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Gordon Shamway
27.09.2002, 21:37
USA fordern Verbesserung der Krisenvorsorge

Das G-7-Treffen soll Insolvenzverfahren für zahlungsunfähige Länder voranbringen

Washington - Die Wirtschaftsturbulenzen in den Schwellenländern stehen nach den Worten von US-Finanzminister Paul O'Neill im Mittelpunkt der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank. Die Finanzminister der 184 Mitgliedsländer müssten die Krisenprävention vorantreiben, um Situationen wie die in Argentinien künftig zu vermeiden, sagte O'Neill in Washington.

Beim Treffen der Finanzminister der sieben wichtigsten Industrieländer (G 7) wollten die USA auf Fortschritte bei der Einrichtung eines Insolvenzverfahrens für zahlungsunfähige Länder drängen. Die G-7-Minister hatten im April einen entsprechenden Aktionsplan vorgelegt. "Ein klarer, reibungsloser Prozess für Nationen in unhaltbaren Lagen würde das Chaos erleichtern, das das derzeitige System im Leben von zu vielen Menschen anrichtet, die von ihren Regierungen durch Nichtstun im Stich gelassen wurden", sagte O'Neill.

Die IWF-Kredite müssten strikt begrenzt werden, forderte der Finanzminister, verteidigte aber gleichzeitig das Rekordpaket im Umfang von mehr als 30 Milliarden Dollar für Brasilien. "Das IWF-Programm war in der Situation, in der Brasilien sich befand, genau der richtige Weg", sagte O'Neill.

Die US-Regierung will das Thema Irak-Krieg beim Treffen der G-7-Finanzminister und der anschließenden Jahrestagung von IWF und Weltbank außen vor lassen. Die möglichen Folgen eines Militärschlags stünden nicht auf der Tagesordnung, sagte O'Neill weiter. "Die Opec strebt eine Bandbreite von 22 bis 28 Dollar pro Barrel Öl an. Damit kann unsere Wirtschaft leben", sagte O'Neill. "Die US-Wirtschaft ist auf einem holprigem Weg des Aufschwungs, und ich gehe von drei bis dreieinhalb Prozent Wachstum auf Jahresbasis am Ende dieses Jahres aus."

Wenn der Ölpreis ein Jahr lang fünf Dollar über der angenommenen Höhe von 24 Dollar liegt, kostet das die Weltwirtschaft nach Berechnung des Internationalen Währungsfonds (IWF) 0,3 Prozentpunkte Wachstum. Nach den Prognosen des IWF beeinflusse der Ölpreis jedoch nicht die Fortsetzung des erwarteten Aufschwungs, sagte IWF-Direktor Horst Köhler.

Für Freitag wurden rund 20.000 Demonstranten in Washington erwartet, die gegen die Globalisierung und einen möglichen Irak-Krieg zum Teil mit Fahrrädern durch die Innenstadt ziehen wollten. Die Polizei hat das Hauptquartier von IWF und Weltbank weiträumig abgesperrt, das nur zwei Straßenzüge vom Weißen Haus entfernt liegt. Im April 2000 hatte die Washingtoner Polizei bei Protesten gegen IWF und Weltbank rund 1300 Menschen festgenommen. DW

welt (http://www.welt.de)

hoellenfuerst
28.09.2002, 23:19
Duisenberg ist enttäuscht

Bundeshaushalt sei "sehr enttäuschend"

Washington ws. - Der Chef der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, hat Deutschland und andere EU-Staaten scharf kritisiert. Die Ergebnisse der Haushaltspolitik "in mehreren Staaten" seien "sehr enttäuschend", sagte Duisenberg vor der Tagung des Internationalen Währungsfonds an diesem Wochenende. Er bezog sich auf die hohen Haushaltsdefizite in Deutschland, Frankreich, Italien und Portugal.

hoellenfuerst
28.09.2002, 23:21
Finanzminister rechnen Konjunktur-Erholung
28. Sep 21:39, ergänzt 22:58

In Washington beginnt am Wochenende die

Herbsttagung von IWF und Weltbank. Die Finanzminister sehen die weltwirtschaftliche Lage optimistisch. Doch das Treffen wird von heftigen Demonstrationen begleitet.

Die Finanzminister haben sich während der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington optimistisch über die Konjunkturaussichten für die kommenden Monate geäußert. Die Konjunktur werde schon bald wieder an Fahrt gewinnen, heißt es in einer Erklärung des Finanz und Währungskomitees. Allerdings bestünden weiterhin Risiken, räumten die Finanzminister ein. Deswegen appellierten sie an die USA, Japan und Europa ihre Reformen zügig umzusetzen.


IWF senkt Konjunkturprognose für Deutschland
25. Sep 16:32, ergänzt 18:57
Die reichsten Industrieländer seien zu einer gemeinsamen Anstrengung zur Förderung des Wirtschaftswachstums verpflichtet, betonten der amerikanische Finanzminister Paul O'Neill und sein britischer Kollege Gordon Brown.

Neue Ansätze zur
Schuldenkrise

Der IWF werde konkrete Vorschläge für einen Insolvenz-Prozess hochverschuldeter Staaten entwickeln, sagte Brown auf einer Pressekonferenz. Dies werde neue Lösungen im Umgang mit der Schuldenkrise ermöglichen.

Die Schuldner Brasilien und Argentinien werden vom IWF auch künftig unterschiedlich behandelt. Während Brasilien einen Kredit von 30 Milliarden Dollar erhält, verlangt der IWF von Argentinien weitergehende Wirtschaftsreformen. Brasilien habe sich dagegen zu einer soliden Politik verpflichtet, teilte das IWF-Komitee mit.

Tausende demonstrierten

Wie am Freitag versammelten sich auch am Samstag
tausende Demonstranten in der Innenstadt von Washington, um gegen das Treffen zu protestieren. Rund 3200 Polizisten waren im Einsatz, um Ausschreitungen zu verhindern. Die Proteste richteten sich auch gegen einen möglichen Krieg gegen den Irak. ?Drop Bush not Bombs?, (lasst Bush fallen, nicht Bomben), hieß es auf den Plakaten. (nz)

hoellenfuerst
29.09.2002, 00:15
28/09/2002 23:23

Papademos - EZB wird auf wirtschaftliche Schocks reagieren~


Washington, 28. Sep (Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach den Worten ihres Vizepräsidenten Lucas Papademos reagieren, falls sich wirtschaftliche Schocks auf die Inflation in der Euro-Zone auswirken.




"Der EZB-Rat bleibt weiter wachsam und ist bereit, auf unerwartete Veränderungen im wirtschaftlichen und finanziellen Umfeld zu reagieren - auf Veränderungen, die eine Auswirkung auf die Aussichten für Preisstabilität haben", sagte Papademos am Samstag am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington.




Der Schlüsselzins in der Euro-Zone liegt seit November 2001 bei 3,25 Prozent. Immer mehr Volkswirte gehen allerdings davon aus, dass die Notenbank noch vor Ende dieses Jahres oder im Frühjahr 2003 die Zinsen senken wird, um damit das schwächelnde Wachstum in der Euro-Zone zu unterstützen.




EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte die Risiken für die Preisstabilität am Freitagabend als recht ausgeglichen und das gegenwärtige Leitzinsniveau als angemessen bezeichnet.




mwo/nmk

hoellenfuerst
29.09.2002, 12:05
G7/Duisenberg: Es gibt keinen Zinsdruck auf die EZB

Washington (vwd) - Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stand in Washington beim Treffen der G7-Finanzminister und - Notenbanker nicht unter Zinssenkungsdruck. EZB-Präsident Wim Duisenberg versicherte am Freitagabend in der Pressekonferenz: Seine geldpolitische Analyse habe auch bei Paul O'Neill "volle Übereinstimmung" gefunden; der US-Finanzminister war zuvor zitiert worden, Japan und Europa müssten nun das Wachstum der Weltwirtschaft in Schwung bringen, was zusammen mit der Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) als Aufforderung zur EZB- Zinssenkung verstanden wurde.

"Paul O'Neill hat volle Übereinstimmung mit mir gezeigt, was die Geldpolitik in der gegenwärtigen Situation erreichen kann, wobei es in erster Linie auf die Wiederherstellung des Vertrauens weltweit ankommt", sagte Duisenberg. Der Beitrag der Geldpolitik in diesen Zeiten der Unsicherheiten bestehe darin, einen verlässlichen Anker für die Erwartungen von Konsumenten und Investoren zu schaffen, sagte Duisenberg, der in der G7-Runde die Geld- und Wechselkurspolitik der Eurogruppe vertrat, begleitet vom gegenwärtigen Vorsitzenden der Eurogruppe-Finanzminister Nikolaos Christodoulakis (Griechenland).

Die Rahmenbedingungen für die vorausschauende EZB-Geldpolitik im Euroraum schilderte Duisenberg am Wochenende in der G7-Runde und in der Pressekonferenz anlässlich der IWF-Jahrestagung wie folgt: Die EZB erwartet, dass sich das Wirtschaftswachstum im weiteren Jahresverlauf belebt und im nächsten Jahr den Potenzialpfad erreicht, den die EZB mit zwei bis 2-1/2 Prozent annimmt. Die EZB vertraut auf den Konsum dank höherer Realeinkommen, auf die niedrigen Zinsen und die fundamental positive Basis im Euroraum ohne störende Ungleichgewichte.

Auch die EZB sehe Abwärtsrisiken infolge von Unsicherheiten an den Finanzmärkten, in den Ölpreisen, in den Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft und in der Weltpolitik. Die Inflationsrate (HVPI) liege mit zwei Prozent an der Obergrenze der EZB-Stabilitätsnorm, die Rate werde 2002 um die zwei Prozent schwanken und 2003 unter zwei Prozent sinken; eine Unsicherheit bilden hier die Ölpreise. Duisenberg forderte mehr Lohnzurückhaltung in der Wachstumsschwäche. Die Geldmengenexpansion zeige reichliche Liquidität, sie sei in der aktuellen Konjunktur aber kein Grund zur Preisstabilitätsbesorgnis. Die Kreditexpansion habe sich auf den langfristigen Durchschnitt beruhigt.

Duisenberg, angesprochen auf den Stabilitäts- und Wachstumspakt, kritisierte in der G7-Pressekonferenz die Finanzpolitiken im Euroraum scharf: "Das Ergebnis der Finanzpolitiken in mehreren Staaten ist sehr enttäuschend. Der Hauptgrund für die gegenwärtigen Schwierigkeiten beim Einhalten der Stabilitätsziele liegt darin, dass diese Staaten in den Jahren des starken Wirtschaftswachstum nicht wirklich ihre Budgets verbessert haben." Die Drei-Prozent-Grenze für die Budgetdefizite müsse klar und unverändert bleiben. Ein Überschreiten der Grenze müsse zum vorgesehenen Verfahren führen.

"Wir unterstützen voll die Europäische Kommission", sagte Duisenberg in Washington auf der G7-Pressekonferenz, an der EU- Währungskommissar Pedro Solbes auch teilnahm, auf die Frage nach dem Vorschlag der Kommission, das Zeitlimit für das Erreichen von ausgeglichenen Budgets von 2004 auf 2006 zu verschieben mit der Bedingung, die strukturellen Defizite konkret und mit jährlichen Vorgaben zu reduzieren. Dafür seien eine glaubwürdige Anpassung mit konkreten spezifierten Maßnahmen notwendig sowie realistische Annahmen für die wirtschaftliche Entwicklung.

+++ Hans Hutter

vwd/28.9.2002/hu/apo

29. September 2002, 10:41

hoellenfuerst
29.09.2002, 13:01
Trotz Flaute: Es gibt Weihnachtsgeld

Hamburg (rpo). Die Temperaturen sind bereits zeitweise winterlich, Lebkuchen erobert die Supermarkt-Regale. Stellt sich der Arbeitnehmer ängstlich die Frage nach dem Weihnachtsgeld. Trotz anhaltender Konjunkturflaute werden die deutschen Unternehmen nicht auf den Geschenk-Zuschuss verzichten.

Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Allerdings ist die Höhe der Zuwendung mitunter abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg. Anstatt des Weihnachtsgeldes in Form eines 13. Monatsgehalts werden Mitarbeitern immer häufiger Prämien ausbezahlt, die sich am Geschäftsergebnis der Firma orientieren.

"Bei uns kriegen alle tariflichen Mitarbeiter im November Weihnachtsgeld von 95 Prozent des Monatsgehalts, so auch dieses Jahr", sagte ein Sprecher des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen. Beim Frankenthaler Pumpen- und Armaturenhersteller KSB AG und der Kieler Werft HDW hieß es, eine Kürzung des Weihnachtsgeldes sei "kein Thema". Die bundesweit mehr als 10 000 Beschäftigten des Berliner Pharmakonzern Schering bekommen Ende November ein 13. Gehalt sowie eine Zusatzzahlung von 71 Euro.

Auch die Belegschaft des Siemens-Konzerns (München) muss keine Weihnachtsgeld-Kürzung befürchten. "Das ist eine klare Regelung. Da gibt es keinen Diskussionsbedarf", sagte ein Sprecher. Zusätzlich erhalten einige Beschäftigte eine Erfolgsbeteiligung, deren Höhe nach Ende des Geschäftsjahres 2001/02 festgelegt wird. Ähnlich handhabt es der größte deutsche Arbeitgeber DaimlerChrysler: Über eine Erfolgsprämie (2001: 1350 Euro) soll im Frühjahr entschieden werden.

Die HypoVereinsbank lässt das tariflich verankerte 13. Monatsgehalt nach eigenen Angaben unangetastet. Über eine Zusatzzahlung in Höhe eines viertel Monatslohnes werde im November entschieden. Beim Kölner Autobauer Ford beträgt das Weihnachtsgeld nach Angaben eines Sprechers je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit zwischen 15 und 100 Prozent des monatlichen Lohns.

Die Beschäftigten des Autobauers BMW erhalten nach Worten einer Sprecherin rein rechnerisch sogar 15,3 Monatsgehälter. Neben zwölf Gehältern zahle BMW 70 Prozent eines Lohns als Urlaubsgeld sowie bis zu 120 Prozent Weihnachtsgeld. Darüber hinaus gebe es eine Erfolgsbeteiligung. Für das Jahr 2001 habe die 138 Prozent eines Monatseinkommens betragen.

Auch bei Kraft Foods Deutschland, der Brauerei Beck & Co, der Bonner Telekom, dem Öl-Gas-Unternehmen Wintershall AG (Kassel), dem Handelsriesen Metro (Düsseldorf) und dem Pharmahersteller B. Braun Melsungen bleibt in Sachen Weihnachtsgeld alles beim Alten. Gleiches gilt für ThyssenKrupp, Ruhrgas, die RAG, Karstadt Quelle, Steilmann und Tengelmann. Die Kasseler Kali + Salz AG kündigte an, ihre erfolgsabhängige Bonuszahlung ohne Abstriche beizubehalten.

Die Mitarbeiter von Europas größtem Reiseveranstalter TUI (Hannover) hingegen bekommen wegen der Krise im Tourismus diesmal nur 60 Prozent Weihnachtsgeld. Je nach Marktentwicklung sollen die fehlenden 40 Prozent 2003 gezahlt werden, sagte ein Sprecher. Bei den rund 9000 Beschäftigten der Deutschen Steinkohle AG (DSK/Saarland) wird das Weihnachtsgeld bis 2005 um durchschnittlich 25 Prozent auf 2000 Euro gekürzt. "Das gehört zu einem Sparpaket, das mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft ausgehandelt wurde", sagte eine Sprecherin.

Gespart wird auch bei Kaufhof (30 000 Mitarbeiter). "Bei uns gibt es eine Prämie, die sich am Jahresumsatz orientiert. In diesem Jahr liegt sie bei 75 Prozent eines Monatsgehalts. 2001 waren es 105 Prozent", sagte eine Sprecherin der Illustrierten Bildwoche. Auch die Adam Opel AG (40 000 Mitarbeiter) kündigte Einschnitte an: "Für dieses und nächstes Jahr erhalten die Beschäftigten nur 70 Prozent ihres Monatseinkommens als Weihnachtsgeld. Da wir in den Vorjahren ein komplettes 13. Gehalt gezahlt haben, wollen wir die Differenz 2004 und 2005 aufstocken, also 130 Prozent geben", sagte ein Sprecher.

