PDA

Vollständige Version anzeigen : Erlebnisbericht zur Futures-Expo


TheKing
06.06.2002, 20:24
Erlebnisbericht zur Futures-Expo, 17. und 18. Mai in Aschaffenburg

Gleich eins vorweg: Die Sache war gleich aus mehreren Gründen ein richtiger Erfolg!
Dass ein privater Trader wie Bruno Stenger überhaupt dieses Risiko eingeht und ein Ding in der Größenordung von Null auf aus dem Boden stampft ist schon eine große Leistung. Risikobereitschaft und Eigenverantwortung waren gefragt, wie eben im Trading auch. Kompliment! Die Organisation vor Ort hat denn auch gut geklappt. Solches Szenen, wie die in der Bruno während eines Vortrags mit eingeschaltetem Mikro rausging und quatschte runden die Sache noch ab. Zum Glück ist er nicht direkt auf die Toilette. Darüber hinaus boten das überraschend schöne Ambiente der Altstadt mitsamt des blühenden Rheinufers bei strahlender Sonne beste äußeren Bedingungen, wie es in der Fußballsprache heißt. Obwohl Aschaffenburg als das bayrische Nizza gilt – wie ich mir sagen ließ – hab ich den Strand doch nicht gefunden. Ähnlich überrascht war ich von der Größe der Veranstaltung. Rund 150 Leute (und nicht mal alles waren Freikarten ;)). Als Sponsoren war ich und Morgan da schon froh. *Puh!

Zwar glühten einige schon am Donnerstag Abend vor, richtig los ging es dann Freitags zur besten Handelszeit mit einem Live-Trading von Stefan Handler. 57 EuroStoxx Kontrakte fremden Geldes vor 150 Zuschauern und laufender Kamera zu Traden ist schon ein Sache für sich. Dass Stefan sich damit nicht nur das ein oder andere Bier verdiente, sondern quasi nebenbei auch noch Trading-Weisheiten von sich gab macht die Leistung noch größer. Ich werde ihm sofort alles überweisen ;). Nebenbei: Meine Meinung zu den Vorträgen und der gesamten Veranstaltung steht zwar nicht allein, wie sie aus zahlreichen Gesprächen ergab, ist aber letztlich doch nur (m)eine Meinung.
Gleich zu Beginn fiel auch auf, wie heterogen das Teilnehmerfeld war: Profis und Newbies, Alt und Jung, Männer und (ja tatsächlich ca. 3) Frauen (die eine kam nur wegen ihres Freundes, ok). Obwohl ich persönlich glaube, dass nicht nur die Geschlechtsunterschiede befruchten, so sind doch manchmal Niveau-Unterschiede oft einen didaktisches Problem (zu wem spricht man überhaupt?): Als Stefan z.B. sagte, er ginge mit 05 rein meinte mein Nachbar er spräche von einem halben Kontrakt. Dabei war es 0,5% inital risk aufs Konto. Und eine marble ist nicht wirklich etwas, das kleine Kinder gerne verschlucken.
Es folgte Klaus Gagel, nachdem ja schon ein Board benannt wurde ;): Er versucht viel rüberzubringen: Neben persönlichen Geschichten auch einen Marktausblick und Ausflüge zu computerisierte Handelsystemen Er versucht in diese Richtung des „Selbst-Clonens“ zu gehen, obwohl er selbst skeptisch ist, was er beim abendlichen Wein noch mal deutlich unterstrich. So ist wohl das Leben oft: Trotz Skepsis immer feste voran!
Danach kam Karsten Kagels von Ross Trading Deutschland: Er präsentierte die absoluten Basics der Tradingerkenntnisse des Altmeisters Joe Ross. Wenn man sich von diesem praktischen Teil ein bis zwei Dinge mitgenommen hat, hat sich der Besuch schon geloht. Ross’ (und Kagels’) Strategien insgesamt werden ansonsten nur Tradern zu Teil, die ein paar Hunderter in Bücher stecken oder Seminare besuchen, die 10.000$ kosten (um den Meister selbst zu zitieren).
Auch Kritik an den Vorträgen muss erlaubt (und auch gewünscht) sein. Martin „Bundfan“ Schakowski und Horst „Horst“ Rosentritt am Folgetag waren schlichtweg zu subjektiv, als dass sie Aussagen hätten treffen können, die der Mehrzahl der Trader faktisch genutzt hätten. Sagen wir mal so: Ihre Auftritte bestachen durch ihren Unterhaltungswert.
Den letzten Vortrag des Tages hielt Robert Rother: Der Vortrag (wie RR selbst lustig und drauflos) hatte sein größtes Plus darin, dass Robert uns viele seiner Anfängerfehler plastisch vor Augen stellte. Ähnlich wie in Nicolas Darvas Buch haben viele Zuhörer sofort den Eindruck: „Hey, der spricht von mir!“ Und nur durch Selbstbezug kann man lernen.

