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Vollständige Version anzeigen : die zukunft des aktienmarktes


TraderOne
16.06.2001, 12:42
@all,
ich muß offen zugeben, das ich momentan höchst verunsichert bin was die mittelfristige entwicklung der aktienmärkte anbelangt.
ich kann keinerlei zeichen entdecken die auf eine mögliche entspannung der überaus kritischen situation hinweisen würden - so pessimistisch wie im moment bin ich noch nie gewesen. :(

darum würde ich gerne die meinung der boardmember einholen um aktuell zu sehen wie die allgemeine stimmung ist, vielleicht befinde ich mich auch nur in einem persönlichen stimmungstief.

also, gebt mir eure meinung & fühlt euch auch aufgerufen in diesem thread zu posten wie eure aktuelle sichtweise der lage ist.

danke & viele grüße,
TOne
:cool:

schlaubi
18.06.2001, 08:31
@TraderOne

wir befinden uns mitten im Shake Out, d.h. unrentable Firmen gehen pleite oder werden übernommen. Davon profitieren aber die Übernehmenden, denn sie kaufen sich die Technologie und die Kunden billig ein.
Die Medalle hat wie immer zwei Seiten, der Pesimist wird sagen, wenn so viele Pleite gehen leidet die Wirtschaft. Der Optimist wird sagen, daß ist eine seltene Gelegenheit sich neu zu positionieren.
Im Großen und Ganzen werden sich die Märkte die Wage halten, es ist nicht möglich, daß die Gesammtheit verschwindet oder sich vervielfacht, Die Gesamtheit bleibt die Gesamtheit.
Es werden nur die Kleinen verschwinden und dadurch die Großen wachsen.

By
schlaubi

Flinx2000
19.06.2001, 00:15
Hi,

die Verunsicherung ist auch bei mir groß. Man kann argumentieren, daß man sich jetzt in den großen Werten positionieren muß und sollte. Die Frage ist nur wie weit es noch nach unten geht. Die schlechten Nachrichten der letzten 12 Monate sind im Markt enthalten und es hat sich, denke ich, in den letzten ca. 2 Monaten eine Art Boden ausgebildet. Doch die neuerlichen Gewinnwarnungen könnten dafür sorgen, daß ein neuer Boden gesucht werden muß. Wenn ich also jetzt wieder einsteige, muß ich doch damit rechnen, wieder ordentliche Verluste hinnehmen zu müssen. Oder sehe ich das falsch?

Gruß Flinx

PS: Ich hatte ja schon Zweifel ob es richtig war mein Pulver trocken zu halten. Jetzt bin ich froh darüber.

Lt. Data
16.07.2001, 14:50
Hallo

Ich habe was die Aktienmärke angeht ein ganz ganz schlechtes Gefühl! Wenn ich mir z.B. eine langfristige Darstellung des S&P500 anschaue, wird mir himmelangst:

http://www.antizyklischinvestieren.de/analysen/y2000/sp.gif

ich dachte bis vor kurzem, dass höhere Gewinne den Kursansteig der letzten Jahrzehnte rechtfertigen, aber das tun sie nicht. Das ist schön zu sehen. Aktuell haben wir bei einem S&P Kurs von 1200 ein durchschnitts-KGV von etwas über 20 - der historische Durchschnitt liegt bei 14,1!
1929 das Supercrash-Jahr hatten wir ein durchschnitts-KGV von rund 23. Irgendwann werden wir wieder 14 sehen und das entspricht einem S&P Stand von rund 850!!!

deshalb achte ich ab jetzt verstärkt auf fundamentale Kennzahlen.

Lt. Data

TraderOne
17.08.2001, 17:43
meine stimmung ist nach wie vor schlecht - ebenso wie die momentanen zukunftsaussichten. gewöhnlich sagt man den aktienkursen nach das sie der realwirtschaftlichen entwicklung in etwa ein halbes jahr vorauslaufen, was bedeuten würde das wir die meisten insolvenzen/schliessungen/entlassungen usw. bezogen auf den jetzigen tiefststand erst januar/februar sehen würden ... oder aber die indizies korrigieren demnächst stärker nach norden sollten wir jetzt schon im tiefen tal stehen.

i don't think so ... beim kauf der winterbekleidung sollte man dieses jahr bevorzugt thermo einkaufen, hauptsache warm ... ;)

bye,
TOne
:cool:

flu
18.08.2001, 17:38
Gedacht nicht für heute und morgen, eventuell für überübermorgen.
In meinen Beobachtungen beziehe ich mich in erster Linie auf USA.
??? Was für einen Reim macht Ihr euch daraus ???

