Poldi
21.06.2002, 09:23
Seogwipo - Jeju ist ein märchenhaftes Eiland, wo Palmen blühen und Mandarinen reifen, Wasserfälle ins Meer stürzen und ein Felsen hervorragt, der "Gipfel des Sonnenaufgangs" heißt. Die Einheimischen nennen Jeju auch "Samdado", die Insel mit den drei besonderen Eigenschaften: Steine, Winde und Frauen - in dieser Reihenfolge - soll es hier besonders viele geben. Seit einem Jahr gibt es in dem südkoreanischen Ferienparadies, das jährlich 3,5 Millionen Touristen anzieht und der deutschen Nationalelf einen angenehmen Aufenthalt bescherte, auch ein Fußballstadion. Eigens für die Weltmeisterschaft gebaut.
Im Wettbewerb um weltweites Prestige mit Co-Gastgeber Japan, dem einstigen Besatzer ihres Landes, haben die Südkoreaner allein dreimal so viel Geld in ihre Spielstätten investiert wie Frankreich vor vier Jahren. Für rund 1,8 Milliarden Euro stampften die Ostasiaten, die mit dem Slogan "Dynamic Korea" um internationale Investoren werben, zehn gigantische Stadien aus dem Boden. Jedes einzelne von Atem beraubender Architektur. Jenes in Seogwipo, einer 85.000-Einwohner-Stadt im Süden der Vulkaninsel Jeju, hat die Form eines Kraters mit einem luftigen Dach, das die traditionellen Boote der hiesigen Fischer symbolisiert und den Blick aufs Meer und Gebirge frei gibt.
Auch in Deutschland hat der Bau modernster Arenen Hochkonjunktur. Der sportlich vor sich hin dümpelnde Hamburger SV beispielsweise erfreut sich bei den Fans nur noch wegen seines für rund 180 Millionen Mark umgebauten Volksparkstadions einer gewissen Beliebtheit. Der Star des Vereins ist sein Stadion. Der Zuschauerschnitt kletterte höher denn je, der Club versilberte die Namensrechte für die neue Arena. Eine Investition, die sich langfristig rechnen könnte. In Seogwipo erscheint die Wirtschaftlichkeit des "schönsten Stadions der Welt" allerdings ausgeschlossen.
In der von der Stadtverwaltung herausgegebenen Broschüre heißt es über das für 109 Millionen Euro errichtete, 42.256 Sitzplätze fassende "Jeju World Cup Stadium" wörtlich: "Verwendungszweck des Stadions: nur Fußball". Nachdem die Weltmeisterschaft für Seogwipo, Gastgeber der drei Partien Brasilien - China, Slowenien - Paraguay und Deutschland - Paraguay, bereits gelaufen ist, ist der Krater leer und wird es bleiben. Denn auf der Insel gibt keinen einzigen Profiverein. Dieser südkoreanische Schildbürgerstreich ist aber kein Einzelfall.
Auch Daegu, wo das mit 260 Millionen Euro teuerste WM-Stadion Südkoreas entstand, und Jeonju haben keinen K-League-Club. Was soll nur mit all den schönen Arenen nach der Weltmeisterschaft geschehen? Die Vertreter der betroffenen Standorte haben wenig dynamische Pläne für die Investitionsruinen: Ausflugsziele oder Treffpunkte könnten sie sein, murmeln die Kommunalpolitiker betreten vor sich hin. Franz Beckenbauer, Organisationschef der WM 2006, gibt den heißen Tipp, sich nicht allzu große Gedanken über die Zukunft der Stadien zu machen: "Bei dem Klima hier wächst ja alles ganz schnell wieder zu."
Auf die subtropische Witterung setzt auch der Bürgermeister Seogwipos und rückt mit folgender Eingebung heraus: "Vielleicht können andere Proficlubs bei uns spielen, wenn auf dem Festland schlechtes Wetter ist." Und wenn es auf Jeju zu stark regnet, können die Bewohner das einem Schiff ähnliche Stadion ja vielleicht als Arche nutzen.
Im Wettbewerb um weltweites Prestige mit Co-Gastgeber Japan, dem einstigen Besatzer ihres Landes, haben die Südkoreaner allein dreimal so viel Geld in ihre Spielstätten investiert wie Frankreich vor vier Jahren. Für rund 1,8 Milliarden Euro stampften die Ostasiaten, die mit dem Slogan "Dynamic Korea" um internationale Investoren werben, zehn gigantische Stadien aus dem Boden. Jedes einzelne von Atem beraubender Architektur. Jenes in Seogwipo, einer 85.000-Einwohner-Stadt im Süden der Vulkaninsel Jeju, hat die Form eines Kraters mit einem luftigen Dach, das die traditionellen Boote der hiesigen Fischer symbolisiert und den Blick aufs Meer und Gebirge frei gibt.
Auch in Deutschland hat der Bau modernster Arenen Hochkonjunktur. Der sportlich vor sich hin dümpelnde Hamburger SV beispielsweise erfreut sich bei den Fans nur noch wegen seines für rund 180 Millionen Mark umgebauten Volksparkstadions einer gewissen Beliebtheit. Der Star des Vereins ist sein Stadion. Der Zuschauerschnitt kletterte höher denn je, der Club versilberte die Namensrechte für die neue Arena. Eine Investition, die sich langfristig rechnen könnte. In Seogwipo erscheint die Wirtschaftlichkeit des "schönsten Stadions der Welt" allerdings ausgeschlossen.
In der von der Stadtverwaltung herausgegebenen Broschüre heißt es über das für 109 Millionen Euro errichtete, 42.256 Sitzplätze fassende "Jeju World Cup Stadium" wörtlich: "Verwendungszweck des Stadions: nur Fußball". Nachdem die Weltmeisterschaft für Seogwipo, Gastgeber der drei Partien Brasilien - China, Slowenien - Paraguay und Deutschland - Paraguay, bereits gelaufen ist, ist der Krater leer und wird es bleiben. Denn auf der Insel gibt keinen einzigen Profiverein. Dieser südkoreanische Schildbürgerstreich ist aber kein Einzelfall.
Auch Daegu, wo das mit 260 Millionen Euro teuerste WM-Stadion Südkoreas entstand, und Jeonju haben keinen K-League-Club. Was soll nur mit all den schönen Arenen nach der Weltmeisterschaft geschehen? Die Vertreter der betroffenen Standorte haben wenig dynamische Pläne für die Investitionsruinen: Ausflugsziele oder Treffpunkte könnten sie sein, murmeln die Kommunalpolitiker betreten vor sich hin. Franz Beckenbauer, Organisationschef der WM 2006, gibt den heißen Tipp, sich nicht allzu große Gedanken über die Zukunft der Stadien zu machen: "Bei dem Klima hier wächst ja alles ganz schnell wieder zu."
Auf die subtropische Witterung setzt auch der Bürgermeister Seogwipos und rückt mit folgender Eingebung heraus: "Vielleicht können andere Proficlubs bei uns spielen, wenn auf dem Festland schlechtes Wetter ist." Und wenn es auf Jeju zu stark regnet, können die Bewohner das einem Schiff ähnliche Stadion ja vielleicht als Arche nutzen.