einen bereich geben, der sich nicht über das handy steuern ließe. von den aktuell verfügbaren produkten wird nokias Communicator am ehesten einem g§-handy ähneln. aus diesem grund glaubt vinall, daß das finnische unternehmen zu den aussichtsreichsten titeln für den handy-markt gehört. daß nokia auch beim aufbau der netzinfrastruktur seine finger im spiel hat, bringt weitere pluspunkte.
doch die konkurrenz schläft nicht. japan ist bei internetfähigen netzen schon weiter fortgeschritten, und hersteller wie matsushita und nec brachten bereits erste produkte auf den markt. besonders matsushita, das in japan einen marktanteil von 27 prozent hat, will sein know-how exportieren.
DIE GEWINNER VON MORGEN
da die neuen handys immer mehr aufgaben des pc's übernehmen, benötigen sie ein stabiles, leistungsfähiges betriebssystem. der führende hersteller ist die englische firma psion. mit ihrem betriebssystem EPOC, so glaubt vinall, hat psion eine trumfkarte im milliardenspiel. und um eine erfolgreiche weiterentwicklung von EPOC zu garantieren, ging psion ein joint-venture mit den großen handy-herstellern ein. es ist deshlab unwahrscheinlich, daß psion, ähnlich wie microsoft bei den pc's, die hersteller in den hintergrund drängen kann. das ist auch nicht nötig. schätzungen gehen davon aus, daß in drei jahren weltweit mehr als eine milliarde handys in umlauf sind. heute sind es 600 millionen. davon werden nach ansicht des us-marktforschungsinstitutes dataquest die hälfte internetfähig sein. angesichts dieses wachstums ist psion einer der aussichtsreichsten titel im 3G-poker.
die UMTS-generation wird auch die rolle der netzbetreiber neu definieren. steht heute noch die reine sprachtelefonie im vordergrund, werden die mobilfunkgesellschaften künftig neue dienstleistungen anbieten müssen. online.banking und e-commerce sind nur einige bestätigungsfelder. wen wundert es da, daß sich D2 bereits mit der deutschen bank verbündet hat und t-online mit comdirect zusammenarbeiten will? das schlagwort der zukunft heißt telecommerce. "mit 60 millionen kunden hat vodafone airtouch mit gemeinsam mit mannesmann einen erheblichen wettbewerbsvorteil", glaubt der analyst. "deren netz kann zu einer europaweiten marketingplattform anwachsen."
in vinalls depot befindet sich auch die finnische telefongesellschaft sonera und der japanische mobilfunkriese ntt docomo. da deren UMTS-netze scxhon früher in betrieb gehen, sind sie der konkurrenz rund 18 monate vorraus. "gelingt es ihnen, diesen vorsprung auszunutzen und eine globale 3G-position aufzubauen, können beide titel sehr interessant werden".
und es gibt noch einen bereich, in dem vinall dicke gewinne wittert. denn ein attraktives netz benötigt spannende inhalte. vinalls favoriten hier: der führende online-broker consors, der infoservice-dienstleister telegate und der online-spiele-anbieter gameplay.com "sicherlich wird es hier noch ergänzungen geben", so vinall. schließlich hat das investmentthema UMTS gerade erst begonnen. auch die kühnsten optimisten werden sich noch wundern.
das depot:
consors
ericcson
france telecom
gameplay.com
logica
mci worldcom
nokia
ntt docomo
psion
qualcomm
sonera
telegate
vodafone airtouch
quelle: FINANZEN
INTERVIEW:_Mobilfunkkritiker haben 'Riesen-Angst' vor UMTS-Sendeanlagen
GRÜNDAU (dpa-AFX) - Der hessische Landesverband "Mobilfunkfreie Wohngebiete" befürchtet mit dem Aufbau neuer UMTS-Sendeanlagen eine steigende Strahlenbelastung in Wohngebieten. "Wir haben Riesen-Angst, dass die Betreiber auf bestehenden Sendemasten in Ortskernen einfach die neuen UMTS-Stationen mit aufstellen", sagte Hans Kroth aus Gründau (Main-Kinzig-Kreis) vom Sprechergremium des Verbandes in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Wir wissen nicht, was auf uns zukommt". Der im Juni gegründete Verband vertritt rund 70 Bürgeriniativen gegen Mobilfunk-Antennen in Hessen, aber auch in Mainz und Aschaffenburg.
Bis 2005 sollen rund 40 000 neue Sendeanlagen in Deutschland errichtet werden, die mit der neuen UMTS-Funktechnik (Universal Mobile Telecommunications System) große Daten-Pakete für Bilder oder Musik übertragen können. Mit diesen Stationen müssten die Betreiber wohl noch näher an Wohngebiete und Nutzer heran, weil die Reichweiten der Sendefrequenzen geringer seien, sagte Kroth. Details der Technik sind aber noch nicht bekannt.
WIDERSTAND GEGEN MOBILFUNKANTENNEN GIBT ES SEIT VERGANGENEM JAHR
Seit dem vergangenen Jahr gibt es heftige Widerstände vor allem in Gemeinden und Kleinstädten gegen Mobilfunkantennen in Wohngebieten, weil viele Bürger Gesundheitsschäden befürchten. "Die Leute ziehen mittlerweile nachts aus, schlafen im Wochenendhaus oder im Auto - dort, wo es ein Funkloch gibt", sagte Kroth. Andere schirmten ihre Wohnungen gegen die Strahlung ab.