1. Die Stimmung ist miserabel. Die letzten Optimisten ergeben sich. Die Untergangsszenarien in den Zeitungen nehmen rapide zu.
2. Die Blase ist geplatzt und die Uebertreibung ist bereinigt. (wie weit geht die Uebertreibung nach unten?)
3. Zinsen (alla Greenspan) dürften mit der nächsten Runde ihren Tiefpunkt erreicht haben.
4. Wir können in der Vergangenheit weit zurückschauen und sehen, dass der Markt nahezu immer 6-9 Monate nach dem ersten Zinsschritt gedreht hat. (erster Zinsschritt 03.01.01)
5. Ein Satz von D.Scheiber: Wir beobachten gegenwärtig eine historisch aussergewöhnlich starke Scherenbewegung zwischen Industrieproduktion einerseits die rapide gefallen ist, und Konsumnachfrage andererseits, die sich nur langsam und träge verringert. Diese Missverhältnis kann nicht allzu lange dauern. Schon bald muss wieder produziert werden, um die laufende Nachfrage zu decken.

Noch in Spruch der Kontrarians fällt mir ein: Die Masse hat immer recht ausser am Beginn und am Ende eines Trends, dafür liegt Sie hier mit Sicherheit falsch.

Eine Frage was sagt die P/C Ratio von derzeit 1,07 aus. Woher beziehe ich eine längerfristige Entwicklung der P/C Ratio ?

flu
28.08.2001, 13:31
Noch was

Habt Ihr gesehen, dass der Nasdaq 100 seit einigen Tagen besser abschneidet als der Nasdaq Compo ?

Passt meiner Ansicht nach dazu.

TraderOne
03.02.2002, 13:17
@all,
ich habe diesen älteren thread mal wieder rausgekramt weil mein innerer, persönlicher stimmungsindikator sich mittlerweile verändert hat.

vom absoluten pessimisten habe ich mich mittlerweile zum neutralen investor gewandelt, was folgendes heissen soll:

ich sehe einen langen seitwärtsmarkt vor uns ... wie lange kann ich selbstverständlich nicht sagen. ich denke dieses jahr wird filigranes stockpicking vom feinsten, einige werte werden laufen, andere überhaupt nicht. kurzfristig erwarte ich eine fortsetzung der konsolidierung.

meine devise wird sein persönlich ausgewählte titel zu traden aber ohne skrupel schnell zu verkaufen wenn sich die erwartungen nicht erfüllen. für long positionen fehlen mir die ökonomischen grundlagen.

wie sieht es bei euch aus? gebt mir kurz eure persönliche einschätzung ....

bye,
TOne
:cool:

DaxBroker
03.02.2002, 15:41
Hat der Aktienmarkt denn überhaupt eine Zukunft???

:lol

snahas
03.02.2002, 16:54
das ist wirklich eine gute Frage Daxbroker.
Der Aktienmarkt als solcher wird weiter bestehen. Er ist das Kernstück unseres Wirtschaftssystems. Aber der Begriff Aktienkultur sollte doch mal etwas besser definiert werden.
Ich habe den Eindruck, dass der Aktienmarkt in den 90ern als das Investmentvehikel schlechthin dargestellt wurde. Quasi, als ob die Börse dafür da wäre, den Aktionären ihre Alterssicherung zu garantieren. Das hielt und halte ich für eine gefährliche Entwicklung. Aktien sollten bestimmt ihren Platz in der Vermögensbildung haben, aber der Markt ist nicht dafür eigens geschaffen. Es gab Zeiten, da ist der Markt inflationsbereinigt über 20 Jahre nicht gestiegen. Warum soll es nicht wieder so sein? Man blicke auf Japan und sehe, dass man über 10 Jahre sogar nominal und nicht nur real stark fallen kann.
Dass die Zinssenkungen in den USA nicht den gewünschten Effekt brachten, halte ich für ein grosses Warnsignal. Die USA leben auf Pump. Wenn der Markt die letzten Monate wieder stieg, dann kann es bedeuten: aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Mir ist es eigentlich ziemlich egal, ob der Markt steigt oder fällt. Das schlimmste, was passieren kann, ist eine lange Seitwärtsbewegung mit wenig Volatilität. Ebenso habe ich nackten Horror vor einer Inflation, weil ich nicht genau weiss, wie ich darauf reagieren soll in Bezug meiner Lebensplanung und Vermögensplanung. Klar: Sachwerte: Immobilien, Gold, Schmuck, Kunst. Ich bin aber kein Stratege für solche Dinge und müsste vieles neues lernen.