Bevor ich zu den Samstagsvorträgen komme, muss ich natürlich ein paar Bemerkungen über den Freitags-Abend (Es gilt: „Carpe noctem!“) verlieren. Das ist ja eh oft das Wichtigste! Kurz: Man erfährt, dass man bei weitem nicht das einzige Psychowrack ist ;).
So meinte ein Freund gleich bei der Anreise „Das ist alles ein Drecksgeschäft und alle die hier sind, sind Ärsche!“ Absolut klasse war, dass genau das Gegenteil eintrat! Die Leute waren sehr nett, unterhaltsam, freundschaftlich, aufgeschlossen, auskunfts- und hilfsbereit. Und selbst wenn alle Ärsche wären, so hätte das Traden an sich doch den Vorteil, dass man Ihre Visagen nicht ständig sehen müsste *bfg. Das wünscht sich so mancher Angestellter! Natürlich ist immer einer da, der den Dicken macht und nach dem dritten Bier zugibt, dass er der Geldvernichter schlechthin ist. Auch das ist schön zu sehen *fg. Aber ich denke, dass gerade weil es so ein hartes Geschäft ist, jeder – gerade im persönlichen Gespräch – merkt, dass alle in einem Boot sitzen und gemeinsam gewinnen können. (Kommt mir jetzt nicht von Markttheorien auf Null-Summen-Spiel-Basis; wir reden von 150 Leuten). Da fließt dann auch so manche Trading-Idee und –Strategie unter dem Tisch dahin. Trading ist halt nicht grad die geselligste Art Geld zu vernich ... äh verdienen, da ist man dann schon mal froh mit anderen zu reden, die dann auch noch zuhören und bei Gap nicht an Klamotten denken.
So kamen wir im Gespräch darauf, dass gleich drei Referenten bei mir um die Ecke wohnen und wir mal ein (weiteres) Bier trinken und den Markt aufrollen sollten. So traf ich einen Bekannten, den ich schon am Telefon gecoacht habe und erkannte ihn erst im Verlaufe des Samstagabend wieder *schäm. Meine Perspektive hat sich geweitet, als dann noch eine Freundin von mir vorbei kam, die von Aktien oder Futures so viel versteht, wie der Papst vom Pogo tanzen. Ich (und andere auch) habe durch sie wieder mal gemerkt, wie speziell und abgefahren unsere Sachen doch sind, aber und sie wiederum hat diese seltsamen Sachen mit einem jugendlichen Charme ertragen, wie ihn Oskar Wilde nicht besser hätte beschreiben können. Ins Bett kam ich dann gar nicht mehr, aber das dürfte hier keinen interessieren ;)

