gismick
08.08.2002, 11:41
Der Strukturwandel in der Finanzwirtschaft ist lebhaft, der Wettbewerb nimmt an Schärfe zu. Wie wirkt sich dieses auf das Feld der größten Kreditinstitute in Deutschland aus? Welche Häuser geben in den einzelnen Bankengruppen den Ton an, und wo gibt es Verschiebungen?
Es war ein schlechtes Jahr. Zwar stieg die aggregierte Bilanzsumme des gesamten Kreditgewerbes in Deutschland in 2001 um 3,9 Prozent, doch die Ertragskraft der Banken sank erheblich. Im Vorjahr hatte es beim Geschäftsvolumen der Branche noch ein bemerkenswertes Plus von 7,1 Prozent gegeben, so die Daten der Deutschen Bundesbank. Acht von zehn der 100 größten deutschen Kreditinstitute konnten im Jahr 2001 ihre Bilanzsumme steigern, im Vorjahr waren es neun von zehn.
Im Hinblick auf das Geschäftsvolumen behaupten die vier Großbanken klar die Spitzenplätze aller deutschen Institute. Nach der Statistik der Bundesbank halten Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Dresdner Bank und Commerzbank - gemessen an der Bilanzsumme per Jahresende 2001 - gemeinsam einen Marktanteil am gesamten Kreditgewerbe von 16 Prozent. Zum Vergleich: Die Landesbanken und Sparkassen kommen zusammen auf 36, die Genossenschaftsbanken auf 12 Prozent.
Das größte nicht private Institut bleibt auf Rang 5 die WestLB. Landesbanken dominieren auch das Feld bis Rang 17, wobei auffällt, dass die Landesbank Berlin mit einem Rückgang ihrer Bilanzsumme um 9 Prozent von Platz 15 auf 16 fällt und die Landesbanken Schleswig-Holstein und Hessen-Thüringen die Plätze getauscht haben. Das Kieler Institut liegt jetzt vorn auf dem 13. Platz.
Auf Rang 6 ist mit der DZ Bank nunmehr ein genossenschaftliches Institut positioniert, das im September vergangenen Jahres aus der Fusion von GZ-Bank (Vorjahr Platz 19) und DG Bank (Vorjahr Platz 8) hervorgegangen ist. Die DZ Bank nimmt die Zentralbankfunktion für rund 1.400 Volksbanken und Raiffeisenbanken wahr.
Hypobanken: Fusionen ...
Für die Hypothekenbanken war 2001 ein schwieriges Jahr. Niedrige Zinsen stützten das Hypothekarkreditgeschäft, doch die schwache Baukonjunktur und die Konsolidierungsbemühungen der öffentlichen Haushalte drückten auf die Nachfrage, so der Verband deutscher Hypothekenbanken. Im Ergebnis gingen die Kreditzusagen um 11 Prozent zurück. Markant ist der Trend zu Unternehmensfusionen. Zum einen haben sich die Allgemeine Hypothekenbank AG und die Rheinboden Hypothekenbank AG zur Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden AG mit Sitz in Frankfurt zusammengeschlossen. Mit einer Bilanzsumme von 90 Mrd. EUR belegt dieses zur BHW-Gruppe gehörende Institut Rang 15 der größten deutschen Banken. Weiterhin wurden im September 2001 die Bayerische Handelsbank, die Nürnberger Hypothekenbank und die Süddeutsche Bodencreditbank zur HVB Real Estate Bank mit Sitz in München verschmolzen. Diese belegt aktuell Platz 21 der Top 100.
Noch in diesem Jahr werden sich die Hypothekenbanktöchter der drei Frankfurter Großbanken zur Eurohypo AG zusammenschließen. Die fusionierenden Institute - die Deutsche Hypothekenbank Frankfurt-Hamburg AG, die Eurohypo AG und die Rheinhyp Rheinische Hypothekenbank AG - erzielten im vergangenen Jahr in der gewerblichen Immobilienfinanzierung eine kumulierte Vertriebsleistung von 18,4 Mrd. EUR. In der Staatsfinanzierung belief sich der addierte Darlehensbestand auf 138,3 Mrd. EUR. Das Kerngeschäft der neuen Eurohypo AG wird die Immobilien- und Staatsfinanzierung bleiben, wobei der europäische Markt einen Schwerpunkt der Aktivitäten bilden wird. Der designierte Vorstandsvorsitzende, Karsten von Köller, strebt eine »führende Marktposition in der gewerblichen Immobilienfinanzierung in Deutschland und Europa« an. Einen wichtigen Zukunftsmarkt sieht das Institut, das an zehn inländischen und 17 ausländischen Standorten vertreten sein wird, in Nordamerika. Aus dem Ausland sollen auch die Impulse für ein Wachstum des Staatsfinanzierungsgeschäfts kommen.