TraderOne
03.02.2002, 17:03
@daxbroker,
alles hat eine zukunft. jedenfalls solange es existiert.

offen gestanden, ich verstehe den witz nicht ... :confused:

bye,
TOne
:cool:

hoellenfuerst
03.02.2002, 17:42
Sonntag, 03.02.2002, 15:37
Presse: 65 Prozent der Anleger wollen trotz Börsenflaute wieder Aktien kaufen
MÜNCHEN (dpa-AFX) - 65 Prozent aller deutschen Anleger wollen ungeachtet der
Börsenflaute weiterhin in Aktien investieren. Vier Prozent sind sogar so
optimistisch, ihren Aktienanteil im Depot weiter zu erhöhen, ergab eine repräsentative Umfrage des Münchener Marktforschungsinstituts NFO Infratest
ergeben. Im Auftrag des Magazins "Focus" waren dazu 1.918 Anleger befragt
worden.
Zwar hatte fast die Hälfte aller Anleger im vergangenen Jahr mit Aktien und
Investmentfonds Verluste erlitten. Doch 26 Prozent hatten ein ausgeglichenes
Ergebnis und 18 Prozent sogar Gewinn erwirtschaftet. Nur sechs Prozent der Befragten wollen künftig ganz die Finger von Börsen-Geschäften lassen./al/so

HangLoose
03.02.2002, 18:04
moin moin

bevor ich anfange, eins vielleicht vorweg. mein börseneinstieg war ziemlich genau im märz 2000 :). meine "börsenerfahrung" ist also noch als ziemlich gering einzuschätzen und ich seh mich selbst noch als greenhorn. das quasi als entschuldigung vorweg. :)


meine theorie ist folgende: hinter den kulissen tobt ein kleiner machtkampf zwischen den "big boys". die einen sind mittlerweile gut positioniert im markt, die anderen haben eindeutig den einstieg verpaßt und hätten gerne nochmal tiefere einstiegskurse.
mal ein kleines beispiel aus der jüngeren vergangenheit:

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17.01. 14:22
Morgan Stanley - Rundumausblick
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(©BörseGo - http://www.boerse-go.de)

Barton Biggs von Morgan Stanley ist der Ansicht, dass die Gewinne der Unternehmen dieses Jahr durchschnittlich bei $43 je Aktie liegen werden. Weiterhin glaubt er, dass der Bärenmarkt zu 75-80% vorbei sei. Aber erwartet, dass der Markt die Tiefs vom letzten September dieses Jahr nocheinmal testen werde. Auf Jahressicht rechne er mit einem 5-7%-igen Rückgang der Aktienkurse, so der Analyst weiter.

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17.01. 22:01
J.P. Morgan erwartet schnelle und starke Erholung
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(©BörseGo - http://www.boerse-go.de)

John Lipsky, der leitende Volkswirt bei J.P. Morgan erwartet eine Wirtschaftserholung, die "stärker und früher" sein wird, als bisher erwartet.

"Ein starker globaler Wirtschaftsaufschwung steht an," so Lipsky. "Gerade weil die Anschläge des 11. September einen gleichförmigen Abschwung auf internationeler Ebene erzwangen, wird der globale Aufschwung breit und potent sein."

Die Märkte würden überrascht von der Stärke der Erholung sein, so Lipsky weiter. Die Investmentbank geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Quartal "moderat positiv" ausfallen wird, im zweiten Quartal und im zweiten Halbjahr soll das Wachstum auf 2.6 bzw. 3.5 Prozent wachsen. In den USA soll in den letzten drei Quartalen ein Wachstum von 4 Prozent möglich sein.