Kroth zeigte sich zuversichtlich, dass der Grenzwert für die elektromagnetischen Felder von Mobilfunk-Stationen gesenkt wird. "Das Bundesumweltministerium kann es sich bei allen Hinweisen auf Gesundheitsgefahren nicht leisten, das Thema zu ignorieren." Eine neue Untersuchung der Universität Wien habe ergeben, dass es einen Zusammenhang zwischen Mobilfunk-Feldstärken und Herz- Kreislaufbeschwerden gebe.
LANDESVERBAND: STRAHLEN-GRENZWERT SOLLTE ABGESENKT WERDEN
Der Landesverband fordert die Absenkung des Strahlen-Grenzwertes von derzeit rund 9 Watt pro Quadratmeter auf 1 Milliwatt pro Quadratmeter. Andere Länder hätten niedrigere Grenzwerte als Deutschland, sagte Kroth. Widerstand könne die Mobilfunkbetreiber durchaus dazu bewegen, ihre Verträge mit Vermietern von Antennen- Standorten zu lösen. In Freiensteinau-Gunzenau (Vogelsbergkreis) beispielsweise habe ein Betreiber eine Antenne wieder abmontiert. Nach Ansicht von Kroth sollen Gemeinden auch grundsätzlich festlegen, welche Plätze sie für geeignet halten./DP/bz
28.08. - 08:31 Uhr
19. November 2001, 02:05
Wie man mit Nichtstun fünf Milliarden Dollar verdient
Superschnäppchen der bankrotten NextWave Telecom
Cls. New York, 18. November
Die im Konkursverfahren befindliche NextWave Telecom Inc. kann, wenn alle einschlägigen Instanzen ihren Segen geben, gut 5 Mrd. $ (nach Steuern) einstreichen, ohne dass sie je eine Tätigkeit ausgeübt hat, ausser zu prozessieren. Das Start-up-Unternehmen unter der Führung von Allen Salmasi, dem Gründer von Qualcomm, hatte 1996 für 4,7 Mrd. $ Mobilfunklizenzen ersteigert, für die sie eine Anzahlung von 10% leistete, bevor ihr die Mittel ausgingen (die Restzahlungen wären tranchenweise bis 2007 fällig gewesen). 1998 war NextWave in das Konkursverfahren eingetreten. Ein Plan zur Refinanzierung scheiterte. Die Federal Communications Commission (FCC), die Aufsichtsbehörde der Telekommunikationsbranche, nahm dem bankrotten Unternehmen die Lizenzen weg und versteigerte sie Anfang Jahr ein zweites Mal, und zwar für fast 16 Mrd. $. Verizon Wireless, die grösste US- Mobilfunkgesellschaft, erwarb 113 Lizenzen für fast 9 Mrd. $; AT&T Wireless, die Nummer drei der Branche, und Cingular, Nummer zwei, und ein Joint Venture von SBC Communications und Bell South, erstanden über kleinere, ihnen nahestehende Firmen Lizenzen für 2,8 Mrd. bzw. 2,3 Mrd. $. Ebenfalls an der Auktion beteiligt war die zur Deutschen Telekom gehörende VoiceStream. Mobilfunklizenzen sind in den USA ein rares Gut und dringend nötig, um die im Vergleich mit Europa nicht eben grossartigen Dienste der drahtlosen Telefonie auszubauen und zu verbessern.
Erfolgreiche Klage
NextWave setzte sich gegen die Enteignung zur Wehr, und im Juni entschied ein Berufungsgericht in Washington, dass die FCC gegen das Konkursgesetz verstossen habe und die Lizenzen an NextWave zurückgeben müsse. Das Unternehmen konnte daraufhin neue Kapitalgeber gewinnen, unter ihnen UBS Warburg, die einen Kredit in Höhe von 2,5 Mrd. $ zusagte und gleichzeitig als Finanzberaterin engagiert wurde. NextWave legte einen Reorganisationsplan vor, in dem sie darlegte, wie sie die Schulden zu tilgen und ein landesweites Mobilfunknetz der dritten Generation aufzubauen gedachte. Wall-Street-Analytiker waren skeptisch, ob die Firma es ernst meinte oder nur pokerte. Verizon und die andern Düpierten der zweiten Versteigerung offerierten üppige Abfindungen, um NextWave zu einem Verzicht auf die begehrten Lizenzen zu bewegen. Diese zeigte zunächst die kalte Schulter; aber als die FCC den Fall vor den Obersten Bundesgerichtshof zog, trat sie in Vergleichsverhandlungen ein.
Ende gut, alles gut?
Nach zwei Monaten wurde nun laut einer knappen Mitteilung der FCC eine Einigung erzielt. Mit dem Vergleich wird das Ergebnis der zweiten Auktion aufrechterhalten, was laut FCC im besten Interesse der Öffentlichkeit liegt. Die grossen Mobilfunkgesellschaften übernehmen die Lizenzen zu dem gebotenen Preis von rund 16 Mrd. $ von NextWave. Diese bezahlt der Regierung ihre Schulden aus der ursprünglichen Versteigerung samt Zinsen sowie Steuern auf dem Zugewinn. Nach weiteren, kleineren Ausgleichszahlungen verbleiben NextWave gut 5 Mrd. $ - kein schlechter Gewinn für eine Telefonfirma, die in den fünf Jahren seit ihrer Gründung nie einen Sendemast errichtet oder einen Kunden angeworben hat. Zufrieden sind auch die Mobilfunkunternehmen, die jetzt endlich ihre Expansionspläne realisieren können. Die Regierung erhält zwar nicht 16 Mrd., aber immerhin gut 10 Mrd. $ in die Hand bezahlt. Der Vergleich muss vom Konkursrichter abgesegnet und ausserdem auch vom Kongress gutgeheissen werden. Ist dies bis Ende 2002 nicht der Fall, dann wird das Ergebnis der zweiten Versteigerung rückgängig gemacht, und der Reigen beginnt von vorne.