Jedenfalls war ich daher sehr gut drauf und konnte die Samstags-Vortäge echt genießen.
Zu Horst Rostritt ist schon alles gesagt, so dass ich zu einem Kunststück komme, das Clemens Steinpichler als Einzigem gelang: Er bekam Szenenapplaus! Aus meiner Sicht leider an der völlig falschen Stelle (aber von unterschiedlichen Meinungen lebt ja der Markt) ;). Die Qualität von durch Programmierung automatisierten Handelssystemen kommentierte er nämlich mit „Da lach’ ich mich tot!“. Abgesehen davon, das er zwischen Selbstprogrammierung und black boxes nicht unterschied, ist es ein Irrtum zu sagen, dass es dabei um Mensch gegen Maschine geht. Es geht allenfalls um Trader gegen Programmierer (inkl. PC). Und wenn dann noch der Trader selbst programmiert, dann heißt es: Mensch ohne PC gegen Mensch mit PC. Um das hört sich dann ganz anders an.
Monika Müller widmete sich der voll und ganz der psychologischen Seite des Tradings. Und wir alle wissen, wie wichtig diese ist. ;) Was sie unter Einbeziehung der Teilnehmer vortrug, war schlicht sehr gut, eben weil es wichtig und richtig ist. Da braucht man ihr auch nicht vorzuwerfen, dass sie keine aktive Traderin ist. Auf den Inhalt kommt es an! Es ist einfach wahr – wie diverse psychologische Experimente zeigen -, dass Menschen in Verlustsituationen dazu neigen größere Risiken einzugehen als Gewinnsituationen. Und Voilá: Da haben wir den Grund dafür, dass Trader den größten aller Fehler machen: Verluste laufen lassen und Gewinne begrenzen. Und sie sagte nicht nur, dass es so ist, sondern führte auch vor, wie man diese Neigung bekämpft. Wenn das nicht der holy grail ist, was dann?
Denn Schlusspunkte setzte Wolfgang Süßenguth, indem er nicht nur die Grundzüge seiner Daytrading-Strategie erläuterte, sondern auch die allgemeine Erkenntnisse Monika Müllers auf seine Zusammenhänge anwendete. Darauf kommt es letzlich an! Er lieferte letzlich eine Rundumbetreuung, in der er uns in alter Parkethändler-Manier geradezu einschwor.

Auch am Samstag kamen einige noch über den lästigen Umweg von Eis und Apfelsaft zu ihrem Bier.
Schließlich war es auch für unser Aktienboard eine gute Sache als Sponsor vertreten zu sein. Wir konnten anonyme Members kennen lernen, Werbung treiben („Hey, Du! Gib-mir-all-Dein-Geld!“) und den ein oder anderen Zukunftsplan schmieden.
Rundum gelungen also. Man kann sich das so klar machen: Es zählt nicht, was einem nicht gefällt, so lange einen irgendetwas echt weitergebracht hat. Im Extremfall kann es sein, dass man ein Tradingbuch kauft, in dem 299 Seiten wirkungsloser Unfug stehen, dann aber eine Stelle kommt, die einen vor einem einzigen Verlusttrade bewahrt. Ja, dann hat es sich schon gelohnt.
Nochmal Kompliment an Bruno (der vor Selbstkritik kaum laufen kann), seine Frau und all die anderen Helfer, die Dinge tun, von denen man nur dann weiß, wie wichtig sie sind, wenn sie mal nicht funktionieren.

Greets,
TheKing

Qualm
10.06.2002, 16:43
Hallo,

interessanter Bericht. Konnte leider wegen lange geplantem Urlaub eine Teilnahme nie in Erwägung ziehen. Wie verlief denn das Livetrading mit dem Eurostoxx genau? 57 Kontrakte gleichzeitig?! Hört sich irgendwie an, als ob hier Effekthascherei geplant war. Warum wurde nicht einfach ein normales Volumen genommen ??

Gruß Qualm

TheKing
10.06.2002, 20:03
Hi!

57 Kontrakte sind keine Effekthascherei.
Die Positionsgröße bestimmte Stefan durch einen initial risk von 0,5% aus Konto. Stop war ca. 4-6 Pkt, weiß nicht mehr genau.

Falls Du weitere Fragen hast, gerne.

Ach ja ...
Ich hoffe, Du hattest einen schönen Urlaub!


Tk