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hoppsala. also bei mir gehen da alle warnlichter an. wenn ich davon ausgehe, das beide die selben "rohdaten" zur verfügung hatten, frage ich mich doch:
wie kann man denn zu so unterschiedlichen einschätzungen kommen?
und 2. welcher der beiden will mich hier verar...?

sieht man sich dann die aktueellen cot-daten an,
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an denen man meiner meinung nach sehr schön erkennen kann, das die commercials den einstieg im sept. eindeutig verpennt haben. die april-ralley 01 lief übrigens völlig anders ab, damals wurde die ralley von den "big's" "gestartet" und in den anschließenden upmove drehten sie ihre positionen wieder und "würgten" den upmove praktisch ab
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erkennt man, das die commercials ihre shortpositionen langsam aber sicher drehen. von short nach long. das ganze ist zwar noch nicht "dramatisch" aber ein "trend" ist zu erkennen.

frage: würden sie das tun, wenn die wirtschaftsaussichten wirklich so bescheiden sind?

häufig taucht auch das argument auf, der anstieg seit sept. war zu heftig. sicher, der ndx ist in der spitze um ~ 60% gestiegen seit den sept.-lows. aber meiner meinung nach wurde damit nur die übertreibung nach unten in folge der terroranschläge korrigiert. wenn man diesen teil aus dem chart z.b. ausblendet, dann hat die boerse noch gar keinen wirtschaftsaufschwung vorweg genommen.

http://www.ewetel.net/~daniel.guetschow/chart/ndxu.gif


bevor ihr mich nun lyncht, darf ich vielleicht nochmal an meine eingangssätze erinnern:)

ps:die rechte skala beim ndx stimmt natürlich nicht, den tag funzte ti nicht so richtig.

pps: das ich zu "verschwörungstheorien" neige, ist mir bekannt;)

Gruß HangLoose:)

Auge
14.02.2002, 11:40
Gretchenfrage des Anlegers: Droht eine Weltwirtschaftskrise II oder stehen die Aktienbörsen vor einem neuen Aufschwung wie 1995?

Je nachdem wie die Antwort auf diese Frage lautet, muss die Anlagepolitik entsprechend gestaltet werden. Mit absoluter Sicherheit kann niemand diese Frage beantworten, sondern nur mit Wahrscheinlichkeitsgraden.

Seit Mitte September letzten Jahres haben sich die Weltbörsen zum Teil kräftig erholt, und es schien, dass sie nach einer kleinen Pause, am Freitag letzter Woche den Anstieg fortsetzten. Der Anleger konnte also kräftig durchatmen. EZB-Präsident Wim Duisenberg erklärte nach dem G-7 Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs in Ottawa: "Die Gefahr einer globalen Rezession ist nun gebannt." Und die Finanzminister äusserten sich zugleich zuversichtlich, dass Amerika und Europa ihre Konjunkturschwäche bald überwinden werden. Für den Anleger beruhigend waren ebenfalls die Aussagen der Chefökonomin Gail Fosler vom Conference Board: "Die Rezession ist vorbei. Der Aufschwung steht vor der Tür." Sie begründete ihren Optimismus mit der Tatsache, dass es in USA keinen Einbruch der Konsumausgaben gegeben hat. Im Gegenteil sie stiegen im 4. Quartal 2001 um 5,4%. Der Einbruch der Industrieproduktion dagegen hat die Talsohle erreicht, und der Leading Economic Index des Conference Board verzeichnet den grössten Anstieg in Folge seit 1992. Ausserdem fügte sie hinzu, dass das Wachstum der Produktivität sich weiterhin erhöht und so die Vorrausetzung geschaffen hat, dass es zu einer Erholung der Unternehmergewinne kommt.

Ich könnte die Liste der Optimisten beliebig verlängern, ihre Erklärungen jedoch klingen in meinen Ohren wie Gesundbeterei. Als jemand der seit 1995 immer wieder auf die geradezu verantwortlungslos laxe Geldpolitik Alan Greenspans und der Fed hingewiesen hat, sehe ich den Salami-Crash an den Weltbörsen und die jetzt eingetretene globale Rezession als logische Folge dieser Politik und befürchte, der Leidensweg des Anlegers ist noch nicht zu Ende. Ich gebe einfach der Möglichkeit einer grossen Weltwirtschaftskrise eine hohe Wahrscheinlichkeit, ja eine allgemeine Vertrauenskrise in unser kapitalistisches System könnte entstehen. Als 1989 die Mauer in Berlin fiel, und das Ende des Kommunismus in der westlichen Welt beklatscht und gefeiert wurde, haben wir in unserem Jubel vergessen, dass unser System das nächste "Opfer" sein könnte. Schnallen Sie Ihre Sicherheitsgurte an, es kann sehr, sehr turbulent werden.