19.11.2001
S I E M E N S
Platzt das UMTS-Geschäft?
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Gefahr von zwei Seiten - das UMTS-Geschäft droht wegzubrechen. Und die US-Zahlen sind schlecht.
Frankfurt/Main - Die Siemens AG hat einen Bericht des "Focus" bestätigt, nach dem in den USA ein Milliardenverlust eingefahren wurde. Das US-Gesamtgeschäft werde auf ein Ergebnis vor Steuern von minus 1,3 Milliarden Mark (665 Millionen Euro) hinauslaufen. "Diese Größenordnung ist nicht falsch", sagte dazu Siemens-Sprecher Peter Gottal gegenüber mm.de. Siemens begründet die schlechten Zahlen unter anderem mit Verlusten, die durch Insolvenzen von US-Kunden entstanden seien. "Auf dem US-Markt gab es im Bereich der Handy-Abnehmer wesentlich mehr Insolvenzen als im europäischen Raum", sagte Gottal. So habe sich etwa die Pleite des US-Anbieters Winstar mit 200 Millionen Dollar Verlust auf das US-Geschäft ausgewirkt. Siemens hatte Handys geliefert, die Winstar nicht bezahlen konnte.
Außerdem hätten Firmenübernahmen in den USA das Ergebnis belastet. So wurden für den DSL-Ausrüster Efficient 1,5 Milliarden Dollar und für Milltronics, Spezialist für Prozess-Automatisation, rund 200 Millionen Dollar gezahlt. Auf diese belastenden Faktoren sei im vorläufigen Geschäftsbericht auch bereits hingewiesen worden.
Das schlechte Resultat erzielen die US- Holding Siemens Corp. zusammen mit den direkt den Konzernbereichen zugeordneten Aktivitäten. Im Vorjahr lag das Ergebnis dem Bericht zufolge bei minus 0,3 Milliarden Mark. Ohne Abschreibungen auf zugekaufte Firmen wäre das Ergebnis ungefähr ausgeglichen ausgefallen. Mit einem Umsatz von 38,9 Milliarden Mark sind die USA für Siemens inzwischen der wichtigste Markt.
Verschmäht Vodafone die Siemens-Handys?
Ein zweiter Problemkreis scheint für Siemens im UMTS-Geschäft zu entstehen. Der "Spiegel" berichtet, dass der weltgrößte Netzbetreiber Vodafone beim Start von UMTS nach derzeitiger Planung hauptsächlich auf andere Handyhersteller zurückgreifen will. In dem Milliardengeschäft mit den künftigen UMTS-Handys müsse Siemens wahrscheinlich eine "schwere Schlappe einstecken". Grund sei eine veränderte Strategie der großen Mobilfunkgesellschaften. So wollten die Netzbetreiber künftig enger mit den Handyherstellern in den Bereichen Entwicklung und Vertrieb zusammenarbeiten, damit beim UMTS-Start genügend funktionierende Handys vorhanden seien.
Entscheidung für Nokia, Motorola und Panasonic
Nach wochenlangen Verhandlungen habe sich Vodafone inzwischen auf drei so genannte Kernlieferanten festgelegt. Dazu zählten Nokia, Motorola und Panasonic. Siemens-Sprecher Gottal dementierte. Die Entscheidungen von Vodafone und Deutscher Telekom über die Handy-Aufträge seien "erst in den kommenden Monaten" zu erwarten. Die Gespräche mit den Mobilfunkkonzernen dauerten an.
Hoffen auf die Deutsche Telekom
Bei der Telekom-Tochter T-Mobile (62 Millionen Kunden) ist Siemens neben Nokia, Motorola und Samsung laut "Spiegel" noch in der engeren Wahl. Allerdings sei über konkrete Mengen bisher nicht gesprochen. Genau das könnte zum Problem werden. Denn die technische Leistungsfähigkeit des Konzerns werde von der Branche zwar nicht in Frage gestellt. Allerdings habe Siemens in bisherigen Verhandlungen mit Netzbetreibern nicht gewährleisten können, dass im nächsten Jahr eine genügend große Anzahl an UMTS-Handys für die europaweite Einführung zur Verfügung stehe, heißt es in dem Bericht. "Wir halten definitiv an unseren Planungen fest. Ab 2003 rechnen wir mit einem größeren Marktbedarf und werden dazu entsprechend größere Stückzahlen produzieren", sagte Siemens-Sprecher Gottal. Denkbar ist aber, dass die Mobilfunkanbieter von den Herstellern bereits zu einem früheren Zeitpunkt höhere Stückzahlen fordern. Gottal wollte diese These nicht kommentieren.
Von Pierer: Handy-Fertigung mit 2600 Arbeitern weniger
Erst in der vergangenen Woche stellte Siemens-Chef Heinrich von Pierer bessere Ergebnisse der Handy-Sparte für das nächste Jahr in Aussicht. Zuvor allerdings hatte er rund 2600 Stellen in der Fertigung gestrichen.