Der Chef der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu), Rainer Hecker, sieht die mögliche Streichung oder Reduzierung des Weihnachtsgeldes skeptisch: "Natürlich wäre unser Markt betroffen. Unterhaltungselektronik ist zu Weihnachten besonders gefragt." Hubertus Pellengahr vom Deutschen Einzelhandels-Verband (HDE), glaubt dass sich allein die Diskussion um das Weihnachtsgeld negativ auswirkt. "Die Leute halten ihr Geld stärker zusammen, obwohl sie wahrscheinlich nicht betroffen sind. Das schlägt sich bei uns nieder." Die Kürzungen hätten dem Einzelhandel bereits 2001 schwer zu schaffen gemacht.

hoellenfuerst
29.09.2002, 17:40
Sonntag, 29.09.2002, 17:28
EU-Wirtschaftskommissar Solbes rechnet mit nur 1 Prozent Eurozonen-Wachstum

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Die wirtschaftlichen Aussichten in der Eurozone haben sich nach Ansicht von EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pedro Solbes nicht verbessert. Wie Solbes dem "Handelsblatt" (Montagausgabe) sagte, belasteten die Krise am Aktienmarkt und die Lage im Nahen Osten die konjunkturelle Entwicklung.

Das Wachstum in der Eurozone werde in diesem Jahr 1 Prozent betragen und nicht - wie noch im Frühjahr vorausgesagt - 1,4 Prozent. Für das kommende Jahr könne die Prognose von 3,0 Prozent nicht aufrecht erhalten werden.

Mit Blick auf das Wachstum in Europa und vor allem in Deutschland sehe Solbes noch Spielraum für strukturelle Reformen, schreibt die Zeitung. Das gelte zum Beispiel bei der Deregulierung des Arbeitsmarktes oder bei der Reduzierung sozialer Leistungen./ar

info@dpa-AFX.de

Gordon Shamway
29.09.2002, 17:53
Die Frage ist nur noch: Plus 1% oder Minus 1%. :confused:
Ich bin mir da noch nicht so sicher, tendiere aber eher gegen die rote Null. :o

Gordon Shamway
29.09.2002, 18:04
Aus der FTD vom 30.9.2002 www.ftd.de/keese
Kolumne: Schröder stranguliert die Wirtschaft
Von Christoph Keese

Der Bundeskanzler versteht zu wenig von Makroökonomie und richtet dadurch enormen Schaden an.

Zu welchen Fehlern Gerhard Schröder in der Wirtschaftspolitik fähig ist, verschlägt Ökonomen den Atem. Mitten in einer schweren Rezession hebt er dreimal die Steuern an: erst für die Terrorbekämpfung, dann für die Fluthilfe und jetzt zum Stopfen der Haushaltslöcher bei den Bundesländern und im Gesundheitssystem. Gleichzeitig verfolgt er mit der "ruhigen Hand" eine rigide Fiskalpolitik, die prozyklisch wirkt und die Rezession weiter verschärft.

Die jüngsten Pläne zur Steuererhöhung verraten eine Kaltschnäuzigkeit, die ihresgleichen sucht. Es sind vor allem vier Punkte, die man dem Kanzler vorhalten muss. Erstens: Im Wahlkampf hat er kein Wort zu Steuererhöhungen gesagt, dafür aber mit Irak ein Schein- und Nebenthema hochgezogen. Niemand hatte die Deutschen gebeten, Soldaten nach Irak zu schicken. Schröder lehnte trotzdem mit Getöse ab und belastete die Beziehungen zu den USA damit schwer. Jetzt wissen wir warum - um vom Steuerthema abzulenken. Ein größeres Maß an Egoismus und Zynismus ist kaum vorstellbar.

Zweitens führte Schröder die Wähler bewusst hinters Licht, indem er die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis zurückpfiff, als sie im Sommer höhere Steuern vorschlug. Sie meinte damals genau das, was heute ihre Kollegen Kurt Beck und Siegmar Gabriel sagen. Vor der Wahl bestrafte Schröder den Vorstoß, heute fördert er ihn. Wer Schröder damals glaubte und ihn wählte, muss sich heute getäuscht fühlen.


Automatische Folge der Steuerreform

Drittens kneift der Kanzler vor den Wählern, weil er die Vorschläge zu Steuererhöhungen nicht selber äußert, sondern Beck und Gabriel vorgehen lässt. Die können aus ihrer Sicht sogar gute Argumente vorbringen: Schröders Steuerreform hat den Bundeshaushalt auf Kosten der Länder und Kommunen entlastet. Hans Eichels vermeintliche Sparerfolge beruhen zum guten Teil auf dem Wegdrücken von Lasten nach unten. Damit hat die Bundesregierung den Ländern und Gemeinden so schwer geschadet, dass die jetzt nicht anders können, als einen Ausgleich zu fordern. Die nun geforderten Erhöhungen sind die automatische Folge der schlecht geplanten Steuerreform, für die Schröder und Eichel so viel Beifall reklamiert haben.


Viertens führen Schröders Leute das Publikum mit der Begründung der Steuererhöhungen wiederum in die Irre. Jeder unpopulären Maßnahme stülpen sie einen Scheingrund über, den sie für gut verkaufbar halten. Wohl in Absprache mit dem Kanzler behaupten Beck und Gabriel, Erbschaft- und Vermögensteuer würden in die Bildung fließen; Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sagt, die höhere Tabaksteuer ströme dem Gesundheitswesen zu. Das mag zwar technisch richtig sein, ist wirtschaftlich aber Unfug: Selbst wenn alles Geld dem genannten Zweck zukommt, ist es dort doch nur nötig, weil der Bund und die Länder ihre Aufgaben mit den jetzigen Steuern nicht finanzieren können. Die neuen Steuern sind demnach der Offenbarungseid für die bisherige Haushaltspolitik.

Steigende Staatsquote

Ganz gleich, wie wichtig die Felder Gesundheit und Bildung sein mögen: Die Steuererhöhungen mindern die private Kaufkraft und erhöhen die Staatsquote. Per Definition gibt es keine unschädlichen Steuern. Selbst die Millionenerben, die künftig mehr an den Staat entrichten sollen, stecken das Geld in den Konsum und die Finanzierung von Investitionen, wenn sie es nicht beim Fiskus abgeben müssten. Mit seiner verfehlten Politik hat Schröder 2003 schon jetzt zu einem verlorenen Jahr gemacht. Es wird im Zeichen von Nullwachstum, Arbeitslosigkeit, Angst und Frustration stehen. Doch auch das wird den Kanzler nicht von der Behauptung abhalten, die er im zweiten TV-Duell aufgestellt hat: dass Deutschlands Probleme nur auf exogenen Schocks beruhen, gegen die man nichts tun kann.


Wahrscheinlich glaubt der Kanzler inzwischen selber daran; er ist eben Jurist und kein Volkswirt. Das wäre nicht tragisch, wenn er wie amerikanische oder französische Regierungschefs Berater an seine Seite holte, die ihm die ökonomischen Auswirkungen seiner Handlungen erklären. Doch das tut Schröder nicht. Er lenkt die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ohne Volkswirt im engsten Regierungskreis. Stattdessen hört er nur auf angelernte Haushaltsexperten wie Hans Eichel und Franz Müntefering, deren Verständnis von Nationalökonomie sich weitgehend in dem Wort "Sparen" erschöpft.

Macht Schröder so weiter, rechtfertigt er bald einen Vergleich seines Verhaltens mit Teilen der Politik von Reichskanzler Heinrich Brüning. Natürlich sind die Umstände heute anders als in den 30er Jahren; der Vergleich hinkt in vielen Details. Trotzdem sticht eine Parallele ins Auge: Schröder stellt wie Brüning mitten in einer scharfen Wirtschaftskrise die Sanierung des Haushalts an oberste Stelle und nimmt dafür eine Deflation bewusst in Kauf.

Genau das Gegenteil müsste Schröder tun: die Steuern senken, Subventionen abbauen, Sozialsysteme sanieren, Vertrauen der Konsumenten durch entschlossenes Handeln restaurieren und der Krise durch expansive Fiskalpolitik mit zeitweiser Erhöhung des Defizits begegnen. Mit dem Vertrag von Maastricht wäre das vereinbar, weil er das ausdrücklich vorsieht. Falls Schröder nicht schnell auf diesen Kurs umschwenkt, wird der von ihm verursachte Schaden noch größer.



© 2002 Financial Times Deutschland

hoellenfuerst
29.09.2002, 18:18
tendiere aber eher gegen die rote Null.
ich bin dafür wir einigen uns auf einen terminus für den kanzler :D

Gordon Shamway
29.09.2002, 18:25
a) Gerd ?

b) Doris Ihren Mann ?

:lol

hoellenfuerst
29.09.2002, 18:30
1. brioni-modell
2. lügenbaron (im moment gold, aber mit ambitionen auf platin)
3. genosse der bosse
4. talk-master
5. ausreden-entwurfs-meister
6. telegener-spd-kanditat :D

Gordon Shamway
29.09.2002, 18:33
Das brennt ja wie die --> lodernde Glut. :D

hoellenfuerst
29.09.2002, 18:34
butter bei die fische:
auf was einigen wir uns. ich bin für lügenbaron (wegen die steigerungsfähigkeit) :D

Gordon Shamway
29.09.2002, 18:40
Ich halt mich da raus und schaue dem Treiben zu wie stadler und walldorf bei der Muppets-Show. :D
Die Regierung macht datt schon. ;) Vor der Wahl haben sie die Lage ja noch rosarot dargestellt, als ob sie 1998 eine Misswirtschaft übernommen hätten und bei verlorener Wahl 2002 ein bestelltes Haus übergeben würden. :eek: Tja, nun haben sie halt doch entgegen eigener Einschätzung gewonnen. :D

hoellenfuerst
29.09.2002, 19:16
:D

hoellenfuerst
29.09.2002, 21:55
Sonntag, 29.09.2002, 14:27


NEW YORK (dpa-AFX) - Die Wall Street befindet sich in der schlimmsten Verfassung seit Jahrzehnten. Die Angst vor einem Irak-Krieg geht um, die Ölpreise sind hoch. Zudem bleibt die US-Konjunktur hinter den Erwartungen zurück: Prominente Großkonzerne geben Gewinnwarnungen heraus, Massenentlassungen sind keine Seltenheit. Darüber hinaus erschüttert eine Serie von Buchfälschungs-, Analysten- und anderen amerikanischen Firmenskandalen das Vertrauen der Anleger.

Der Dow-Jones-Index liegt momentan mit 7.701,45 Punkten fast auf dem niedrigsten Stand seit vier Jahren. Das Börsenbarometer brach am vergangenen Freitag um 295 Punkte oder 3,70 Prozent ein. Der Dow fiel im September um 11,1 Prozent. Das war der stärkste September-Kursverlust seit 1937. Im dritten Quartal hat der Dow 16,7 Prozent an Wert verloren. Das war der schlimmste Dreimonatsabschnitt seit dem Börsenkrach von 1987. Seit Jahresanfang ist der Dow um 23,15 Prozent eingebrochen.

8 BILLIONEN DOLLAR VERLUST

Seit Beginn der dramatischen Wall-Street-Baisse im Frühjahr 2000, dem längsten Einbruch seit den dreißiger Jahren, haben die amerikanischen Aktien einen beispiellosen Gesamtverlust von acht Billionen Dollar verbucht. Seit Jahresbeginn hat der-In Wilshirex-5000 dex, der die Kursentwicklung fast aller US- Aktien repräsentiert, allein 2,8 Billionen Dollar an Wert eingebüßt.

Der NASDAQ-Index notiert nur noch mit 1.199,16 Punkten gegenüber 5.048,62 Punkten am 10. März 2000. Das entspricht einem Absturz von nicht weniger als 76 Prozent in zweieinhalb Jahren. Der NASDAQ-Index befindet sich etwa auf dem tiefsten Niveau seit sechs Jahren. Die elektronische NASDAQ- Börse, der zweitgrößte Wertpapiermarkt der Welt, ähnelt damit in seiner katastrophalen Kursentwicklung fast dem Neuen Markt in Deutschland.

Besonders schwer waren die Kurseinbrüche in der Telekom-Branche. Telekomaktien haben seit Beginn dieses Jahres weitere 51,60 Prozent an Wert verloren. Technologiewerte verloren 48,30 Prozent und Industrieaktien 30,71 Prozent.

BESSERUNG NICHT IN SICHT

Eine Besserung ist nicht in Sicht, weil die verzweifelten Anleger in großem Stil aussteigen und auch die Investmentfonds unter Milliardenabzügen ihrer Anteilseigner leiden. Die Unternehmensgewinn-Prognosen werden ständig nach unten reduziert.

Das US-Wirtschaftswachstum dürfte in diesem Jahr etwa 2,5 Prozent erreichen, und die Arbeitslosenquote von derzeit 5,7 Prozent auf 6 Prozent steigen. Die Unternehmen investieren nicht und entlassen weiter Mitarbeiter, um Kosten zu sparen und um ihre Gewinne aufzubessern. Zur Zeit deutet somit kaum etwas auf eine baldige und nachhaltige Besserung der desolaten Wall-Street-Situation hin./br/DP/ar

--- Von Peter Bauer, dpa ---

info@dpa-AFX.de

Gordon Shamway
30.09.2002, 16:46
USA: Chicago-Einkaufsmanagerindex fällt im September überraschend deutlich

CHICAGO (dpa-AFX) - Der Chicago-Einkaufsmanagerindex ist im September überraschend deutlich auf 48,1 Punkte eingebrochen. Dies teilte die regionale Einkaufsmanagervereinigung von Chicago am Montag mit. Von der Finanznachrichtenagentur AFX befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt lediglich mit einem leichten Rückgang auf 53,0 Punkte gerechnet. Im Vormonat lag der Wert bei 54,9 Punkten. Ein Wert über 50 Punkten deutet auf eine Expansion der wirtschaftlichen Aktivität hin, während ein Wert unter 50 auf einen Rückgang hinweist./FX/jh/js/

hoellenfuerst
30.09.2002, 21:30
Aus der FTD vom 1.10.2002


Von Wolfram Trost, Frankfurt Das Blutbad an den Aktienmärkten hat an den Rentenmärkten zu kräftig sinkenden Renditen geführt. Die Rendite zweijähriger Bundesanleihen sackte um elf Basispunkte auf 3,06 Prozent, den tiefsten Stand seit November vergangenen Jahres.
Zehnjährige Bunds rentierten sechs Basispunkte niedriger bei 4,27 Prozent. Der Terminkontrakt auf diese Papiere (Bund Future) kletterte zwischenzeitlich auf ein neues Kontrakthoch bei 112,94 Punkten und beendete den Handel am Montag um 49 Stellen höher bei 112,74 Punkten.

Auch in Amerika stürzten die Renditen auf neue Tiefstände. Zweijährige Treasuries rentierten gegen 20 Uhr MESZ neun Basispunkte niedriger bei 1,71 Prozent. Damit liegen sie unter der Federal-Funds-Zielrate der US-Notenbank von 1,75 Prozent. Händler rechnen fest mit einer bevorstehenden Senkung der Fed. Robert McTeer, Präsident der Notenbank von Dallas, sagte, dass die US-Wirtschaft unbedingt stärker wachsen müsse. William McDonough, Präsident der Notenbank von New York, sagte, dass es für eine Zinssenkung noch Spielraum gebe, wenn es nötig sei.

Grund ist die Angst vor einem erneuten Rückfall in die Rezession (Double Dip). Die Einkaufsmanager aus der Region Chicago sind wesentlich pessimistischer als befürchtet. Der September-Index fiel von 54,9 auf 48,1 Punkte, während Volkswirte im Schnitt nur einen Rückgang auf 53 Zähler prognostiziert hatten. Am Dienstag steht der nationale Einkaufsmanagerindex (ISM) im Mittelpunkt.

Versehentlich hat die Nachrichtenagentur Reuters Montagabend auch die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für Deutschland und die Euro-Zone veröffentlicht. Ursprünglich sollten die Zahlen erst am Dienstag bekannt gegeben werden. Der PMI für Deutschland ist von 49,1 auf 46 Punkte gesunken, der für die Euro-Zone von 50,8 auf 48,9 Punkte. Damit zeigen beide Werte eine klar rezessive Tendenz an. "Fraglich ist, welche Rolle die Flutkatastrophe gespielt hat", sagte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Es könne durchaus sein, dass mehr hinter den schlechten Zahlen stecke.

Die wiederum dürften den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) in Bezug auf eine Zinssenkung erhöhen. Mehrere EZB-Mitglieder hatten angedeutet, dass die Notenbank handeln werde, wenn sich die Konjunktur weiter verschlechtert. An den Terminmärkten sind die Zinssenkungserwartungen deutlich gestiegen. Die implizite Rendite des Euribor-Futures per Dezember ist um sieben Basispunkte auf 3,0 Prozent gesunken, die des März-2003-Kontraktes um elf Basispunkte auf 2,84 Prozent.