Meine Argumente für die Wahrscheinlichkeit einer sogenannten Double-Dip-Entwicklung in Amerika und damit in der gesamten Welt kann ich folgendendermassen begründen:

1. Der sprunghafte Anstieg der Konsumausgaben um 5,4% in Amerika erfolgte, weil selbst in einer Rezession die Verbraucher auf "Schnäppchenjagd" waren und ihre Autokäufe der Zukunft bei einem Nullzins-Kredit vorwegnahmen. Nur so kann man erklären, dass der in den letzten sechs Rezessionen mehr oder weniger unverändert gebliebene private Verbrauch in Amerika so stark anstieg. Die Folge wird sein, dass die Verbraucherausgaben schon aus diesem Grunde in den nächsten Quartalen stagnieren werden.

2. Die bisherige Rezession hat es in keiner Weise geschafft, die USA von den Exzessen der 90er Jahre zu befreien: Der amerikanische Verbraucher ist nach wie vor hoch verschuldet, und die Sparquote ist zum Teil negativ geworden.

3. Die US-Unternehmen zeigen nach wie vor rückläufige Gewinne und haben keine "Pricing Power", das heisst sie haben nicht die Möglichkeit steigende Kosten auf die Preise überzuwälzen.

4. Das Leistungsbilanzdefizit verharrt weiterhin auf Rekordhöhe (4% des BIP), und die Gefahr dass die Sparer der Welt aus irgendeinem Grunde nicht mehr bereit sind, dieses Defizit zu finanzieren ist gross (weil sie zum Beispiel das Vertrauen in das System verlieren). Ein Absacken des Dollars wäre die unmittelbare Folge.

Wie könnte diese Vertrauen in den Dollar erschüttert werden? Der Terroranschlag vom 11. September hat dies nicht bewirkt, das wissen wir heute. Aber der im Dezember ausgebrochene Enron-Skandal war wahrscheinlich ein wirtschaftlicher Terroranschlag, der längerfristige Folgen haben wird. Professor Paul Krugman jedenfalls schrieb in der New York Times: "Enron ist der eigentliche 11. September, der den Amerikanern (und der restlichen Welt) einen Spiegel vorgehalten hat, und in diesem Spiegel sehen die Amerikaner eine Blenderkultur, in der Pro-Forma-Gewinne und Finanzticks an die Stelle von simplen Nettogewinnen getreten sind." Der Chef-Ökonom von Standard & Poors, David Wyss, bemerkt dazu: "Es sieht so aus, als hätte der Enron- Zusammenbruch die dritte Blase zum Platzen gebracht - die der Unternehmensgewinne." (Die anderen beiden Blasen waren die Aktienkurse, sowie der Glaube, dass der Technologie-Rausch ohne Ende sein werde.)

Bisher haben alle Ökonomen den Vergleich der japanischen Entwicklung seit 1990 mit den jetzigen Geschehnissen strikt abgelehnt. Beispiel US-Starökonom Rüdiger Dornbusch, der besonders bekannt wurde durch seine Aussage am 10.12.2000 in einem deutschen Wirtschaftmagazin: "Die Angst vor einer Rezession ist typisch europäisch, aber unbegründet, streichen Sie deshalb das Wort Rezession einfach aus Ihrem Sprachschatz. Es wird sie in den USA nicht mehr geben." In seiner letzten Ausgabe veröffentlicht Boerse Online ein Interview mit diesem optimistischen Professor und stellt die Frage, ob nicht die amerikanische Geldpolitiik wie in Japan wirkungslos verpuffen könnte? Darauf die Antwort Dornbuschs: "Amerika ist nicht Japan, wir haben saubere Banken und kein Immobilienproblem." Vielleicht täuscht er sich ja wieder. Ich glaube nach den grossen Pleiten von Enron, Kmart und Global Crossing werden andere folgen. Es war bisher nur die Spitze des Eisbergs. Es kann zu einem allgemeinen Vertrauensschwund kommen, denn selbst der Supertanker General Electric steht unter Verdacht, Bilanzen nicht korrekt veröffentlicht zu haben. Die Aktie hat übrigens rund 10% verloren. Es könnte also den ganzen Bankensektor treffen, und wie in Japan werden die Banken auf einem Buckel fauler Kredite sitzen. Ausserdem besteht die Wahrscheinlichkeit dass in Amerika die bisher resistenten Immobilienpreise ebenfalls eine Korrektur von 20 bis 25% erleiden. Ich empfehle weiterhin eine stark konservative Anlagepolitik mit Schwergewicht auf kurzlaufenden Triple-A- Anleihen, sowie Geldmarktfonds und nur 30% in sogenannten Value-Aktien (Typ Phillip Morris).