Christian Buchholz
Deutsche Telekom will UMTS ab 2003 vermarkten
Bonn (vwd) - Im Gegensatz zu ihrem Hauptkonkurrenten Vodafone will die
Deutsche Telekom AG UMTS weiterhin erst ab kommendem Jahr vermarkten. Dies
sei der frühestmögliche Zeitpunkt für Angebote in der erwarteten Qualität,
sagte der Europa-Vorstand der Tochter T-Mobile International AG, Rene
Obermann, am Dienstagabend in Bonn. Als Herausforderung für die weitgehend
gesättigten Mobilfunkmärkte Westeuropas nannte er neben dem Vorantreiben der
UMTS-Entwicklung die Konzentration auf umsatzstarke Kundenschichten und die
Verbesserung der Produktpalette. Jede europäische Beteiligung solle
mittelfristig zu den führenden Anbietern des jeweiligen Landes gehören.
"Wir werden mit UMTS-Diensten an den Markt gehen, wenn Technik,
Endgeräteverfügbarkeit und Services unseren hohen Qualitätsansprüchen
genügen", sagte Obermann. Ein großer Teil der negativen Stimmung an der
Börse und in der öffentlichen Meinung sei auch auf verschobene Starts auf
der Isle of Man, in Japan und Spanien zurückzuführen. Vodafone will hingegen
in Deutschland bereits im Herbst mit der Vermarktung von UMTS, dem
multimediafähigen neuen Mobilfunkstandard, beginnen.
In Deutschland sind die Vorbereitungen den Angaben zufolge im Plan. Dem
bereits in diesem Jahr vorgesehen technischen Netzstart stehe nichts im
Wege. 5.000 Standorte für das neue Netz seien gesichert, weitere 2000 kämen
2002 hinzu, sagte der designierte neue Geschäftsführungsvorsitzende der
T-Mobile Deutschland GmbH, Timotheus Höttges. Zum Ende des vergangenen
Jahres seien die technischen Vorbereitungen für den UMTS-Start an 1.500
Standorten abgeschlossen, 2002 sollen sie in weiteren 1.400 folgen. Die
mobilen Datendienste seien ein Schwerpunkt in diesem Jahr. Langfristig solle
ihr Anteil am Umsatz von derzeit zehn Prozent auf 40 Prozent steigen.
Die Angebote mit der neuen Übertragungstechnik GPRS, die als
Zwischenstufe zu UMTS gilt, kommen nach den Worten von Höttges gut an. GPRS
werde von rund 100.000 Kunden genutzt. Der Teilnehmerzuwachs sei überwiegend
in der zweiten Hälfte 2001 erreicht worden, als sich die Qualität der Handys
deutlich verbessert habe und sie auch in größeren Mengen verfügbar geworden
seien. Da diese Entwicklung anhalte, sei man "sehr optimistisch" für die
Zukunft. Mit Hochdruck arbeite man an der Einführung von Roaming bei GPRS.
Bei WAP-Handys, mit denen abgespeckte Internetinhalte auf das
Display geholt werden können, sei die Kundenzahl gegenüber 2000 verdreifacht
worden, sagte Höttges. Nach einer "WAP-Offensive" im Oktober sei die Nutzung
um deutlich mehr als zehn Prozent gestiegen. Im Februar wolle T-Mobile
Deutschland als erster Netzbetreiber hier zu Lande Spiele zum Herunterladen
aufs Handy präsentieren.
Zuversichtlich zeigte sich Höttges für die Akzeptanz der umstrittenen
neuen SMS-Preise. In einem halben Jahr werde sich nicht nur eine Vielzahl
von Neukunden, sondern auch signifikanter Teil der Bestandskunden für einen
der neuen Euro-Tarife entschieden haben. Deutliche Steigerungen der
SMS-Nachfrage erwartet das Unternehmen durch die neuen Techniken EMS und
MMS, die der rein sprachbasierten Nachricht graphische Elemente hinzufügen
und auch die Übermittlung von Fotos ermöglichen. +++ Stefan Paul Mechnig
vwd/23.1.2002/stm/sei
23.01.2002 - 13:12 Uhr
13:25 Uhr: Blitzmeinung von Frank Lansky
'Bitte warten' bei der Deutschen Telekom
So wird das nichts mit dem lang erwarteten Kursanstieg bei der T-Aktie: Durch die Blume signalisiert der Konzern, dass sich der Börsengang von T-Mobile weiter verschiebt. Noch in diesem Jahr soll die Mobilfunk-Tochter Geld in die Kassen spülen. Dass derzeit die Börsen-Stimmung schlecht ist, ist jedem bekannt. Nur etwas mehr sollte es schon sein. Nichts Genaues weiß man nicht – und das mag die Börse nicht. Die Telekom bräuchte das Geld wegen ihrer enormen Verschuldung dringend. Dazu gerät die T-Aktie bei der UMTS-Technologie in Rückstand zur Konkurrenz. Die steckt den Markt ab und reibt sich die Hände. Das können die Telekom-Aktionäre nicht tun. Frank Lansky
Großbritannien erforscht Handystrahlung
Die britische Regierung will mit Nachdruck gemeinsam mit der Industrie wissenschaftlich untersuchen, welche biologischen Effekte von Mobiltelefonen und Sendemasten auf den menschlichen Körper ausgehen. Die jetzt von der Regierung ins Leben gerufene Mobile Phone Task Force wurde hierfür mit einem finanziellen Polster von 7,4 Millionen Pfund (rund 12 Millionen Euro) ausgestattet, um in insgesamt 14 unterschiedlichen Projeken mit freiwilligen Versuchspersonen potenzielle gesundheitliche Nebenwirkungen der elektromagnetischen Strahlung, die von Handys und Masten ausgeht, zu untersuchen.