An den Devisenmärkten legte der Euro weiter zu. Bis 20 Uhr MESZ stieg er um 0,57 Cent auf 0,9866 $. Gründe waren die jüngsten Gewinnwarnungen von US-Firmen und die Kursverluste des Greenback gegenüber dem Yen. Bis zum Abend verlor der Dollar 0,67 auf 121,69 Yen. Ausschlaggebend war die Kabinettsumbildung in Japan. "Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass öffentliche Gelder in das marode Bankensystem gepumpt werden", sagte Antje Praefcke von Helaba Trust.
? 2002 Financial Times Deutschland

Gordon Shamway
30.09.2002, 22:11
Schlechte US-Konjunkturdaten enttäuschen Börsen
Wirtschaft entwickelt sich nicht wie erhofft. Weitere Zinssenkungen sind möglich

New York – Der für die US-Wirtschaft wichtige Konjunkturindex der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago ist im September stärker als erwartet gesunken. Der Rückgang signalisiert erstmals seit Februar ein rückläufiges Geschäft im Verarbeitenden Gewerbe in der Region im Mittleren Westen der USA. Die Kurse an der Wall Street und auch an der Frankfurter Börse gingen daraufhin auf Talfahrt, erholten sich dann aber zum Teil wieder.

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Index fiel von 54,9 Punkten im August auf saisonbereinigt 48,1, wie die Vereinigung der Chicagoer Einkaufsmanager mitteilte. Volkswirte hatten 53,1 Punkte vorausgesagt. Der Index liegt damit erstmals seit Februar wieder unter der Marke von 50 Zählern. Oberhalb dieses Wertes zeigt das Barometer eine Expansion im Verarbeitenden Gewerbe der für die US-Konjunktur wichtigen Wirtschaftsregion um Chicago an.

Weitere Ursachen für das gestrige Abgleiten der Börsen waren ein überraschend schwaches Wachstum des Konsums, ein deutliches Nachlassen der Geschäftsaktivitäten im Mittleren Westen, anhaltend schlechte Nachrichten von der Gewinnlage der Unternehmen sowie die Unsicherheit über einen möglichen Krieg mit dem Irak.

Für die US-Notenbank Federal Reserve ist der Chicago-Index ein wichtiges Barometer für den Zustand der Gesamtwirtschaft in den USA. Verschiedene Unterindices vermitteln ein detailliertes Bild über die Konjunktur und werden von der Fed oft als wichtige Basis für Zinsentscheidungen angesehen.

Dass die Zinsen weiter gesenkt werden könnten, wenn die amerikanische Wirtschaft nicht bald stärker an Fahrt gewinnt, haben am Montag zwei Fed-Gouverneure signalisiert, die sich bereits vergangene Woche für eine Zinssenkung stark gemacht hatten. Damals hatte die Zentralbank die Zinsen unverändert gelassen. Das nächste Mal kommen die Währungshüter Anfang November wieder zusammen. Der Satz für Tagesgeld liegt nach elf Senkungen seit Dezember auf einem 40-Jahres-Tief von 1,75 Prozent. Volkswirte erwarten laut einer neuen Umfrage trotz schwacher Konjunkturdaten eine solide Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft. Weitere Zinssenkungen seien nicht notwendig. usa./rtr

welt (http://www.welt.de)

hoellenfuerst
01.10.2002, 10:12
Montag, 30. September 2002
Notwendigkeit erkannt
Konkurssystem für Staaten

IWF und Weltbank haben auf ihrer am Sonntag zu Ende gegangenen Herbsttagung ein Abkommen über ein Konkurssystem für überschuldete Länder unterzeichnet. Der Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, nannte dies einen Durchbruch. Mit dem Abkommen hätten die Teilnehmer anerkannt, dass es eine Kluft in der internationalen Finanzarchitektur gäbe.

Hintergrund des Vorstoßes sind die Schuldenkrise in Lateinamerika, die internationale Börsenkrise sowie ein möglicher US-Krieg gegen den Irak. Ursprünglich war die Idee für ein Konkurssystem für überschuldete Länder im Zusammenhang mit der Finanzkrise in Asien entstanden. Von 1997 bis 98 stürzt in diesem Zusammenhang 40 Prozent der Weltwirtschaft in eine tiefe Krise.

Das Abkommen war wegen des Widerstandes der größten Banken in den reichsten Ländern der Welt nur zögerlich angegangen worden. Da durch Konjunkturflaute und Börsenschwäche nun auch andere Länder von einer Krise bedroht oder bereits betroffen sind, hat sich der Handlungsdruck erhöht.


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Gordon Shamway
01.10.2002, 16:46
ISM-Index signalisiert Geschäftsrückgang der US-Industrie

Tempe, 01. Okt (Reuters) - Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager ist im September erstmals seit Januar wieder unter 50 Punkte gesunken und signalisert damit ein rückläufiges Geschäft der US-Industrie. Der Index fiel auf 49,5 von 50,5 Punkten im August, wie das Institute of Supply Management (ISM) am Dienstag mitteilte. Analysten hatten einen leichten Anstieg auf 50,8 Zähler prognostiziert. Einige Experten hatten aber nach den schwachen Chicagoer Einkaufsmanager-Index vom Vortag einen Rückgang erwartet. Ein Wert von über 50 Punkten deutet auf eine Expansion im Verarbeitenden Gewerbe hin, Werte darunter zeigen ein Schrumpfen des Sektors an. Die befragten Unternehmer äußerten sich ISM zufolge besorgt über die Energiepreise und einen möglichen Krieg im Irak. Das Verarbeitende Gewerbe habe weiter Probleme, obwohl die Gesamtwirtschaft moderat wachse, hieß es. phi

Quelle: REUTERS

hoellenfuerst
01.10.2002, 22:29
ftd.de, Di, 1.10.2002, 17:48

Der deutsche Einzelhandel kann den seit Monaten anhaltenden Umsatzrückgang nicht stoppen. Die Umsatzentwicklung ist auch im Vergleich mit den anderen EU-Ländern schwach.
Auch im August habe sich die Talfahrt der Branche fortgesetzt, teilte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Dienstag in Berlin mit. Nach einem Minus von 4,8 Prozent im Juni und 1,9 Prozent im Juli habe der Einzelhandel im August drei Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahresmonat. Insgesamt habe die Branche in den ersten acht Monaten etwa zehn Mrd. Euro weniger erwirtschaftet als vor einem Jahr. Dies entspreche einem Minus von vier Prozent, hieß es in der Mitteilung.

Auch für den September sei keine "Wende zum Besseren" in Sicht. Dies gehe aus ersten Rückmeldungen der Unternehmen hervor. Die Hoffnungen des Einzelhandels ruhten nun auf dem vierten Quartal. "Aber selbst wenn die Konsumfreude der Verbraucher zum Weihnachtsgeschäft zurückkehren sollte, können die Umsatzverluste der Vormonate nicht mehr aufgeholt werden", teilte der HDE mit.

Freizeitbranche behauptet sich

Besonders hohe Umsatzrückgänge im August mussten den Angaben zufolge die Branchen Haus- und Heimausstattung (Glas, Porzellan, Keramik, Möbel, Leuchten, Gardinen, Tapeten, Bettwaren) mit minus 3,6 Prozent und die persönlichen Ausstatter (Textilien, Bekleidung, Schuhe, Uhren, Schmuck) mit minus 5,7 Prozent hinnehmen. Freizeitorientierte Branchen (CDs, Bücher, Foto, Sport, Spielwaren) hätten ihre Vorjahresumsätze hingegen ebenso wie die Bau- und Heimwerkermärkte behaupten können. Die Daten des HDE beruhen dem Verband zufolge auf einer Umfrage unter etwa 1000 Mitgliedsunternehmen. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die amtlichen Daten zum Einzelhandelsumsatz am Mittwoch.

Das Bundesamt berücksichtigt unter anderem auch Apotheken, während der HDE diese Sparte nicht einbezieht. Im Juli hatten die Umsätze vorläufigen Daten des Statistikamts zufolge nominal um 2,4 Prozent und real 1,7 Prozent unter dem Vorjahresmonat gelegen. Der HDE hatte in seiner Umfrage für Juli ein nominales Minus von 1,9 Prozent ermittelt.

Schwache Entwicklung im europäischen Vergleich

Die Umsätze der deutschen Einzelhändler hinken weiterhin auch hinter denen der anderen EU-Länder her. In der Eurozone ist der Einzelhandelsumsatz im Juli überraschend gestiegen, teilte das Europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg mit. Im Vergleich zum Vormonat erhöhten sich die Umsätze in der Eurozone um 0,6 Prozent. Im Jahresvergleich betrug die Steigerungsrate 1,4 Prozent. Wie Eurostat mitteilte, setzte sich die Umsatzflaute der deutschen Einzelhändler im Juli mit einem Minus von drei Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat fort. Nur in Portugal, wo der Einzelhandel einen Wechsel von guten und schlechten Monaten hinter sich hat, waren die Juli-Zahlen mit minus 4,5 Prozent noch mieser.

Am kräftigsten wuchsen die Umsätze in Spanien mit plus 8,1 Prozent. Aus Dänemark, Frankreich, Griechenland und Luxemburg lagen Eurostat noch keine Angaben für Juli vor. Bis Juni hatten aber etwa die Franzosen noch jeweils deutliche Zuwächse verbucht.

Konsumklima bleibt unsicher

Die gestiegenen Einzelhandelsumsätze in der Eurozone sind nach Ansicht von JP Morgan ein Lichtblick. Angesichts der in jüngster Zeit insgesamt eher nach unten gerichteten Konjunkturdaten sei ein Ende der konjunkturellen Dunkelheit aber unwahrscheinlich, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie.

Neben dem Einzelhandel haben besonders Gastronomen und die Reisebranche unter der Konsumflaute in diesem Jahr zu leiden. Die jüngste Verbraucherumfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) signalisierte zwar eine Stabilisierung des Konsumklimas in Deutschland, der Ausblick für den Konsum bleibt aber Experten zufolge angesichts der hohen Arbeitslosigkeit, der wirtschaftlichen Unsicherheiten und dem schwelenden Irak-Konflikt unsicher.
? 2002 Financial Times Deutschland

hoellenfuerst
02.10.2002, 20:40
02/10/2002 15:21


Frankfurt, 02. Okt (Reuters) - Das gewachsene Risiko eines Konjunktureinbruchs in der Euro-Zone hat viele Analysten zu einer Kehrtwende in ihren Zinsprognosen veranlasst. Die Mehrheit rechnet nun mit einer erneuten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB).




36 der 52 von Reuters befragten Volkswirte prognostizieren inzwischen weiter sinkende Zinsen, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage ergab. Vor einem Monat hatten nur elf Analysten eine Zinssenkung als nächsten Schritt vorhergesagt. "Die Argumente für niedrigere Zinsen sind ziemlich überzeugend", sagte Dieter Wermuth von United Financials of Japan in Frankfurt, der die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte bei der nächsten Sitzung des EZB-Rats am 10. Oktober auf 50 Prozent beziffert.




Fünf Volkswirte rechnen schon in einer Woche mit einer Zinssenkung. Insgesamt sehen 26 Analysten eine Senkung des Leitzinses von derzeit 3,25 Prozent bis zum Jahresende - 15 erwarten eine Senkung um 25 Basispunkte, 11 um 50 Basispunkte. Neun Analysten rechnen erst im kommenden Jahr mit einer Senkung, einer nannte keinen genauen Zeitpunkt.




An den europäischen Finanzmärkten sind in den Zinsfutures sinkende EZB-Leitzinsen bereits seit längerem eingepreist. Auch für die USA wächst die Zahl der Volkswirte, die mit einer baldigen Zinssenkung der Notenbank Fed rechnet.

hoellenfuerst
02.10.2002, 22:48
Neueste Meldung von dpa-AFX
Mittwoch, 02.10.2002, 22:36


SAN FRANCISCO (dpa-AFX) - Die Erholung der US-Wirtschaft verläuft aus Sicht des Notenbankchefs von San Francisco, Robert Parry, "bescheiden und ungleichmäßig". Im dritten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt verglichen mit dem Vorquartal stark anziehen, um im Abschlussquartal 2002 dann etwas langsamer zu wachsen, sagte Parry.

Der drohende Irak-Krieg sowie der jüngste Ölpreis-Anstieg vergrößerten allerdings Sorgen der Unternehmen über die Wirtschaftsentwicklung. Der Streik an allen Häfen der US-Westküste könnte sich negativ auf die Wirtschaft auswirken. Falls die Arbeitsniederlegung "sofort" beendet werden könne, hielten sich die Auswirkungen auf die US-Wirtschaft in Grenzen. Wenn der Streik aber andauere und Lieferungen noch länger unterbrochen werden, werde dies auch auf die Wirtschaft drücken, sagte Parry./FX/bi/tv

info@dpa-AFX.de

Gordon Shamway
03.10.2002, 21:39
Aus der FTD vom 4.10.2002 www.ftd.de/zinsumfrage
FTD-Umfrage: Zinssenkung nur noch eine Frage der Zeit
Von Wolfram Trost, Frankfurt

Die Zeichen stehen auf Zinssenkung: Mittlerweile prognostizieren 15 Volkswirte, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bis Jahresende den Leitzins senken wird. Die jüngsten schwachen Konjunkturdaten und ein deutlich gesunkener Einkaufsmanagerindex stützen die Forderung nach einer Zinssenkung.


Meinungen gehen weit auseinander

Von den Volkswirten erwarten sechs einen kleinen Zinsschritt um 25 Basispunkte auf 3,0 Prozent, acht eine Rücknahme um insgesamt 50 Basispunkte auf 2,75 Prozent, und einer geht davon aus, dass der Leitzins am Jahresende bei 2,5 Prozent liegen wird. Das ergab die jüngste Zinsumfrage der Financial Times Deutschland unter 30 Volkswirten führender internationaler Investmentbanken.

Am kommenden Donnerstag wird die EZB wieder über die Zinspolitik entscheiden. Drei Volkswirte erwarten, dass sie bereits dann die Zinsen senken wird. Die übrigen EZB-Beobachter glauben, dass es dafür noch zu früh ist. "Die noch offene Diskussion über die Änderung des Stabilitätspaktes wird die EZB nicht motivieren, die Zinsen im Oktober zu senken", sagte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Dennoch bleibe dies nur eine Frage der Zeit.


Preisstabilität als hohes Gut

Auffällig ist, dass immer mehr Volkswirte glauben, dass die lahmende Konjunktur zu sinkenden Zinsen führen wird, obwohl für die Notenbank die Sicherstellung der Preisstabilität oberstes Gebot ist und hier noch keine Entwarnung gegeben werden kann. "Die Inflationsrate wird erst ab März nächsten Jahres wieder deutlich unter 2 Prozent liegen, sodass Zinssenkungen frühestens ab Jahresbeginn zu erwarten sind", sagte Carsten Klude von M.M. Warburg. Vorraussetzung sei aber, dass sich der Ölpreis nicht stark verteuere.


Nach einer ersten Berechnung des europäischen Statistikamtes Eurostat betrug die Inflation in der Euro-Zone im September 2,2 Prozent und lag damit über der Zielrate der EZB von 2,0 Prozent. Im Schnitt prognostizieren die Volkswirte für dieses Jahr eine Inflationsrate von 2,17 Prozent, nahezu unverändert gegenüber der Vormonatsschätzung. Im kommenden Jahr werde die Preissteigerung 1,77 Prozent betragen, vor einem Monat lag die Prognose noch bei 1,74 Prozent.

Irak-Krieg eingerechnet

Inflationsgefahren lauern aber bei einer Zuspitzung der Irak-Krise. Doch auch in diesem Punkt glauben viele Volkswirte, dass die negativen Auswirkungen eines Krieges in Nahost auf die Konjunktur im Mittelpunkt stehen werden. Uwe Angenendt von der ING BHF-Bank prognostiziert einen Leitzins von 2,5 Prozent zum Jahresende: "Unsere Prognose unterstellt den drohenden Irak-Krieg, der die Weltwirtschaft und damit auch den Euro-Raum stark belasten wird. Sowohl für die USA als auch für die Euro-Zone erwarten wir für das laufende und das kommende Quartal erneut negative Wachstumsraten, dies wird die EZB zu deutlichen Zinssenkungen zwingen."