... und Spezialisierung
Die größte deutsche Hypothekenbank bleibt mit Rang 12 die Depfa Deutsche Pfandbrief Bank AG, die in diesem Jahr ihren Sitz von Wiesbaden nach Frankfurt verlegen und künftig ein Tochterunternehmen der Depfa Bank plc sein wird. Dahinter steht die strategische Neuausrichtung der Depfa Gruppe: Der Konzern wird in eine Immobilienbank - die Aareal Bank AG (vormals Depfa Bank AG) - und eine Staatsfinanzierungsbank - die Depfa Bank plc - geteilt. Während die neue Eurohypo AG auf Risikodiversifizierung durch das Staatsfinanzierungsgeschäft und in diesem Zuge auf größere Geschäftseinheiten setzt, geht es bei der Aufspaltung der Depfa Gruppe darum, dem Staatsfinanzierungsgeschäft einerseits und dem Immobiliengeschäft andererseits jeweils mehr Eigenständigkeit zu verleihen.
Beschäftigung im Wandel
Auf Platz 39 der Rangliste steht mit einer Bilanzsumme von 32,4 Mrd. EUR die größte deutsche Sparkasse: die Hamburger Sparkasse. Sie soll zum 1. Januar 2003 in eine AG unter dem Dach einer Finanzholding umgewandelt werden. Auf Platz 47 folgt die Stadtsparkasse Köln und auf Rang 52 die Frankfurter Sparkasse. Überwiegend mit Sparkassen besetzt ist das untere Viertel der Top 100. Auffällig ist die Personalentwicklung bei den öffentlich-rechtlichen Instituten: Bei den vier größten deutschen Sparkassen sank die Beschäftigung um mehr als 10 Prozent auf insgesamt gut 13.000 Mitarbeiter. Allein die beiden führenden Sparkassen haben ihre Beschäftigung um jeweils rund ein Siebtel reduziert. Demgegenüber wuchs das Personal bei den vier größten Landesbanken um knapp 5 Prozent auf gut 39.000 Beschäftigte. Zum Vergleich: Die vier privaten Großbanken haben ihr Personal im vergangenen Jahr um 3 Prozent auf knapp 254.000 Mitarbeiter verringert.
In der Gruppe der Privatbankiers ist Sal. Oppenheim mit einer Bilanzsumme von 9,7 Mrd. EUR das größte Institut und belegt Platz 69. Auf den Plätzen 84 und 88 folgen M. M. Warburg und die SchmidtBank. Mit einer um mehr als ein Drittel gestiegenen Bilanzsumme schaffte die DIBA Allgemeine Deutsche Direktbank AG den größten Sprung innerhalb des Feldes: Sie rückte von Rang 97 auf Platz 78 vor.
Es war ein schlechtes Jahr. Zwar stieg die aggregierte Bilanzsumme des gesamten Kreditgewerbes in Deutschland in 2001 um 3,9 Prozent, doch die Ertragskraft der Banken sank erheblich. Im Vorjahr hatte es beim Geschäftsvolumen der Branche noch ein bemerkenswertes Plus von 7,1 Prozent gegeben, so die Daten der Deutschen Bundesbank. Acht von zehn der 100 größten deutschen Kreditinstitute konnten im Jahr 2001 ihre Bilanzsumme steigern, im Vorjahr waren es neun von zehn.
Im Hinblick auf das Geschäftsvolumen behaupten die vier Großbanken klar die Spitzenplätze aller deutschen Institute. Nach der Statistik der Bundesbank halten Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Dresdner Bank und Commerzbank - gemessen an der Bilanzsumme per Jahresende 2001 - gemeinsam einen Marktanteil am gesamten Kreditgewerbe von 16 Prozent. Zum Vergleich: Die Landesbanken und Sparkassen kommen zusammen auf 36, die Genossenschaftsbanken auf 12 Prozent.
Das größte nicht private Institut bleibt auf Rang 5 die WestLB. Landesbanken dominieren auch das Feld bis Rang 17, wobei auffällt, dass die Landesbank Berlin mit einem Rückgang ihrer Bilanzsumme um 9 Prozent von Platz 15 auf 16 fällt und die Landesbanken Schleswig-Holstein und Hessen-Thüringen die Plätze getauscht haben. Das Kieler Institut liegt jetzt vorn auf dem 13. Platz.
Auf Rang 6 ist mit der DZ Bank nunmehr ein genossenschaftliches Institut positioniert, das im September vergangenen Jahres aus der Fusion von GZ-Bank (Vorjahr Platz 19) und DG Bank (Vorjahr Platz 8) hervorgegangen ist. Die DZ Bank nimmt die Zentralbankfunktion für rund 1.400 Volksbanken und Raiffeisenbanken wahr.
Hypobanken: Fusionen ...