Vier verschiedene Studien sollen nun beobachten, ob das Benutzen eines Handys das Risiko erhöht, an einem Gehirntumor oder an Leukämie zu erkranken. Andere Untersuchungen der Task Force wollen die Strahlungseffekte auf die Gehirnfunktionen näher betrachten und wie der Körper die von den Geräten ausgehende Energie absorbiert. Die Studien berücksichtigen auch die Auswirkungen des Telefonierens am Steuer und ob sich dadurch die Unfallgefahr durch Ablenkung erhöht. "Wir müssen jetzt schnellstmöglich die wissenschaftlichen Lücken füllen, um den Leuten mehr Sicherheit für ihre Entscheidung geben können, ob sie ihr Handy benutzen sollen oder nicht", so die britische Gesundheitsmnisterin Yvette Cooper.
Die britsche Regierung hatte das große Forschungsprojekt bereits im Dezember 2000 angekündigt, nachdem eine von dem Wissenschaftler Sir William Stewart geleitete Untersuchung zu dem Schluss kam, dass Handys und Sendemasten möglicherweise biologische Effekte haben könnten, deren Auswirkungen bei längerem Gebrauch nicht bekannt seien und daher näher erforscht werden müssten. Aus dieser Studie ging auch die Aufklärungskampagne der britischen Regierung vor etwa einem Jahr hervor, nach der Kinder möglichst wenig und nur unbedingt notwendige Anrufe über das Handy erledigen sollten. "Die Schädeldecke von Kindern ist noch zu dünn, ihr Nervensystem noch nicht voll ausgebildet und sie werden eine größere Zeit ihres Lebens der elektromagnetischen Strahlung von Handys ausgesetzt sein, als heutige Erwachsene", erklärt Stewart, der auch die jetzige Studie leitet.
Regierung und Industrie beteiligen sich gleichermaßen an dem Projekt, obwohl die Industrie nach eigenen Angaben bereits 60 Millionen Dollar in die wissenschaftliche Erforschung von Handystrahlung investiert hat und zu dem Schluss kommt, dass bei normalen Handygebrauch keinerlei gesundheitliche Auswikrungen zu befürchten sind. ( Andreas Grote) / (wst/c't)
Pünktlich zu Olympia geht UMTS an den Start
Der größte US-amerikanische Mobilfunkanbieter Verizon Wireless will nach Informationen der New York Times am heutigen Montag den Start des ersten kommerziellen UMTS-Netzes in den Vereinigten Staaten bekannt geben. Demnach sollen Verizon-Kunden ab sofort für umgerechnet 35 Euro monatlich in mehreren Bundesstaaten an der Ostküste sowie an der Westküste im Großraum San Francisco Daten mit bis zu 144 kBit/s über Mobilgeräte transferieren und im Internet surfen können. Für die Dauer der Olympischen Winterspiele vom 8. bis 24. Februar sollen die 3G-Mobilfunkdienste im Rahmen einer Promotion-Aktion auch in Salt Lake City nutzbar sein.
Während sich die UMTS-Dienstleister in Asien und Europa primär auf das Handy als Kunden-Endgerät konzentrieren, legt Verizon sein Hauptaugenmerk auf die Verwendung von Notebooks: Mittels PC-Cards des Herstellers Sierra Wireless und speziellen Headsets sollen Verizon-Kunden ihre tragbaren Computer künftig zusätzlich als Mobiltelefon nutzen können, von den Nachteilen kleiner Handy-Displays aber verschont bleiben. An Verizon Wireless ist mit 40 Prozent unter anderem der britische Telekommunikationskonzern Vodafone beteiligt, der im Herbst gemeinsam mit Mobilcom in Deutschland das erste UMTS-Netz starten will.
Verizon nutzt für seinen 3G-Mobilfunk den von Qualcomm entwickelten CDMA-2000-Standard, der in mehreren Phasen eingeführt werden soll. Als "3Gcdma2000 1x" ermöglicht die Technik anfangs Übertragungsraten von 144 bis 307 kBit/s. "cdma2000 1xEV-DO" soll ab 2004 eine Rate von 2,4 MBit/s möglich machen, "3Gcdma2000 1xEV-DA (Data and Voice)" schließlich 3 bis 5 MBit/s. (pmz/c't)
16:38 Uhr: Meinung von Christof Schmidbauer
Mobilcom gibt UMTS-Zweiflern Recht
Die Börsianer haben es geahnt: Mobilcom wird frühestens Ende 2002 mit UMTS beginnen. Bisher galt die zweite Jahreshälfte als Starttermin. Das ist keine Überraschung, denn angesichts technischer Probleme und Lieferschwierigkeiten bei den Endgeräten musste es so kommen. Schlimmer ist, dass Mobilcom statt 85 Euro nur noch 60 Euro UMTS-Umsatz pro Kunde und Monat erwartet. Dennoch soll schon 2004 ein Ebitda-Gewinn anfallen. Bisher war von 2005 die Rede. Das klingt, als soll eine schlechte Nachricht mit einem hohlem Versprechen aufgewogen werden.