Die ING BHF-Bank ist nicht das einzige Institut, das sich pessimistisch zum Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone äußert. Fast alle Banken haben ihre Wachstumsprognosen für dieses und nächstes Jahr teils deutlich zurückgenommen. Im Schnitt wird nach Auffassung der Volkswirte die Wirtschaft in diesem Jahr nur noch um 0,77 Prozent wachsen und im kommenden Jahr um 1,80 Prozent. Vor einem Monat lagen die Schätzungen noch bei 0,91 Prozent und 2,21 Prozent.


Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vergangene Woche seine Wachstumsprognose für die Euro-Zone nach unten revidiert: Demnach werde die Wirtschaft in diesem Jahr nur noch um 0,9 Prozent zulegen. Vor sechs Monaten gingen die Experten noch von 1,4 Prozent aus. Die EZB solle die Zinsen senken, wenn sich die Weltwirtschaft weiter eintrübt, empfahl der IWF der Notenbank.


Konjunkturschwäche im Mittelpunkt

Zusätzliche Nahrung für eine Zinssenkung brachten die jüngsten Konjunkturdaten. So ist nicht nur in den USA die Stimmung der Einkaufsmanager auf rezessives Niveau abgerutscht. Auch in der Euro-Zone, besonders in Deutschland, fielen die Einkaufsmanagerindizes deutlich.


Zuvor war in Deutschland der Ifo-Geschäftsklimaindex erneut stärker gefallen als von Analysten erwartet. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Die EZB muss die Zinsen dringend mindestens um einen halben Prozentpunkt senken, um mögliche Deflationsgefahren zu bekämpfen." Sinn empfiehlt der EZB, ihr Inflationsziel von 2 Prozent auf 2,5 bis 3 Prozent anzuheben.


Die Frage ist, wie stark sich die EZB von den lauter werdenden Rufen nach einer Zinssenkung beeinflussen lässt. Die jüngsten Äußerungen einiger Notenbanker lassen keine einheitliche Richtung erkennen. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die EZB ihren geldpolitischen Spielraum nutzt, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld verschlimmert und der Inflationsausblick einen Zinsschritt zulässt", sagte Bundesbankpräsident Ernst Welteke vergangenen Samstag. Am selben Tag sagte EZB-Vizepräsident Lucas Papademos: "Die EZB wird auf unerwartete Ereignisse in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten reagieren, wenn sie einen Einfluss auf die Inflationsaussichten haben."


Die Teilnehmer an den Finanzmärkten interpretierten die Äußerungen als Vorbereitung auf eine Zinssenkung. Doch zuletzt ruderten die Notenbanker wieder zurück. "Die Chancen stehen gut, dass sich das Wachstum im Euro-Raum im kommenden Jahr belebt", sagte EZB-Volkswirt Otmar Issing am Montag. Papademos sagte, dass die EZB für das nächste Jahr ein Wachstum von 2,5 Prozent erwarte. Beide Notenbanker erklärten, dass der Leitzins gegenwärtig angemessen sei.


Terminmarkt bestätigt Volkswirte

"Die Zinssenkungsspekulationen sind ein bisschen verfrüht", sagte Thomas Meißner von der DZ Bank. Zwar sei die konjunkturelle Lage wackelig, aber auf keinen Fall deflationär. Die EZB dürfte daher an ihrer abwartenden Haltung festhalten.


Die Teilnehmer an den Terminmärkten sehen das offensichtlich anders. Zwar ist eine Zinssenkung um volle 25 Basispunkte noch nicht in den Kursen der Terminkontrakte auf Drei-Monats-Interbankengeld (Euribor-Futures) enthalten, die Wahrscheinlichkeit eines solchen Zinsschritts ist aber deutlich gestiegen. So impliziert der Euribor-Future für Dezember eine Rendite von 2,95 Prozent. Vor einer Woche lag sie bei 3,07 Prozent und Anfang September bei 3,23 Prozent.


Selbst die jüngsten Äußerungen von Issing und Papademos änderten nichts an der steigenden Erwartung kurzfristig sinkender Zinsen. Nur die im nächsten Jahr fällig werdenden Kontrakte reagierten mit Kursverlusten, sodass die impliziten Renditen stiegen. Das Verlaufsmuster an den Terminmärkten spiegelt auch die Einschätzung der meisten Volkswirte wider. Konsens ist, dass der Leitzins bis Jahresende auf 3,05 Prozent sinken und bis September 2003 wieder auf 3,20 Prozent steigen wird.

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Die Zinsumfrage ist eine monatliche Befragung leitender Volkswirte internationaler Banken. An der aktuellen Umfrage beteiligten sich 30 Institute.


Der FTD-Konsensus ist der Durchschnitt aller Prognosen zu Leitzinsen, Wirtschaftswachstum und Inflation in der Euro-Zone.


Die Top Ten sind die zehn besten Prognostiker. Bewertet wurden die von den Volkswirten seit Anfang 2000 abgegebenen Zinsprognosen.


Die Marktprognose ist die aus der Zinsstrukturkurve am Geldmarkt errechnete Erwartung für die Leitzinsentwicklung.



© 2002 Financial Times Deutschland

Auge
04.10.2002, 12:54
04.10.2002 - 12:31 Uhr
DAX-Stimmungsindikator (KW 40)
Die Deutsche Börse AG ermittelte in ihrer zweiten Erhebung der DAX-Stimmung, dass trotz der horrenden Kursverluste im September und des Abgleitens des deutschen Börsenbarometers auf das tiefste Niveaus seit November 1996, mittelfristig orientierte Akteure hinsichtlich der weiteren Kursentwicklung optimistisch seien. Auf Sicht von einem Monat seien 69 Prozent der Befragten für den DAX bullish. Dies bedeute in der Praxis, dass weiter in die Schwäche hinzu gekauft wurde. Weiter geht die Deutsche Börse AG vor dem Hintergrund der optimistischen Grundhaltung der vergangenen Wochen davon aus, dass viele Investoren Verbilligungsaktionen der bestehenden Positionen vorgenommen haben.



So könne auf dem optisch billigen Niveau - durch Beimischen zu bestehenden Positionen - der durchschnittliche Einstandspreis erheblich gedrückt werden. Das sei ein typisches Verhalten für Anleger, die im Verlustbereich agieren, da sich ihre Risikofreude ohnehin erhöhe. Als Folge dieses Verhaltens sei davon auszugehen, dass Kurserholungen auf mittlere Sicht nicht mehr so groß ausfallen müssten, um Abgaben dieser Investoren zu provozieren. Die Deutsche Börse AG erwartet Abgaben bereits bei 3.130 bis 3.140 Punkten. Erst wenn dieses Niveau überwunden werde, sollte eine kurzfristige Stabilisierung zu erreichen sein. Angesichts der jüngsten Entwicklung werde die Kaufbereitschaft im Falle weiterer Kursverluste dürftig ausfallen. Eher sei davon auszugehen, dass Stop-Loss-Verkäufe für zusätzlichen Druck sorgen werden.




Verhältnis Optimisten zu Pessimisten



Bullish sind 69 Prozent (ggü. Vorwoche +14 Prozent)



Bearish sind 20 Prozent (ggü. Vorwoche -14 Prozent)



Neutral sind 11 Prozent (ggü. Vorwoche +/- 0 Prozent)



Der Stimmungsindikator für den DAX beschreibt den Optimismus im Verhältnis zu den pessimistischen und neutralen Erwartungen für den DAX sowie die prozentuale Veränderung dieser Werte zur Vorwoche. Der DAX-Sentiment-Index ist kein Prognose-Instrument der Deutschen Börse, sondern spiegelt die Erwartungen der Marktteilnehmer wieder. Der Index verhält sich häufig als Kontra-Indikator. Überwiegen zum Beispiel pessimistische Markteinschätzungen, deutet dies in der Regel auf in der Zukunft steigende Kurse hin. Historische Daten zum Index liegen seit Anfang August vor.



Basis von Marktstimmungsindizes sind Umfragen bei Marktteilnehmern. Für den DAX -Sentiment-Index erhebt die Deutsche Börse immer Mittwochs die Einschätzung von rund 150 institutionellen Investoren, ob der Aktienindex DAX in den nächsten 30 Tagen steigt, fällt oder sich seitwärts bewegt. Wesentliches Qualitätsmerkmal des Index ist die Tatsache, dass nur die Einschätzungen von aktiven, im Markt investierten Teilnehmern abgefragt werden. Dabei stellt die Deutsche Börse als neutrale Instanz vor allem die Datenqualität und -kontinuität sicher, bereitet die Daten auf und anonymisiert sie. Cognitrend wertet die Daten aus, berechnet und interpretiert den Sentiment-Index.

Quelle: Finanzen.net

Gordon Shamway
04.10.2002, 15:16
Datum: 04.10. 14:31 US: Arbeitslosenquote fällt unerwartet


Die Arbeitslosenquote fiel im September unerwarteter Weise auf 5.6 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Februar. Erwartet wurde ein Anstieg auf 5.9 Prozent.

Andere Komponenten der Arbeitsmarktdaten fielen allerdings beunruhigender aus. So strichen US-Unternehmen 43,000 Stellen von ihren Lohnlisten, während der Markt einen Zuwachs erwartete.

Die Lohnlisten für August wurden von einem ursprünglich berichteten Anstieg von 39,000 auf 107,000 revidiert.

Im Fabrikensektor wurden 35,000 weniger Stellen gemeldet, während der Einzelhandel im September 16,000 Stellen strich. Das Baugewerbe senkte die Beschäftigtenzahl im vergangenen Monat um 1,000. Das Dienstleistungsgewerbe schuf 28,000 neue Stellen und die Regierung stellte 4,000 neue Mitarbeiter ein.

Der durchschnittliche Stundenlohn stieg um 0.3 Prozent auf $14.87 und lag damit innerhalb der Erwartungen. Die durchschnittliche Arbeitswoche verlängerte sich um 12 Minuten, während Fabrikarbeiter nicht länger arbeiteten. Im Gesamten fiel die Zahl der Überstunden im September.

© Godmode-Trader.de

Auge
04.10.2002, 19:44
04.10.2002 - 16:50 Uhr
Deutsche Bank erwartet globale Zinssenkungen bei Irak-Krieg
Frankfurt (vwd) - Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) werden nach Einschätzung von Deutsche Bank Research "in den kommenden Monaten" die Zinsen um weitere 50 Basispunkte senken. Nachlassendes Wirtschaftswachstum und Kursverluste an den Aktienmärkten dürften die Zentralbanken veranlassen, die Wirtschaft gegen Abwärtsrisiken abzusichern heißt es im neuen globalen "Ausblick. Mit der erwarteten Konjunkturbelebung werden die Leitzinsen der Fed und der EZB auf Jahressicht aber wieder auf 1,75 und 3,00 Prozent erhöht.

"Die Weltwirtschaft scheint aus dem Tritt gekommen", konstatieren M. Cary Leahey und Peter Hooper. In den USA sinke das Wachstum wieder unter die Trendrate, Hoffnungen auf eine merkliche Erholung in Euroland müssten auf 2003 verschoben werden und in Japan zeichne sich nur ein moderater Aufschwung ab. Besorgt heißt es weiter: "Anfang 2003 könnte die Weltwirtschaft parallel zu einer dann von uns für wahrscheinlich gehaltenen Invasion im Irak deutliche Schwächesymptome zeigen. Zwar rechnen wir mit einem raschen Sieg der USA, im Vorfeld der Invasion könnten jedoch die Ölpreise in die Höhe schnellen und die Aktienkurse einbrechen."

Zur Jahresmitte 2003 sieht Deutsche Bank Research die Lage dann wieder günstiger, ausgehend von einem Regimewechsel in Irak, womit "dann wieder mehr Öl in die Märkte gelangen und sich das Vertrauen und die Finanzmärkte erholen dürfte". Es bleibe aber das Risiko bestehen, dass es selbst bei einem raschen militärischen Erfolg der USA zu einem "double dip" kommen könne. Dies könnte dann der Fall sein, wenn die US-Verbraucher auf die erlittenen Vermögensverluste mit einer weiter kräftig steigenden Ersparnisbildung reagierten. Dann wäre erst 2004 eine spürbare Erholung von US- und Welt-Wirtschaft zu erwarten.

Die aktuellen Prognosen der Deutschen Bank gehen für 2002/2003 von einem Wirtschaftswachstum in den USA von 2,3/2,9 Prozent, im Euroraum von 0,7/1,2 Prozent und in Japan von minus 0,5/plus 1,6 Prozent aus, die Inflationsraten werden auf 1,7/1,7 Prozent für die USA und auf 2,3/1,9 Prozent für die Eurozone und auf minus 0,9/minus 0,3 Prozent für Japan geschätzt. Insgesamt sollte nach dieser Prognose die Weltwirtschaft 2002/2003 um real 2,7/3,5 Prozent wachsen, das G-7-BIP um 1,4/2,2 Prozent, Asien (ohne Japan) um 6,2/6,5 Prozent. Weil trotz Ölpreisanstieg die Inflation mäßig erscheine eröffne sich für die Zentralbanken Zinssenkungsspielraum.

Ein "Krieg mit Irak" sieht Deutsche Bank Research an den Ölmärkten weitgehend eingepreist, die Nachfrage sei schon auf Grund der Aufstockung der strategischen Reserven gestiegen. Erhöhte Ungewissheit zu Beginn des Krieges könnten die Risikoprämien weiter steigen lassen. Bei einem Erfolg der USA sollte aber rasch wieder eine Korrektur eintreten.

Der Ölmarkt-Ausblick der Deutschen Bank sieht dabei wie folgt aus: Der Ölpreis bleibt mit 26 bis 30 USD je Barrel auch im ersten Quartal 2003 hoch im Vorfeld einer möglichen Invasion im Irak dürften die Ölpreise in der Spitze 35 USD je Barrel erreichen. Die Rückkehr zu Preisen von 20 USD je Barrel hänge vor allem vom "erfolgreichen Abschluss des Irak-Konflikts ab der sich bereits relativ früh im ersten Quartal 2003 abzeichnen dürfte".
+++ Hans Hutter
vwd/4.10.2002/hu/ptr

hoellenfuerst
04.10.2002, 21:17
MILLIARDENVERLUSTE

Seit knapp einer Woche sind alle Häfen der US-Westküste dicht. Wenn der Handel nicht bald wieder fließt, wird dies nach Meinung von Experten irreparable Schäden bei Unternehmen beiderseits des Pazifik anrichten.

San Francisco - "Wir haben jetzt jeden
alarmiert, den wir in Washington kennen", sagt Gordon Segal, Chef der Möbelhandelskette Crate & Barrel. "Wenn das noch eine Woche so weitergeht, wird das ein Desaster", so der Manager gegenüber dem "Wall Street Journal".

Größte Befürchtungen hat auch Andy Xie, Chefökonom von Morgan Stanley in Hongkong. "Wenn die Schließung der Häfen noch einen Monat andauert, fällt Ostasien in die Rezession", schreibt er in einem aktuellen Kurzbericht. "Das hätte furchtbare Konsequenzen für die Weltwirtschaft".

Grund dieser Ängste ist die Schließung

der 29 Häfen an der US- amerikanischen Westküste seit knapp einer Woche. 10.500 Hafenarbeiter, die vorher durch Bummelstreiks Druck gemacht hatten, sind ausgesperrt. Vordergründig ist es ein Arbeitskampf um einen neuen Drei-Jahres- Tarifvertrag. Im Hintergrund geht es um ein viel ernsteres Thema, nämlich um die Einführung neuer Technologien, die viele Frachtarbeiter den Job kosten könnten.

Die Hafenarbeitergewerkschaft besteht darauf, dass ihre Mitglieder künftig mit dem Betrieb der neuen Computer, Scanner und anderen Überwachungsgeräte beauftragt werden. Die 79 Reedereien und Hafenbetreiber, die in der Pacific Maritime Association (PMA) organisiert sind, wollen aber keine Einmischung der überaus mächtigen Gewerkschaft. Medienberichten zufolge richten sich beide Parteien auf langwierige Verhandlungen ein.

Das sind keine guten Nachrichten für die Unternehmen in Asien und den USA. In und vor den geschlossenen Häfen warten mittlerweile mehr als 160 Frachtschiffe. Nach Angaben der "New York Times" kosteten die ersten fünf Tage der Blockade rund fünf Milliarden Dollar. Doch bei einer längeren Blockade der Hauptschlagadern der transpazifischen Wirtschaft steigen die Schäden dem Bericht zufolge exponentiell an. Nach 10 Tagen, so die Zeitung, müssten die Unternehmen schon 20 Milliarden Dollar verkraften. Über die Häfen von Seattle bis San Diego werden jährlich Waren im Wert von rund 300 Milliarden Dollar importiert und exportiert.