Für die Hypothekenbanken war 2001 ein schwieriges Jahr. Niedrige Zinsen stützten das Hypothekarkreditgeschäft, doch die schwache Baukonjunktur und die Konsolidierungsbemühungen der öffentlichen Haushalte drückten auf die Nachfrage, so der Verband deutscher Hypothekenbanken. Im Ergebnis gingen die Kreditzusagen um 11 Prozent zurück. Markant ist der Trend zu Unternehmensfusionen. Zum einen haben sich die Allgemeine Hypothekenbank AG und die Rheinboden Hypothekenbank AG zur Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden AG mit Sitz in Frankfurt zusammengeschlossen. Mit einer Bilanzsumme von 90 Mrd. EUR belegt dieses zur BHW-Gruppe gehörende Institut Rang 15 der größten deutschen Banken. Weiterhin wurden im September 2001 die Bayerische Handelsbank, die Nürnberger Hypothekenbank und die Süddeutsche Bodencreditbank zur HVB Real Estate Bank mit Sitz in München verschmolzen. Diese belegt aktuell Platz 21 der Top 100.
Noch in diesem Jahr werden sich die Hypothekenbanktöchter der drei Frankfurter Großbanken zur Eurohypo AG zusammenschließen. Die fusionierenden Institute - die Deutsche Hypothekenbank Frankfurt-Hamburg AG, die Eurohypo AG und die Rheinhyp Rheinische Hypothekenbank AG - erzielten im vergangenen Jahr in der gewerblichen Immobilienfinanzierung eine kumulierte Vertriebsleistung von 18,4 Mrd. EUR. In der Staatsfinanzierung belief sich der addierte Darlehensbestand auf 138,3 Mrd. EUR. Das Kerngeschäft der neuen Eurohypo AG wird die Immobilien- und Staatsfinanzierung bleiben, wobei der europäische Markt einen Schwerpunkt der Aktivitäten bilden wird. Der designierte Vorstandsvorsitzende, Karsten von Köller, strebt eine »führende Marktposition in der gewerblichen Immobilienfinanzierung in Deutschland und Europa« an. Einen wichtigen Zukunftsmarkt sieht das Institut, das an zehn inländischen und 17 ausländischen Standorten vertreten sein wird, in Nordamerika. Aus dem Ausland sollen auch die Impulse für ein Wachstum des Staatsfinanzierungsgeschäfts kommen.
... und Spezialisierung
Die größte deutsche Hypothekenbank bleibt mit Rang 12 die Depfa Deutsche Pfandbrief Bank AG, die in diesem Jahr ihren Sitz von Wiesbaden nach Frankfurt verlegen und künftig ein Tochterunternehmen der Depfa Bank plc sein wird. Dahinter steht die strategische Neuausrichtung der Depfa Gruppe: Der Konzern wird in eine Immobilienbank - die Aareal Bank AG (vormals Depfa Bank AG) - und eine Staatsfinanzierungsbank - die Depfa Bank plc - geteilt. Während die neue Eurohypo AG auf Risikodiversifizierung durch das Staatsfinanzierungsgeschäft und in diesem Zuge auf größere Geschäftseinheiten setzt, geht es bei der Aufspaltung der Depfa Gruppe darum, dem Staatsfinanzierungsgeschäft einerseits und dem Immobiliengeschäft andererseits jeweils mehr Eigenständigkeit zu verleihen.
Beschäftigung im Wandel
Auf Platz 39 der Rangliste steht mit einer Bilanzsumme von 32,4 Mrd. EUR die größte deutsche Sparkasse: die Hamburger Sparkasse. Sie soll zum 1. Januar 2003 in eine AG unter dem Dach einer Finanzholding umgewandelt werden. Auf Platz 47 folgt die Stadtsparkasse Köln und auf Rang 52 die Frankfurter Sparkasse. Überwiegend mit Sparkassen besetzt ist das untere Viertel der Top 100. Auffällig ist die Personalentwicklung bei den öffentlich-rechtlichen Instituten: Bei den vier größten deutschen Sparkassen sank die Beschäftigung um mehr als 10 Prozent auf insgesamt gut 13.000 Mitarbeiter. Allein die beiden führenden Sparkassen haben ihre Beschäftigung um jeweils rund ein Siebtel reduziert. Demgegenüber wuchs das Personal bei den vier größten Landesbanken um knapp 5 Prozent auf gut 39.000 Beschäftigte. Zum Vergleich: Die vier privaten Großbanken haben ihr Personal im vergangenen Jahr um 3 Prozent auf knapp 254.000 Mitarbeiter verringert.
In der Gruppe der Privatbankiers ist Sal. Oppenheim mit einer Bilanzsumme von 9,7 Mrd. EUR das größte Institut und belegt Platz 69. Auf den Plätzen 84 und 88 folgen M. M. Warburg und die SchmidtBank. Mit einer um mehr als ein Drittel gestiegenen Bilanzsumme schaffte die DIBA Allgemeine Deutsche Direktbank AG den größten Sprung innerhalb des Feldes: Sie rückte von Rang 97 auf Platz 78 vor.