Mobilcom-Chef Gerhard Schmid, Foto: Mobilcom
Es war schon absehbar, dass es mit UMTS im laufenden Jahr kaum noch was werden wird. Um zu unverständlicher, warum Telefongesellschaften wie Mobilcom so lange an ihren längst überholten Startprognosen festhielten.
Ungelöste Probleme
UMTS erweckt den Eindruck einer noch nicht marktreifen Technik. Daran kann auch der Betrieb des ersten europäischen UMTS-Netzes auf der Isle of Man nicht hinwegtäuschen. Bei dem Miniaturnetz und der geringen Teilnehmerzahl kann bestenfalls von einem Laborversuch unter freiem Himmel gesprochen werden.
Viele Probleme sind noch ungelöst beim Netzaufbau. Die Mobilfunkfirmen werden sich aufgrund der hohen Kosten mit ihrem UMTS-Angebot zunächst auf Großstädte und Ballungsräume beschränken. Kunden, die sich während eines Gesprächs aus einer dieser UMTS-Versorgungsgebiete hinausbewegen, müssen dann mit Gesprächsunterbrechungen rechnen. Eine automatische Übergabe von einer UMTS- zu einer herkömmlichen GSM-Funkzelle ist technisch extrem schwierig.
Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen
Auch die Mobiltelefonhersteller tun sich schwer zwei Mobilfunkstandards zu unterstützen. Quasi müssen zwei Mobiltelefone im Gehäuse eines einzigen Geräts eingebaut werden. Sollen alle Spielereien genutzt, die UMTS mal bieten soll, ist in der Regel ein kleiner Farbbildschirm fällig. Diese Anzeigen sind jedoch wahre Energiefresser. Ein Problem bei den kleinen Handy-Akkus. Stromsparende Anzeigen in der OLED-Technologie sind noch nicht im großen Stil erhältlich.
Bleiben noch die Probleme der Netzbetreiber. Sie wollten ihren UMTS-Kunden das Geld mit neuen Serviceleistungen aus der Tasche locken. Vom M-Commerce, dem mobilen Handel, wurde viel geschwärmt. Erst nach dem die UMTS-Lizenzen teuer ersteigert waren, begriffen die Mobilfunkanbieter langsam, dass die Bücherbestellung am kümmerlichen Handy-Display eher zur Tortur ausartet. Besonders wenn die Verbindungsgebühren deutlich höher sind als beim stationären Internet. Und Musikdateien per Mobilfunk herunterladen? Zu teuer und umständlich. Da wird doch lieber zum Walkman und dem guten alten Radio gegriffen.
Hoffnungsträger sind nun die location-based Services. Der Standort des Mobiltelefons wird festgestellt und der Kunde kann Informationen wie die nächstgelegene Kneipe oder Geldautomaten abrufen. Was Mobilcom vom Einnahmepotenzial solcher Dienste hält, zeigt die deutlich gesenkte Umsatzprognose pro UMTS-Nutzer.
Mobilcom geht es nicht besser als der Konkurrenz. Der UMTS-Start verschiebt sich immer weiter. Den Aktionären wird die Wahrheit scheibenweise präsentiert. Man darf sich fragen, wann die ersten Sonderabschreibungen auf die UMTS-Lizenzen fällig werden. Mobilcom-Chef Gerhard Schmid versucht derweil mit einer albernen Inszenierung den Wert seines Unternehmens zu unterstreichen. Nach dem Einstieg des Amerikaners Guy Wyser-Pratte meldete Schmid einen weiteren anonymen Großaktionär, der sich später als seine Ehefrau herausstellte. Angeblich soll auf diesem Weg verhindert werden, dass sich der Großaktionär France Telecom die übrigen Mobilcom-Aktien unter Wert einverleibt. Ob sich die Franzosen aber diesen Schuldenklotz überhaupt ans Bein binden wollen, ist noch vollkommen offen. Mobilcom hat sich mit UMTS übernommen. Die Aktie wird vorerst auf keinen grünen Zweig kommen.
© 2002 sharper.de
Die anderen Anbieter werden die gleichen Probleme haben.
...und ich sach noch... http://www.stockboard.de/ubb/wink.gif
sailormoon
03.05.2002, 10:02
Flop in Fernost
Von Wieland Wagner, Tokio
Das japanische Mobilfunkunternehmen NTT Docomo galt mit seinem UMTS-Handy Foma bisher als Vorreiter und Hoffnungsträger der Branche. Doch selbst im technologieverliebten Nippon ist die 3G-Telefonie ein peinlicher Flop.
Japanische Handybenutzer: 3G ist den meisten zu kostspielig
Tokio - Am Tokioter Hauptbahnhof beginnt Nippons Zukunft - zumindest an Gleis 22: Über dem Bahnsteig, an dem alle paar Minuten der Superschnellzug "Shinkansen" ein- und abfährt, surfen Geschäftsleute und Rucksacktouristen im Internet - allerdings nicht mit UMTS-Handys. Stattdessen weist eine kleine Antenne den Weg in eine völlig neue Cyber-Ära: Die Daten werden über eine drahtlose LAN-Verbindung zu Notebooks und Palm-PDAs übetragen. Mit Breitband-Geschwindigkeit.