Bereits jetzt werden die Lieferengpässe deutlich: Im kalifornischen Fremont hat eine von Toyota und General Motors betriebene Autofabrik ihren Betrieb wegen mangelnden Motoren- und Getriebenachschubs eingestellt. Auch Nissan will seine Werke in Tennessee in der kommenden Woche schließen, sollte der Streit an der Westküste bis dahin nicht beigelegt sein. Ähnliche Probleme rollen auf Ford zu. Nach Angaben der "Seattle Times" importiert der Autobauer rund 360 verschiedene Bauteile aus Asien, die in den USA auf 14 Autofabriken verteilt werden. Mehrere japanische und amerikanische Autofirmen lassen die wichtigsten Bauteile bereits einfliegen - zu den vierfachen Kosten.

Besonders ärgerlich ist der Termin des Hafen-Disputs für den Einzelhandel, wo momentan die großen Lieferungen für das Weihnachtsgeschäft anstehen. So könnten laut einer Studie von Salomon Smith Barney die ausbleibenden Lieferungen von Unterhaltungselektronik allein bei Amazon.com ein Umsatzloch von 118 Millionen Dollar verursachen. Amazon ist für solche Engpässe besonders anfällig, da das Unternehmen mit extrem niedrigen Lagerbeständen arbeitet.

Auch andere Branchen leiden unter den angehaltenen Warenströmen. Amerikanische Obst- und Getreidefarmer bleiben auf ihrer teils verderblichen Ware sitzen, Bananen aus Guatemala verrotten im Bauch der Frachtschiffe. Eisenbahn- und Lastwagenunternehmen, die sonst die Waren von den Häfen ins Land verteilen, müssen ihre Transportdienste zusammenkürzen.

Deshalb wird der Ruf immer lauter, US-Präsident George Bush möge von seinen präsidialen Rechten Gebrauch machen und die unselige Hafen- Blockade beenden. Nach dem so genannten "Taft-Hartley Act" kann Bush das Ende eines Arbeitskampfes erzwingen, wenn die "nationale Gesundheit der USA" gefährdet ist. Dies sei zwar noch nicht der Fall, meint Kommentator Daniel Gross von "Slate.com", "doch es wäre nicht tolerierbar, wenn es zu Weihnachten kein Spielzeug gäbe".

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hoellenfuerst
05.10.2002, 14:32
IWF-Chef Köhler empfiehlt EZB baldige Zinssenkung

Berlin (dpa) - Der Chef des Internationalen Währungsfonds IWF, Horst Köhler, hat der Europäischen Zentralbank eine Verringerung des Leitzinses empfohlen. Er wünsche sich eine baldige Zinssenkung, sagte Köhler der ?Welt am Sonntag?. Der EZB würde eine entsprechende Entscheidung leichter fallen, wenn Strukturreformen ?und damit die Grundlagen für Produktivität und Wachstum in Europa kraftvoll vorangebracht würden?, sagte Köhler der Zeitung.


11:49 am 05.10.2002 - Rubrik: News

hoellenfuerst
05.10.2002, 23:13
IWF-Chef Horst Köhler fürchtet eine Vertrauenskrise in der Weltwirtschaft. Europa müsse jetzt handeln - Interview

WELT am SONNTAG: Herr Köhler, bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank haben Sie vor überzogenem Pessimismus gewarnt. Ist überzogener Optimismus nicht genauso unangebracht?

Horst Köhler: Ja, es gibt mit Sicherheit eine ganze Reihe von unangenehmen Entwicklungen, die die Konjunktur belasten. Aber man sollte die positiven Faktoren nicht übersehen. Die Weltwirtschaft hat eine erstaunliche Widerstandskraft gezeigt, die amerikanische Wirtschaft arbeitet auf einem signifikant besseren Produktivitätsniveau und es gibt Regionen - nämlich Osteuropa und Asien außer Japan - die stabil sind und kräftig wachsen. Die Erfahrung spricht dagegen, dass sich alle Negativrisiken materialisieren. Und deshalb sehe ich keinen Anlass für Weltuntergangsstimmung.

WamS: Der IWF hat seine Wachstumsprognosen mehrfach nach unten korrigiert und wurde so von der Realität eingeholt.

Köhler: Wir rechnen insgesamt damit, dass sich die Erholung der Weltwirtschaft fortsetzt, wenn auch holprig und mit einem beträchtlichen Maß an Ungewissheit. Wenn man an zu optimistischen Prognosen festhält, dann glauben die Märkte, wir machen Schönfärberei. Der IWF-Chef und auch die Politik sollten in die fachlichen Analysen der Experten nicht eingreifen. Das hat mir im vergangenen Jahr manche kritische Stimme eingebracht. Vor allem Länder, die vor Wahlen stehen, wollen gute Zahlen sehen.

WamS: Würden Zinssenkungen der Notenbanken helfen, die Wirtschaft anzukurbeln?

Köhler: Ich denke schon. Vor allem müssen die Notenbanken aber ihren Auftrag wahrnehmen und auf Geldwertstabilität achten. Ich gehe davon aus, dass die Notenbanker die Frühindikatoren für Inflation und Konjunktur sehr genau beobachten werden, so dass notwendige Entscheidungen umgehend getroffen werden können.

WamS: Sie rechnen mit einer baldigen Zinssenkung der EZB?

Köhler: Ich wünschte mir das. Vermutlich würden Herrn Duisenberg und seinen Kollegen eine Entscheidung leichter fallen, wenn sie wüssten, dass Strukturreformen und damit die Grundlagen für Produktivität und Wachstum in Europa kraftvoll vorangebracht würden. Hier liegt aber der Hund begraben. Schauen Sie sich Deutschland an: Der Arbeitsmarkt ist katastrophal überreguliert, die Kosten im Gesundheitswesen laufen aus dem Ruder, die Universitäten sind ineffizient und Hans Eichel hat Mühe, das Maastricht-Kriterium einzuhalten, weil die strukturellen Haushaltsdefizite eher wachsen. Deutschland braucht dringend Reformen. Das kann man nicht mit Zinssenkungen heilen.

WamS: Die Strukturreformen stehen seit Jahren auf der Agenda und werden nicht angepackt.

Köhler: Aber die Lage ist dramatisch. Vor allem die großen Länder - Deutschland, Frankreich und Italien - werden ihrer Verantwortung nicht gerecht. In den neunziger Jahren hat jeder von der starken Wachstumsdynamik der Amerikaner profitiert. Jetzt kommentiert man - zum Teil hämisch - das riesige Leistungsbilanzdefizit der USA. Die Europäer vergessen dabei, dass es nicht zuletzt auch die amerikanischen Konsumenten waren, die Europa bisher vor einer Rezession bewahrten. Ich kann die Wehleidigkeit der Europäer nicht mehr akzeptieren. Auf der einen Seite jammert man über die derzeitige Schwäche der USA, bekommt seine eigenen Strukturprobleme aber nicht in den Griff und erfindet alle möglichen Ausreden, um Wachstumsschwäche und Arbeitslosigkeit zu kaschieren. Die Europäer sind zusammen mit den Japanern gefordert, jetzt endlich aufzuwachen.

WamS: Haben Sie den Kanzler schon angerufen und die Strukturreformen angemahnt?

Köhler: Der IWF mahnt schon seit geraumer Zeit. Ich hoffe aber, dass die Koalitionsverhandlungen durch den Ernst der Lage bestimmt sind.

WamS: Warum ist das politische System in Europa so resistent gegen die notwendigen Reformen?

Köhler: Man wiegt sich zu sehr in der Illusion, man könnte über Parteiprogramme und Korporatismus die harte Wirklichkeit der wirtschaftlichen Knappheit und des heilsamen Wettbewerbs überspielen. Langfristige Strategien und Ehrlichkeit gegenüber dem Bürger und dem Wähler sind Mangelware. Ich bin sehr betrübt, weil Europa damit auch seine geistige Führungsrolle in der Welt vernachlässigt. Von der Agrarpolitik bis zur Arbeitsmarktpolitik wird nur noch verwaltet, und es werden unhaltbare Versprechungen gemacht, die über Milliardensubventionen und Protektionismus vor allem auch zu Lasten der wirklich Armen in der Welt gehen. Es fehlt an Führung für eine klare Wirtschaftspolitik für mehr Wirtschaftswachstum.

WamS: Befürworten Sie den Vorschlag der EU-Kommission, das Zieldatum für einen ausgeglichenen Haushalt von 2004 auf 2006 nach hinten zu verschieben?

Köhler: Der Vorschlag macht Sinn. Wenn die EU-Staaten ihre Haushalte bis 2004 ausgleichen wollen, müssten sie ihre Investitionen immens zurückfahren. Das wäre nicht gut für die Konjunktur. Wenn wir das Zieldatum auf 2006 verschieben, die 3- Prozent-Grenze aber trotzdem eingehalten wird, ist der Stabilitäts- und Wachstumspakt auch weiterhin glaubwürdig. Ich mache mir allerdings große Sorgen, dass mit dem Argument der Konjunkturschwäche und der Verschiebung bis 2006 der Pakt unterhöhlt wird. Das wäre für das langfristige Vertrauen in den Euro schädlich.

WamS: Was, wenn einzelne Länder die 3-Prozent-Grenze sprengen?

Köhler: Das wäre für die Glaubwürdigkeit des Stabilitäts- und Wachstumspakts nicht gut. Ich denke aber, dass wir hier Vertrauen in Hans Eichel und die Länderfinanzminister haben können. Mehr Sorgen mache ich mir zum Beispiel um Frankreichs und Italiens Finanzpolitik.

WamS: Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist wegen der Meinungsunterschiede zum Irak-Krieg belastet. Bringt das die Wirtschaft zusätzlich unter Druck?

Köhler: Es macht die Dinge nicht leichter. Nach den tragischen Ereignissen des 11. September ist die Stimmung in den Vereinigten Staaten verständlicherweise stark von Patriotismus und Emotionen geprägt. Das kann sich auch auf das Verhalten von Verbrauchern und Investoren auswirken.

WamS: Wie lange hält das globale Finanzsystem noch die Baisse an den Börsen und die Nichtbedienung von Unternehmenskrediten aus?

Köhler: Das Platzen von Unternehmenskrediten hat den Rahmen bisheriger Erfahrungen noch nicht überstiegen. Die Banken verfügen insgesamt über gute Kapitalausstattungen. Die Fähigkeit zur Risikoanalyse und Risikosteuerung hat sich signifikant verbessert. Eine systemische Finanzkrise in der Welt sehe ich zurzeit nicht. Das gilt im Übrigen auch für Deutschland, wo die Banken ja auch über Probleme klagen.

WamS: Inwiefern hat die Reputation des Kapitalismus unter den Pleiten von Enron, Worldcom & Co gelitten?

Köhler: Die Reputation hat zweifelsohne gelitten. Enron und Worldcom sind kein Beleg dafür, dass Kapitalismus mit Korruption und Betrug gleichgesetzt werden müssen. Die Amerikaner haben schnell gehandelt und schicken Bilanzfälscher künftig ins Gefängnis. Die Vorfälle geben jetzt auch Anlass, die Transparenz von Unternehmensdaten weiter zu verbessern und Regeln zu definieren, die Interessenkonflikte in Finanzinstitutionen besser vermeiden helfen. Es ist auch gut, dass bereits beschlossen wurde, internationale Buchungsregeln zu harmonisieren. Die Skandale haben darüber hinaus deutlich gemacht, dass sich gute Unternehmensführung nicht nur an der Höhe des Gewinns feststellen lässt. Es wird jetzt auch über Ethik in der Unternehmensführung diskutiert. Das ist gut so und wird zur Selbstkorrektur führen. Marktwirtschaftliche Wirtschaftssysteme sind nicht perfekt. Es gibt aber nichts Besseres.

WamS: Wie kam es aus Ihrer Sicht zu der Fehlentwicklung?

Köhler: Ich habe schon Mitte der neunziger Jahre - damals noch als Chef des Deutschen Sparkassenverbandes - davor gewarnt, dass sich eine gewaltige Diskrepanz aufbaut, wenn für Unternehmen dauerhafte Kapitalrenditen von teilweise mehr als 50 Prozent erwartet werden, die Volkswirtschaft aber insgesamt nur um zwei bis drei Prozent wächst. Die Blase von Gier, Realitätsverlust und Herdenverhalten ist jetzt geplatzt. Am Herdenverhalten haben sich im Übrigen nicht nur Analysten, sondern auch Politiker und Journalisten beteiligt. Wir sollten jetzt aber das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Historisch waren alle bedeutenden Erfindungen und ökonomischen Innovationen von spekulativen Exzessen begleitet.

WamS: Keine Börsengänge, rückläufige Kreditentwicklung. Wie stark leidet die Weltwirtschaft darunter, dass es zurzeit kein neues Kapital gibt?

Köhler: Wir haben im Kern kein Finanzproblem, sondern eine Vertrauenskrise, die durch extreme Unsicherheiten geschürt wird. Wir müssen Vertrauen schaffen, dann bekommen wir auch die Finanzierungsfragen in den Griff.

WamS: Mit dem 30-Milliarden-Dollar-Kredit an Brasilien ist der IWF wieder einmal in die Bresche gesprungen. Wir dachten, die Zeit der Rettungsaktionen sei vorüber.

Köhler: Der IWF hat weit reichende Reformen eingeleitet, und die werden sich auch auszahlen. Der Beistand für Brasilien ist gerechtfertigt, weil sich dieses große, für die Weltwirtschaft wichtige Land, in einem langfristigen positiven Politiktrend befindet. Dazu zähle ich nicht nur die solide Finanz- und Geldpolitik seit einer Reihe von Jahren und das solide Bankwesen. Für mich zählt zu den fundamentalen Verbesserungen in Brasilien auch der ruhige und geordnete demokratische Präsidentschaftswahlkampf. Mit unserer Entscheidung haben wir demonstriert, dass Länder, die im Wesentlichen unverschuldet in Probleme kommen, auch mit rascher Hilfe der internationalen Gemeinschaft rechnen können. Diejenigen, die eine schlechte Politik machen, müssen wissen, dass sie nichts bekommen. Mit der weiteren Präzisierung der Zugangskriterien für IWF-Geld werden wir dies weiter verdeutlichen.

WamS: Sie wollen in Schieflage geratenen Staaten die Möglichkeit einräumen, Konkurs anzumelden. Wem nützt das?

Köhler: Wir wollen eine wesentliche Lücke in der internationalen Finanzarchitektur schließen. Nämlich im Falle einer unhaltbaren Verschuldungssituation eines Staates ein Verfahren haben, das Kreditgeber und Schuldner in die Lage versetzt, das Problem schnell und mit möglichst geringen Kosten zu lösen.

WamS: Die Banken wollen sich vom IWF aber nicht vorschreiben lassen, wann ein Staat in Konkurs zu gehen hat, und wann nicht ...

Köhler: Unser Vorschlag sieht vor, dass nicht der IWF, sondern eine qualifizierte Mehrheit der Gläubiger mit dem Staatsschuldner die Entscheidung für die Einleitung eines Insolvenzverfahrens treffen. Ich bin sehr erstaunt, dass manche Bankenvertreter die Fakten nicht kennen.

Das Gespräch führten Ulrich Reitz und Matthias Wulff.

Zur Person: Horst Köhler

- geboren 1943 in Skierbieszow/Polen
- verheiratet, zwei Kinder
- 1977 Promotion zum Thema "Arbeitsmarktwirkungen des technischen Fortschritts"
- 1969 bis 1976 wissenschaftlicher Referent am Institut für angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen
- 1976 Wechsel in die Politik
- 1990 Als Staatssekretär wird Köhler wichtigster finanz- und wirtschaftspolitischer Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl
- 1993 Köhler übernimmt das Amt des Sparkassenpräsidenten
- 1998 bis 2000 Wechsel an die Spitze der Osteuropabank nach London

hoellenfuerst
05.10.2002, 23:19
Großbanken erwarten leichte Rezession

REUTERS

FRANKFURT A. M. Die Großbanken beobachten die Konjunktur in Deutschland mit wachsender Sorge. Die Deutsche Bank rechnet sogar damit, dass die Wirtschaft zum Jahresende in eine leichte Rezession rutscht. "In diesem und im nächsten Quartal erwarten wir ein negatives Wachstum - dies würde also eine Mini-Rezession bedeuten", sagte Volkswirt Ulrich Beckmann von der Deutschen Bank am Freitag. Für das Gesamtjahr 2002 rechnet er nur noch mit dem Hauch eines Wachstums von 0,1 Prozent. Die Regierungsprognose von rund 0,75 Prozent Wachstum für dieses Jahr gilt damit als überholt. Erst im November wird jedoch die offizielle Prognose im Rahmen der Steuerschätzung revidiert. (Reuters)

hoellenfuerst
06.10.2002, 12:50
B Ö R S E N - N E W S
Finanzexperten für Zinssenkung der EZB - Reformen angemahnt


Wirtschafts- und Finanzexperten haben sich angesichts der lahmenden Konjunktur und der weltweiten Börsenschwäche für eine Senkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) ausgesprochen. Er wünsche sich eine baldige Zinssenkung, sagte der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, in einem Interview der "Welt am Sonntag". Bereits zuvor hatte Köhler Zinssenkungen empfohlen und erklärt, er sehe in den Euroländern derzeit keine Inflationsgefahr, "sondern eher eine Rezessionsgefahr".

