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Vollständige Version anzeigen : Deutsche sprechen mit gespaltener Zunge


Odo
19.08.2002, 20:55
Die an US-Börsen gelisteten deutschen Konzerne reagieren widersprüchlich auf den geplanten Zwang zum Bilanzschwur. Während führende Dax-Konzerne und ihr Bundesverband Ausnahmen fordern, meiden einige prominente Abweichler die Konfrontation mit den Amerikanern.

Berlin - Siebzehn Aktien deutscher Konzerne sind an der New Yorker Börse notiert, dazu gehören die Papiere von Siemens, der Deutschen Bank, Bayer und Schering. Im Namen dieser Unternehmen hat der Bundesverband der Deutschen Industrie, der BDI, einen Brief an die US-Börsenaufsicht SEC geschickt. Darin fordert er, nicht alle neuen US-Börsenvorschriften auf ausländische Emittenten anzuwenden.

Technologiekonzern Siemens: Nicht im selben Boot mit Infineon, Allianz & Co.


In einigen Punkten seien die verschärften US-Bestimmungen mit europäischen und deutschen Standards nicht vereinbar, teilte der BDI zur Begründung mit. Vor einer endgültigen Entscheidung solle die SEC mögliche Konflikte mit ausländischen Rechtssystemen näher untersuchen.

Die Mehrzahl der betroffenen Konzerne habe den Aufruf unterschrieben, teilte der BDI lediglich mit. Namen wurden nicht genannt. Nach und nach wird aber aus Kreisen oder durch offizielle Mitteilungen bekannt, wer in den Protest-Chor eingestimmt hat - und wer die Abweichler sind. So haben mit der Allianz, BASF, Bayer, DaimlerChrysler, der Deutschen Bank, der Telekom, E.ON und Infineon zahlreiche Dax-Konzerne das BDI-Anliegen unterstützt.

Das Lager der Dissidenten

Celanese hingegen fährt einen eigenen Kurs und hat den Brief nicht unterschrieben - das bestätigte ein Sprecher des Chemiekonzerns am Nachmittag. Ob dies bedeutet, dass Celanese die SEC-Forderungen vollständig erfüllen werde, wollte der Sprecher nicht beantworten. Auch der Pharma-Konzern Schering, der mit seiner Anti-Baby-Pille Jasmin vom US-Markt abhängig ist, will das Schreiben nach eigenen Angaben nicht unterzeichnen. Der wohl empfindlichste Rückschlag für den BDI: Ausgerechnet der Technologieriese Siemens hat sich - so heißt es zumindest aus Unternehmenskreisen - ins Lager der Dissidenten geschlagen.


Auch die Unternehmen, die den BDI-Aufruf unterschrieben haben, unterstützen nach Angaben des Verbandes die verschärften Börsenregeln des neuen Sarbanes-Oxley-Gesetzes - im Prinzip. Sie weisen aber auf wesentliche, ihrer Ansicht nach problematische Unterschiede zwischen europäischer und amerikanischer Gesetzgebung hin. So sei das US-System eines einheitlichen Boards inkompatibel mit dem zweistufigen, deutschen Vorstands- und Aufsichtsratssystem. Nach deutschem Recht sei der Vorstand als Ganzes für die Geschäftsführung verantwortlich, nicht ein einzelnes Vorstandsmitglied wie der amerikanische Vorstandschef, der CEO.

Ministerin droht mit Vergeltung

Das strittige Sarbanes-Gesetz sieht vor, dass der CEO und der Finanzvorstand (CFO) die Richtigkeit der Bilanzen eidesstattlich versichern. Deklarieren diese Chefmanager falsche Bilanzen als richtig, drohen künftig hohe Geldstrafen und Haft bis zu 20 Jahren. Auch der deutsche Gesetzgeber, so der BDI, habe bereits strafbewehrte Vorschriften eingeführt, die Kursmanipulationen und Marktmissbrauch verhindern sollen. Insofern sei die Androhung weiterer Strafen unnötig.

Bundesjustizministerin Hertha Däubler-Gmelin (SPD) hat unterdessen den EU-Kommissar Frits Bolkestein aufgefordert, seine Initiative gegen die Anwendung des US-Gesetzes auf europäische Firmen fortzusetzen. Bolkestein solle die Amerikaner auch nach Verabschiedung des Gesetzes mit allen Mitteln von dem Vorhaben abbringen. Es sei zwar löblich, dass die Amerikaner das erschütterte Vertrauen in die Finanzmärkte wieder herstellen wollten. "Es kann aber nicht angehen, dass die US-Gesetzgebung gleichzeitig extraterritoriale Auswirkungen anstrebt", so die Ministerin. Sollten die Amerikaner dennoch an ihrem Plan festhalten, drohte Däubler-Gmelin mit einer Gegenreaktion. Mittelfristig werde dann geprüft, ob auch die Regeln, denen US-Unternehmen in Europa unterliegen, verändert und verschärft werden müssten.

gismick
21.08.2002, 13:46
was haben denn deutsche Konzerne zu verschleiern? :rolleyes:

BeFrank
21.08.2002, 21:08
Leipzig - Es sei Unsinn, wenn ein Firmenchef eine Bilanz vereidige, an der tausende Mitarbeiter mitgewirkt hätten, sagte Wiedeking am Rande der feierlichen Eröffnung des neuen Porsche-Werkes in Leipzig. Das Vorhaben, mit der Porsche-Aktie auch an der New York Stock Exchange (NYSE) vertreten zu sein, ist laut Porsche-Sprecher Manfred Ayasse vorerst gestoppt. "Wir warten ab mit unserer Entscheidung, wir machen das davon abhängig, wie sich die US-Börsenaufsicht SEC weiter verhält," sagte Ayasse gegenüber SPIEGEL ONLINE.