Ein österreichischer Freund und Fondsmanager, Hans Georg von Fraydenegg, hat mir 1987 einen Achtzeiler zugeschickt, an den ich mit heute erinnere:

Die Finanzen sind zerrüttet
An der Börse hat es gekracht.
Da habe ich aus meinen Aktien
den Kindern einen Drachen gemacht.
Mit ihm zieh ich zu Felde,
wo leise Lüfte wehn.
Dort kann ich meine Aktien
noch einmal steigen sehn!

Roland Leuschel

14.02.2002

Nobody
14.02.2002, 12:52
Keine Angst vor neuen Tiefs
Investmentbanken fürchten kein „double dip“ an den Aktienmärkten – also ein Fall auf oder gar unter die September-Tiefs. Doch die rasante Kursentwicklung vor der jetzigen Schwächephase begrenzt den Spielraum nach oben. Auf defensive Werte setzen, heißt deshalb die Strategie der meisten Experten.


DÜSSELDORF
Immer mehr Frühindikatoren signalisieren eine Erholung der Wirtschaft. Das überraschende Plus beim US-Bruttoinlandsprudukt im vierten Quartal untermauert den Optimismus. Doch seitdem die Börsen schwächeln und seitwärts pendeln, gewinnen Skeptiker die Oberhand: Droht nach einer kurzen Erholung für Wirtschaft und Börsen ein zweiter Rückfall – ein double dip?

Fakt ist, dass in vergangenen Rezessionen die Wirtschaft nach einer Erholung meist wieder abrutschte. Dafür gibt es auch dieses Mal Indizien. Ökonomen wie Stephen Roach von Morgan Stanley befürchten, dass die enttäuschende Nachfrage der verschuldeten Konsumenten dazu führt, dass die Unternehmen ihre Produktion erneut herunterfahren müssen. Der Chefvolkswirt erwartet nach einer Erholung im Frühjahr erneut einen Einbruch.

Auf der anderen Seite sprechen die vollen Auftragsbücher des verarbeitenden Gewerbes, drastisch gesunkene Lagerbestände, das gestiegene Konsumentenvertrauen und die Entspannung am Arbeitsmarkt für nachhaltiges Wachstum. „Wir glauben, dass die Faktoren zwar ausreichen, um ein double dip zu verhindern – aber nicht, um eine milde Abschwächung im zweiten Halbjahr abzuwenden“, entscheiden sich die Experten bei CSFB für einen dritten Weg. „Das Risiko liegt in der noch unbekannten Breite der Talsohle“, stellt die SEB-Bank fest.

Double dip hin oder her – die Vergangenheit zeigt auch, dass eine Zwischenerholung während einer Rezession maximal ein Quartal dauerte. Anleger wurden „in der Regel nicht auf die falsche Fährte gelockt“, meint Chefvolkswirt Jörg Krämer von Invesco Asset Management. Nur einmal seit dem zweiten Weltkrieg – Anfang der achtziger Jahre – habe es in den USA eine Doppelt-Rezession gegeben. Die Zwischenerholung hielt so lange an, dass Anleger fälschlicherweise vom Beginnn eines nachhaltigen Aufschwungs ausgehen mussten.

Mit Ausnahme von 1981/82 hatten die Börsen aber immer ein sicheres Gespür für die Entwicklung der Wirtschaft. Jeder konjunkturelle Tiefpunkt ging mit einem Tief an den Aktienmärkten einher. Ein Jahr später notierten die Börsen mindestens 20 % im Plus. „Daraus kann gefolgert werden, dass auch in diesem Aufschwung die Wahrscheinlichkeit einer positiven Aktienperformance in den nächsten 12 bis 18 Monaten extrem hoch ist“, meint M.M. Warburg.