Der IWF-Generaldirektor ist zugleich davon überzeugt, dass EZB- Präsident Wim Duisenberg und seinen Kollegen eine entsprechende Entscheidung leichter fallen würde, "wenn sie wüssten, dass Strukturreformen und damit die Grundlagen für Produktivität und Wachstum in Europa kraftvoll vorangebracht würden".

Auch der Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding, befürwortet Zinssenkungen durch die EZB, sofern sich die Lage an den Finanzmärkten weiter zuspitze. "Dann sollte sie vor Jahresende mit den Leitzinsen einen halben Prozentpunkt runtergehen", sagte Schmieding dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

BANK-OF-AMERICA-VOLKSWIRT WARNT VOR REZESSION IN DEUTSCHLAND

Dem Bericht zufolge erwartet der Volkswirt, dass die derzeitige Börsenkrise die Konjunktur in Europa im kommenden Jahr erheblich schwächen wird. Dabei warnte er vor einer möglichen Rezession. Allein der Kursverlust der vergangenen drei Monate werde 2003 etwa 0,4 bis 0,7 Prozent Wachstum kosten, vermutet Schmieding. "Wenn sich die Lage nicht bald bessert, besteht die Gefahr, dass die Wirtschaft im Euro- Raum zeitweilig stagniert, und dass Deutschland sogar kurzzeitig in eine Rezession abgleitet."

Nach Ansicht von IWF-Chef Köhler werden vor allem die großen Länder Deutschland, Frankreich und Italien ihrer Verantwortung hinsichtlich Strukturreformen nicht gerecht. Für Deutschland mahnte Köhler Reformen an: Der Arbeitsmarkt sei überreguliert, die Kosten im Gesundheitswesen liefen aus dem Ruder, die Universitäten seien ineffizient "und Hans Eichel hat Mühe, das Maastricht-Kriterium einzuhalten, weil die strukturellen Haushaltsdefizite eher wachsen", sagte Köhler. Diese Situation lasse sich nicht mit Zinssenkungen heilen.

IWF-CHEF KÖHLER FÜR AUSGEGLICHENE HAUSHALTE ERST IN 2006

Köhler sprach sich für den Vorschlag der EU-Kommission aus, das Zieldatum für einen ausgeglichenen Haushalt von 2004 auf 2006 nach hinten zu verschieben. "Der Vorschlag macht Sinn", sagte er. Wenn die EU-Staaten ihre Haushalte bis 2004 ausgleichen wollten, müssten sie ihre Investitionen immens zurückfahren. "Das wäre nicht gut für die Konjunktur", gab Köhler zu bedenken. "Wenn wir das Zieldatum auf 2006 verschieben, die 3-Prozent-Grenze aber trotzdem eingehalten wird, ist der Stabilitäts- und Wachstumspakt auch weiterhin glaubwürdig."/cs/DP/ak/

hoellenfuerst
06.10.2002, 18:36
Aus der FTD vom 7.10.2002
www.ftd.de/euro-indikator

Von Sebastian Dullien, Berlin FTD-Euro-Indikator zeigt Stagnation im laufenden zweiten Halbjahr an · Börsenschwäche belastet Konsumnachfrage.
Die Wirtschaft der Euro-Zone wird im laufenden zweiten Halbjahr 2002 stagnieren. Das geht aus der Oktober-Auswertung des Euro- Wachstumsindikators der Financial Times Deutschland und der Financial Times hervor.

"Im Quartalsvergleich stagniert die Euro-Ökonomie in der zweiten Jahreshälfte", sagte Hervé Péléreaux vom Observatoire Fran?ais des Conjonctures Economiques (OFCE) in Paris. Das OFCE gehört zu Euroframe, einer Gruppe von acht führenden Wirtschaftsforschungsinstituten aus sieben Ländern, die monatlich den FTD-Euro-Wachstumsindikator errechnet.

Sollte Péléreaux Recht behalten, wird die Euro-Zone in den kommenden Monaten nur sehr knapp an einer neuen Rezession vorbeischrammen. Jeder kleine zusätzliche Schock etwa durch einen neuen Anstieg der Ölpreise könnte bedeuten, dass die Euro-Zone erneut in eine Phase schrumpfender Wirtschaftsleistung gerät.

hoellenfuerst
06.10.2002, 18:54
ftd.de, So, 6.10.2002, 7:00

Alan Levenson, Chief Economist beim US-Vermögensverwalter T. Rowe Price, zählt zum Lager der Optimisten unter den amerikanischen Ökonomen. Rowe vertritt die Ansicht, dass die US-Wirtschaft das Schlimmste hinter sich hat, die Konjunktur- und Börsenkrise sich ihrem Ende nähert.
FTD Herr Levenson, in welchem Zustand sehen Sie die amerikanische Wirtschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt?

Levenson Ich glaube, dass sich die US-Konjunktur in einem frühen Stadium der Erholung befindet. Die Rezession sollte damit von Mitte 2000 bis Ende letzten Jahres gedauert haben.

FTD Ist das bereits die langfristige Erholung, in die so viele Hoffnungen gesetzt werden?

Levenson Ich denke ja, da die Ungleichgewichte, die sich in den Jahren von 1996 bis 2000 herausgebildet hatten, mittlerweile korrigiert sind. Hinzu kommt, dass die aggressive Geld- und Finanzpolitik der Fed das ihrige zum Aufschwung beiträgt.

FTD Die Möglichkeit eines Double Dips, also eines Rückfalls in die Rezession, schließen Sie demnach völlig aus?

Levenson Ja, denn die genannten Faktoren sprechen dagegen. Wir sehen zurzeit den größten Rückgang in der Lagerhaltung seit Beginn unserer Aufzeichnungen. In einigen Bereichen befinden sich die Lagerbestände auf historischen Tiefstständen, was auf eine große Nachfrage hindeutet. Ich sehe deshalb keine Anzeichen für eine weitere Korrektur. Außerdem sollte man bedenken, dass die Fed die Zinsen bis auf das Inflationsniveau abgesenkt hat. Die Geld- und Kreditnachfrage signalisiert, dass wir uns auf dem Pfad zu mehr Wachstum befinden.

FTD Das ist eine recht optimistische Einschätzung angesichts aktueller Probleme wie eines drohenden Krieges gegen Irak. Immerhin dürfte ein solcher Militärschlag nach Schätzungen rund 200 Mrd. $ kosten. Würde das nicht das zarte Konjunkturpflänzchen zum Absterben bringen?

Levenson Der Meinung bin ich nicht. Eine Folge des Militärschlags wären mittelfristig sinkende Öl- und Energiepreise. Durch den starken Anstieg des Ölpreises in den vergangenen Wochen ist das Kriegsrisiko bereits eingepreist. Mittelfristig sinkende Energiepreise würden jedoch dem Aufschwung einen weiteren Schub verleihen.

FTD Ihr Optimismus in allen Ehren, aber wenn die Wirtschaft bereits wachsen würde, müsste man das doch an den Arbeitslosenzahlen sehen. Die verharren weiterhin auf verhältnismäßig hohem Niveau. Besteht da nicht das Risiko, dass die Nachfrage einbricht?

Levenson Nein. Immerhin hat sich die Arbeitslosenrate ja bereits stabilisiert. Dass sie nicht sofort in die andere Richtung weist, ist durchaus natürlich. Erst muss die Wirtschaft deutlich an Fahrt gewinnen, dann folgen die Arbeitsplätze. Schließlich kann man von Arbeitgebern nicht erwarten, dass sie beim geringsten Zeichen einer Konjunkturaufhellung sofort Arbeitskräfte einstellen. Aber die Trendwende ist da, höher werden die Arbeitslosenzahlen nicht mehr steigen. Das sollte auch den Konsum stützen.

FTD Das ist wohl auch bitter nötig, schließlich steht der amerikanische Konsument in dem Ruf, kein Geld für Notfälle zur Seite zu legen und stattdessen fleißig auf Kredit zu kaufen. Tickt da nicht eine Zeitbombe?

Levenson Die neuesten Zahlen sprechen eine andere Sprache. Demnach spart der Durchschnittsamerikaner sehr wohl, nämlich etwa vier Prozent seines monatlichen Einkommens. Außerdem liegen die Vermögen der US-Haushalte auch nach dem zweieinhalbjährigen Bärenmarkt nahe an ihren historischen Hochs. Kein Grund zur Sorge also.

FTD Das passt aber irgendwie nicht zusammen: Einerseits sparen die Leute vier Prozent, andererseits soll das überhaupt keine Auswirkungen auf den Konsum haben?

Levenson Natürlich bestand die Gefahr, dass der Konsums einbricht, aber letztlich ist es nicht dazu gekommen.

FTD Wie sollten Investoren angesichts eines solchen Marktumfeldes agieren?

Levenson Die Zusammensetzung des Portfolios muss stimmen. Es nützt nichts, in einer Branche übergewichtet zu sein, in der Hoffnung, dass die Kurssteigerungen hier in nächster Zeit besonders stark ausfallen werden. Diversifikation ist der Schlüssel zum Erfolg. Außerdem sollten Investoren nicht kurzfristig agieren, sondern eine langfristige Perspektive einnehmen. Trotzdem darf man nicht zu viel erwarten. Die Jahre der fetten Renditen sind für lange Zeit vorbei.

Das Interview führte Martin Diekmann für die Financial Times Deutschland.
? 2002 Financial Times Deutschland

hoellenfuerst
06.10.2002, 19:55
Ministerpräsident Koizumi drängt seinen Wirtschaftsminister Takenaka zu mehr Eile


Tokio - Japan will nach einem Zeitungsbericht seine
Bemühungen im Kampf gegen die Deflation in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft intensivieren und das ursprünglich für das Monatsende erwartete Maßnahmenpaket bereits am 17. Oktober vorlegen. Die Zeitung Ashai Shimbun berichtete am Wochenende, Ministerpräsident Junichiro Koizumi habe Finanzdienstleistungs- und Wirtschaftsminister Heizo Takenaka angewiesen, ein Interimspaket mit Antideflationsmaßnahmen bis zum genannten Zeitpunkt zu erarbeiten, einen Tag vor Beginn einer außerordentlichen Sitzung des Parlaments.

"Ich möchte sofort einen Aktionsplan erstellt haben", zitiert die Zeitung Koizumis Anweisung an Takenaka. Das Paket könnte der Meldung zufolge Maßnahmen wie den Einsatz öffentlicher Mittel zur Beschleunigung des Abbaus der faulen Kredite japanischer Banken zusammen mit Schritten zur Unterstützung kleiner und mittlerer Betriebe umfassen. Vertreter der japanischen Regierung waren bis Redaktionsschluss nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Faule Kredite

Bereits am Donnerstag hatten japanische Medien berichtet, die Tokioter Regierung wolle die Staatshaftung für Bankeinlagen bis zu zwei Jahre später als geplant begrenzen. Sie könnte damit die Wirkung harter Reformen abfedern und den angeschlagenen Finanzsektor stabilisieren. Es werde erwartet, dass die Regierung mit ihren Reformen jetzt Ernst machen und die Banken endlich zwingen kann, ihre faulen Kredite abzuschreiben.

Nach amtlichen Angaben lasten auf den Banken faule Kredite über 424 Milliarden Dollar - Experten schätzen die Dunkelziffer sogar auf das Dreifache. Analysten beschrieben eine Verlängerung der Staatsgarantien mit "Zuckerbrot und Peitsche", weil es den Banken eine Gnadenfrist verschaffe. Die Börse in Tokio erreichte in der Vorwoche die tiefsten Stände seit fast zwanzig Jahren. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe 7.10.2002)

Gordon Shamway
07.10.2002, 00:01
US-Konjunktur steht auf der Kippe
Fallende Aktienkurse lassen Ökonomen vor einer neuen Rezession warnen

Von Martin Halusa
New York - Die derzeitigen Unsicherheiten an der Börse und in der internationalen Politik haben das Risiko deutlich erhöht, dass die amerikanische Wirtschaft erneut in eine Wachstumsdelle, vielleicht sogar Rezession gleiten könnte. Besonders die Wahrscheinlichkeit eines Kriegs gegen den Irak erhöhe die Verletzlichkeit der USA, heißt es in den volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken. Erst jüngst hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen für das Wachstum in Amerika gesenkt - von 2,3 auf 2,2 Prozent in diesem sowie von 3,4 auf 2,6 im kommenden Jahr.

Der starke Rückgang der Aktienpreise - die Kurse an Wall Street befinden sich in der Nähe eines Fünf-Jahres-Tiefs - sei ein Hinweis darauf, dass die Anleger einen Rückfall in die Rezession befürchten, schreibt die New Yorker

Investmentbank Goldman Sachs in ihrer jüngst veröffentlichten Konjunkturanalyse. "Unserer Meinung nach ist diese Furcht nicht Fehl am Platze", heißt es in dem Bericht weiter. Zwar könne ein solcher Ausgang vermieden werden. Ein Anstieg der Ölpreise, ausgelöst durch einen Krieg gegen den Irak, sowie ein weiterer Kursrutsch, könnte jedoch einen Rückgang hervorrufen.

Auch die Vorstandschefs großer amerikanischer Unternehmen warnen vor den negativen Folgen eines Waffengangs im Nahen Osten: Die ohnehin schon fragile Wirtschaft werde zusätzlich bedroht - durch höhere Benzinpreise, durch Kaufzurückhaltung der Verbraucher und durch eine Einschränkung des Reisens. "Dies wäre ein weiterer Negativpunkt, vor allem für die Märkte", sagt Bill Harrison, der CEO von J.P. Morgan Chase auf einem

Managementgipfel in West Virginia. Vor allem wenn sich ein Krieg als kompliziert erweisen würde, wäre dies schlecht für die Wirtschaft.

Der Chef von Delta Airlines, Leo Mullin, sagte, ein Krieg werde "ohne Zweifel" einen Rückgang des Reisens bewirken; schon beim Golfkrieg 1991 seien zehn Prozent weniger Passagiere über den Atlantik geflogen, in den USA war das Reiseaufkommen um fünf Prozent gesunken. Die CEOs erwarten in der zweiten Hälfte dieses Jahres ein Nachlassen der Konjunktur. Im ersten Quartal waren die USA um 5,0, im zweiten um 1,3 Prozent gewachsen.

Die Mehrzahl der Ökonomen erwartet ebenfalls einen Rückgang des Wachstums, wenngleich immer weniger einen Rückfall in die Rezession ("double dip") vorhersagen. Die Rentenhändler an Wall Street, die einen guten Einblick in die Entwicklung der Zinsen haben, sind derzeit gespalten: Die eine Hälfte rechnet mit weiteren konjunkturstimulierenden Zinssenkungen; die andere Hälfte glaubt, dass die Federal Funds Rate bei 1,75 Prozent - dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren - bleibt.

Bill Dudley, Chefökonom von Goldman Sachs, schreibt, dass das Pendel der Risiken derzeit eher ins Negative schwinge. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession sei "relativ hoch". Die Blase an der Börse sei geplatzt, was zu einem Rückgang der Investition führe. Zudem seien die Ungleichgewichte an der Börse noch nicht ausgeglichen. Darüber hinaus nähmen sowohl die Impulse der Fiskal- als auch der Geldpolitik ab. Und bei den Unternehmen der USA könnten noch weitere Skandale ans Tagelicht treten. Schließlich komme das Risiko eines Krieges gegen der Irak hinzu.