Der Versuch der Bahngesellschaft Japan East und des Telefonbetreibers Nippon Telecom hat Symbolwert: Noch bevor die neue Ära der UMTS-Handys (3G) richtig begonnen hat, drohen drahtlose LAN-Verbindungen über lokale Sende-Stationen die kostspielige Infrastruktur für die nächste Handy-Generation teilweise überflüssig zu machen.
Der Vorteil der neuen Technologie für mobile Internet-Nutzer: Statt über winzige Handy-Bildschirme können sie auf Klein-Computern oder Palm-Geräten bequem Videos anschauen oder Musik herunterladen. "Unsere Kunden sind begeistert von der mobilen LAN-Technologie", sagt Kazushi Masuya, Sprecher von Japan East. Denn am Bahnsteig können sie Daten überdies mit zehnmal so hoher Geschwindigkeit herunterladen wie auf 3G-Handys.
Auch in Hotel-Lobbys und Einkaufs-Passagen experimentieren japanische Firmen derzeit fieberhaft mit der neuen, mobilen Breitband-Technologie. Dabei lockt vor allem der geringere Aufwand: So kostet der Bau einer drahtlosen LAN-Station nur etwa 100.000 Yen. Dagegen müssen Mobilfunk-Betreiber für die teure 3G-Technik völlig neue Antennen-Anlagen errichten, die jeweils mehrere hundert Millionen Yen kosten. Allein Japans Mobilfunkriese NTT Docomo will in den kommenden drei Jahren rund eine Billion Yen in den Ausbau seiner UMTS-Infrastruktur investieren.
Die neue Konkurrenz-Technologie könnte für die Handy-Branche kaum zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen. Weltweit rutschen Mobilfunk-Firmen derzeit in die roten Zahlen, weil sie sich mit gewagten Investitionen in die hochgejubelte UMTS-Technologie gründlich übernommen haben. Besonders krass trifft das Debakel Japan, den Vorreiter der einstigen Hoffnungs-Branche.
Als weltweit erster Betreiber brachte NTT Docomo im vergangenen Jahr 3G-Handys mit der so genannten Foma-Technologie - auf den Markt. Zuvor hatte Docomo große Erwartungen geweckt: Telefonieren über Video, bessere Ton-Qualität und schnellere Datenübertragung sollten Handy-Nutzer davon überzeugen, auf Foma umzusteigen.
Es kam anders. Der 3G-Start wurde für Docomo zunächst zum peinlichen Flop: So konnten stolze Foma-Besitzer ihre Handys zunächst nur im Großraum Tokio benutzen; wegen Software-Macken stockte immer wieder der Empfang. Und weil die Batterien schon nach kurzem Betrieb zur Neige gehen, liefert Docomo die Handys schon beim Kauf mit Ersatzbatterie aus.
UMTS-Lizenzen in Deutschland: Angst vor dem Debakel
Inzwischen hat Docomo den Service zwar verbessert; theoretisch könnte die Firma jetzt 60 Prozent der Bevölkerung mit UMTS beglücken. Gleichwohl: Japans Konsumenten verweigern sich großenteils der neuen Handy-Generation. Zwar setzte Docomo die Umsatz-Erwartungen von Anfang an bescheiden an: 150.000 UMTS-Handys - für die hightech-bessene 120-Millionen-Nation eine lächerlich niedrige Zahl - wollte Docomo ursprünglich bis Ende März verkaufen. Tatsächlich setzte Docomo bis 1. Mai nur 100.600 Stück ab.
Mit Anschaffungs-Preisen von 65.000 bis 200.000 Yen sowie sündhaft teuren Datenübertragungs-Gebühren ist UMTS selbst Nippons verwöhnten Schülern, die monatlich etwa 15.000 Yen an Handy-Gebühren ausgeben, zu teuer. "Foma kann ich nicht bezahlen", klagt Oberschüler Keiji Kobayashi, 18, der im Tokioter Vergnügungsviertel Shinjuku auf einem herkömmlichen "i-mode"-Handy seine E-Mails verschickt.
Über Docomos "i-mode" - diesen Service bietet die Firma seit März über E-Plus auch in Deutschland an - surfen mittlerweile über 30 Millionen Japaner im Internet. Die Erfolgs-Story von "i-mode" gründet sich auf die erstaunliche Tatsache, dass viele Japaner nicht über Computer, sondern erst über Handys Zugang zum Internet erhielten.
Beflügelt durch den geschäftlichen Erfolg von "i-mode" starteten Docomos Manager eine weltweite Offensive. Sie kauften sich in ausländische Mobilfunkbetreiber ein, darunter KPN-Mobilie - die niederländische Mutter von E-Plus. Mit Hilfe der Beteiligungen will Docomo zunächst "i-Mode" und später dann "Foma" zum weltweiten Handy-Standard machen. Docomos Expansionskurs schien gefahrlos, denn anders als europäische Konkurrenten brauchte die von der japanischen Regierung protegierte Firma keine ruinösen Gebühren für den Erwerb von UMTS-Lizenzen zu bezahlen.
Abschreibung im Billionen-Yen-Bereich
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i-mode-Telefon: In Deutschland neu auf dem Markt
Doch die japanische Strategie hat einen Haken: Weil Docomo an Firmen wie KPN-Mobile in den Niederlanden oder AT&T Wireless in den USA nur Minderheitsbeteiligungen erwarb, kann es die Geschäftspolitik seiner Partner nicht selbst bestimmen. Noch schlimmer: Durch die weltweite Krise der Handy-Branche büßten Docomos Beteiligungen dramatisch an Wert ein.