Doch weil der Deutsche Aktienindex (Dax) bereits über 20 % vom September-Tief gestiegen ist, äußern sich die meisten Investmenthäuser für die weitere Entwicklung zurückhaltend. Sie rechnen zwar mit einer zügigen Erholung der Wirtschaft. Doch anders als vor einem halben Jahr erwartet kaum noch jemand kräftige Zuwachsraten. Und weil sich die Märkte bereits deutlich erholt haben, meinten Strategen, dass die Börsenluft dünner wird. Während Julius Bär Technologiewerte für ähnlich hoch bewertet hält wie auf dem Höhepunkt der High-Tech-Blase, verweist SEB auf das hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 50 im marktbreiten amerikanischen S & P-Index.

Dementsprechend favorisieren die meisten Analysten eine defensive Strategie. „Wir sind jetzt weniger bullisch für Technologieaktien“ sagt Prudential Securities. SEB empfiehlt, nur Kursrückschläge zu vorsichtigen Zukäufen zu nutzen. Auf der Empfehlungsliste stehen Siemens, Schering, Porsche, Buderus und der Neue-Markt-Wert Pfeiffer Vakuum.

Das Bankhaus M.M. Warburg setzt auf Unternehmen, die eine hohe Dividendenrendite zahlen und mit einem niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnis (Aktienkurs in Relation zur Summe aller Firmen-Vermögenswerte) glänzen. Beide Kriterien erfüllen für Warburg neben Daimler-Chrysler und Commerzbank Kolbenschmidt Pierburg, Dürr, IWKA und Jungheinrich.

Mehr Optimismus für das laufende Jahr verbreitet dagegen Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin: „Enron und die Zunahme an Insolvenzen sind ein Indikator dafür, dass es in den USA nicht so wird wie in Japan.“ Die Strategin sieht die Pleite des Energiehändlers als Zeichen für eine Bereinigung. Zwar sei die erwartete Konjunkturerholung bereits in den Kursen „eingepreist“. Dennoch setzt sie das Kursziel für den Dax auf 6 000 Punkte: „Die Unternehmen restrukturieren sich. Dadurch steigt die Produktion stärker als bislang erwartet.“ Anders als die meisten ihrer Kollegen setzt Traud weniger auf defensive Werte. „Im Aufschwung profitieren mehr Technologie-Aktien, wie Software- und Chipwerte.“

Gruß Nobody

Nobody
24.02.2002, 18:38
Das Kapital: Für Aktien sieht es erst mal gar nicht schlecht aus

Der Aktienmarkt mutet so merkwürdig an, dass einem Angst und Bange werden kann. US-Aktien sind sogar gut ein Jahr nach der ersten Zinssenkung durch die Fed noch deutlich im Minus - und fallen per saldo weiter. Das gibt es nicht so oft.


Äußerst ungewöhnlich ist auch, dass die Börsen die Frühindikatoren ignorieren, die seit Monaten fast rund um die Erde anziehen. Die US-Frühindikatoren sind im Januar zum vierten Mal in Folge gestiegen, kräftig. Sie liegen um drei Prozent über dem Vorjahr. Das hat es zum letzten Mal im Januar 2000 gegeben. Die Produktion wird früher oder später nachziehen. Solange der Konsum nicht einbricht, würde die Wirtschaft schon einen massiven Impuls erhalten, wenn die Firmen nur aufhören, ihre Läger abzubauen.

Die Verbraucher sehen den Lauf der Dinge erstaunlich gelassen. Der Index der Universität Michigan ist zuletzt auf ein 12-Monatshoch gestiegen, vor allem wegen optimistischerer Erwartungen. Auch die Liquidität bleibt überall reichlich. In Japan ist die monetäre Basis im Januar saisonbereinigt um 6,2 Prozent explodiert, im Monatsvergleich.


All das scheint im Moment keine Rolle zu spielen. Vor dem Hintergrund der zu hohen Bewertung, der Sorgen um die Buchführungspraktiken, der makroökonomischen Ungleichgewichte und der Furcht vor einem doppelten Konjunkturrückschlag ist der Verdruss nur allzu verständlich. Es bleibt dabei, dass Aktien auf Sicht der nächsten Jahre ausgesprochen schwache Perspektiven bieten.


Aber das heißt ja nicht, dass der Markt nur fällt. Wie die letzten zwei Jahre zeigen, schöpfen die Anleger zwischendurch immer wieder Hoffnung - auch weil viele das schwache Fundament der Börse nicht wahrhaben wollen. Für die kommenden Monate sind die Aussichten deshalb nicht so schlecht.