Doch nicht alle Fachleute teilen die Ansicht über die negativen Auswirkungen eines Kampfes gegen den irakischen Staatschef Saddam Hussein. Der Präsident der Federal Reserve von Richmond, Alfred Broaddus, sagt, die Folgen eines kurzen Krieg könnten sehr milde, wenn nicht sogar positiv sein. Nach dem ersten Golfkrieg Anfang der 90er Jahre hätten die Märkte von der militärischen Auseinandersetzung profitiert, weil die Unsicherheiten verschwunden seien. Sollte der Krieg allerdings lange dauern, werde es schwierig.


quelle (http://www.welt.de)

Gordon Shamway
07.10.2002, 21:28
Ökonomen rechnen 2003 mit 4,2 Mio. Arbeitslosen
Von Birgit Marschall und Maike Rademaker, Berlin

Angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums rechnen Konjunkturexperten mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland bis Mitte 2003.

Die Zahl der Erwerbslosen, bereinigt um jahreszeitliche Effekte und übliche saisonale Schwankungen, werde bis zum Sommer um mindestens 100.000 auf etwa 4,2 Mio. zunehmen, sagten Ökonomen führender Banken der Financial Times Deutschland.
Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) in Nürnberg gibt Dienstag die neuen Zahlen für die Entwicklung am Arbeitsmarkt im September bekannt. Wie informierte Kreise, die sich auf die BA beriefen, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters mitteilten, ist die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im September gegenüber August nicht mehr weiter gestiegen. Im August hatte sie bei 4,1 Mio. gelegen. Die unbereinigte Zahl sei der Jahreszeit entsprechend um knapp 70.000 von 4,018 Mio. im August auf 3,948 Mio. gesunken.


Konjunkturexperten zeigten sich überrascht von den vorab bekannt gewordenen Daten aus der BA. Sie hatten im Durchschnitt mit einem weiteren Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um etwa 20.000 auf 4,124 Mio. gerechnet. "Das Wachstum ist zu schwach, als dass eine Besserung am Arbeitsmarkt zu erwarten wäre", sagte Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank. Möglicherweise habe die Einstellung von Fluthelfern nach der Hochwasserkatastrophe in Ostdeutschland die Zahlen positiv beeinflusst.



Stabilisierung frühestens 2003 erwartet


Dieser Effekt ist allerdings von nur kurzer Dauer. Bis Juni 2003 geht die Deutsche Bank nicht von einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt aus. Monatlich dürfte die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen bis dahin um 10.000 bis 15.000 weiter ansteigen. "Frühestens im Frühjahr 2003 ist mit einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt zu rechnen", sagte auch Dirk Schumacher von der US-Investmentbank Goldman Sachs.


Jörg Krämer von der Anlagegesellschaft Investment Asset Management schließt eine Wende zum Positiven sogar bis Ende 2003 aus. "Unter der Annahme, dass Arbeitslose nicht künstlich aus der Statistik herausgebucht werden, halte ich einen Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl auf 4,45 Mio. bis dahin für möglich", sagte Krämer.


Auf eine Belebung der Konjunktur reagiert der Arbeitsmarkt in der Regel frühestens ein halbes Jahr später. Forschungsinstitute und Banken sehen zwar trotz des drohenden Irak-Kriegs einen leichten Aufschwung zum Jahresbeginn voraus. Die in den Prognosen für 2003 erwartete Wachstumsrate von etwa 1,5 Prozent gegenüber 2002 wird jedoch unterhalb der so genannten Beschäftigungsschwelle von knapp zwei Prozent liegen: Erst Wachstumsraten von mehr als zwei Prozent garantieren in Deutschland einen anhaltenden Beschäftigungsaufbau.



Auswirkungen der Flutkatastrophe unklar


Einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen könnte allerdings noch die Entwicklung in den von Flut betroffenen ostdeutschen Bundesländern haben. Denn noch ist unklar, wie viele der derzeit kurzarbeitenden Beschäftigten in den Betrieben tatsächlich ihre Arbeit wieder aufnehmen können.


Immerhin ist nach Angaben des Bundesarbeitsministerium die Zahl der Kurzarbeiter dort auf mittlerweile 70.100 in insgesamt 8139 Betrieben gestiegen. Offensichtlich haben demnach in den letzten zwei Wochen noch einmal rund 1100 Betriebe für 10.000 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Die Arbeitsämter übernehmen in diesem Fall für die Kurzarbeit über ein Sonderprogramm des Ministeriums die Sozialversicherungsbeiträge.



© 2002 Financial Times Deutschland

hoellenfuerst
08.10.2002, 21:35
Aus der FTD vom 9.10.2002
www.ftd.de/aktienindizes

Von Tim Bartz, Frankfurt Vor der außerordentlichen Sitzung am Mittwoch des Arbeitskreises Aktienindizes ist eines klar: Die Beratungen dürften ähnlich zäh werden wie die derzeit laufenden Koalitionsverhandlungen von Rot-Grün.
Ob das Gremium bereits Vorschläge für die neuen Indexwelten unterbreitet - nach der von der Deutschen Börse


Die Aufteilung des deutschen Aktienmarktes beschlossenen Neusegmentierung des Aktienmarkts notwendig - war am Dienstag völlig offen. Weitere Sitzungen werden vermutlich folgen müssen.

Der Arbeitskreis legt seit 1987 die Regeln fest, nach denen Werte in die Auswahlindizes der Deutschen Börse aufgenommen werden. Zudem schlägt er der Börse den Austausch von Titeln im Index vor. Entscheidungsbefugnis hat er nicht. Dem Gremium gehören Vertreter von acht deutschen Großbanken, BNP Paribas und UBS Warburg sowie der Börse an.

Arbeitskreis ohne Entscheidungsbefugnis

Die Suche nach einem neuen Indexkonzept sorgt bei den Experten für Diskussionsbedarf. Die Börse hatte am 26. September mitgeteilt, den Aktienmarkt radikal umbauen und die Segmente Neuer Markt für Wachstumsunternehmen und Smax für gering kapitalisierte Firmen Ende 2003 schließen zu wollen.

Ab Anfang 2003 soll der deutsche Aktienmarkt stattdessen in zwei neue Segmente geteilt werden. Während Anwärter für den "Prime Standard" hohe Transparenzrichtlinien erfüllen müssen, um sich dem internationalen Kapitalmarkt zu öffnen, fordert der "Domestic Standard" nur gesetzliche Mindestregeln.

Zwei Indizes unter dem Dax

Außer dem Dax müssen alle Indizes neu geordnet werden, weshalb die Börse auf Vorschläge des Arbeitskreises wartet. Unterhalb des Dax soll es zwei Mid-Cap-Indizes geben. Einer davon soll sich aus den "klassischen" MDax-Firmen der "Old Economy" speisen, der andere aus Technologieunternehmen, wie sie eher im Nemax 50 des Neuen Markts zu finden sind; Arbeitstitel: "MDax 50" und "Nemax 50".

Ganz unten in der "Prime Standard"-Pyramide finden sich die kleinen Werte wie im Smax und der Rest des Neuen Markts wieder. Die Spitze bildet der Dax 30. Auf- und Abstiege sind in beide Richtungen möglich. Ab wann ein Unternehmen aber noch ein "Klassiker" ist oder schon das Prädikat "Hightech" rechtfertigt, ist unklar. "Ich glaube nicht, dass wir am Donnerstag schon ein fertiges Konzept vorlegen können", sagte ein Arbeitskreismitglied der FTD.

Ungewiss ist auch die Zukunft der "35/35-Regel". Sollte sich - wie vermutet - der MDax 50 eher aus den jetzigen 70 MDax-Werten rekrutieren und der Nemax 50 aus den restlichen MDax- sowie zahlreichen alten Nemax-50-Titeln, bestünde eine erhebliche Schieflage. Nach Berechnungen von Sal. Oppenheim hätten 48 der MDax-50-Firmen mehr als 100 Mio. Euro Marktkapitalisierung, im neuen Nemax 50 dagegen nur 18. Da aber unterschiedliche quantitative Kriterien kaum denkbar sind, hätten Hightech-Firmen kaum Chancen auf einen Aufstieg in den Dax - sofern die Investoren Tech-Titel weiterhin so bewerten, wie sie es jetzt tun.

Zukunft der Nemax-50-Derivate ungewiss

Zudem muss das Problem der Nemax-50-Derivate gelöst werden, da die meist lang oder unbegrenzt laufenden Zertifikate kurzfristig nur mit hohen Kosten an die Anleger zurückgezahlt werden können. Denkbar ist daher, den "alten" Nemax 50 bis Ende 2003 zu berechnen, den "neuen" aber schon vorher einzuführen.

Über das Schicksal von MLP und Epcos wird der Arbeitskreis am Mittwoch nicht entscheiden, sondern erst auf seiner regulären Sitzung am 12. November. Dann liegt die Oktober-Rangliste vor. Nach der aktuellen September-Rangliste könnten die beiden Titel ihren Platz im Dax verlieren, weil sie bei der Marktkapitalisierung nicht mehr zu den 45 größten Werten gehören. Mögliche Aufrücker sind nach jetzigem Stand die MDax-Mitglieder Beiersdorf , Continental und die Deutsche Börse selbst.

? 2002 Financial Times Deutschland , ? Illustration: FTD

hoellenfuerst
09.10.2002, 08:34
WIESBADEN - Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, sind die deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten im Juli 2002 im Vorjahresvergleich um 9,7 % auf 5,7 Mrd. Euro gefallen. Gegenueber dem Juni 2002 ist das eine Zunahme um 5,9 %. Die deutschen Ausfuhren insgesamt sind im Juli 2002 gegenueber dem Vorjahresmonat um 0,9 % und gegenueber dem Vormonat um 2,8 % auf 54,8 Mrd. Euro gesunken.

In die EU-Laender wurden im Juli 2002 von Deutschland mit einem Volumen von 29,5 Mrd. Euro 0,8 % weniger Gueter exportiert als im Vorjahr. Hierbei fiel der Rueckgang der Ausfuhren in diejenigen EU-Laender, die nicht der Eurozone angehoeren, mit einem Minus von 3,1 % auf 6,3 Mrd. Euro staerker aus als bei den deutschen Ausfuhren in die Laender der Eurozone (- 0,2 % auf 23,2 Mrd. Euro). Eine deutliche Abnahme war im Juli 2002 auch bei den deutschen Exporten nach Japan zu verzeichnen (- 9,4 % auf 1,1 Mrd. Euro), waehrend nach China 19,3 % mehr Gueter aus Deutschland exportiert wurden (fuer 1,3 Mrd. Euro) als im Juli 2001.

Aus den Vereinigten Staaten wurden im Juli 2002 Waren im Wert von 3,0 Mrd. Euro eingefuehrt. Das waren 19,4 % weniger als zwoelf Monate zuvor und 17,0 % weniger als im Vormonat. Die Einfuhren nach Deutschland insgesamt gingen im Juli 2002 im Vorjahresvergleich um 7,7 % und im Vormonatsvergleich um 5,9 % auf 43,0 Mrd. Euro zurueck. Deutliche Abnahmen gegenueber dem Juli 2001 waren hier neben den Vereinigten Staaten u. a. bei den Importen aus Russland (- 18,1 % auf 1,1 Mrd. Euro) und aus Grossbritannien (- 11,6 % auf 2,5 Mrd. Euro) und Zunahmen gegenueber den Mittel- und Osteuropaeischen Laendern (+ 2,3 % auf 6,2 Mrd. Euro) zu verzeichnen.

Gordon Shamway
11.10.2002, 16:31
Michigan-Index im Oktober überraschend stark gesunken

New York, 11. Okt (Reuters) - Die weiter angespannte Lage am US-Arbeitsmarkt und die Verluste an den Börsen haben das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher in die Wirtschaft ihres Landes Anfang Oktober stärker als erwartet belastet. Der vorläufige Index des Verbrauchervertrauens sank auf 80,4 von 86,1 Punkten im September, wie am Freitag aus New Yorker Finanzkreisen verlautete. Damit fiel der Index den fünften Monat in Folge. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt lediglich einen Rückgang auf 85,7 Punkte vorausgesagt. Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus. Den Angaben aus Finanzkreisen zufolge fiel der Index der gegenwärtigen Bedingungen, der die Einschätzung der aktuellen finanziellen Situation der Verbraucher wiedergibt, im Oktober auf 92,9 (Vormonat 95,8) Punkte. Der Index der Erwartungen für die nächsten zwölf Monate ging auf 72,4 (79,9) Zähler zurück. Der vorläufige Index beruht auf der telefonischen Befragung von rund 300 US-Bürgern. Für die Ermittlung des endgültigen Indexes am Monatsende werden weitere 200 Bürger befragt. phi

Quelle: REUTERS

hoellenfuerst
12.10.2002, 13:15
ftd.de, Fr, 11.10.2002, 17:30

Das Vertrauen der amerikanischen Verbraucher in die Wirtschaft des Landes ist stärker gesunken als erwartet. Die gute Stimmung an den Aktienmärkten konnten die schlechten Daten nicht trüben.
Der vorläufige Index des Verbrauchervertrauens sank auf 80,4 von 86,1 Punkten im September, wie am Freitag aus New Yorker Finanzkreisen verlautete. Damit fiel der Index den fünften Monat in Folge. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt lediglich einen Rückgang auf 85,7 Punkte vorausgesagt.

Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.

Börsen wollen hoch?

Die schwachen Daten konnten die gute Stimmung am Freitag jedoch kaum trüben. Börsianer begründeten dies übereinstimmend mit der überverkauften Lage auf den Märkten. In den USA stieg der Standardwerteindex Dow Jones um 2,8 Prozent auf 7745 Stellen, der technologielastige Nasdaq-Index gewann 2,9 Prozent auf 1198 Punkte. Der Dax stieg um 4,7 Prozent auf 2862 Zähler. Nach Bekanntgabe der US-Daten war er kurzzeitig etwas abgerutscht.

Den Angaben aus Finanzkreisen zufolge fiel der Index der gegenwärtigen Bedingungen, der die Einschätzung der aktuellen finanziellen Situation der Verbraucher wiedergibt, im Oktober auf 92,9 (Vormonat 95,8) Punkte. Der Index der Erwartungen für die nächsten zwölf Monate ging auf 72,4 (79,9) Zähler zurück.

Der vorläufige Index beruht auf der telefonischen Befragung von rund 300 US-Bürgern. Für die Ermittlung des endgültigen Indexes am Monatsende werden weitere 200 Bürger befragt.
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hoellenfuerst
12.10.2002, 15:20
12. Oktober 2002



Wirtschaftliche Stagnation für die Wintermonate erwartet

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)

rechnet in den nächsten Monaten mit einem Steigen der Arbeitslosigkeit. Es komme "ein schwieriger Winter mit einem Wachstum um die Null" auf die Wirtschaft zu, sagte BDI-Präsident Michael Rogowski der Zeitung "Welt am Sonntag". Es gebe keine Branche, die zurzeit "auch nur halbwegs im Aufwind" sei. "Wir befürchten eine ziemlich lange Durststrecke mit volatilen Entwicklungen und ganz schwachem Wachstum. Die Arbeitslosigkeit wird also zunehmen", betonte Rogowski. Die Lage sei nicht gut, "aber die Erwartungen sind noch schlechter".

Zufrieden äußerte sich Rogowski über die bevorstehende Ablösung von Arbeitsminister Walter Riester (SPD). Es sei ihm "wirklich lieber, wenn kein hoher Gewerkschaftsfunktionär in der Regierung sitzt". Riester war vor seiner Berufung in die Regierung stellvertretender Vorsitzender der IG Metall. Es sei jedoch "zunächst nur ein Hoffnungsschimmer, dass die Politik sich etwas unabhängiger macht von gewerkschaftlichen Einflüssen und endlich die Fesseln löst, die zunehmend erwürgen", fügte der BDI-Präsident hinzu.

(N24.de, ddp)

Gordon Shamway
12.10.2002, 16:11
Droht der Welt die japanische Krankheit?

Als ob nicht der wirtschaftlichen Ängste genug wären: die Angst vor einem anhaltenden Bärenmarkt an den Börsen, die Angst vor einem Krieg gegen den Irak mit allen Konsequenzen und die Angst vor wachsender Konsum- und Investitionsunlust. Neuerdings kommt, gewissermassen als Kulmination und Zusammenfassung, die Angst vor der Deflation dazu. Die Medien in den USA und Europa sind voll von entsprechenden Hinweisen, die Ökonomen der grossen Banken und Konjunkturforschungsinstitute sprechen ständig davon, und selbst die Notenbankiers fühlen sich bemüssigt, das Thema aufzunehmen. Wie oft, wenn ein Begriff in Mode kommt, verhält sich jedoch auch hier dessen inflationäre Verwendung umgekehrt proportional zur Qualität der Analyse.