So muss die Firma im Geschäftsjahr 2001, das am 31. März endete, einen außerordentlichen Verlust von über einer Billion Yen abschreiben. Der Sonderposten drückt schmerzhaft auf die Firmenbilanz, die Docomo-Chef Keiichi Tachikawa am kommenden Dienstag in Tokio vorlegen wird: Erstmals seit Gründung vor zehn Jahren rutschte Nippons Vorzeige-Unternehmen in die roten Zahlen.
Besserung ist nicht in Sicht: Über die Hälfte der Japaner besitzt bereits Handys, der Markt ist vorerst gesättigt. Im vergangenen Geschäftsjahr schrumpfte die Zahl der neuen Handy-Nutzer um 17 Prozent auf 8,1 Millionen. Angesichts ihrer jahrelangen Wirtschaftskrise lassen sich selbst japanische Schüler - die treuesten Handy-Kunden - immer seltener dazu verlocken, schon nach einem Jahr wieder das allerneueste Handy-Modell zu kaufen. Im laufenden Jahr wappnet sich die Branche daher für weitere Umsatz-Einbußen.
Großspurige Zukunftsvisionen werden still beerdigt
Angesichts des Docomo-Debakels lässt sich auch Docomos heimische Konkurrenz nur halbherzig auf die 3G-Zukunft ein. So bietet Konkurrent KDDI seinen Kunden seit April nur eine abgespeckte 3G-Version an. Damit können die Nutzer zwar Videos und Musik vom Netz herunterladen und bessere Tonqualität genießen, aber die Übertragungsgeschwindigkeit ist nur halb so hoch wie bei Docomos Foma-Handy. Der Vorteil indes: Die Nutzung kostet nur halb so viel wie bei Docomo.
Auch der japanische Anbieter J-Phone, der zu 70 Prozent dem Mobilfunk-Giganten Vodafone gehört, den Einstieg in 3G schon zum wiederholten Mal verschoben. Erst wollte die Firma Ende vergangenen Jahres UMTS-Handys auf den Markt bringen, dann im Juni. Und kürzlich vertagte J-Phone den Start dann auf Dezember. Das Bekenntnis zu UMTS geht den J-Phone-Managern freilich nur zögerlich über die Lippen. Tatsächlich verdient J-Phone derzeit blendend mit seiner aktuellen Handy-Generation (2,5G). Dank eines herkömmlichen Handy-Modells, mit dem J-Phone-Kunden Schnappschüsse als E-Mail-Datei versenden können, stieg die Firma zum zweitgrößten Mobilfunk-Anbieter nach Docomo auf.
Von 3G können Japans Handy-Betreiber dagegen vorerst keine Gewinne erwarten. Zerknirscht entschuldigt sich die Branche jetzt für die großspurigen Zukunftsvisionen, mit denen sie noch vor zwei Jahren ihre Aktienkurse in die Höhe redete. Dass die Seifenblase des Mobilfunks platzen würde, "hätte wohl nur Gott ahnen können", rechtfertigt sich Docomo-Boss Tachikawa.
Allein mit höflichen Ausreden, das weiß der Japaner, kann er seine Aktionäre kaum besänftigen. Zum Trost verspricht er ihnen eine Sonder-Dividende zum zehnten Firmenjubiläum. Sich selbst und seinen Vorstandskollegen hat der reuige Manager dagegen eine Gehaltskürzung verordnet.
bullish-0815
19.02.2006, 13:11
China will eigene UMTS-Technologie vermarkten
Die chinesische Mobilfunkindustrie will ein eigenes UMTS-System international vermarkten. In einem Gespräch mit der Berliner Zeitung kündigte der Deutschland-Chef des chinesischen Handy-Herstellers ZTE, Haifeng Ling, an, die von den großen chinesischen Mobilfunkherstellern zusammen mit Partnern wie Siemens und Ericsson zunächst für China entwickelte Technologie auch ins Ausland exportieren zu wollen. Als Motivation für diesen Schritt gibt er die Lizenzzahlungen von bis zu acht Prozent des Umsatzes an, die bei einer Eigenentwicklung nicht anfielen. "Die Amerikaner sind nur deswegen so dominant auf dem Markt, weil sich keiner bislang dagegen gewehrt hat", meint Ling. ZTE stecke zehn Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung, 45 Prozent der Belegschaft arbeiteten in diesem Bereich.
Laut Ling sei die Expansion in neue Märkte für chinesische Unternehmen äußerst wichtig; die internationale Ausrichtung verringere die Abhängigkeit der Unternehmen vom Heimatmarkt. ZTE etwa stecke zunehmend Geld in Forschungseinrichtungen in Europa, um frühzeitig die richtigen Produkte anbieten zu können. Als größten Wettbewerbsvorteil sieht der Manager nicht die Kosten, sondern die Schnelligkeit, mit der chinesische Firmen ihre Produkte marktreif machen. "Der deutsche Ingenieur arbeitet im Schnitt 1650 Stunden im Jahr. In China liegt die gesetzliche Arbeitszeit bei 2500 Stunden. Unsere Ingenieure arbeiten aber oft 3000 Stunden", gibt Ling zu bedenken. (uma/c't)
Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/69802