Die Zuversicht jedenfalls dürfte mit jedem weiteren verbesserten Konjunkturindikator steigen. Die US-Firmen haben so massiv auf den Abschwung reagiert, dass die Arbeitsproduktivität noch mitten in der Rezession gewachsen ist. Aufs Jahr hochgerechnet ist sie seit März 2001 im Schnitt um 2,3 Prozent gestiegen. Da der Lohnkostendruck gleichzeitig nachlässt - und mit steigender Arbeitslosigkeit weiter sinkt - werden die Margen anziehen, zumindest vorübergehend. Sollte die - eher überverkaufte - Börse unter diesen Umständen nicht wenigstens für eine Weile zu ihren alten Mustern zurückfinden, kann einem tatsächlich Angst und Bange werden.



Diageo


Dem Alkoholriesen Diageo liegt Burger King schwer im Magen. Hohe Marketingausgaben sollen den Verkauf der Fastfood-Tochter erleichtern. Das ist teuer und hat Diageos Ertragswachstum auf 2,4 Prozent gedrückt.


Dabei konnte Diageo mit Edel-Getränken kräftig punkten. Die Spartengewinne sind um 17 Prozent gestiegen, großteils durch Absatzzuwächse. Das Umsatzwachstum war bei Bailey und Malibu zweistellig, bei Smirnoff lag es dank Smirnoff Ice bei 59 Prozent.


Der einstige Gemischtwarenladen Diageo hatte mit der Ausrichtung auf Spirituosen-Topmarken den richtigen Riecher. Auch die Umsetzung stimmt, wie man zuletzt beim Verkauf der Fertiggericht-Firma Pillsbury und der Übernahme von Seagrams Getränkeimperium gesehen hat. Die breitere Produktpallete sollte in Amerika günstigere Bedingungen im Großhandel bringen.


Bloß hat das der Markt längst mit einer Aufwertung belohnt. Der Unternehmenswert liegt jetzt beim 11fachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Das entspricht einem Aufschlag von 20 Prozent gegenüber dem Sektor.


Schon richtig, dass die Weltmarktführer in anderen Segmenten noch teurer sind. So unumstritten wie Coca Cola sind Diageos Marken indes noch lange nicht. Smirnoff Ice etwa ist zwar Marktführer bei Mixgetränken. Aber das ist ein junges Segment mit wankelmütigen Kunden. Zumindest die sensationellen Margen der Wodka-Limonade sind kaum zu halten. Dafür sorgt schon die Konkurrenz - nicht zuletzt die Kooperationen des Bierbrauers Miller sowohl mit Allied Domecq als auch mit Camparis Skyy Wodka.


Schon um den aktuellen Kurs zu rechtfertigen, muss Diageo einiges erledigen: die Rechte auf Seagrams Captain Morgan verteidigen, das Sorgenkind Burger King aufpäppeln und beim verordneten Verkauf von Malibu einen günstigen Preis erzielen. Für Malibu müsten 700 Mio. £ zu haben sein. Burger King sollte sich zur Jahresmitte erholen und wäre dann mindestens 1,5 Mrd. £ wert, was dem 7fachen laufenden Ebitda entspräche.


Immerhin scheint Diageo entschlossen, das Geld den Aktionären zurückzugeben. Ein Rückkaufprogramm über 1,6 Mrd. £ läuft bereits. Weitere Rückkäufe von bis zu 4,3 Prozent des Grundkapitals sind genehmigt, was beim aktuellen Kurs 1,2 Mrd. £ entspräche. Die sind aber nur bei einem deutlich höheren Preis für Burger King denkbar. Und der wäre wohl erst nach längerer Wartezeit zu haben. Zu schnelles Essen ohne Genuß gefährdet bekanntlich die Gesundheit.
Quelle ftd

Gruß Nobody

TheKing
24.02.2002, 19:31
http://www.antizyklischinvestieren.de/analysen/y2000/sp.gif
SP500

Der, der es reinstellte (Lt. Data) schloss daraus verstärkt auf Fundamentales zu achten. Komisch. Ich hätte das Gegenteil getan.

inness
21.08.2006, 23:28
:

Die Finanzen sind zerrüttet
An der Börse hat es gekracht.
Da habe ich aus meinen Aktien
den Kindern einen Drachen gemacht.
Mit ihm zieh ich zu Felde,
wo leise Lüfte wehn.
Dort kann ich meine Aktien
noch einmal steigen sehn!

Roland Leuschel

14.02.2002


was wurde aus dem Börsen und Crashguru Roland Leuschel?