Sind die USA und Europa tatsächlich von dem bedroht, was man auch als japanische Krankheit bezeichnet, also von einem lang anhaltenden Rückgang des allgemeinen Preisniveaus (gemessen etwa am Konsumentenpreisindex), der eine ganze Abwärtsspirale in Bewegung setzt? Die Erwartung sinkender Preise lässt die Konsumenten dann nur das Nötigste kaufen, und sie lässt - in Erwartung eben dieses Szenarios - auch die Unternehmer bei ihren Investitionen äusserste Zurückhaltung üben. Fürwahr eine konjunkturelle Schreckensvision. Japan steckt seit langem in einer solchen Phase und verzeichnet seit 1999 nur noch negative Teuerungsraten. Dazu kommen niedrige Wachstumsraten während mehr als zehn Jahren, ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit und eine wachsende Staatsverschuldung.

Nun ist es nach Boomphasen immer so, dass die Preise für Vermögenswerte einbrechen, die Kredite knapper werden, Konsumenten wie Investoren sich vorsichtiger verhalten. Das sind «normale» Anpassungsprozesse nach Phasen der Überinvestition. Sie sind nötig, um wieder ein Gleichgewicht zu finden. So sieht es jedenfalls die Österreichische Konjunkturtheorie (F. A. von Hayek). Auch wenn sie nicht immer zutreffen dürfte, scheint zumindest der jetzige Abschwung nicht so sehr von externen Impulsen, sondern stärker endogen verursacht zu sein.

Was bringt dann aber verschiedene Beobachter dazu, nun das Gespenst einer Deflation für Europa und die USA nicht nur für möglich zu halten, sondern sogar für wahrscheinlich? Wenn man von jenen absieht, die mit Schreckensszenarien bloss eine keynesianische Ankurbelungspolitik und hohe Lohnabschlüsse rechtfertigen möchten, sind es zum einen gewisse Fehlinterpretationen des Deflationsphänomens. So werden Preisrückgänge bei einzelnen Produktekategorien als Indizien einer deflationären Entwicklung aufgefasst. Preise fluktuieren jedoch immer - und das aus vielen Gründen. Die Veränderung der relativen Preise gehört deshalb zu jeder sich wandelnden Wirtschaft. Mit Deflation hat das nichts zu tun. Das gilt auch für Rückgänge der Produzentenpreise, selbst dann, wenn sie sehr heftig sind oder besonders lange dauern. Produzentenpreise, nicht einmal jene der Fertigwaren, eignen sich nicht für Prognosen der Konsumentenpreisentwicklung. Deshalb kann aus ihrem nun schon eine Weile dauernden Rückgang nicht auf eine Deflation geschlossen werden.

Zum anderen gibt es handfestere Argumente, die die Deflationsthese stützen. Da ist der Hinweis auf rekordverdächtig niedrige Obligationenrenditen, die als Deflationserwartung der Marktteilnehmer interpretiert werden können. Sodann ist die Weltwirtschaft als Folge des durch eine lockere Geldpolitik genährten Investitionsbooms der zweiten Hälfte der neunziger Jahre heute von Überkapazitäten geprägt, die die Preise nach unten drücken. Gleichzeitig dürfte das Platzen der Blase an den Aktienmärkten die Nachfragekraft der Konsumenten schwächen. Die Preise kommen also von zwei Seiten unter Druck. Eine weit verbreitete Variante der Deflationsthese ist zudem jene vom «credit crunch». Sinkende Preise sind ja nur das äussere Symptom eines monetären Phänomens, nämlich des Rückgangs der Geldmenge und der Kredite gemessen an der verfügbaren Gütermenge. Es wird nun behauptet, die Banken stünden angesichts der ungemütlichen Entwicklung ihrer Portefeuilles zunehmend auf der Bremse und sie würden damit die Wirtschaft in die Deflation treiben. Verschärft werde dies durch die rigiden Eigenmittelvorschriften von «Basel II».

So sehr diese Sorgen verständlich sind, viele Fakten sprechen eine andere Sprache. Erstens sind die Teuerungsraten zwar niedrig, aber bis auf wenige Ausnahmen positiv; sie dürften sowohl in Westeuropa als auch in Nordamerika im laufenden Jahr auf gegen oder sogar über 2% zu stehen kommen. Zweitens ist die Geldmengenentwicklung wesentlich lockerer, als es die Teuerungsraten vermuten liessen. Sie liegt zumal in Europa über dem langfristigen Stabilitätspfad. Drittens ist in den Lohnstatistiken keine Deflation zu erkennen. Normalerweise sinken in der Deflation nicht nur die Preise, sondern auch die Löhne. Das ist nicht der Fall. Viertens sind die Bankkredite etwa in der Euro-Zone bis in den August hinein (neuere Zahlen liegen nicht vor) gewachsen; zuletzt hat sich dieses Wachstum sogar beschleunigt. Fünftens ist weder in den USA noch in Europa ein Bankenstrukturproblem ähnlichen Ausmasses wie in Japan auszumachen, was nicht heisst, dass alles zum Besten bestellt wäre. Sechstens schliesslich hat eine Studie des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim unlängst gezeigt, dass Aktienkurse und Konsum nicht sehr stark verknüpft sind: Ein Rückgang des Werts der Aktienvermögen um 10% führt in Deutschland zu einer Abschwächung der realen Einzelhandelsumsätze um 0,5%, und das nur als Gesamteffekt über zwei Jahre hinweg.

Auch aus einem anderen Grund besteht nicht viel Anlass, sich zu fürchten - selbst wenn sich Deflationstendenzen doch deutlicher bemerkbar machen sollten. Die Notenbanken haben nämlich ihre Lektion sowohl aus der Weltwirtschaftskrise als auch aus den Erfahrungen in Japan gelernt. Es waren letztlich wirtschaftspolitische Fehler, welche die Welt in die grosse Depression und Japan in die Deflation gestossen haben. Heute dürften die Stabilitätshüter dagegen, wenn sie die Gefahr heraufziehen sehen, sehr rasch die Zinsen senken, wofür der Europäischen Zentralbank (EZB) beträchtlicher und ihrem amerikanischen Pendant einiger Spielraum zur Verfügung steht.

Einen deutlichen Hinweis für eine solche Haltung hat unlängst das Fed mit der Veröffentlichung der Studie «Preventing Deflation: Lessons from Japan's Experience in the 1990s» geliefert. In ihr und im letzten Jahresbericht des IMF kommt klar zum Ausdruck, dass von beiden Institutionen eine Deflation als noch gravierender als eine Inflation eingeschätzt wird und dass deshalb der Wille vorhanden ist, frühzeitig zu reagieren, obwohl - theoretisch - die Kombination einer auf Produktivitätsgewinnen beruhenden «Deflation» mit Wachstum vorstellbar ist. Wenn sich die Deflationsspirale nämlich einmal zu drehen beginnt, ist es schwer, sich aus ihr zu befreien. Das gilt besonders, wenn Volkswirtschaften hoch verschuldet sind. Die Deflation führt dann dazu, dass die Schuldner immer mehr in ihre Schuld hineinwachsen, anstatt aus ihr herauszuwachsen. Wenn Private in grossem Ausmass ihre Schulden nicht mehr bedienen können, ist das wohl das grössere systemische Risiko als einst die Asien- und die Russlandkrise oder der Fall LTCM, die alle für das Fed Anlass genug waren, für genügend Liquidität zu sorgen. Ausserdem erschwert eine Deflation auch die Geldpolitik, weil sie negative Realzinsen verunmöglicht, die jedoch ein probates Mittel zu ihrer Bekämpfung wären. - Wo ein Wille ist, ist allerdings nicht immer ein Weg, schon gar nicht ein einfacher. Das gilt zum einen, wenn die Rezession eine Folge von Überinvestitionen ist. Dann sind tiefere Zinsen Gift, weil sie Marktbereinigungsprozesse verzögern, das Übel verstärken. Zum anderen befinden sich die europäischen Währungshüter insofern in der Klemme, als sie nur einen Leitzins festlegen können. Das führt derzeit dazu, dass die Realzinsen ausgerechnet für das grösste Land der EU, Deutschland, wegen der deutlich unter dem Durchschnitt liegenden Inflationsrate markant höher sind als in anderen Ländern des Euro-Gebiets - und vor allem höher, als es der Konjunktur frommt. Dennoch scheinen die Deflationsgefahren sowohl in Europa als auch in den USA zurzeit zwar existent, aber nicht besonders drohend: Die Strukturprobleme vor allem des Finanzsektors sind nicht mit jenen Japans vergleichbar, und die Notenbanken scheinen besser auf der Hut zu sein. Diese Wachsamkeit allerdings empfiehlt sich.

G. S
http://www.nzz.ch/2002/10/12/wi/page-kommentar8GFF8

hoellenfuerst
12.10.2002, 17:30
Genf. DPA/BaZ. Das Welternährungsprogramm
(WFP) hat einen Hilferuf an die Weltöffentlichkeit für mehr Spenden gerichtet. Die Organisation sei noch nie mit einer so grossen Zahl von Krisen konfrontiert worden, erklärte eine WFP- Sprecherin am Freitagabend in Genf.

Das WFP habe in Nordkorea bereits die Lebensmittelhilfe für drei Millionen Menschen einstellen müssen. Wegen der mangelnden Finanzierung könne die Organisation auch in Afghanistan nur 60 Prozent der Not leidenden Menschen versorgen. In Angola habe man seit dem Waffenstillstand Zugang zu einer weiteren halben Million Menschen, verfüge jedoch nicht über die notwendigen Mittel.

14 Millionen von Dürre bedroht

In Äthiopien seien erneut 14 Millionen Menschen wegen der Dürre bedroht, in Eritrea sind es 500.000 Menschen. Dem WFP fehlten zudem Gelder um Bäume zu pflanzen, die die Bodenerosion bremsen. Auch die Hilfsprogramme für eine halbe Million Menschen in den besetzten Palästinensergebieten sind unterfinanziert. In Zentralamerika ist die Lage laut WFP ebenfalls Besorgnis erregend. In den Ländern des südlichen Afrika sind im Januar 14 Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen.

Von dem diesjährigen Haushalt von 2,5 Milliarden Dollar (3,7 Mrd. Fr.) habe die UN- Organisation erst 1,7 Milliarden erhalten, sagte die Sprecherin. "In diesem Jahr treten viele Krisen gleichzeitig auf, die Situation ist aussergewöhnlich", sagte die Sprecherin.

hoellenfuerst
12.10.2002, 21:49
Die große Flut an der Elbe und ihren Nebenflüssen hat der ostdeutschen Bauwirtschaft nicht den erhofften Auftrieb gebracht

Berlin mf - Zwar ist nach den noch unveröffentlichten Zahlen des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie in Berlin die Arbeitslosigkeit im Bundesland Sachsen im September um 1,8 Prozent oder 600 Personen zurückgegangnen verglichen mit dem gleichen Monat im Vorjahr. Gleichzeitig aber stieg die Zahl der arbeitslosen Bauleute in den anderen ostdeutschen Bundesländern.

Vor allem in Thüringen geht es mit dem Bau weiter abwärts: Hier stieg die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter im September um 12,6 Prozent über das Niveau des Vorjahres. Brandenburg kommt mit plus 0,8 Prozent höherer Arbeitslosigkeit noch gut davon. Insgesamt aber erreicht die Bauarbeitslosigkeit in Ostdeutschland mit einem Zuwachs von 3,9 Prozent den höchsten Stand seit 1991, als westdeutsche Statistiker erstmals das Neuland datentechnisch bearbeiteten.

Auch im Westen bleibt der Bau tief in der Krise. Hier stieg die Zahl der Arbeitslosen im September um vier Prozent. Damit sind in ganz Deutschland gegenwärtig etwa 290.000 Bauarbeiter ohne bezahlte Arbeit. Das ist der höchste Stand seit 1995.

hoellenfuerst
12.10.2002, 21:54
Maue Renditen, faule Kredite. Die deutschen Großbanken stecken in ihrer tiefsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik. Sie treiben den Dax nach unten und gelten als Übernahmekandidaten - aber keiner will sie kaufen



Von Ulrich Reitz

Wenigstens einer ist alle Sorgen los. Rolf Breuer erfuhr am Freitag von der Frankfurter Staatsanwaltschaft, dass das Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen seiner Kirch-Äußerungen vom Tisch ist. Den derzeit nicht gerade bequemen Chefsessel bei der Deutschen Bank hat er vor fünf Monaten gerade noch rechtzeitig an Josef Ackermann übergeben. Er führt jetzt gemächlich den Aufsichtsrat und sitzt - bis zum kommenden Frühjahr - auf dem Honoratiorenpöstchen des Bankenverbands- Präsidenten. Ob verdient oder nicht - Ruhestand.

Seine Kollegen von einst haben es weniger gemütlich. Man könnte sagen: Die deutschen Banken haben massiven Abschreibungs- und Restrukturierungsbedarf. Man könnte von mit dem Markt sinkenden Aktienkursen reden, von einer derzeitigen Flaute im Merger-Geschäft oder von zu geringen Margen im Retailgeschäft. Man könnte auch einfach sagen: Die Lage der deutschen Banken ist so schlimm wie nie.

Im internationalen Vergleich fallen deutsche Geldhäuser immer weiter zurück. Die Chefs der Banken versuchen mit Notbremsungen bei Kosten und Personal der Wucht der Krise gegenzusteuern. Erfolge bleiben aber bislang aus. Vor allem im normalen Privatkundengeschäft verdienen die Geldhäuser nur schwer Geld.

Wie dramatisch die Lage der deutschen Banken ist, zeigt ein Blick in die USA: Dort verdienen die Banken gemessen an ihrem Eigenkapital gut doppelt so viel. Die in Basel ansässige Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bestätigt den Trend: In keinem anderen Industrieland - außer in Japan, mit dem sich eigentlich keiner mehr gern vergleichen lassen möchte - zeigt sich das Bankensystem so schwach wie in Deutschland.

Und es könnte noch schlimmer werden: "Ich rechne mit einem starken Bereinigungsprozess", sagt Wirtschaftsprofessor Wolfgang Gerke von der Universität Erlangen-Nürnberg. Weitere Zusammenschlüsse, vor allem auf europäischer Ebene, seien nur noch eine Frage der Zeit. Bereinigungsprozess? Zusammenschlüsse? Im Klartext: Die deutschen Hochfinanziers sind nur noch Übernahmekandidaten.

Die infolge labiler Weltkonjunktur labilen Finanzmärkte, die Finanzkrise in Lateinamerika, das Misstrauen der Anleger durch Bilanzmanipulationen vorwiegend in den USA und die Gefahr eines Krieges gegen den Irak - all das setzt den Finanzinstituten zu. Das Emissionsgeschäft liegt brach. Investmentbanker sitzen vor leeren Terminkalendern und Datenbanken. Sofern sie überhaupt noch sitzen und noch nicht arbeitslos auf der Straße stehen.

"Die Erträge der deutschen Kreditinstitute haben im vergangenen Jahr einen neuen Tiefpunkt erreicht", zieht Manfred Weber, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, eine traurige Bilanz. Und sagt auch gleich dazu: "Im laufenden Jahr sieht es nicht besser aus."

Konjunktur-Kummer und Börsen-Baisse sind nicht allein daran schuld. Die in Form von Sparkassen und Landesbanken staatlich geförderte Konkurrenz kostet die Banken Milliarden. Der deutsche Markt ist von öffentlich-rechtlichen Sparkassen und genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken überschwemmt und die verhageln den Privatbanken die Margen. Der technische Fortschritt, Verhaltensänderungen der Kunden und Internationalisierung des Geschäfts drücken ebenso auf die Bilanz.

Was alles nicht neu ist, jetzt aber offenbar doch überraschend kommt: "Die Banken haben es in fetten Jahren versäumt, sich auf dürre Jahre vorzubereiten", rechnet Bankenexperte Wolfgang Gerke vor. Das räche sich nun: "Die Zeiten der Quersubventionierung sind vorbei."

Die Geldhäuser fahren Kosten und Kreditlinien zurück. Knapp 10 000 Bankstellen fielen seit 1992 weg. Und trotzdem gilt Deutschland als "overbanked". "Die durchschnittlich 1450 Kunden, die auf eine Bankstelle kommen, reichen für ein profitables Arbeiten bei weitem nicht aus", heißt es beim Bankenverband.

Weitere Filialschließungen? Eine Frage der Zeit. Zusammenschlüsse, Übernahmen und Kooperationen - kein Weg führt künftig daran vorbei.

Waren bislang organisationsübergreifende Fusionen mit Sparkassen